Die Insel Poel in alten Ansichten Band 6

Die Insel Poel in alten Ansichten Band 6

Auteur
:   Jürgen Pump
Gemeente
:   Die Insel Poel
Provincie
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6665-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Die Insel Poel in alten Ansichten Band 6'

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19 Die Zweckbestimmung der PoeIer Festungsanlage ist eindeutig. Herzog AdolfFriedrich 1. wollte Poel mit seiner strategisch günstigen Lage vor der Hafenstadt Wismar zu einem Stützpunkt für seineTruppen zu Lande und zu Wasser ausbauen. Der Bau begann im Jahre 1614, zu denen alle Bauern der umliegenden herzoglichen Ämter herangezogen wurden. Wie es zu diesem Bau kam, erfahren wir aus alten Schriften. Herzog Johann Albrecht (1525 bis 1576) ließ südlich der PoeIer Kirche 'im Fleckenhagen' 1562 ein 'lang steinern Haus, zwei Gemächer hoch, aufWälsche Art gebauet und mit breitem Stein gedeckt', mit massivem gewölbten Keller, in dem sich eine Brauerei befand, errichten - wohl als Unterkunft für Jagdausflüge auf die Insel gedacht. Sein Enkel Adolf Friedrich 1. fand davon 1612 nur noch eine Ruine vor, als er daran ging, seine Pläne zur Stärkung der herzoglichen Macht im Lande zu verwirklichen. Aus Emden/Friesland nahm er 1612 den Baumeister Capitain Gerth Evert Piloot in seinen Dienst, der mit der Planung und dem Bau des 'Schlosses und der Veste Poel'

beauftragt wurde. Nach der Fertigstellung erreichte auch der Dreißigjährige Krieg die Insel Poel. Im Verlauf dieses Krieges und späteren kriegerischen Auseinandersetzungen wechselten häufig die Besitzer zum Schaden dieser Anlage. Wörtlich heißt es in überlieferten Schriften 'war das Schloß gänzlich ruiniert, indem alle Fenster, Türen, Oefen und wie es sonsten Namen haben mag, ganz und gar entblößet und spoliiert (geraubt, geplündert) worden'. Und im Jahre 1700 berichtet das königliche Amt, daß ein Teil bereits eingestürzt sei. Auf dieser Darstellung hier sind sehr schön die sternförmigen Wallanlagen mit dem Schloß und der Kirche zu sehen. Im oberen rechten Teil dieser Rekonstruktion ist der Schloßgarten eingezeichnet. Er wurde von einem 'Gärtner aus Schwerin' auf Anweisung Piloots angelegt. Dieser Garten war von regelmäßigen Baumreihen umgeben. An der südlichen Seite beschatteten sie einen Teich, hinter dem sich eine 'Vogelkoje' (Vogelvoliere) befand. In diese Zeit fällt auch der Bau des Pfarrhauses, hier im rechten unteren Teil der Darstellung eingezeich-

net. Nach der Rekonstruktion von Regierungsbaurat Lorenz sah die sternförmig angelegte Festungsanlage mit dem Schloß und der Kirche um 1618 etwa so aus. Die Wallanlagen geben heute noch ein gutes Zeugnis dieses historischen Platzes, an dem im Jahre 1934 Ausgrabungen vorgenommen wurden.

20 Der PoeIer Kirchturm bietet einen wunderbaren Rundblick über den Hauptort der Insel und der näheren Umgebung. Der Fotograf erfaßte hier mit seiner Kamera im Jahre 1915 den Ortskern Kirchdorfs über die Kirchwälle hinweg und überlieferte uns die noch recht aufgelockerte Bebauung dieses Ortes. Während uns die Vorstraße (Bradenstrat/Bratenstraße) mit seinen Häusern heute noch fast unverändert recht vertraut ist, wundern wir uns über die freie Fläche im linken Bildrand. Hier sind im Laufe von achtzig Jahren eine Menge neuer Gebäude entstanden und bilden nun ein geschlossenes Wohngebiet. Interessant ist im Vordergrund rechts die 'Kattenkuhl' und links der verkrautete Wehrgraben der SchloßwalIanlage. Das wird sich, wie wir bereits wissen, im Jahre 193 1 mit der Rekonstruktion des Hafens ändern. Dieses Gelände benutzte man für die Schlick-

massen vom Hafengrund als Spülfeld. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß in derVorstraße einst ein berühmter PoeIer bei der Familie Hafften geboren wurde. Es war Emil Naucke, der als Artist in Harn burg Karriere machte. Bereits im Band 2 (Bilder 54, 55) war von diesem

KircMorf (Meckib.)

.:~

Mann die Rede. Nun fand sich weiteres Material über Nauckes Leben, das auf den folgenden Seiten Beachtung findet. Dieser Kartengruß ging am 27. September 1915 an Fräulein Elisabeth Freitag mit der Aufforderung an den Adressaten: 'Schreibe bitte mal wieder!'

21 Eine nüchterne Feststellung in einem Hamburger Tagesblatt informierte die Leser vom Tod des 'Kolossalrnenscheri' Emil Naucke im Iahre 1900. Und weiter hieß es wörtlich: 'Wußten

Sie, daß der bis dahin dickste Mann Deutschlands ein Hamburger war?' Eine traurige Mitteilung, doch ist sie mit einem Fehler behaftet. Emil Naucke war nicht Hamburger und auch nicht Wismarer; er war gebürtiger PoeIer. Das klingt nach Lokalpatriotismus. Aber es ist wahr, daß seine Wiege aufPoel stand. Seine Mutter war eine geborene Hafften. Wir kennen diese Familie Hafften bereits aus den vorangegangenen Bänden. Emil Naucke war kein Riese, aber ein 'Kolossalmensch' war er schon, der sich artistisch mit seinen 467 pfund Lebendgewicht produzierte. Er gelangte zur Berühmtheit, indem er außergewöhnliche Kraftleistungen vollbrachte. Naucke zählte zu den Berufsringern seiner Zeit und konnte als Kraftakrobat, Radartist und Parodist bedeutende Erfolge erzielen. Man stellte fest: 'Es ist erstaunlich, daß ein Mensch trotz seines großen Körpergewichtes solche kraftakrobatischen Tricks mit

Leichtigkeit und Eleganz vorführen konnte.' Ein optisch sehr wirkungsvollerTrick war z. B.

das Stemmen eines Eisenteils von 106 Kilo und dabei wirkten seine Bewegungen keinesfalls plump. Emil spielte auch mit einer 37,SKilogramm schweren Eisenkugel, die er an einer Kette um seinen Körper herum

schwenkte und zwischendurch plötzlich mit einem Klatschen auf seinem Genick landen ließ. Er führte auch Sketche auf, in denen er in einer komischen Rolle die Ballettdame 'Paulirie' darstellte. Hier auf einem zeitgenössischen Plakat sehen wir Emil Naucke Ende des 19. Jahrhunderts mit seinem Partner Peter

Hansen, Der kleinwüchsige Mann wog ganze 30,5 Kilo. Und man behauptete sogar im HamburgerTagesblatt, daß Emils Oberschenkel allein das Gewicht von Hansen hätte. Eine zweifel hafte Angabe, denn wer konnte schon wissen, was für ein Gewicht Nauckes Körperteil hatte.

22 Plötzlich fühlte sich der dicke Mann furchtbar elend.

'Ki nder, mir wird schlecht, ich glaube, ich muß sterben,' konnte Emil Naucke einigen Freunden noch zujapsen. Und kurz darauf bewahrheitete sich seine böse Ahnung. Vor nun über 100 Jahren beendete Naucke sein 'kolossales' Leben nach nicht einmal 45 Jahren. Eine skurrile Karriere in der Geschichte der Hamburger Unterhaltungsszene hatte sein Ende gefunden. Früh hatte Naucke Europa und die USA bereist und wurde dabei zur Berühmtheit. Als er von Poel und Wismar kommend sich in Hamburg ansiedelte, ist er schnell zu den Lieblingskünstlern WilheIms H. geworden. Denn schließlich waren seine Leistungen überaus bestaunenswert. Doch auch kuriose Pannen brachten aufGrund seines enormen Körpergewichts ungewolltWerbung für sein 'hartes Geschäft'. Naucke soll z. B. in Hamburg bei einer Kutschfahrt durch den Sitz bis auf die Straße durchgebrochen sein. Und bei Reisen hatte er angeblich immer ein paar Ziegelsteine dabei, um damit sein Bett zu stützen. Dieses Plakat von seinem Karrierehöhepunkt vor der Wende zum 20.

Jahrhundert in Hamburg zeigt Emil Nauckes artistische Vielseitigkeit.

Der Kolossalmensch und Kraftakrobat Emil Naucke

23 Nauckes hauptsächliches Betätigungsfeld war Hamburg, und dort trat er zum ersten Mal auf der Bühne des St.-GeorgTheaters erfolgreich vor sein Publikum. Als er im Zirkus Renz den berühmten Franzosen Christal im Ringkampf auf beide Schultern legte, kannte die Begeisterung keine Grenzen. Seitdem begleitete ihn der Erfolg. Mit seiner Körperkraft verdiente der gebürtige PoeIer so viel, daß er sich in Oldesloe eine Villa kaufen konnte. Nicht nur seine Körperkräfte waren beeindruckend, auch seine Gliedmaßen waren erstaunlich riesig ausgebildet. Der Umfang seines Handgelenks betrug 23, der Oberarm 59, sein Oberschenkel84,S, Wade 59, ein Finger 9 Zentimeter, Brustumfang 159, Taillenumfang 172, Hüftumfang 183 und Schulterbreite 53 Zentimeter. Es soll durchaus keine krankhafte Fettsucht gewesen sein, sondern ein normaler Riesenwuchs. Denn sein Großvater, der 94 Jahre alt wurde, wog sogar 5 18 pfund bei einem Leibesumfang von 247 Zentimetern. Da Emil Naucke zuletzt keinen Gegner mehr fand, wechselte er seine Tätigkeit. Mit seinem Vermögen

gründete er ein eigenes Theater. Einer alten Zeitungsnotiz zufolge soll er wi eder holt als Artist in Wismar und auch aufPoel in der Gaststätte 'Zur Insel' aufgetreten sein (nicht verbürgt). Es heißt in dieser Zeitschrift unter dem Titel 'Wismarer Originale - Originelle Wismarer' von Hans Schwager weiter: 'Es war dann für die Wismarer Jugend ein Ereignis, wenn Emil Naucke mit seinem eigenen Wagen und seiner Truppe als Theaterdirektor in Wismar einzog und bei seinen Verwandten, im Hause Lübsche Straße 49, in den Torweg mit Roß und Wagen einschwenkte. Die Angehörigen der Familie des Sattlermeisters Bruhn waren übrigensVerwandte von ihm. Die Frau, ebenfalls eine geborene Hafften, war seine Kusine. 1896 eröffnete Naucke am Spielbudenplatz in Hamburg seine eigene Bühne 'N auckes Variete'. Schnell kam Emil als 'Dampfwalze von St. Pauli' zu Erfolg. Ein zeittypischer Akt: Als Erinnerung an seine Militärzeit führte er mit einem 108 pfund schweren Gewehr wichtige Griffe vor. Emil soll kein primitiver Kraftmeier gewesen sein, seine Auftritte waren mit viel Eleganz und Grazie gepaart. Als Seiltänzer

war er sehr geschickt, als Ringer ein guter Sportler und ein Urviech vom Kiez obendrein. Ein Zeitzeuge von seinem Tod berichtete, daß am 24. Ianuar 1900 Emil mit seinem Partner Peter Hansen zwei Runden mit dem Fahrrad drehte. Beim Absteigen klagte er dann über Unwohlsein. Helfer brachten ihn dann schnell in einen Nebenraum, wo er kurz darauf verstarb. Viele Hamburger sollen bei der Beerdigung Spalier gestanden haben und seine Be-

stattung war abnorm wie sein Leben. Immerhin brauchte seine Leibesfülle einen Doppelsarg. Halbmast flaggten die Hamburger für den 'Poelet Jungen', ohne zu wissen, daß er kein Hamburger war. Hier auf diesem Foto ist Nauckes Variete schön auf einer Postkarte dargestellt. Diese Karte wurdeam 23.ApriI1907 anden PoeIer Schmied Ludwig Hafften in Kirchdorf verschickt; also bereits nach Nauckes Tod.

24 Dem Wegweiser vom Hafen zum Strand folgend, gelangen wir zum Schwarzen Busch; dem Ziel vieler Sommerfrischler auf Poel. Und auch eine Latte Willer nahm diesen Weg zum Strand und schwelgte auf einer Postkarte von ihren Urlaubserlebnissen. Sie teilte den Angestellten der 'Norddeutschen Tran- und Fischmehl GmbH' in Hamburg Altona folgendes mit: 'Herzliche Grüße aus dem wunderschönen Kirchdorf a/Poel sendet Ihnen allen Ihre Latte Willer! Das Wetter ist ganz wunderbar! Wir sind braun wie die Neger!' Ob Latte Willer im Jahre 192 9 auch Burgen baute, wissen wir nicht. Doch viele Seeurlauber beschäftigten sich bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit dem Bau dieser Sandgebilde und oft trat das 'Kind im Manne' zutage, wenn blühende Phantasien ausgelebt wurden. Diese Sitte zog sich bis zum Zweiten Weltkrieg hin und es wurden bei den vielen Strandfesten sogarWettbewerbe durchgeführt. Zu DDR-Zeiten allerdings untersagte man den Burgenbau aus Gründen des Uferschutzes. Festlegungen hierzu gab es bereits, die aber nicht den Burgenbau berührten. In einer

Satzung für das Amtsreservat am Schwarzen Busch vom 25. Juni

1 9 1 2 lesen wir von der Forderung: 'Die Gemeinde ist dafür verantwortlich, daß keine Schädigung des Uferschutzes und der Dünen entsteht.' Und bei Zuwiderhandlungen wurden bis zu 20 Mark oder bis zu 14 Tagen

Haft angedroht und auch dringend angeraten, 'den Weisungen des Badewärters oder Gemeindedieners zu folgen'.

Ostseebad Insel Poel - Strandleben

25 Vernachlässigt wurde das Kurhaus am Schwarzen Busch in den vorangegangenen Bänden gewiß nicht. Aber es führt auch dieses Mal kein Weg an diesem Gebäude vorbei, daß zu Beginn des 20. Jahrhunderts schließlich die Entwicklung desTourismus aufPoel gehörig ankurbelte. Immerhin bot dieses Haus mit 20 Fremdenzimmern eine Kapazität von 50 Betten. Besonders begüterte Gäste entschlossen sich ab dem Jahre 1910 für eine Reise zur Insel Poel, zumal mit diesem Haus auch eine Badeanstalt entstanden war und die PoeIer einen Badeverein mit Bademeister gründeten. Hierzu wird noch einiges im folgenden Bild zu erfahren sein. Weniger bekannt ist, daß einst auch ein berühmter Gast dieses Haus zu Zwecken der Erholung bewohnte. Es war Kurt Tucholsky, der in der Zeit vom 27. August bis zum 14. September die PoeIer Idylle genoß. Tucholsky war aus Lübeck bis Wismar mit dem Zug angereist. Wie er bis zur Insel Poel seine Reise fortsetzte, ist nicht bekannt. Aus einem Brief vom 3 O. August

1 9 1 9 an Mary 1. erfahren wir folgendes zu seinen Insel-Eindrücken: 'Ich habe einen richti-

gen See- Vogel- mir genügt es, auf die große, ruhige Fläche zu sehen - dann wird alles in mir still. Hier ist der Strand mäßig nicht so breit und weich wie in Libau - es ist alles ein bißehen klein und einfach -, aber wenigstens sind die Berliner Schieber nicht da, die in allen Bädern jetzt spielen und saufen. - Der Seewind weht und schüttelt die Bäume, und ich denke mir meins. Dafür heißt der Besitzer

des Hotels Fanter- und wenn ihn einer ruft, drehe ich mich immer herum, weil ich glaube, er ruft mich, Pantern.' (Panter: eines der vielen Pseudonyme Tucholskys.) Ein weiterer Brief vom 1. September 1919 teilt mit: 'Ein strahlender Tag ! Richtiges Seewetter, und ich habe gebadet und bin über die Dünen gebummelt.' Und zwei Tage später schreibtTucholsky am 3. September 1919 noch: 'Hierorts

weht der Wind - das ist beinahe alles, und es tut wohl, nach dem Berliner Tempo auch einmal die Stille zu genießen. Ich bin ja von je ein bißehen in alle Einsamkeit verliebt.' Natürlich wurde dieses Haus schnell zum begehrten Fotomotiv und es entstanden unzählige Darstellungen. Besonders schön und klar ist dieses Foto, daß das Kurhaus kurz nach seiner Fertigstellung im Jahre 1910 zeigt.

26 Bei der Entwicklung des Badewesens in Deutschland allgemein ist man immer wieder verwundert über die Abscheu unsererVorfahren 'vor dem Bade'. Das mag damit zusammenhängen, daß der Mensch das Schwimmen nicht erlernt hatte und vor allem auch an der verbogenen Moral, seinen Körper nicht den Blicken der anderen preiszugeben. Doch zeitig schon befaßte sich mit dem Schwimmen der Pariser Abt de La Chapelle, der in einer im Jahre 177 6 in Warschau erschienenen Schrift eine sehr naive Feststellung trifft: 'Das wichtigste und wesentlichste, worauf

es in der Kunst zu schwimmen hauptsächlich ankommt, ist, daß man den Kopf stets über dem Wasser empor zu behalten

suche, das erfordert aber eine anhaltende, kunstmäßige Bewegung mehrerer Glieder.' Wenig später, im Jahre 1 793, hatte dann GutsMuths bereits seine 'Gymnastik für die Jugend' veröffentlicht, in der er sich auch für das Schwimmen aussprach und drastisch die 'Unreinlichkeit des Menschen von der Kindheit bis zum Grabe' bemängelte. Er forderte den Bau von Badeanstalten und stellte in einem Lehrbuch

fest: 'Bisher sei das Ertrinken Mode gewesen.' Johann Christoph Friedrich GutsMuths war Pädagoge und Wegbereiter der modernen Körpererziehung (1759-1839). Dies alles gehörte aber seit dem 20. Jahrhundert längst derVergangenheit an, als sich die PoeIer nun endlich auch zum Bau einer Badeanstalt entschlossen, nachdem ihr Kurhaus vermehrt Gäste angelockt hatte. Badeanstalten waren zu diesem Zeitpunkt nicht unbedingt eine Neuheit, denn in der Hansestadt Wismar wie auf der Insel Walfisch existierten bereits seit dem 19. Jahrhundert mehrere Badeanstalten mit Umkleidekabinen. Also hatten die Insulaner Nachholebedarfund sie waren gewaltig stolz auf ihre Errungenschaft und priesen die Benutzung dieses Bades mit 'angenehmstes Badeleben' an. Sie hatten auch allen Grund dazu, denn ein langer Laufsteg mit Geländer versehen führte zu den getrennten Umkleidekabinen für 'Männleiri' und 'Weiblein' weit in die See hinaus. Dort konnte der Badelustige dann mit züchtiger Badebekleidung versehen überTreppen in die kühlen Fluten gelangen (s. Band 1, Bilder 18, 19, 2 1; Band

2, Bilder 40, 41; Band 4, Bild 53; Band 5, Bild 64). Hier auf diesem Foto sehen wir auf dem Zugang zur Badeanstalt den zweiten Bademeister Gustav Steinhagen (Gusch Schiet). Er hatte hier das Sagen in punkto Sicherheit und Kassierung. Im Hintergrund ist seine 'Bude' zu erkennen, in der er Badeartikel am Strand zum Verkauf anbot. Wir lernten ihn bereits im Band 2, Bild 38

kennen. Sein Vorgänger, und erster Bademeister am Strand des Schwarzen Busches, war Peter Wikken, der stolz eine Mütze trug, an der die Aufschrift 'Bade meister' zu lesen war (s. Band 5, Bild 63). Leider konnte diese schöne Badeanstalt wohl aus Kostengründen nicht instand gehalten werden, so daß sie zusehends nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel.

27 NachdemAdolfGrahlmit seiner Familie viele Jahre nach dem Erbauer Franz Fanter das Kurhaus am Schwarzen Busch bewirtschaftet hatte, führte es während des Zweiten Weltkrieges der 'Mecklenburger Heimatverein' weiter. Grahl kam übrigens auf schreckliche Art und Weise durch einen Bienenschwarm an der Kirchdorfer 'Leimskuhl' ums Leben. Für kurze Zeit betrieb dann ein Baumann das Haus. Er eröffnete später eine Gaststätte in Wismar. Nach dem Krieg verwahrloste das Gebäude kurzzeitig, bis es die StadtWismar übernahm und es durch den Verwalter Franz Spallek und seiner Frau Gerda vom 19.Juli 1946 biszum 29. März 1949 bewirtschaften ließ. Ab dann war der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) bis 1990 Betreiber dieses Hauses. Nicht ohne Schwierigkeiten verlief die weitere Bewirtschaftung des Hauses nach dem Krieg. Denn die StadtWismar beabsichtigte, dieses Haus mit Grundstück zu erwerben. So können wir aus einem Schreiben der Gemeindevertretung an den damaligen Landrat folgendes erfahren: 'Die am 31. Oktober 1946 ta-

gende Gemeindevertretung beschloß in ihrer Sitzung den Herrn Landrat zu bitten, sich dafür einsetzen zu wollen, daß das Kurhaus "Schwarzer Busch" bei der Vergebung in erster Linie der Gemeinde Insel Poel zugesprochen wird, da nach Ansicht der Gemeindevertretung das Kurhaus aufGrund und Boden der Gemeinde Insel Poel steht, müsste auch die Gemeinde Insel Poel als rechtmäßiger Eigentümer angesehen werden. [ ... J

N ach Ansicht der Gemeindevertreter ist die Insel Poel als Kurund Badeort ohne eigenes Kurhaus nicht denkbar.' Zuvor hatte die StadtWismar die 'ständige Inbesitznahme des Kurhauses beantragt, daß die Gemeindeväter aber einstimmig ablehnten. Sogar eine Kommission wurde am 28. Mai 1947 gebildet, die sich mit eine

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