Die Militärstadt Jüterbog in alten Ansichten

Die Militärstadt Jüterbog in alten Ansichten

Auteur
:   H. Schulze
Gemeente
:   Jüterbog, Die Militärstadt
Provincie
:   Brandenburg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6006-3
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Die Militärstadt Jüterbog in alten Ansichten'

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Einleitung

Jüterbog, im Soldatenjargon auch 'Iammerbock' genannt, hat eine über zweihundertjährige Tradition als Militärstadt die 1994 mit dem Abzug der letzten russischen Truppen wohl ihren endgültigen Abschluß gefunden hat. Die Kasernen stehen leer, die Gebäude sind arg verselilissen und auf den Wüstenfl.ächen der beiden großen Schießplätze beginnt wieder ein spärlicher Pfl.anzenwuchs. Einige der zahlreichen Wohngebäude sind bereits renoviert und schon neu bezogen worden, für die Flächen der Übungsplätze werden verschiedene Nutzungsvarianten beraten, wozu auch der zukünftige Großfl.ughafen für die Bundeshauptstadt Berlin gehört.

Bereits in sächsischer Zeit war Iüterbog Garnison. Ein Infanteriebataillon des Regiments 'Prinz Gotha' lag seit 1764 in der Stadt und zog, nachdem es wegen Bauernunruhen im Raum Torgau eingesetzt war, 1792 gegen das revolutionäre Frankreich. In den jahren 1807-1809 und 1810-1811 hatte hier ein königlich-sächsisches Regiment unter dem Kommando eines Herren von Low Quartier.

Als 1815 Jüterbog nebst Umland an Preußen fiel, schlug anfangs die noch sächsisch eingestellte Verwaltung ein Stationierungsangebot des preußischen Militärs aus, was in Erinnerung an die zwei Iahre zurückliegende Schlacht bei Dennewitz und das damalige aggressive Auftreten der preußischen Truppenführung gegen die feindliche Stadtverwaltung sicher noch eine Rolle

spielte, Das änderte sich ab 1824, als unter Bürgermeister Baltzer der einzige Ausweg aus der damaligen wirtschaftlichen Misere in der Stationierung von Soldaten gesehen wurde. Im Gegensatz zu dem benachbarten Luckenwalde hatte }üterbog den Anschluß an die erste Phase der Industrialisierung verpaßt. 'Ietzt ist bei uns alles öde und leer, der Handel liegt, die Gewerbe stocken ... Eine totenähnliche Stille ist an die Stelle der früheren Regsamkeit getreten. Einzig eine Garnison könnte Rettung für den gesunkenen Zustand der Stadt bringen,' schrieb der Bürgermeister an die Regierung. Als 1832 der preußische König in Jüterbog bei einer Bäderreise Rast machte, war Gelegenheit, Majestät die Bitte persönlich vorzutragen, da vorangegangene Eingaben bisher fruchtlos blieben. Der König sagte zu und am 21. September 1832 hielt die 1. reitende Kompanie der 3. Artillerie-Brigade Einzug. 1850 wurde diese kleine Truppe, 'durch die viele Leute Einnahmen gehabt hatten, ohne irgendwelches Verschulden der Bürgerschaft von Jüterbog nach Perleberg verlegt'. Auf Initiative des Landrates Hauschteck kamen als Ersatz zwei Batterien Fußartillerie auf einige Zeit von Wittenberg nach Iûterbog (1. August 1854 bis 29. April 1856). Dem folgte am 28. August 1860 die Stationierung der 1. Fußabteilung der 3. Artillerie-Brigade (Regiment). Als Übungsfeld für die Artilleristen wurde nördlich der Stadt ein Schießplatz angelegt. Dieses ab 1864 genutzte Areal erfuhr bis in die Neuzeit

ständig Erweiterungen und war Ausgangspunkt für das Entstehen einer riesigen Militärstadt, die Jüterbog bis über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt machte. Es wird wohl kaum zu ermitteln sein, wie viele Zehntausende von Soldaten in den 130 [ahren Schießplatzgeschichte den 'Iüterboger Sand' kennengelernt und mininter auch verflucht haben.

'Die Bürgerschaft fühlt sich beglückt und froh, Jüterbog wieder als Garnison ansehen zu dürfen. Man erwartet einen erheblichen Aufschwung der Geschäfte und ein regeres Verkehrsleben,' erklärte Bürgermeister von Seehausen anläßlich der Verlegung der Schießschulen der Artillerie von Berlin nach Jüterbog im [ahre 1890. Bedenkt man die positiven Auswirkungen auf die Infrastruktur der Stadt, die Anlage der Kanalisation und Wasserleitung, die Verkehrsanbindung, die Entwicklung des Dienstleistungsgewerbes, nicht zuletzt der Gastronomie, so gingen die Wünsche des Bürgermeisters in Erfüllung. Näheres zur Auswirkung der Garnison auf das zivile Leben findet der interessierte Leser in den Bänden '[üterbog in alten Ansichten' und 'Der frühere Kreis Jüterbog-Luckenwalde in alten Ansichten', die beim gleichen Verlag erschienen sind.

Der vorliegende Band beschreibt speziell die Anfànge der Militärstadt bis zu ihrem ersten Höhepunkt zum Anfang des Ersten Weltkriegs sowie die Zeit der Reichswehr in der Weimarer Republik. Der neue Ausbau der Garnison im Vorfeld des Zweiten

Weltkriegs und die Zeit des sowjetischen/russischen Truppenstandortes muß weiteren Publikationen überlassen bleiben. Für die diesbezüglichen Forschungsarbeiten ist der Verfasser an Hinweisen auf weitere Quellen und vor allen Dingen an persönlichen Erlebnisberichten interessiert.

Besonderer Dank gilt dem Jüterboger Sammler von Ansichtskarten Uwe Roßmann und dem Leiter des städtischen Museums 'Abtshof" Norbert Iannek für die Überlassung von Bildmaterial, das dieses Buch erst möglich machte. Dank gilt auch den zahlreichen Bürgern und ehemaligen Soldaten, die Material zur Verfügung stellten und aus ihren Erinnerungen erzählten.

Henrik Schulze

1 Die Geschichte der Militärstadt lüterbog, vor allem als Standort der Artillerie, begann am 20. August 1860. Da zog die 1. Fußahteilung der 3. Artillerie-Brigade (Regiment) in}üterbog ein. Die Einheit unter Führung eines Majors bestand aus 14- Offizieren und 458 Mann, davon 76 Unteroffiziere, ein Hufschmied, sechs Trompeter und 375 Kanoniere mit insgesamt 141 pferden. Viel mußte noch improvisiert werden, so wurde die HeiligGeist-Kapelle, die bis 1873 in der Nähe des Dammtores an der Pferdestraße stand, als Kanonenhalle genutzt.

2 Bereits in den [ahren 1860-1862 begannen Verhandlungen wegen des Erwerbs von Flächen für einen Schieß- und Übungsplatz. Zuerst wurden 249 Morgen Land von der Stadt Treuenbrietzen seitlich der Chaussee J üterbog - Treuenbrietzen durch den Militärfiskus erworben. In den nachfolgenden Iahren erfolgten weitere Zukäufe von Ländereien der Dörfer Bardenitz, Pechüle, Zinna, Klausdorfund Niedergörsdorf sowie der Stadt J ûterbag. Dieses Gelände zeichnet sich durch eine besonders niedrige Bodenwertzahl aus. Als typischer 'märkischer Sand', auf dem nur Kiefern und Heidekraut wachsen, wurde hier keine

nennenswerte Land-und Forstwirtschaft betrieben, weshalb große Flächen billigst angekauft werden konnten. 1864 begann die Nutzung des Areals als Schießplatz.

3 Der Schießplatz der Berliner Ausbildungsstätte in Tegel genügte nicht mehr den Anforderungen. Es war nur eine Schußweite von maximal2 500 Metern möglich. In der Breite konriten auch nur zwei Batterien gleichzeitig schießen. Ersatz fand sich bei ]üterbog. Mit Kaufvertrag vom 7. Oktober 1870 erwarb die Militärverwaltung von verschiedenen Eigentümern eine Fläche von 40 Morgen zur nochmaligen Schießplatzerweiterung und nicht zuletzt für den Bau eines Barackenlagers zur Unterbringung der zeitweilig zum Zweck der Schießübung hier stationierten Truppen. Daraus enrwickelte sich 'Altes Lager', ein Begriff, der auch über die

Grenzen Deutschlands hinaus bekannt geworden ist,

4 Rund 9000 französische Kriegsgefangene aus dem Krieg 1870/71 mußten beim Ausbau des ersten Barackenlagers und seiner Infrastruk tur rmthelfen. Die in dieser Zeit verstorbenen Männer wurden zum Teil auf dem Schießplatz und am Rande der Stadt Jüterbog auf dem sogenannten Pranzosenfriedhof beigesetzt. Beide Begräbnisplätze bekamen identische Gedenksteine, wovon einer auf dem kleinen Bild rechts auf der Karte zu erkennen ist. Ihr latemiseher Text lautet übersetzt: 'Den nach Iüterbog in Sachsen abgeführten, in Gott heimgegangenen Gallischen Kriegern, die für den irdischen Ruhm, der ihnen versagt blieb, himmlischen mit Recht erhoffen, das trauernde Vaterland im [ahre 1871.'

5 Die wachsenden Widersprüche zwischen den europäischen Großmächten zum Ende des vongen Iahrhunderts führten auch im deutschen Kaiserreich zu einer zunehmenden Aufrüstung. So genügte der bisherige Schießplatz nicht mehr den Anforderungen. Durch Kabinettsorder vom 25. März 1889 wurde die Anlage eines zweiten ArtillerieSchießplatzes befohlen. Südlich des bisherigen Übungsgeländes wurden 1629,04 Hektar zugekauft. Zwischen dem bisherigen, nun 'alten' Barackenlager und Iüterbog wurde ein weiteres errichtet, das den Namen 'Neues Lager'

erhielt. So ist auch diese Karte zu verstehen, die 'vom neuen Schießplatz [üterbog' grüßt.

6 Bei der Erweiterung des Schießplatzes ging es nicht allein um die Vergrößerung der Fläche. Der ursprüngliche Platz heim ersten. 'alten' Lager war gemäß den damallgen Vorstellungen weitestgehend eben, um im direkten Richten auf das Ziel zu schießen. Später kam die Erkenntnis, daß ein Übungsschießen in einem gewellten, unübersichtlichen Gelände besser gefechtsnahe Bedingungen erfüllt. So wurde speziell zu diesem Zweck das Gelände für die Erweiterungsftächen ausgewählt. Die Truppenunterkünfte des Neuen Lagers wurden im Gegensatz zum Alten Lager im wesentlichen westlich der Chaussee Iüterbog-

Treuenbrietzen errichtet, da sie ansonsten zu nahe arn Übungsplatz wären.

7 Am 29. März 1889

wurde in der Lokalpresse die öffentliche Vorladung im Enteignungsverfahren für die Schießplatzerweiterung wie folgt veröffentlicht: 'In der Enteignungssache des Militärfiskus, betreffend den Erwerb von Grundstücksfläehen der zu den Gemeindebezirken Zinna, Mehlsdorf und Königlichen Forst Zinna gehörigen Grundstücke behufs Anlage eines zweiten Artillerie-Schießplatzes bei Iüterbog ist auf Antrag der Königlichen Intendantur des lIL Armeekorps zu Berlin, als Vertreterin des Militärfiskus, das Entschädigungs- Peststellungsverfahren eingeleitet,'

8 Über die Schießplatzerweiterung brachte die Zeitung folgende Nachricht: 'Iüterbog, Soldaten aller märkischen InfanterieRegimenter sah man in größeren Trupps in den Straßen der Residenz. Sie sammelten sich um 1/2 1-2 Uhr auf dem Anhalter Bahnhof zur gemeinsamen Fahrt nach [ûterbog. Hier sind für den neuen Schießplatz 2 000 Morgen Wald und Heide abzuholzen. Zu dieser Arbeit, welche den ganzen Winter bis zum nächsten April in Anspruch nehmen wird, hat jedes der Infanterie-Regimenter der 9., 10., 11. und 12. Brigade pro Kompagnie 3 Mann zu stellen. Die Mannschaften, die sich freiwillig gemeldet ha-

ben, werden in der Nähe des neuen Schießplatzes in Barakken untergebracht.'

Wellblechbaracken

Offizierbaracken

Verwaltungse:ebäude

vom .Schiessplatz Jüterbog Neues ~ager

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