Die Insel Poel in alten Ansichten Band 7

Die Insel Poel in alten Ansichten Band 7

Auteur
:   Jürgen Pump
Gemeente
:   Die Insel Poel
Provincie
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6713-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Die Insel Poel in alten Ansichten Band 7'

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Einleitung

Man muss die Geschichte möglichst nahe an sich heran kommen lassen

Mit den Worten 'Ich habe einen richtigen Seevogel - mir genügt es, auf die große, ruhige Fläche zu sehen', berichtete Kurt Tucholsky von seinem Aufenthalt im Kurhaus auf der Insel Poel. Und er betonte weiterhin: 'Dann wird alles in mir stiIl- es ist alles ein bißchen klein und einfach.' Dieses Zitat konnten wir bereits im Band 6 nachlesen und es soll mit dieser Wiederholung nur deutlich gemacht werden, dass er die Insel Poel mit seiner wohltuenden Ruhe liebte. Wir schließen uns seinen Worten gerne an und erinnern an eine Werbung von 1929, in der es heißt: 'Insel Poel, aufblühendes Ostseebad, lohnendster Ausflugsort bei Wismar.' Und auch ein gewisser Schorsch war während seines Aufenthaltes aufPoel von der Insel begeistert und schilderte seine Eindrücke sehr humorvoll an den lieben Oskar daheim: 'Post aus Übersee! Lieber Oskar! Bevor ich das Wagnis meiner Reise zum Mecklenburgischen Ozean und die waghalsige Schaukelei per Schiff zum Eiland Poel einging, habe ich mich zuvor in der "Mecklenburgischen Vaterlandskunde" vom Jahre 1894 über die örtlichen Verhältnisse schlau gemacht. Darüber berichte ich aber demnächst mündlich mehr. Nur meine Eindrücke von hier schicke ich schon vorweg:

Eure große Besorgnis um unser Wohlergehen veranlaßt uns, Eure vielen Anfragen nach der Insel Poel und den Insulanern mit einem ausführlichen Bericht zu beantworten. Wenn Ihr, wie es scheint, eine spannende Schilderung gefährlicher Begegnungen mit Eingeborenen erwartet, so müssen wir Euch allerdings enttäuschen. Man hat weder mit einem Bumerang nach uns geworfen noch mit vergifteten pfeilen geschossen. Ihr braucht Euch also keine Sorgen zu machen. Da Euch die Sitten und Gewohnheiten der Eingeborenen besonders zu interessieren scheinen, wollen wir gleich noch bemerken, daß man hier weder in Baum- noch in pfahlhäusern wohnt, sondern in dieser Beziehung längst die Gewohnheiten des Festlandes angenommen hat. Auch berichten selbst die

ältesten Bücher nichts darüber, daß die PoeIer einmal mit Keule und Speer durch Urwälder und Büsche geschlichen seien. Zwar gibt es heute hier den "Schwarzen Busch", aber diese kleine Ansammlung von Bäumen wird kaum die Voraussetzung für ein "Buschleben" gewesen sein. Die PoeIer teilten lange Zeit die Bevölkerung in PoeIer und NichtpoeIer. Dennoch machen sie noch heute den friedlichsten Eindruck, wenn wir mal von den kleinen Plänkeleien in punkta Brautwerbung absehen, bei denen der Poeler Gruß (tätlicheAuseinandersetzung) zur Anwendung kommt ( ... ). Die Einheimischen sollten Acht geben, daß Ihnen keine dummen Gäste die Insel bevölkern. Denn ein dummer August aus "Deutschland" verging sich an der lieblich schönen plattdeut schen Sprache, indem er sie als "beschämend" herabwürdigte ( ... ). Hunger ist hier gänzlich unbekannt, schließlich befinden wir uns in der Kornkammer Mecklenburgs. Obwohl schon früh aufPoel Getreideanbau betrieben wurde, fand man später eine noch lukrativere Lebensgrundlage. Die PoeIer befleißigten sich nämlich auch mit der "Kopfjä gerei". Ungezählte Köpfe dürften unter den Messern der Insulaner ins Rollen gekommen sein. Viele Boote voll davon wurden nach Wismar und weiter ins Binnenland zum Verzehr befördert. Nun mag Euch daheim ein kalter Schauer über den Rücken laufen, doch es ist nur von den PoeIer Kohlköpfen die Rede, die den Kohlbauern Reichtum auf der Insel bescherte. Auf die Kohlblätter wird auf dem Festland auch wohl angespielt, wenn man beim Rauchen einer Zigarre mit fragwürdigem Inhalt sagt: "Rein Übersee von Poel!" Eine andere Redensart hörten wir aus den Wismarer Hafenkneipen: "Herr Wirt, bitte eine Zigarre Havanna! Aber mit Deckblatt vom PoeIer Kopfkohl". ( ... ) Gestern habe ich an einem Wett-Trinken mit Buttermilch bei der Rohrdantz'schen Strandhalle teilgenommen, und das ganz ohne unangenehme Folgen für meine Unterhosen. Tage später entdeckte ich jemand weit hinter der Düne heimlich beim Räucheraal- Essen, es sah aus als spiele er Querflö-

te.( ... ) Im Sommer habe ich es zeitweise mit einem "fahrenden Völkchen" am PoeIer Strand zu tun. Es kommt einige Wochen nach dem Eintreffen der Zugvögel hier an und zieht kurz vor ihnen wieder ab. Die Angehörigen dieses Volkes, sie sprechen sächsisch, thüringisch oder berlinisch, bauen nestartige Wohnungen, die man Strandburgen nennt. In ihnen verbringen sie, sehr dürftig bekleidet, ihre Tage. Es soll Stellen geben, wo sie noch weniger anhaben. Aber meine Frau hält mich gehörig an der Leine, so daß meinen Augen dieser Genuß vorenthalten bleibt. Übrigens haben die frischen PoeIer Damen die Nachahmung der Gesichtsbemalung, sozusagen den "Verputz ihrer Fassade", nicht nötig. Doch ich merke, ich beginne zu spintisieren und mausere mich zum "überpoelischen Phantasten". Ich setze also an dieser Stelle endlich einen deutlichen Punkt, um nicht die Glaubwürdigkeit aller Geflogenheiten auf der Insel aufs Spiel zu setzen. Nur eines will ich abschließend noch betonen, die Insel ist als Reiseziel wärmstens zu empfehlen.'

Poel, die Vorratskammer meiner Gefühle

Ein Läben lang

Leiwlich weiht dei Sommerwind mit sien Flustem un sien Vage!sang.

Fäuhl em wie Mudders Hand as Kind.

Ja Peul, dat wull' ck ein Läben lang.

Leiwlich strakt dei Sünn un schient bi all den'n Peuler Kling un Klang.

All's üm mi dat Smüstergrient.

Ja Peul, dat wull' ck ein Läben lang.

Ein herzliches Dankeschön allen Poelern, die mir bei meinen Nachforschungen mit Auskünften und Fotos hilfreich zur Seite standen. Besonderer Dank gilt vor allem: Ludwig Drolshagen, Poel; Wolfhard Eschenburg, Warnemünde; Wolfgang Glaue, Poel; Inge und Arno Gössel, Poel; Dr. Mitchell Grell, Poel; Dr. Uwe Heußner, Berlin; Dr. Hartwig Hurtzig, Kassel; prof Dr. Werner Karsten, Rostock; Irmgard Kitzerow, Poel; Adolf Kofahl, Poel; Jochen Mirow, Poel; Kar! Mirow, Poel; AnneMarie Röpcke, Poel; Irmgard Rozal, Poel; Joachim Rozal, Poel; Hildegard Ruppert (geb. Schönfeld) , Herzberg; OstR Joachim Saegebarth, Poel; Ilse Schiemann, Poel; Siegfried Waack, Poel und Hans Erich Winkelmann, Poel.

Für die Durchsicht des Manuskriptes danke ich den Eheleuten Christa urid Ioachim Saegebarth, Poel.

Leiwlich rük'st as Blaumen-Bläut, mit 'ne bannig Klür dormeng.

Dei mi dei Küll von Harten däut.

Ja Peul, dat wull' ck ein Läben lang.

Jürgen Pump

1. Egal, ob man sich für den Land- oder Seeweg zur Insel Poel entscheidet, immer führt uns die Reise an dem am 14.Januar 1870 abgerissenen PoeIer Tor vorüber. Es bildet den Abschluss der Straße 'Hinter dem Chor'. Dieser Straßenzug findet schon recht früh Erwähnung in der Wismarer Stadtgeschichte. Aus einer Urkunde aus dem Jahre 1293 erfahren wir in lateinischer Schrift: 'retro chorurn ecclesie Nicolai.' Übersetzt heißt dies: 'Hinter dem Chor der St.-Nikolai-Kirche.' Den näheren Bezug zum PoeIer Tor finden wir dann im alten Stadtbuch von 1680. Dort wird noch einmal der genaue Standort bestimmt: 'hinterm cohr' oder 'furm Pohler thor'. Am Ausgang dieser Straße lag also das PoeIer Tor. Hier fuhren die Kaufleute, Händler und sonstige Reisende hindurch, wenn sie in nördlicher Richtung nach Rostock oder zur Insel Poel wollten. Die alte Handelsstraße führte früher über Swanzenbusch, Müggenburg, Gagzow, Neuburg und dann auf die heutige Bundestrasse 105. Aus der 'Geschichte der Seestadt Wismar' von Friedrich Techen erfahren wir

auch, dass man sich von 1566 bis 1571 mit der Befestigung um das PoeIer Tor befasste. So heißt es: ' ... für Wall und Rundwerk vor dem Pöler Tore wurden 2710 Mark aus der Akzisekammer ausgegeben ( ... ). Im dritten und vierten Jahrzent des 16. Jahrhunderts wurden Geschütze gegossen; 1676 für Büchsen 167 Taler ausgegeben und vor 1594 deren 6 für das PölerTor.' Diese Maßnahme war nicht unberechtigt. Denn vom Jahre 1675 lesen wir bei Techen vam Angriff der Schweden aufWismar: 'Am 15. Oktober begann die Beschießung .... Es wurden Kugeln von 6 bis 36 Pfunden, glühende Kugeln, Granaten, Bomben und Bettelsäcke, Stangenkugeln und Regenfeuer aus Kanonen und Mörsern auf die Stadt geschossen. An einem Tage zählte man beim PölerTore 206 Schüsse, an einem andern 230 aus Kanonen und 50 Granatschüsse, an einem dritten wollte man über 300 Schüsse gezählt haben. Zwölf Bürger fanden den Tod.' Weiter erfahren wir sehr viel später vom Jahre 1799, dass auf dem Grasort vor dem PoeIer Tor Hinrichtungen stattfanden. Gegen den späteren Plan, 'das PölerTor zu sperren, wehrte sich die Stadt 1709 wegen Überschwemmung der dortigen Kohlgärten' . 1871 nahte dann das Ende des PoeIer Tores. Angeblich wegen 'Hindernisses des Verkehrs' wurde es als letztes WismarerTor nach 'langem Widerstreben des Rates' abgerissen. Der 'stets zu allem bereite Advokat Düberg' hatte den Anstoß zum Abbruch gegeben. Er war verschrien für 'unartiges Betragen' und galt als "Tumultant' . Zuvor wurden auf sein Betreiben das Altwismarsche, das Lübsche und das Mecklenburger Tor 1869 abgebrochen. Auch das Wasser tor war zum Abriss vorgesehen. Zu sagen wäre noch, dass die Jahrhunderte alten Wappen vom PoeIer Tor erhalten blieben und heute noch am Fischerwachturm des Wismarer Alten Hafens zu sehen sind. Diese 'Reconstruktion' des Wismarer Architekten Arthur Eulert aus dem Jahre 1922 zeigt die Innenansicht des PoeIer Tores mit seiner schmuckvolleren Seite um 1860. In der Regel fand später von den Fotografen die Außenansicht mehr Beachtung.

2. Auf dem Wege nach Poel begleitet uns gedanklich die Lehrerin Katharina Meyer. Sie war mit Sicherheit eine Ausnahmeerscheinung im Lehrerkollegium der Insel. Käte, oder auch Tante Käte (TaKä) genannt, besaß das Talent zum Schreiben. Und das in hoch- und niederdeutsch; meist in Versen. Ob Besinnliches oder Spaßiges, alles gelang der Hobby-Dichterin in gefälliger Form. So finden sich in ihrem Nachlass auch Theaterstücke, Hochzeitszeitungen und Verse, die recht detailgetreu Auskunft über die PoeIer Geschichte geben. Wir lassen uns gern von einem ihrer Gedichte mit dem Titel 'Poelet Reisen' zur Insel einladen:

Früher war 'ne Poeier Reise / onqenehrn in jeder Weise. / Denn da fuhr einAutobus, / und die Fahrt war ein Genuß. / Pünktlich fuhr er nach der Uhr / durch die blühende Natur C ... ). / Angenehm in jeder Art / war dann auch die Dampferfahrt.C ... ) / C ... ) Hat man solche Reise vor, / begibt man sich ans Poeier Tor C ... ). SO angenehm wie Käte Meyer diese Reisen in ihren Versen schilderte, war es jedoch nicht. Immerhin brachten die damaligen politischen Verhältnisse so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg auch Unannehmlichkeiten. Ohne Passierschein konnte die Fahrt über Damm und Brücke schon zum Problem werden. Hier ein Foto von Käte Meyer (rechts) mit ihrer Schwester Marie Luise (Mischa) . Aus einem Fragment ihrer unzähligen Briefe wird die große Liebe zur Insel deutlich. Dort ist nachzulesen: 'Poel gefällt mir sehr gut. Ich habe das Gefühl, daß ich mich hier glücklich fühlen werde.' Über Leben und Wirken der Katharina Meyer wird der Leser im Bild 26mehr erfahren.

3. Eine Broschüre der 'Eberhardtschen Hof- und Ratsbuchdruckerei' in Wismar aus dem Jahre 192 9 informiert uns über die Hansestadt Wismar. Herausgegeben hatte dieses Heft die 'Gemeinnützige Gesellschaft- Verkehrs- Verein' e.V Unter dem Titel 'Wisrnar - Die Stadt der Dome' wird dem Leser in kurzweiliger und lockerer Form Wissenswertes über die damals 700 Jahre alte Stadt vermittelt. Und natürlich blieb auch die Insel Poel in diesem Heft nicht unberührt. Hier eine reizvolle Darstellung der Insel mitTextbeitrag, der auch den Dampferfahrplan für die Insel Poel enthält. Wir aber müssen nach sechs Reisen nicht mehr von der Attraktivität der Insel überzeugt werden und haben uns im Prinzip nur über die Art der Weiterreise nach Poel zu entscheiden. Hierzu wird uns im 'IX. Jahrgang des Monatsheftes vom Jahre 1933' empfohlen, 'Mit der Kraftpost durch das Mecklenburgische Land' zu reisen und erfahren aus diesem Heft weiter: 'Die Kraftpost ist das schnelle, bequeme und billige Verkehrsmittel der landstraße. Auf Wunsch Sonder- und Gesellschaftsfahrten (Kraftsonderposten ). Auskünfte über Fahrpläne, Fahrpreise, Reisegepäck u.s.w. durch die Postanstalten und Vertretungen des Mitteleuropäischen Reisebüros.' Und eine Kleinanzeige wirbt außerdem mit der 'Regelmäßigen Dampfer- und Postautoverbindung nach der Insel Pöl'. Ja, die Wege zur Insel Poel sind uns inzwischen hinreichend bekannt und es waren meist bequeme Reisen mit Schiffen, Kutschen, Kraftomnibussen, Taxen und gar mit einem Zeppelin. Das war unseren Vorfahren allerdings nicht so ohne weiteres vergönnt, und eine Reise nach Poel konnte schon zur Tortur werden. Meist geschah die Fahrt zur Insel wohl auf dem Wasserwege, bei der unter Umständen der Wettergott für eine ausgewachsene Seekrankheit sorgen konnte. Wie dem Übel aber zu begegnen war, verrät uns ein Lexikon aus dem Jahre 1834 allen Ernstes: ' ... Endlich ist noch zu bemerken, daß derjenige, welcher vor dem Einschiffen ein Abführmittel nimmt, und dadurch eine natürliche Oeffnung nach unten bei sich erzeugt, von der Seekrankheit verschont zu werden pflegt.'

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4. Auch auf dem Landwege konnte und kann man Poel von Groß Strömkendorf aus kommend erreichen. Vor langer Zeit noch durch eine Furt watend oder über schwankende Stege balancierend, wurde es im Laufe der Jahrhunderte schon komfortabler. Die näheren Umstände dieser abenteuerlichen Unternehmungen erfahren wir recht bildhaft aus der 'Monatsschrift für Mecklenburg 4 tes Stück Oktober 1788'. Unter dem Titel 'Einige Nachrichten von der Insel Poel bey Wismar' wurden bereits ansatzweise im fünften Band Bild 4 interessante Details mitgeteilt, die nun noch einmal in den erweiterten Text einfließen sollen. So u.a.: 'Poel, ob es gleich oft eine Halb-Insel genannt wird, ist eine ganze Insel, denn sie hängt durch zwey Brücken, so schon zur schwedischen Herrschaft gehören, mit dem festen Lande zusammen; und die dritte Brücke so auf MecklenburgischenTerritorium vor einigen 30 Jahren gewesen, ist weggenommen, ein Damm an deren Stelle gemacht, welcher aber meist weggespült ist, wodurch bey hohen Wasser, besonders wenn etwas Eis da ist, der Zugang nach Poel sehr beschwerlich gemacht, ja nicht selten gesperrt ist. Es sind also drey Arme, so aus dem Binnenwasser herausfliessen. Durch einen, der nach Mecklenburg an das Amt Redentin und an den Domanial-HofStrömkendorf gehöret, kann und muß man fahren, reiten und der Fussgänger waden, über die anderen beyden Arme sind Brücken geschlagen, wozu vom Könige aus der N euklosterschen Waldung das Holz gegeben wird, die Einwohner aufPoel aber, nach einer gemachten Repartition (Aufteilung) aufHufen, Häuser und Personen, tragen die Baukosten und thun selber die Fuhren und Handdienste dabey. Auf der grössten Brücke ist auch eine Zugbrücke, welche des Nachts aufgezogen wird, wodurch dieser einzige Zugang zu Lande nach Poel gesperret werden kann; zu welchem Ende auch einem kleinen Hause, so auf der Schanze genannt wird, ein Mann mit seiner Familie beständig wohnet, der die Aufsicht über die Brücken hat und dafür vom Land mit Korn, Brot und Fleisch gelahnet wird.' Der Autor teilt weiterhin noch mit: 'Poel liegt gegen Norden, an der würklichen Ostsee, gegen Westen und Süden an dem Fahrwasser nach Wismar ... Gegen Osten liegt es an schmäleren Armen aus der See, wo auch der Zugang über die Brücken ist.' Einer Anmerkung des Herausgebers dieser Nachrichten zufolge sind diese Mitteilungen 'dem treillichen und würdigen PoeIer Prediger Christoph Zastrow zu danken' (Amtszeit: 1763-1796). Wann man sich mit dem Damm- und Brückenbau zur Insel erstmalig befasste, ist schwer zu datieren. Diese Karte vom Jahre 1678 zeigt aber, dass bereits zuvor mit ersten Befestigungen für das Übersetzen zur Insel begonnen wurde. Die Karte mit dem Titel 'Die Insul Pölen, nahe bey der Statt Wismar liegent .. .' , lässt hier bereits Verbindungen zum Festland erkennen. Wohl werden die kriegerischenAuseinandersetzungen im Lande und der Festungsbau in Kirchdorf aufPoel im Jahre 1614 die Befestigung der Landverbindung vorangetrieben haben. (S. auch: 'Die Insel Poel in alten Ansichten' Band 1, Bild 1; Band 4, Bild 76; Band 5, Bilder 2, 3, 4, 5; Band 6, Bild 74.)

5. Eine noch schönere Karte des Gebietes um die Stadt Wismar und dem 'Swerinschen See' gibt uns einen sehr guten Überblick über diese Region. Sie entstand nur 37 Jahre nach der im vorangegangenen Bild gezeigten Karte und weist die Insel Poel als 'Das Landt Poel' aus. Im rechten, oberen Bildteil können wir folgendes lesen: 'Particulier Carte der Gegend von Wismar nebst der Insul Poel und angedeuteter Bloquade zu Wasser und zu Lande 1715 wie auch Speziale Anzeigung des Ausflusses Des Swerinschen Sees nach Wismar abgemessen und gezeichnet durch Herrn Heinr. Varenium Ingenieur Lieutenant .. .' Interessant sind auch im linken, oberen Teil die drei gekastelten Flächen mit der Überschrift 'Erklärung der Buchstaben' zur strategischen Erläuterung verzeichnet. So ist u.a. neben den anderen Wismarer Stadttoren auch das 'Póler Thor' oder 'Pöeler Brücke' genannt. Eigenartig erscheint in diesem Text die unterschiedliche Schreibweise 'PÖl' und Pöel'. Aber auch von 'Infanterie, Cavalerie, von dänischen Fregatten und königlich Preus. und König!. Dänis. Truppen' ist die Rede. Es ist die Zeit der großen Belastungen für die Menschen dieser Region. Das Ende des Dreißigjährigen Krieges durch den Frieden von Osnabrück im Jahre 1648 ist gerade 27 Jahre verstrichen, schon besetzen im Jahre 1675 die Brandenburger dieses Gebiet. 1676-1679 regieren die Dänen das Land und 17 la bis 17 16 werden die Menschen dann durch Dänen, Schweden, Russen, Hannoveraner und schließlich 1756/63 durch die Preußen im Siebenjährigen Krieg beherrscht. Klar und deutlich sind die Insel und der Festlandbereich auf dieser Karte dargestellt. Und die Karte lässt bei genauerer Betrachtung auch die Dammund Brückenverbindungen zwischen Strömkendorf und Fährdorf erkennen. Es werden nach heutigen Maßstäben wohl sehr störanfällige Bauwerke gewesen sein und aus alten Schriften ist zu erfahren, dass es die Benutzer oft vorzogen, durch die Furt den Weg zur Inseloder zum Festland zu suchen. Auch soll Brückengeld erhoben worden sein. Es ist also aus Ersparnisgründen sicher verständlich, wenn man die Benutzung umging. Und schließlich konnte man es dem Fuhrwerkslenker nicht verdenken, wenn er den Weg über die polternden Bohlen der schwankenden Brücken scheute. Bei Hochwasser war die Furt, die durch hohe pfähle gekennzeichnet war, unter Umständen aber auch sehr gefährlich. Über 3 00 Jahre sollten noch vergehen, bis endlich dann ein fester Damm und eine solide Betonbrücke ein gefahrloses Passieren des Breitlings möglich machte.

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6. Dieses schöne Foto von Kar! Eschenburg aus demjahre 1934lässt uns erahnen, wie unsere Vorfahren über schwankende Planken die Insel erreichten. Auf dieser Darstellung hier sind noch die Reste der alten Brücke vorhanden, in der sich die 'Grot Klapp' und 'Lütt Klapp' zur Durchfahrt von Fischerbooten befand. Die Straße mit ihren Holzbrücken verlief bis zum Jahre 192 7 noch südlich des Fährhauses entlang bis zur Schanze. Die Schanze befand sich übrigens südwestlich vom Fährhaus, nicht wie irrtümlich angenommen direkt am Fährhaus. Erst mit dem Bau des Dammes, der auf geradem Wege dann nördlich am Fährhaus vorbei führte, hatten die PoeIer endlich eine feste und solide Landverbindung erhalten. Eine dendrochronologische Untersuchung (Altersbestimmung) eines geborgenen IochPfalils dieser Brücke ergab 2 00 1, dass dieses Bauwerk etwa nach 1711 gebaut, oder zumindest erneuert wurde. In dem Gutachten des DeutschenArchäologischen Instituts wird sinngemäß folgendes ausgesagt: Die Jahresringe des Eichenholzes reichen von 162 7 (erster Ring) bis 1691 (letzter Ring). Es kann aber aufgrund der fehlenden Kern/Splintgrenze das Alter nicht genau ermittelt werden. Es wurden 20 Jahre aufgeschlagen, so dass sich ein Fälldatum für das Iahr 1711 ergab. Das Holz stammt mit Sicherheit aus heimischen Wäldern. Den Beweis haben wir bereits im Bild 4 vom PoeIer Pastor Zastrow erhalten, indem er von der 'Neuklosterschen Waldung' berichtet. Das zweite Fährhaus wurde im Jahre 1853 auf den Fundamenten einesVorgängers erbaut (s. Band 1, Bild 1; Band 4, Bild 76; Band 5, Bild 4). Und wie wir im folgenden Bild erfahren werden, hatten sich zu diesem Zeitpunkt die damaligen Projektanten längst mit einer erweiterten Dammschüttung befasst, der auf geradem Wege den Ort Fährdorf erreichen sollte (s. auch Band 6, Bild 73, Durchstich des Fährdorfer Berges für den Dammbau). Dies geschah aber erst im Jahre 1925/26 als die neue 'Nebenchaussee' (Kunststraße) von Wismar zur Insel Poel in Angriff genommen wurde und auch den Bau einer festen Betonbrücke zur Folge hatte. Erstaunlich ist die lange Planungsphase von über 100 Jahren, die sicherlich mit der Finanzlage zu erklären sein mag. Rechts unten erkennen wir zum Zeitpunkt dieser Aufnahme einen Teil des inzwischen siebenjährigen Dammes und oben links die Häuser des Ortes Fährdorf Ausbau. Nicht zu übersehen sind die Strornmasten. Erst Mitte der 1920er Jahre wurde Poel teilweise durch eine 'Lichtgenossenschaft' mit Strom versorgt. Zu sagen wäre noch, dass u.a. David Steinhagen, Hugo Beyer und Hans-Hinrich Waack im 19. Jahrhundert als Brückenwärter tätig waren.

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7. Ein wunderschön koloriertes 'Cammer Exemplar' der 'Mutter-Carte' von der Hoffeldmark Groß Strömkendorf aus demjahre 1886, entworfen vom Cammer Ingenieur 0. Müffelmann, zeigt den Verlauf des alten wie neuen Zugangs zur Insel, vorbei am 'Käterberg' (Nähe Zollhaus) über den 'Hengstenort' , auf dem bereits die ersten Dammbauten zu Zeiten des PoeIer Festungsbaus verwirklicht wurden. Die spätere, erweiterte Dammschüttung vermittelt uns eine 'Karte von der Dorffeldmark Fährdorf Domanial-Amt Poel, gemeßen Anno 1829 von G.e. Arendt, durch F. Harrns'. Dort ist sehr schön der alte Verlauf des Weges (schraffiert) vom 'Brückenwärter-Gehöft' aus in südwestlicher Richtung und westlich des Brückenhauses verzeichnet. Die angedachte Linie des künftigen Dammes wird später aber vom Projektanten überarbeitet worden sein, denn die Strecke führt nach Vollendung nördlich am Brückenwärter-Gehöft entlang (s. auch Band 5, Bild 2).

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8. Der Wismarer Baumeister Carl Nicolai war nicht nur mit dem Brückenbau befasst. Auch der Chausseebau (Nebenchaussee, Kunststraße) mit der Pflasterung gehörte zum Auftrag. Im Kostenanschlag waren auch Regulierungsarbeiten an den Böschungen des Dammes, wie Planierungen von Mutterboden und das Ansamen verankert. Insgesamt waren für Chaussee- und Brückenbau 102 772,50 M veranschlagt worden. Eine Rechnung der Firma Nicolai mit schönem Kopfblieb erhalten, aus der wir u.a. auch erfahren, dass für die Brückenfahrbahn ein 'Doppelter Asphaltfilzbelag mit Bleizwischenlage' vorgesehen war, über die dann eine zwei Zentimeter starke Zementmörtel-Schicht aufgetragen werden sollte. Für die Befestigung der unteren Brückenkonstruktion und derWiderlager wurden 12 Zentimeter starke Kiefern-Spundwände in den Boden gerammt. Zur Konservierung der Brücke verwendeten die Bauleute den Schutzanstrich 'Inertol'. Und allein für die Gründung des Brückenbauwerkes waren laut Massenberechnung für die Grundmauern, der Widerlager und Flügel ein Bodenaushub von 675 Kubikmeter nötig. Ganz ohne Probleme ging es aber auch dazumal nicht, denn unter Punkt 10 dieser Rechnung erhalten wir den Hinweis auf'Teuerungszuschlag' und 'Lohnerhöhung' . Für Damm und Straße in Richtung Kirchdorf wurde ab Strömkendorf eine Alleepflanzung von 776 Pappeln verwirklicht. Diese Pflanzungen mussten aber später aus Sicherheitsgründen wieder entfernt werden. Die Pappeln wuchsen zwar schnell, konnten aber den starken Winden nicht trotzen. Von der Fertigstellung dieser verbesserten Verkehrsanbindung an die Insel profitierte natürlich auch der aufstrebende Tourismus. Konnten bisher nur Pferdefuhrwerke auf dem Landwege Poel erreichen, war ab dem Jahre 1927 auch den Kraftfahrzeugen dieser Weg zur Insel endlich offen.

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