Die Insel Poel in alten Ansichten Band 7

Die Insel Poel in alten Ansichten Band 7

Auteur
:   Jürgen Pump
Gemeente
:   Die Insel Poel
Provincie
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6713-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Die Insel Poel in alten Ansichten Band 7'

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9. Auch dieses Foto ist dem Warnemünder Fotografen Karl Eschenburg zu verdanken. Es zeigt sehr schön den Verlauf des Dammes mit der neuen Pflasterstraße und dem Pappelbestand auf der Inselseite mit einem Teil des Ortes Fährdorf im Hintergrund. Dieser feste Damm und die steinerne Brücke trotzten den Naturgewalten weit mehr als die Bauwerke zuvor. Doch Schäden sind bei Sturmhochwassern bis in die Gegenwart nicht auszuschließen und zwingen immer wieder zu kostenintensiven Ausbesserungen. So u.a. der Nordoststurm vam Jahre 1954, bei der der Pegel 2, 10Meter über normal stieg, die Dammkrone überspülte und den Damm gefährdete. Oder jüngst am 21. Februar 2002. Dieses Sturmhochwasser ließ den Wasserspiegel bis auf 1,98 Meter über den normalen Stand ansteigen und hinterließ nicht unerhebliche Schäden an der Nordseite des Dammes. Die hölzernen Brücken vor 192 7 allerdings wurden schnell ein Raub der See oder des Eisganges im Winter. Allzu verständlich wird der Wille, eine feste Brücke und einen Damm mit Straße zu bauen. Man entschloss sich also im Iahre 1925 zum Bau dieser festen Anlagen. Hierzu findet sich bereits im 5. Band, Bilder 2 und 3, eine Konstruktionszeichnung vom Amtsbaumeister Ingenieur Karl Hoch sowie ein Foto der fertig gestellten Brücke und Straße. Inzwischen neu entdeckte Dokumente aber sollen nun die Planung und die Verwirklichung dieses Projektes noch deutlicher machen. So erfahren wir z.B. aus einem Schreiben vom 28. März 1925: 'Die vorhandene hölzerne Brücke über den Breitling vom Festlande nach der Insel Poel soll durch eine massive Brücke mit nur einer Öffnung ersetzt werden im Zusammenhang mit dem Bau einer Nebenchaussee. Die Brücke soll eine lichte Durchfahrtsweite von 10Meter haben bei einer Fahrbahnbreite von 5,20 Meter.Auf der Nordseite soll ein 1,50 Meter breiter, ausgekragter Fußweg angelegt werden, während an der Südseite zwischen Bordkante und Geländer ein 0,50 Meter breiter Streifen verbleiben soll. Neben dem Steindamm wird auch ein Sommerweg (für Fuhrwerke) vorgesehen. Die Gesamtbreite der Brücke beträgt somit nach Fertigstellung 7,20 Meter .. .' Interessant ist auch die Festlegung, dass vom Staatlichen Matrialprüfungsamt Berlin Dahlem sowie von der Regierung für die Berechnung der Brücke eine VerkehrsIast durch eine Dampfwalze von 23 Tonnen Gesamtgewicht gefordert wurde. Genaueres hierzu ist einem Dokument zu entnehmen, in dem Ingenieur Carl Nicolai in einer 'Massenberechnung von der PoeIer Brücke' auf diese Forderung eingeht. In diesem Papier sind auch Berechnungen des Bodenaushubs sowie eine Zusammenstellung der auszuführenden Rammarbeiten mit Skizze zu finden. Erwähnung findet in diesem Schreiben auch die Verlegung der 'Trace' (Trasse) in nördlicher Richtung mit gleichzeitiger Anhebung von 0,60 Meter. Dieses Foto zeigt den fertigen Straßendamm mit den inzwischen herangewachsenen Pappeln.

10. Der Ort Fährdorf an der PoeIer Brücke ist auch indirekt mit schaurigen Erlebnissen verbunden. Wie in einem Vernehmungsprotokoll nachzulesen ist, klagten im Jahre 1698 die Fährdorfer Bauern Peter Steinhagen und Christian Lembke das Mädchen Lucie Bernitt der

Hexerei an. Eine schwere Anschuldigung, denn zu jenen Zeiten endete so ein Vorwurf in der Regel mit dem Tode. Man erfährt aus dieser Schrift, dass 'Lucie van Ansehen und Gebärden ein einfältiger Mensch sei, der aber seinen Verstand wohl wüßte zu gebrauchen'. Im erpressten Geständnis gesteht Lucie Bernitt aus Brandenhusen, die Hexerei gelernt zu haben und dadurch mancherlei Schaden angerichtet hätte. Und sie sprach davon, dass Geister sie sehr plagten und hoffte durch ihr Geständnis von ihnen befreit zu werden. Sie berichtete von einer Steinhagenschen, die beim Gänsehüten zu ihr gekommen wäre und ihr das Hexen lehren wollte. Hierbei versprach sie Lucie gar einen Bräutigam. Sie habe einen Stock mitgebracht, den sie mit der rechten Hand anfassen und folgenden Spruch sagen sollte: 'rek fate an dissen Stock un verlathe daby den leven gott.' Und weiter heißt es: 'Schon in der nächsten Nacht sei ein böser Geist in Gestalt eines Mannes gekommen, der sich als Bräutigam ausgab und mit ihr die Nacht verbrachte. Auffallend wären allerdings die Füße gewesen, die wie Pferdehufe aussahen. Er hätte sie zur Hexenversammlung jenseits der PoeIer Brücke mitgenommen und sie dort gelehrt, wie man Hexen erkennen könne.' Nach langer Beratung holten die Richter schließlich ein Gutachten der hohen juristischen Fakultät der Rostocker Universität ein, in dem es hieß: 'Feuertod nach Stärkung durch das Abendmahl.' Am 17. Februar 1699 wurde das Urteil an der 'pölschen Einwohnerin' durch den Scharfrichter 'Meister ' Carl Göltzer vollstreckt. Die Angeklagte wurde dem Büttel übergeben, der sie rücklings auf einen Wagen setzte und mit ihr zum Richtplatz fuhr. Begleitet wurde der Wagen von dem Poe-

Ier Pastor MartinCassius (Amtszeit 1675-1708) unddemKüstermit seinen Chorknaben. Viel schaulustigesVolk hatte sich zu diesem grausigen Ereignis eingefunden. Auf dem Richtplatz angekommen, wurde

die 'Bernittsche zurVerkürzung ihrer Qual mit dem Stricke gewürget' und dann bereits entseelt am pfahl verbrannt. Vor Lucie, so wird berichtet, musste am 29. Oktober 1692 auch der Fährdorfer Hans Stolte diesen schrecklichen Weg gehen. Ihn verbrannte man 'allhie aufPoel' als Zauberer. Hier eine Bleistiftzeichnung vom PoeIer Kunstmaler Joachim Rozal, die eine Vorstellung des Verbrennungstodes der 'Bernittschen' geben soll.

11. Diese beiden Fotos mit ihrem Stimmungswert bedürfen kaum einer Erläuterung. Sie stellen im obigen Bild den noch jungen Baumbestand am Wege dar, der von Kirchdorf über den 'Steinstieg' nach Niendorf führte und heute noch eine willkommene Abkürzung für Fußgänger und Radfahrer ist. Noch beeindruckender ist das Meisterwerk des Fotografen, das viele Jahre später die schön herangewachsenen Eschen und den immer noch existierenden Koppelzaun an gleicher Stelle zeigt. Zu diesem Zeitpunkt gab es nicht mehr den 'Steinstieg' . Er war längst durch einen Steg, und später durch eine Brücke ersetzt worden (s. auch Band 1, Bild 74; Band 2, Bild 14; Band 4, Bild 13; Band 6, Bild 13).

12. Dem Handwörterbuch des Postwesens vom Jahre 1927 ist folgendes zu entnehmen: 'Post ist eine dem Gemeinwohl bestimmte, dauernd betriebene staatliche Anstalt zur Beförderung von Personen, Nachrichten und Kleingütern .. .' Das liest sich zwar leicht. Aber man muss bedenken, dass so eine Dienstleistung sehr vom Zustand der Straßen abhing. Und das besonders dann, wenn über störanfällige Brücken eine Insel versorgt werden soll. Ein Grund also, die Postgeschichte der Insel Poel weiter zu erforschen. Obwohl bereits in den vorangegangenen Bänden ausführlich das Postwesen der Insel behandelt wurde, finden sich immer wieder neue Details. Der RundbriefNr. 72 der Arbeitsgemeinschaft Mecklenburg z.B. befasst sich sehr tiefgründig mit der Postgeschichte der Insel Poel. Dort heißt es u.a.: 'Die Postexpedition Kirchdorf wurde am 1. April 1866 eröffnet. Sie war die letzte Postanstalt, die während der Posthoheit des Großherzogturns Mecklenburg-Schwerin entstand.' Und weiter: 'Der erste Postaufgabestempel von Kirchdorf ist aus der Zeit vom 1. April 1866 bis 31. Dezember 1867 nicht bekannt ... Wahrscheinlich erfolgte in der Markenzeit die Abstemplung der Postsachen in Wismar.' Der Kirchdorfer Pastor Heinrich Friedrich Theodor Hempel-eramtiertevon 1843 bis 1880 undlebtevom 17.März 1808 biszum 10.Juli 1880-hattein einerEingabevom 12.Januar 1865 andie Großherzogliche Postverwaltung darauf verwiesen, dass die Insel Poel etwa 2 100 Einwohner habe und schrieb noch: 'Die hiesigen Böter, durch welche jetzt der Verkehr zwischen Poel und Wismar hauptsächlich vermittelt wird, gewähren uns die gewünschte Sicherheit nicht. Es dürfte kaum jemand aufPoel seyn, dem nicht auf diesem Wege Briefe und Sachen verloren gegangen oder beschädigt wären.' Wir können also schlussfolgern, dass von Pastor Hempel die Anregung zur Einrichtung einer Postverbindung ausging. Das führte zu einem Auftrag an den in der Schweriner General-Post - Direktion tätigen Postinspektor Johann Glaser, die Angelegenheit zu prüfen. Glaser erstattete am 6. Mai 1865 Bericht. Er hatte die möglichen Landwege auch zur Insel Poel durch Befahren kontrolliert und beschrieb sie detailliert: 'Wird indessen der directe Weg allein in Betracht gezogen, so zählt er unbedingt zu den schlechteren. Lediglich der Erddamm zwischen Strömkendorf und Fährdorf ist mit den beiden Brücken in gutem fahrbaren Zustand.' Erst viel später, nachdem der Damm im Jahre 192 7 eine gepflasterte Straße bekam, hatte sich Glasers Hinweis erledigt. Postbusse rollten ab nun mit ihrer lebenden Fracht und den Postsendungen in Richtung Insel. Hier ein riesiger Bus der Marke Büssing um das Iahr 1935 etwa, der sogar den Komfort eines Raucherabteils bot. Fahrer waren damals Heinrich Voss (I.) und Walter Schwonbeck.

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13. Wie bereits erwähnt, veranlasste die Verantwortli ehen der Postdirektion über die 'Poelet Bootspost' in Verhandlung zu treten, nachdem der Wismarer Oberpostamtsdirektor Ebeling über die örtlichen Verhältnisse am 3. September 1865 nach Schwerin berichtet hatte. Es kam dann zu Verhandlungen über die Einrichtung einer Bootspost mit dem Häusler und Böter Jacob Steinhagen zu Kirchdorf und dem früheren Lotsen auf Poel und 'demnächstigen Untersteuermann auf dem Obotrit' Noll. Gegenstand dieser Verhandlungen waren: 'Tägliche Fahrpost, Fußpost und Bootspost.' Die Entscheidung fiel am 16. Februar 1866 für die Einrichtung einer Postexpedition Ir. Klasse zu Kirchdorf für den 1. April 1866. Und am 3. März 1866 teilte die General-Post-Direktion dem Oberpostarnt Wismar mit: 'Die Beförderung der Post ist dem Büdner Joachim Steinhagen in Kirchdorf übertragen. Wenn in Folge Eisgangs oder sonstiger Naturereignisse die Beförderung der Post zu Wasser nicht ausführbar ist, so ist Steinhagen verpflichtet, dieselbe zu Lande zu befördern. Die Beförderungszeit kann für den Wasserweg nicht genau festgesetzt werden, weil sie von Wind und Wetter abhängig ist; auf dem Landwege wird dieselbe zu 3 1/2 Stunden angenommen.' In Vorbereitung der Eröffnung der Poststelle in Kirchdorf erging am 10. März 1866 die Weisung an das 'Post Haupt Magazin' folgende Gerätschaften an Poel auszuliefern: 'Ein Postschild "Post Expedition", eine Briefwaage nebst normalmäßigen Gewichten, eine Geldwaage neuer Construction, eine Paket-Brückenwaage, ein Dienstsiegel, ein Aufgabestempel nebst Apparat, ein Briefueutelmesser, zwei Reservebeutel, eine kleine eiserne Geldkiste, für die Amtsbibliothek eine Vielzahl an Regulativen und Portotarifen, Umrechnungstabellen, Postvereinsbestimmungen, ZalIgesetze, Verzeichnis der Ortschaften, Generalverzeichnis derVereins-Postanstalten, Taxkarte des Postvereins, Postcourskarte und Postordnungsblätter vom Jahre 1851.' Zur Einführung des ersten Postexpediteurs, dem Lehrer Carl Handmann, war eigens der Postpraktikant Alwin Schade vom Postamt Stern berg nach Kirchdorf versetzt worden. Obwohl die Poststelle ihren Sitz nicht am Markt in Kirchdorfhatte, wurde später dennoch ein Teil der Geschäfte am Markt abgewickelt. Bis dort brachte man die Sendungen ab dem Iahr 1927 mit dem Kraftomnibus und nahm abgehende Post mit. Ebenso verlief das Postgeschäft am Kirchdorfer Hafen, wenn dort der Dampfer 'Insel Poel' an- oder ablegte. Hier auf diesem Foto aus dem Jahre 1937 ist man mit dem Verladen von Paketen vor der Pension Ernst Lange am Kirchdorfer Markt beschäftigt, die von dort mit einem Karren zur oder von der Poststelle befördert wurden. Aus den Erinnerungen von Hilde Buchholz erfahren wir noch, wie der Postbetrieb in den 193 Oer Jahren bis in die Zeit des Zweiten Weltkrieges ablief: 'Damals hielt das Postauto vor dem Haus von Ernst Lange. Wir mussten mit dem großen Handwagen von da die Post abholen. Ich bestellte die Post in Kirchdorfund nachmittags hatte ich Schalterdienst. Während der letzten Kriegsjahre wurde die Post nur bis Strömkendorfzur Poststelle gebracht und wir holten sie mit dem Fahrrad von dort ab. Ganz zum Schluss war auch das nicht mehr möglich. Da ging es bei den Bauern reihum, die mit ihrem Fuhrwerk die Post von Wismar abholen mussten.'

14. Ganz ohne Probleme verlief die Einrichtung einer Postverbindung zur damaligen Zeit nicht. In der Akte 'Bestellung des Predigers zu Kirchdorf aufPoel, Band r ist eine interessante Ergänzung zu dem Vorschlag des Pastors Hempel für die Postverbindung zu entdecken. Unter dem Datum vom 6. März 1866 richtete die 'Christliche Gemeinde auf Poel' einen längeren Beschwerdebrief über ihren Pastor an den 'Herrn Ober Kirchen Jurath Kleefoth zu Schweriri'. Im Punkt drei wurde ausgeführt, dass zwischen Pastor Hempel und Lehrer Handmann in den Schulangelegenheiten öfter Meinungsverschiedenheiten bestanden. 'Ietzt hat der Pastor dem Lehrer zum Postverträter beholfen und stimmt der Lehrer dadurch dem Pastor ein, daß die Schule hierunter leidet, fühlt die Gemeinde und werden Klagen laut

unter dieselben, was aber auch nicht ausbleiben kann. Also ist die Schule zu Kirchdorfwegen der Post beschränckt, und die Post wegen der Schule - steht fest, daß der Pastor Hempel mehr zum Wältlichen stadt Geißlichen wirkt hier aufPoel.' Ein Schreiben vom 15. Februar 1868 an die Kirchdorfer Postexpedition befasst sich zwei Jahre später mit der Anbringung eines Briefkastens. 'Zur Anbringung an das dortige Posthaus wird das Posthauptmagazin einen eisernen Straßen-Briefkasten nebst Schlüsselliefern. Das in dem Briefkasten befindliche Drathgitter soll auf dem Boden desselben liegen, damit die Briefe während der Lagerung im Briefkasten durch das Eisen nicht leiden, auch ist zu beachten, daß die an dem einen Ende angebrachte erhöhete Kante stets der Thüre des Kastens zugekehrt sein muß, damit beim Oeffnen der Thüre die Briefe nicht herausfallen .. .' Zwei Briefkästen befinden sich heute in der ständigen Postausstellung des PoeIer Heimatmuseums. Der kunstvoll beschriftete eiserne Briefkasten stammt etwa aus der Zeit um 1920, während der hölzerne ein originales Stück der Kirchdorfer Post ist. Er war im Mauerwerk angebracht und seine Rückwand mit einem Einwurfschlitz durch die Wand nach außen versehen. Entleert wurde dieser Briefkasten im Postraurn. Er hatte ursprünglich die Farbe blau, wurde aber später mit einer graugrünen Farbe überstrichen. Vermutlich vergaß man ihn nach der Anbringung des eisernen Kastens und er blieb dort bis zur Einstellung des Postbetriebes verankert.

15. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Jahre 1914 brachen auch die Währungen aller beteiligten Länder zusammen. Die Folge war eine Geldvermehrung, die als Inflation vielen älteren Menschen noch in schlimmer Erinnerung ist. Die Preise und die riesigen Mengen an Papiergeld stiegen ins Unermessliche, so dass die Notenpressen kaum noch den Bedarf decken konnten. Zu Beginn noch ein langsamesAbgleiten der Mark, stürzte ihrWert dann im Iahre 1923 bis auf den Nullpunkt und konnte als absolute Katastrophe bezeichnet werden. Mit Koffern voller Geld, in denen Geldscheine mit riesigen Zahlen bündelweise verpackt waren, kauften die Menschen die kleinen Dinge des täglichen Bedarfs.

Diese galoppierende Aufwertung der Zahlungsmittel konnte schon ins kuriose ausarten. So wurde u.a. ein Eintausend-Mark-Schein schnell mit einem Stempel aufgewertet und schwuppdiwupp hatten sich tausend Mark in eine Milliarde gewandelt. Eine 'lächerliche Summe' dagegen waren die 80 Millionen Mark, die der Lehrer Sigglow als Zeitungsbezugsgeld für den 'Rostocker Anzeiger' im Oktober 1923 zu zahlen hatte. Der Kirchdorfer Stempel beweist, dass dieses Papier durch die Hände von Liesbeth Schröder gegangen sein muss. Sie führte nach dem frühen Tod ihres Bruders Johannes in jener Zeit die Postgeschäfte der Insel. Die Tochter von Lehrer Sigglow, Hildegard Hafike, überließ dieses seltene Stück dem PoeIer Heimatmuseum. Dort ist es in der ständigen Postausstellung zu bewundern.

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16. Auch auf der Insel Poel verstand man früh etwas vom Tourismusgeschäft und hatte die Notwendigkeit der Werbung schnell erkannt. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird kräftig in Prospekten geworben, in denen die Unterkünfte mit Preisen und der Service angeboten wurden. Das war auch nötig, denn das Geschäft mit den Gästen entwickelte sich günstig und der Fremdenverkehr wurde zur guten Erwerbsquelle für die PoeIer. Führte aber auch im gewissen Sinne zum Konkurrenzdenken. Zu beweisen ist dies durch die Vielzahl an Inseraten, die gut und gerne ein ganzes Büchlein füllen würden. Vollmundig priesen die Vermieter die Wohnungen oder Pensionen in den höchsten Tönen. So lesen wir u.a. in einem Prospekt vom Jahre 1936: 'Von den ruhigen Badeorten an der mecklenburgischen Ostseeküste erfreut sich das Ostseebad Insel Poel dank seines heilkräftigen Klimas und seiner interessanten Eigenarten einer wachsenden Beliebtheit. Poel ist ohne Mückenplage und alles andere als ein Modebad. Die Vermieter sind bestrebt, den Gästen den Aufenthalt mit Segelpartien, Strand- und Kinderfesten so angenehm wie möglich zu gestalten'. Dem Gast blieb bei dieser Fülle an Unterkünften nur die Qual der Wahl zwischen: Tankmar Mahncke, Pension Völter, Frieda Schwartz, bei Grünberg im Haus Möwe, der Pension und Gaststätte 'Zur Insel', im Fremdenheim Kofahl in Malchow, beim Gutsbesitzer Beyer und bei Robert Schwartz in Gollwitz, Pension Richard Steinhagen in Wangern, im Gutshof Hinterwangern, Frieda Wegener in Fährdorf, die Pensionen Schröder und Hartig am Timmendorfer Strand, oder Halands Erben in Timmendorf/Dorf, im Kurhaus am Schwarzen Busch oder gar bei Cords und Lange in Kirchdorf

17. Zur Freude der PoeIer und sicherlich auch der Gäste pflegte man natürlich auf Poel auch die Kultur. Im September 1930 gründeten der Schneider Gustav Körner, der Maler Bruno Fraedrich und der Briefträger Gustav Sengpiel einen zweiten Gesangverein auf der Insel mit dem Namen 'Sängerfreund' . 25 Sänger hatten sich eingetragen. Donnerstagabend von 20.00 bis 21.30 Uhr sollte Singabend sein. Als Dirigenten hatte man den Musiker Lindenberg aus Wismar gewonnen und als vorläufiger Vorstand waren Gustav Körner, Tischler Hans Kremer und Briefträger Reinhard Gössel gewählt. Schnell hatte Lindenberg die frischen und ungeübten Stimmen zu einem vierstimmigen klangvollen Chor herangebildet. Während der ersten Hauptversammlung bildete sich dann der endgültige Vorstand. Ihm gehörten Schneider Gustav Körner als erster Vorsitzender, Gärtner Werner Laatz als zweiter Vorsitzender, Schneider Fritz Koppelmann als Kassierer und Briefträger Gustav Sengpiel als Schriftführer an. Auf der Tagesordnung stand auch die Umbenennung des Chores, der sich ab nun 'Frohsinu' nannte. Er sollte das Gegenstück zum PoeIer Gesangverein sein, der allgemein als 'spießbürgerlich' galt. Hochnäsig und vornehm sollen sich seine Mitglieder benommen haben. 'Frohsinu' wurde dagegen aus der Sicht der anderen als 'Proletenverein' bezeichnet. Dirigent Lindenberg bekam für den Übungsabend sechs Mark. Der Beitrag der Mitglieder belief sich auf fünfzig Pfennig, wurde aber später auf eine Mark heraufgesetzt. Im Verein waren auch Geschäftsleute vertreten. So u.a. Bäcker KandIer, Uhrmacher Bernhard Wiebring (Tickemaker) , Frisör Hermann Sievert, Stellmacher Hinkfuß, GastwirtVölter und Sattler Grünberg. Im Februar 1933 wurde aus dem Gesangverein 'Prosinn' ein gemischter Chor. 19 Frauen und 20 Männer sangen nun aus voller Kehle. Die Frau des Schneiders Fritz Koppelmann, Else, wurde in den Vorstand gewählt. Politische Verhältnisse und finanzielle Schwierigkeiten aber führten dann nach einigen Jahren zur Auflösung dieses Chores. Ein Passfoto vom zweiten Vorsitzenden des Sängervereins 'Frohsinu' zeigt Werner Laatz um das Iahr 1937 etwa.

18. Das Vereinsleben auf Poel existierte so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg kaum noch. Die PoeIer hatten in dieser schweren Zeit andere Sorgen. Es ging um Arbeit, ums Geldverdienen, ums Überleben überhaupt. Dennoch hatten die Menschen Verlangen nach Kultur. Bäcker Fritz KandIer übte inzwischen mit Kindern Lieder ein und wenn nachmittags seine Backstube frei war, sang er mit den Kindern für die Nachbarschaft. Das war schließlich der Auslöser, wieder einen Gesangverein zu gründen. Im Oktober 1948 kam es dann mit fünfzehn Männern zur Gründungsversammlung und man nannte den Chor 'Einigkeit'. Als erster Kassenwart wurde Walter Bartz gewählt und für den Posten des Schriftführers hatte sich der Lehrer Karl-Heinz Aeberlin einverstanden erklärt. Den Vorsitz übernahm Reinhold Fraedrich. Gleich am darauffolgenden Mittwoch kamen siebzehn Sänger und Fritz KandIer als künstlerischer Leiter spielte mit seiner Geige vor und übernahm die Einteilung der vier Singstimmen. Ohne Notenkenntnisse kam es dann zur Weihnachtsfeier bei Otto Groth im Saal der Gaststätte 'Zur Insel' zum ersten Auftritt. Der Gesangverein wurde aufPoel dann zu einer kulturellen Einrichtung von Bedeutung. 1949 wurde derVorstand mitWerner Laatz als zweiten Vorsitzenden verstärkt und ein Doppelquartett entstand für kleinere Feierlichkeiten und private Feste. Sänger, wie Hermann Sievert, Arno Broska, FranzTiedemann, Heinrich Groth (Heiner Bäcker), Walter Horn, Herbert Laatz, Paul Schacht und Willi Riggers gehörten dazu. Der Chor hatte ganz alte und bekannte deutsche Volkslieder im Programm. Das erste Sängerfest war im Frühjahr 1949. Der Verein hatte inzwischen achtzig Mitglieder, allerdings der größere Teil davon passive. Warum man in dieser Zeit vom Chor verlangte, seinen Namen 'Einigkeit' abzulegen, bleibt unverständlich. Man verlangte, ihn zukünftig in 'Chor des Kulturbundes' umzubenennen. Fritz KandIer dirigiert hier in den 195 Oer Jahren den Chor in den Schlosswällen.

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