Die Insel Poel in alten Ansichten Band 6

Die Insel Poel in alten Ansichten Band 6

Auteur
:   Jürgen Pump
Gemeente
:   Die Insel Poel
Provincie
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6665-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Die Insel Poel in alten Ansichten Band 6'

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9 Auf einen Stich an der Wand im Ruderhaus macht uns Peter Steinhagen aufmerksam und er weiß natürlich auch darüber eine Menge zu berichten. Als die Weidefläche auf der Lieps 1597 nur noch etwa 1200 Quadratmeter zählte, war jedoch der Walfisch noch groß genug, um als Befestigung zu dienen. Diese Befestigungen waren später jedoch nicht nur den Unbilden der Natur ausgesetzt; auch der Mensch verhielt sich rücksichtslos. So erließ am 17. August

1731 undam 12.Juli 1732 die Stadt Wismar Strafbestimmun gen wegen des Verrückens van Seezeichen und Steinen beim Walfisch, um dadurch die natürliche Widerstandskraft dieses Eilandes nicht noch mehr zu schwächen. Die weithin verstreuten Granitblöcke stammten von den zerstörten Befestigungsanlagen auf dieser Insel. Für die Erstellung von besonders massiven Bauten und ähnlichen Zwecken waren diese Granitsteine sehr begehrt. Es fanden sich sogenannte Böter bereit, diese Steine zu bergen und in den wismarschen Hafen zu bringen. Aber auch Kies wurde bei Stürmen auf die südliche Düne an-

geworfen. Er war als Bausand und auch als Ballastsand gut zu nutzen. Auf Grund der neuen Strafbestimmungen mußten sich die Böter um die Gewinnung von Seesand nach anderen Plätzen in derWismarbucht umsehen. Vor dem kleinen Büdnerund FischerdorfHoben war eine Sandplatte entdeckt worden. Das Abbauen paßte den Einwohnern dort überhaupt nicht in den 'Kram' und man beschloß die Böter mit Stangen und Forken zu vertreiben. Eine Alternative bot sich den Bötern mit der Untiefe Lieps. Mit dem Aufblühen der Wirtschaft wuchs dann auch die Flotte der Sandböter, die mit ihren eigens hierfür flach konstruierten Booten möglichst nahe an die Lieps heranfuhren. Die Anfang der 1920 Jahre mit Motor ausgerüsteten Boote besaßen nun auch einen Greifer für die Sandbaggerung. Doch zurück zur Insel Walfisch. Uns interessiert die jüngere Geschichte, als im Jahre 1830 die Cholera im Lande ausbrach und die Insel als Quarantäne-Station diente. Drei hölzerne Baracken standen den Erkrankten zur Verfügung. Eine Unterkunft für die Betreuer, eine für die Kranken und eine für die

Leichen. Jedoch einige Zeit später ist von dem Bau einer Gaststätte die Rede, die der Konditor Schäfer führte. Badewärter war zu jener ZeitJoachim Rüter. Drei Wismarer Ärzte hatten dort eine Badeanstalt gegründet. Und der Bürgerausschuß in Wismar hatte am 2. März 1 85 2 beschlossen, den Schaufelradschleppdampfer Samson für tägliche Fahrten zwischen Wismar und dem Walfisch zu unterhalten. Zugleich schleppte man Schuten mit Baggergut. Ab dem 11. Juli 1852 beförderte Samson dann mit regelmäßigen Fahrten maximal 80 Personen vom Baumhaus zur Insel. Das Anlandgehen geschah zu Beginn ähnlich wie heute noch auf Helgoland mit Booten. Die Brücke für den Dampfer stellte man dann am 26. August

1852 fertig. Am nördlichen Ende der Insel waren Räume zum Umkleiden und einAufenthaltsraum entstanden. 1858 gab es keine Anlegebrücke mehr und am 6.Januar 1903 wurde die Insel Walfisch unter Schutz gestellt als Vogel- und Naturschutzgebiet. In einem Holzhaus wohnend betreute der Schiffszimmermann Zarnitz mit seiner Frau zusammen diese Station. Das recht kleine Eiland vergrößerte sich aber im Jahre 1948, als das Baggergut vom Eimerkettenbagger Achilles unter Kapitän Prohn für die Vertiefung der Fahrrinne zur offenen See an der Ostseite der Insel aufgespült wurde. Diese Darstellung zeigt hier die Badeanstalt mit dem Schaufelradschleppdampfer Samson; wohl um 1855 etwa.

10 Zur Inselwelt von Poel, Langenwerder und dem Walfisch zählten einst auch die Untiefen Hanibal und die Lieps. Von Kapitän Peter Steinhagen hören wir, auf Lieps soll sogar ein Bauerngehöft gestanden haben. Und er berichtet auch, daß bis zum 3 1. Dezem ber 1 9 2 1 vam Kaufmann Borehers ein Projekt zur Landgewinnung vorgelegt werden sollte, um diese 'sinkende' Insel wieder zum Leben zu erwecken. Vorgesehen war eine Aufschüttung, dann ein Durchstich durch das gewonnene Land als Durchfahrt und Hafen für Fischer und Sportfahrzeuge. Aus diesem Vorhaben wurde aber nichts. Laut Angaben des Verfassers Dr. Crull aus dem Jahre 1866 war die Lieps - früher LIEPZ geschrieben - ein ehemals unbewohntes Weideland gewesen, daß im Laufe der Jahrhunderte unterging. Die verbliebenen Inselreste werden wohl weniger zur Nutzung als Weideflächen von Interesse gewesen sein, sondern vielmehr von strategischer Bedeutung.

Einer Urkunde Herzog Heinrichs IV ist zu entnehmen, daß

er auf das ihm vom Kaiser verliehene Recht, einen Wasserzoll zwischen Wismar und der Insel Poel zu erheben, zugunsten Wismars verzichtete. Für diesen Zweck war vorgesehen, vermutlich auf dem Holm (ab 1627 Walfisch) ein Zollhaus zu errichten. Naturgewalten und Sturmfluten verkleinerten nach und nach das Inselgelände. Besonders die verheerende Sturmflut vom 13. N 0-

vember 1872 hatzum Untergang der Lieps beträchtlich beigetragen und die letzte Grasnarbe fortgespült. prof Dr. M. Braun teilt in seiner wissenschaftlichen Publikation 'Faunistische Untersuchungen in der Bucht von Wismar' aus dem Jahre 1888 zur Insel Lieps mit, daß sie bei hohem Wasserstand unter Wasser steht. Wie gefährlich diese inzwischen zur Untiefe gewordenen Insel werden konnte, beweist die Strandung der Bark Hebe auf der

Lieps nach einem NO-Sturm mit Treibeis. Sie wurde am 24. Januar 1881 von der Adler freigeschleppt; zuvor hatte man die Besatzung nach Timmendorf in Sicherheit gebracht (G. Wulf). Der Schiffshistoriker Günther WentzeI hielt Reste der Insel im Jahre 1949 bei einer Segeltour im Foto fest.

11 Bei unserer Ankunft im Kirchdorfer Hafen fallen uns drei Ungetüme auf Es sind ein Spüler, eine Schute und ein Bagger im Hintergrund. Sie befreien im Jahre 193 1 im Rahmen der Rekonstruierung des Hafens den Hafengrund von Schlamm und Schlick. Diese Arbeiten werden später das Gelände um den Hafen und den Hafen selbst bedeutend verändern. Unmittelbar am Kirchsteig hinter dem heutigen Gelände der Bootswerft richtete man eine Fläche als Spülfeld ein, um dort das geförderte Baggergut abzulagern. Der Schlick füllte somit einen Teil des Wehrgrabens der alten Befestigungsanlage. Und auch die 'Kattenkuhl' (Teich) verschwand unter den Schlickrnassen. Der zwei Meter tiefe Wehrgraben, den einst der Emdener Baumeister Capitain Gerth Evert Piloot um das sogenannte Hornwerk der Kirchwallanlage im Auftrag des Herzogs Adolf Friedrich I. von 1612 bis 1620 anlegen ließ, verschwand durch die Schlamm-

ablagerung ebenfalls. Der Zugang über den Wehrgraben erfolgte vor Jahrhunderten durch zwei Zugbrücken. Bereits im Band 5 war vom Amtsbaumeister Ingenieur Kar! Hoch die Rede, in dessen Händen nicht nur der Bau der PoeIer Brücke im Jahre 1926Iag. Er war auch mit der Projektierung des Schlickfangs und der Slipanlage betraut. An der Rekonstruierung waren auch PoeIer beteiligt. So erkennen wir

im rechten Bildteil am Heck der Schute Hermann Neubauer (Kreuz), der auch am Straßenbau nach Kirchdorfmitwirkte. Unmittelbar links neben Hermann Neubauer sind im Hintergrund die Aufbauten (Eimerkette) des Baggers zu erkennen

(s. auch Band 5, Bild 28/Bagger, Ramme). Das helle Gebäude

am Fuß des Baumes ist die Erfischungshalle von Wilhelm Baumann.

12 Bei unserer Ankunft in Kirchdorf vermissen wir an einem sonnigen Tag die Erfrischungs-Halle van Wilhelm Baumann am Hafen. Hier nahmen wir zur Stärkung bisher einen kleinen Imbiß oder ein eisgekühltes Getränk zu uns. Die Limonade kühlte Wilhelm aufEisstangen, die er von der Kirchdorfer Molkerei bezog (s. Band 2, Bild 11; Band 3, Bild 17). Nun gibt es sie nicht mehr und wir begnügen uns mit einem leckeren Eis an der Eisbude im Iahre 1949. Wer das Eis produzierte, verrät uns ein Schild an dem kleinen schmucken Kiosk. Dort lesen wir: Poeier Genossensch.- / Molkerel Eis Q. P. 0.20. Elf Ialire zuvor, im Iahre 1938,kümmertesich K.F. Lehmbecker um den Eisverkauf In einem amtlichen Papier wird dem Herrn Lehmbecker ein Schreiben zugestellt, in dem folgendes mitgeteilt wird: ' ... wird Ihnen die Erlaubnis erteilt, während der Zeit vom 20. Mai bis zum 30. September 1938 in Kirchdorf eine Verkaufsstelle für Langnese-Speiseeis und Obst zu errichten und die genannten Waren während der Geschäftszeit feilzubieten. Die gleiche Genehmigung erhalten Sie für den

Strand bei Kaltenhof unter der Bedingung, daß die VerkaufsstelIe nicht in unmittelbarer Nähe des Kurhauses Schwarzer Busch aufgestellt wird und der Verkauf nur Mittwoch, Sonnabend und Sonntag stattfindet.' Später, ab dem Iahr 1949, kümmerte sich dann um die Eisproduktion Hanna Burmeister (IesHanna) in der ehemaligen Vorstraße

(V örstrat), heute Wismarsche Straße. Sie betrieb dieses Geschäft bis 1989. Sie erinnert sich noch sehr lebhaft an diese mageren Nachkriegszeiten, in der es an allem mangelte. So stellte sie ihr Eis aus Molke (Abfallprodukt bei der Käseherstellung) , Süßstoff und einem Bindemittel her. Auch am Markt in Kirchdorfbot der Seegrashändler und PensionsbetreiberTankmar Mahncke Speiseeis an.

13 Allerlei Spaßiges erfährt man von alteingesessenen Poelern, wenn sie vom Steinstieg erzählen. DieserWeg war einst die kürzeste Verbindung zwischen den Orten Niendorfund Kirchdorf Er hatte aber seine Tücken, denn die Überquerung des nördlichsten Zipfels der Kirchsee geschah nicht über eine Brücke. Es lagen lediglich nur größere Steine, über die dann balanciert werden mußte. Das ging oft genug daneben; vor allem, wenn die angeheiterten Skatspieler vom Müller Metelmann nach Kirchdorf zurückkehrten und kopfüber in die 'Pluteri' stürzten. Der Steinstieg war auch Treffpunkt der Frauen, um dort am Tage ihre Wäsche zu spülen. Wann genau die Insulaner sich zum Bau einer Brücke entschlossen, konnte nicht präzise herausgefunden werden. Der Zeitzeuge Wilhelm Baumann erinnert sich aber noch recht lebhaft an den Steinstieg und auch vage an den Bau des ersten Bohlenbelages als Brücke. Im Protokoll vom 16. Oktober 1930 lesen wir dann von der vorläufigen Ausbesserung des Brückenbelages. Also eine Bestätigung des Zeitzeugen, daß die Brücke oder dieser Steg

wohl um 1928 etwa errichtet wurde. Es war schlicht nur ein Bohlenbelag ohne Geländer, wie hier dieses Foto aus dem Jahre 1934 zeigt. Dem GastWalter Borchert ist es zu verdanken, daß diese seltene Ablichtung von der Brücke entstand. Er hatte sich vorteilhaft vor der Fotokamera postiert, so daß mit der Kirche, den Wällen und der großen Pappel am Hafen auch der Beweis der Örtlichkeit erbracht war. Den schlechten Zeiten angemessen klingt der folgende Eintrag im Protokoll vom 25 Juni 1949 gar nicht so lustig. Denn die Reparatur der Niendorfer Brücke scheiterte vorerst: ' ... weil es bisher nicht gelungen ist, die notwendigen Nägel zu beschaffen. Alle Bemühungen sind leider ergebnislos verlaufen. Das notwendige Holz liegt bereit.' Am 24. Juli 1953 notiert der Schreiber im Gemeindeprotokoll: 'Brücke nach Niendorf: Bei Überprüfung hat sich ergeben, daß die Balkenlage schon sehr morsch und reparaturbedürftig ist. Es wird beschlossen, einen in Brandenhusen liegenden Mast zur Reparatur zu verwenden. Außerdem sind an der Brücke zwei Schilder mit der Aufschrift "Betreten der

Brücke auf eigene Gefahr" anzubringen.'

Später erneuerte die 4. Flottille der Nationalen Volksarmee (NVA) diese Brücke mit Geländer. Das geht aus einer Kostenrechnung hervor, die leider ein Datum vermissen läßt. Diese Baumaßnahme wird etwa in das

Iahr 1970 einzuordnen sein. Unter den 3 1 aufgeführten Posten findet sich u.a.: 'Felsen aufgeladen, 8 km transportiert und als Wellenbrecher abgeladen.' Insgesamt kostete diese Stahlbrücke den Poelern 17.498,60 MDN (Mark der Deutschen Notenbank).

14 Wir kennen uns inzwischen nach fünfReisen auf der Insel Poel bestens aus. Das geht natürlich nicht jedem so, und die Gemeindeväter sorgten aus diesem Grunde dafür, daß sich der Ortsunkundige schnell auf dem Eiland zurecht fand. In erster Linie strebten die Erholungssuchenden (Luftsnappers) an den Strand. Das geschah mit pferdefuhrwerken, aber auch per pedes machten sich die Tagesgäste zum Schwarzen Busch auf Die Fuhrwerkslenker kannten natürlich die Richtung. Nicht immer aber die unkundigen Wanderer. Doch keine Sorge, die PoeIer halfen mit wunderschönen Wegweisern den Weg zu finden. Sie hatten im Jahre 1954 die Notwendigkeit einer Ausschilderung erkannt und beschlossen, Wegweiser im Hauptort Kirchdorf aufzustellen. Geschnitzte Tafeln an Holzpfählen befestigt wiesen neben den Darstellungen einer Möwe oberhalb einerWelle fliegend und einem pflügenden Bauern auch einen Fischer neben Tauwerk stehend, der mit ausgestrecktem Arm in Richtung Badestrand wies. Unterhalb dieser Motive hatte Julia WeigeIt aus Thüringen jeweils den Schriftzug Zum Strand

eingeschnitzt (s. Entwurfsskizze). Weiterhin befaßten sich die PoeIer Gemeindeväter in ihrer Ratssi tzung vom 18. März 1 954 mit dem Aufstellen von Orientierungstafeln. Wörtlich heißt es im Protokoll: 'Um den Erholungssuchenden beim Eintreffen sofort den Überblick über die Struktur unserer Insel, sowie über die Quartiere in Kirchdorf geben zu können, ist die Aufstellung einer 3 mal4 Meter großen Tafel in Kirchdorf vorgesehen. Ferner sollen künstlerisch ausgestaltete

Orientierungstafeln den Kurgästen den Weg zu den Ortschaften und den wichtigsten Punkten aufzeigen.' Hier in dieser schönen Gegenlichtaufnahme vom Kirchdorfer Hafen ist zwischen der Bude und der Kirche sehr schön dieserWegweiser mit dem Fischer zu erkennen, der die Gäste in den Dampfersteig lenkte. Und bereits am Ende dieses Steiges an derVorstraße (Foto Heinrich) halfein weitererWegweiser, das Ziel nicht zu verfehlen.

15 Eine sehr frühe Aufnahme vom Ende des 19. Jahrhunderts zeigt die Kirchdorfer Vorstraße (V örstrat, Bradenstrat) vom Hafen kommend in Richtung Markt. Links im Bild sehen wir einen Teil der Gastwirtschaft 'Zum Grünen Winkel'. Daneben das Geschäftshaus des Kaufmanns Kar! Kruse. Im hinteren linken Abschnitt der Straße erkennen wir am Abzweig zur heutigen Kickelbergstraße noch eine Baulücke. Hier wird Kapitän Peter Steinhagen im Jahre 1907 sein Wohn- und Geschäftshaus errichten. Er bewohnte die obere Etage, während unten Emil Ia cobsohn einen Kaufladen führte (später Hermann Trost). Beeindruckend sind die damaligen Wegeverhältnisse. An befestigte Straßen dachte zu j ener Zeit noch niemand. Man quälte sich mit den pferdefuhrwerken so schlecht und recht über die Wege, die alles andere als die Bezeichnung Straßen verdienten. Bei trockenem Wetter mochte ein Befahren dieserWege noch zumutbar sein, aber wehe Regengüsse verwandelten diese Erdstraßen in Schlammwüsten. Aus dem 17. und 18. Jahrhundert ist der Begriff von wandernden Straßen

überliefert. Es wird auch aufPoel außerhalb der Ortschaften nicht anders gewesen sein, wenn Kutscher mit ihren Fuhrwerken wieder einmal im Schlamm dieser Pisten festsaßen. Man half sich auf der Insel ebenso wie andernorts, indem man den hoffnungslos mit Löchern übersäten Landweg schlicht umging und somit ungewollt neue Wege schaffte. Diese Wagenspur hier im Foto zeugt von den Mühen der Fuhrwerkslenker, wenn schwere Güter durch den tiefen Sand transportiert werden muß-

ten. Das änderte sich erst, nachdem im Jahre 192 7 die neue PoeIer Brücke errichtet wurde und mit diesem Bau auch eine Pflasterstraße van Wismar nach Kirchdorf entstand. Sie ermöglichte dann die motorisierte Fahrt zur Insel auf einer 'Kunststraße'. Aus einer Rechnung vom Wismarer Bauunternehmer Arthur Laudan vam 4. Oktober 1949 erfahren wir Jahre später vom Bau eines Kopfsteindammes mit pflastersteinen zweiter Klasse in Kirchdorf Und Iünf Iahre danach pflasterte man dann auch

Gruss aus Kirchdorf (auf der Insel Poel)

den Fahrweg zum Schwarzen Busch. Selbst noch im Jahre 1956 klagten die PoeIer über die katastrophalen Wegeverhältnisse nach Weitendorf, Wangern und Timmendorf In einem amtlichen Schreiben an das Entwurfsbüro für Straßenwesen in Schwerin teilt der Rat der Gemeinde Insel Poel mit: ' ... daß der Gemeinderat den Bau einer Straße über Wangern nach Timmendorf befürwortet.' Dieser Straßenbau erfolgte aber erst im Jahre 1960.

16 Nicht nur Fotografen, sondern auch Maler zeigten sich vom imposanten Bauwerk der PoeIer Kirche beeindruckt. Eingebettet zwischen den Kirchwällen, und dennoch weithin sichtbar, wird sie auch den unbekannten Maler inspiriert haben, der von den Schloßwällen aus gesehen seine Eindrücke in Farbe auf die Leinwand bannte. Aber statt zu signieren, vermerkte er auf seinem Ölbild nur die Örtlichkeit mit 'Kirche aufPoel'.

Die Tageszeit unserer Ankunft verrät uns die PoeIer Kirchturmuhr allerdings nicht. Sie besitzt nur ein Zifferblatt, das nach Norden hin die Stunden verkündet. Wir aber kommen mit dem Schiff von Süden her und müssen auf diesen PoeIer Service vorerst verzichten. Die jetzige, reparaturbedürftige Uhr (200 1) wurde vom Uhrmachermeister Jochim Oldenburg gefertigt (s. Band 4, Bilder 44,45). Sicher wird die damalige Finanzlage ein zweites Zifferblatt nicht zugelassen haben, als Oldenburg am 3. Oktober 1781 die Uhr mit Schlagwerk fertigstelIte. Das war nicht immer so. Vor Oldenburgs Werk existierten bereits Zeitmesser, die mit zwei Zifferblättern

auch nach Süden hin den Poelern verriet, was die Stunde geschlagen hatte. Hierzu schrieb Pastor Johann Engelbert Schliemann im Jahre 1758 Folgendes: 'Auch ergiebt sich noch eine alte unbrauchbare Schlag-Uhr, welche weder zu repariren, noch zum Dienst der Kirchen oder des Dorfes bey der Kirche nötig ist,

weil man wegen Entlegenheit der Kirchen dessen Schall im Dorfe nicht hören kan. Besser wäre es, wenn in dem pastorathause eine gute Schlag-Uhr zum Nutzen des pastoris und der Gemeine aufUnkosten der Kirchen möchte gehalten werden. [ ... J an deren Stelle befindet sich an der Kirche eine neue gute Schlag-

Uhr mit 2 Scheiben nach der Norder und Süder Seite.' Ein Fotografhielt dieses Ölbild für würdig, daraus eine Postkarte zu machen. Durch die Reichspost befördert, freute sich am 14. April 19 00 Elise Kruse aus Sülze in/Mo über diesen Geburtstaggruß von der Insel Poel.

17 Jeder, der die Insel Poel zum Ziel hat, wird nicht ihr Wahrzeichen übersehen können. Majestätisch grüßt der stolze Turm der Inselkirche und dient zugleich als Orientierungspunkt. In dem Begriff'Orientierungspunkt' findet sich das Wort 'Orient', das übersetzt Osten bedeutet; die Himmelsrichtung des Sonnenaufgangs. Die meisten Kirchen im Land geben nicht nur weithin sichtbare Orientierung in der Landschaft, sondern haben auch selber eine Orientierung, sie sind nach Osten ausgerichtet. DerTurm, durch den man in den meisten Fällen die Kirche betritt, steht im Westen. Der Weg führt also durch den Turm hinein in das Kirchenschiff bis nach vorn zum Altar in Richtung Osten, dem morgendlichen Licht als Zeichen der Hoffnung. Der Zugang zum Backsteinbau der PoeIer Kirche befindet sich allerdings heute nicht mehr im Turm. Er wurde später an die Südseite des Kirchenschiffes verlegt, an der übrigens auch aufPoel die Pastoren beerdigt wurden. Der Baugeschichte entnehmen wir, daß die erste Kirche zwischen 1210 und 1230 errichtet wurde. Der spätere Umbau mit der Ver-

längerung des Kirchenschiffs und Erhöhung desTurmes erfolgteum 1320-1330. Mit dem Umbau hat man zugleich auch den Zugang vom Turm an die Südseite des Kirchenschiffs verlegt. Hier sehen wir ein schönes Foto (Peters en) des Portals aus der jüngsten Vergangenheit mit seinem verwitterten Mauerwerk. Die Eingangshalle wurde im Jahre 1995 neu eingedeckt. Im Herbst 1997 sanierternandie Südfront der Halle und das Portal mit neuen Formsteinen. Außer den Pastoren Gottschalk (1270-1279) undHeinrich v. Dassow (1308-1309) werden dann folgende pfarrherren durch dieses Portal geschritten sein:

Konrad v. Wam ckow (1 3 141324), GerdWlome (1349),Johann Weitendorf (1456), Johann Brunow (1535), FranzWerkmeister (1553), Lorenz Wüsthof (1553-1590), Stephan Köhne (1594), Matthäus Randow (1616), Johannes Randow

(1627 -1633), Lorenz Eichholz (1647 -167 5), Martin Cassius (1675-1708), Johann Mühler (1709), Iohann Iakob Holweck (1709-1712), Andreas Mende (1713-1723), Joachim Rohn (1724-1732), Christoph Spon-

holz (1733-1737), Engelbert Schliemann (1737-1763), ChristowZastrow (1763-1796), Christian Susemihl (17971842),Theodor Hempel (18431880), Albrecht Witte (18811902), Friedrich Paepke (19021933), Lewerenz (1933-1936),

Warnke (1937 -1944), Günter Pohl (1945-1946), Helmut Buck (1946-1947), Waldemar Schumacher (1947 -19 54), Hans-Georg Schmidt (1954-1980), Otto Heinz Glüer (1981-2000).Ab 2000 Dr. Mitchell Grell.

18 Durch den Sturmschaden im Frühjahr 1995, der die nordwestliche Seite der Dacheindeckung des Kirchturms zerstörte und das Gebälk bloß legte, offenbarte sich, daß das Eichenholz des Dachstuhls im Laufe der Jahrhunderte sehr in Mitleidenschaft gezogen war. Nach Begutachtung von Fachleuten mußte der größte Teil der Dachbalken bei der Reparatur ausgewechselt werden. Der mit Mönch-Nonnensteinen eingedeckte Kirchturm bedurfte also umfangreicher Zimmermannsarbeiten. Nach Fertigstellung der Rekonstruktion wurde die Spitze mit einem neuen Hahn und einer neuen vergoldeten Kugel gekrönt, in die Dokumente wie Baubericht, Kirchenzeitung, Ostseezeitung, PoeIer Inselblatt und Münzen für die Nachwelt eingelegt wurden. Die ausgewechselten Balken waren im Laufe der Jahrhunderte nicht vom Holzwurm vernachlässigt worden und wiesen erhebliche Fraßspuren auf Eine dendrochronologische Untersuchung des Deutschen Archäologischen Institutes Berlin belegt, daß diese Hölzer im Jahre 1494 geschlagen worden sind. Folglich können diese

Balken nicht bei der Erhöhung des Turmes zwischen 1320 und 1330 Verwendung gefunden haben. Vermutlich werden sie aber bei späteren Reparaturen eingefügt worden sein. Im Stadtarchiv Wismar befinden sich zwei Verträge über Handwerksleistungen, denen folgendes zu entnehmen ist: a. 7. September 1677 in Wismar; 1. 15. Oktober 1677 auf Pöhl unterschrieben. Geldrechnungen 'davohr der Thurm und Klocken-Stuhl notwendig muß gebawet werden welche durch Gottes Gewitter zerschmettert worden sind'. Unter dem Eintrag des Pastors Johann Engelbert Schliemann (Amtszeit 1737-1763) finden wir in seinem Bericht über die 'Verhältnisse der PoeIer Kirche 1758 und danach' folgendes vermerkt: 'Die Poelsche Kirche und waß dazu gehörig an sich selbst ist ein altes Gebäude, wie der Augenschein lehret, daher die außenwendige Außbeßerung neulig höchstnötig erachtet worden, insonderheit ist derTurm durch verschiedene Riße und an außgefallenen Maursteinen sehr Verletzet.' Zum Alter des Kirchturms kann auch auf die Ausführungen des Wismarer Stadtarchi -

vars Dr. Crull verwiesen werden, der im 'Iahrbuch' des Ver eins für mecklenburgische Geschichte undAltertumskunde (Lisch) aus demjahre 1876 einenAufsatz mit dem Titel 'Die Kirche zu Kirchdorf auf Pöl' veröffentlichte. Er stellte in seinem Text fest: 'Dann aber ist der Thurm auch nicht ein Werk des 16. Jahrhun-

derts, sondern ein wenig jünger als das alte Schiff und wohl gleichzeitig mit diesem projectirt.' Der 'Zahn der Zeit' forderte ständig notwendige Reparaturen am Turm. Hier ist es die PoeIer Dachdeckerfirma Baars im Jahre 1984, die Sturmschäden an der 'Bischofsmütze' beseitigt.

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