Die 'kleine Weltaustellung' in Düsseldorf 1902

Die 'kleine Weltaustellung' in Düsseldorf 1902

Auteur
:   Alexander Fils
Gemeente
:   Düsseldorf 1902, Die 'kleine Weltaustellung' in
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1865-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Die 'kleine Weltaustellung' in Düsseldorf 1902'

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Fûr Hilfe bei der Erstellung dieses Buches

bedanke ich mich bei den Mitarbeitern des Stadtarchivs und außerdem ganz besonders bei Petra

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Kopf des Plakates der Ausstellung für Ankündigung besonderer Festlichkeiten IFeuerwêrlc u , s_ w_

EINLEITUNG

Die 'kleine Weltausstellung' hieß offiziell: Industrie- und Gewerbe-Ausstellung für Rheinland, Westfalen und benachbarte Bezirke, verbunden mit einer Deutsch-Nationalen Kunstausstellung Düsseldorf 1902. Den Titel Weltausstellung hatte die zwei Jahre vorher in Paris stattgefundene Schau zu Recht gehabt; dort stellte die ganze Welt aus und über 50 000 000 Besucher kamen. Aber die deutsche Industrie war mit der Pariser Weltausstellung nicht zufrieden, wo für über 5000 deutsche Firmen nur 1,7% der Ausstellungsf1äche zur Verfügung stand, so daß die rheinisch-westfälische Industrie fast jegliche Beteiligung ablehnte und auf eine eigene Chance, auf eine Konkurrenzausstellung, hoffte.

Im preußischen Abgeordnetenhaus hielt darüber am 5. März 1900 DI. Beumer eine Rede: Es ist eine Tatsache, daß auf der Pariser Weltausstellung der deutschen und auch der sonstigen ausländischen Großindustrie nicht gentigend Raum zur Verfûgung steht im Verhältnis zu dem Raum, den Frankreich für sich selbst in Anspruch nimmt, und daß dort in Folge dessen

das Großgewerbe sich nicht in der ihm zukommenden Bedeutung getuigend zeigen kann. Nun ist insonderheit deshalb die Montanindustrie sowie die Großeisen- und Stahlindustrie von Rheinland und Westfalen in der Hauptsache von dieser Ausstellung weggeblieben, weil ihr der Raum nicht zur Verfügung stand ... Den Angriffen (gegen die deutsche Industrie) gegenüber zutreten und au] sie die richtige Antwort zu geben, ist die Dûsseldorfer Ausstellung 1902 bestimmt ... Wir wollen also mit dieser Ausstellung feststellen, daß nicht Furcht, sondern nur Platzmangel in Paris uns nicht hat in genûgendem Umfange ausstellen lassen. Es ist also ein patriotisches Werk im besten Sinne des Wortes, das hier varliegt.

Dieser Text macht deutlich, daß die Ausstellung nicht zur Präsentation der internationalen Industrie gedacht war, sondern als Schau - und auch das Verkaufen spielte nicht die entscheidende Rolle, sondern das Dokumentieren - der deutschen Industrie für ein internationales Publikum.

Die Erwartungen waren hoch geschraubt: ... die Welt wird

nacb Düsseldorf kommen, wie das auch schon 1880 der Fall gewesen ist, heißt es in einer Denkschrift. Nun ist zwar die Welt nicht so intensiv, wie 1900 nach Paris jetzt nach Düsseldorf gekomrnen, aber ein durchaus auch internationales Publikum brachte es auffast 5000000 Besucher, bei drei bis vier Millionen, mit denen man nur gerechnet hatte. Größenmäßig, von der Ausstellungsf1äche und der Besucherzahl, konnte die Düsseldorfer Ausstellung sogar die ersten Weltausstellungen der fünfziger bis siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts übertreffen und die 95 685 Personen, die am letzten Ausstellungstag, dem 19. Oktober 1902, gezählt wurden, sind eine Zahl, die heute kaum von den größten Publikurnsmagneten erreicht wird, sei es beim Fußballspiel, Walt-Disney-World oder dem Centre Pompidou. Bei diesen Besuchermassen war es fast zwingend, daß die Ausstellung einen riesigen Überschuß erwirtschaftete, der zur Organisation von Folgeausstellungen und zum Kauf von Kunstwerken, Plastiken und einem Brunnen verwendet wurde.

Aus diesem Bereich, dem künstlerischen, stammte auch ursprünglich die Anregung zu einer Industrieausstellung. Die Künstlerschaft nahm die Sache Anfang des Jahres 1898 energisch in die Hand, und in einer am 11. Februar im Malkasten abgehaltenen Besprechung wurde beschlossen, im Jahre 1902 auf dem Gelände der aufzuschüttenden Golzheimer Insel eine deutsch-nationale Kunstausstellung zu veranstalten und wegen gleichzeitiger Abhaltung einer Industrie- und GewerbeAusstellung mit Kommerzienrat Heinrich Lueg in Verbindung zu treten. Lueg hatte schon 1880 die Kunst- und IndustrieAusstellung im heutigen Zoopark organisiert; er hatte auch die Erschließung Oberkasseis und den Bau der Brücke eingeleitet und war auch an der Gründung der Rheinischen Bahngesellschaft beteiligt. Er führte jetzt als erstes Verhandlungen mit Friedrich Alfred Krupp.

Nach dessen Zusage und Wunsch nach einem eigenen Pavillon stand schnell fest, daß diesmal nicht, wie 1880 und bei vielen frühen Weltausstellungen, ein geschlossenes Hallensystern be-

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nutzt würde, sondern einzelne größere und kleinere Baukomplexe, die in individueller Gestalt und Stilbildung den einzelnen Ausstellerfirmen ein hohes Maß aufwendiger Eigenrepräsentation verleihen konnten.

Nun wurde ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben, zu dem die Entwürfe bis Juni 1899 eingereicht werden mußten. Das Programm umfaßte jetzt Einzelpavillons sowie je eine zentrale Maschinen- und Industriehalle, eine Kunsthalle, Restaurants und andere Touristenattraktionen wie ein arabisches Dorf, Marineschauspiele, Panoramen und Dioramen, eine Wasserrutsche und eine Ausstellungsbahn. Zum Preisgericht gehörten der Erbauer des deutschen Reichsparlaments, Baurat Dr. Paul Wallot, der Düsseldorfer Akademiedirektor Prof. Fritz Roeber, Kommerzienrat Heinrich Lueg sowie Prof. von Tschiersch, Baurat Müller aus Koblenz, Oberingenieur Andreas Meyer aus Hamburg und Wasserbauinspektor Ottmann.

Der Gewinner des Wettbewerbs, Georg Thielen aus Hamburg,

..... -..

der auch den deutschen Teil der Pariser Weltausstellung 1900 gestaltet hatte, starb kurz nach der Preisverleihung, Anfang 1901. So wurde der Bauausschuß mit folgenden Personen besetzt, die nun seinen Plan ausführen mußten: Vorsitzender:

Prof. Josef Kleesattel; Stellvertreter: Prof. Adolf Schill; Schriftftihrer: Architekt M. Wöhler; stellvertretender Schriftführer: E. Ottmann; Mitglieder: Stadtverordneter 1. Borgs, Zivilingenieur Emil Dücker, Ingenieur Fritz Dücker, Stadtbaurat C. Geusen, Architekt J. Frings, Prof. R. Krohn, Beigeordneter Stadtbaurat Johannes Radke, Prof. Fritz Roeber und Beigeordneter Stadtbaurat G. Weigelt.

Am 26. April 1901 hatten Heinrich Lueg und Fritz Roeber eine Audienz beim Kaiser, der einige kleine Korrekturen in der Folgezeit an den Architekturplänen vornahm und einwilligte, daß der in Bonn studierende Kronprinz das Protektorat über die Ausstellung übernahm. Neben mehreren Aufenthalten des Kronprinzen Wilhelm war der Kaiserbesuch vom 15. August 1902 der gesellschaftliche Höhepunkt der Düssel-

dorfer Ausstellung. Ihm zu Ehren wurde die Anlage nach dem Abbau der meisten Ausstellungshallen in Kaiser-Wilhelm-Park benannt.

Die Beschäftigung mit der Düsseldorfer Konkurrenz zur Weltausstellung regt zu der Frage an, ob es nicht an der Zeit wäre, eine richtige Weltausstellung in Düsseldorf auszurichten. Als Gelände würde sich wieder ein Streifen im Norden der Stadt anbieten. Geschickt geplant, kann ein solches Weltfestival eine große Bereicherung für die ausrichtende Stadt bedeuten. Aber das Aufzeigen solcher wahrscheinlich doch nur Träumereien bleibender Vorschläge sollte nicht die Intention dieses Buches sein. Diese Publikation soll vielmehr Wissenschaftlern und insbesondere Stadtgeschichtsforschern Materialien zur großen Ausstellung von 1902 leicht zugänglich machen, und vor allem ist daran gedacht, der Düsseldorfer Bevölkerung ein großes Ereignis, vielleicht sogar eines der entscheidendsten für den Ruf und das Wachstum Düsseldorfs, anschaulich zu machen. Denn von der 'Stadt in der Stadt', die 1902 das

Publikum anlockte, existieren heute nur noch wenige Quadratmeter große Gebäudeteile, und zwar das ehemalige Restaurant des Kunstpalastes, das Haus, in dem heute das Werbeamt untergebracht ist, der Eckbau im Anschluß an den Ehrenhof. Auch der Kern des Ehrenhofs gehört zu den Bauten von 1902 und hat 1926lediglich eine neue Fassade erhalten und die Kuppel eingebüßt. Schließlich muß erwähnt werden, daß der Rheinpark zwischen der Oberkasseier Brücke und der Theodor-Heuss-Brücke, das ehemalige Ausstellungsgelande, erst für die Industrieausstellung aufgeschüttet wurde und so erst für das preußische Schloß arn Rhein, dem Sitz des Regierungspräsidenten, der grüne Vorhof gewonnen wurde. Die Ausstellung von 1902 hat Richtlinien gesetzt für das

wirtschaftliche Wachstum der Stadt; die 'schöne' in der Nähe des Ruhrgebiets gelegene Ausstellungsstadt Düsseldorf konnte in den nächsten Jahren eine Anzahl von Konzernverwaltungen in die Stadt loeken,

für das städtebauliche Wachstum; die Erschließung der

nördlich an die Innenstadt angrenzenden Stadtteile wurde intensiviert, und im Bereich zwischen Fischerstraße und Cecilienallee entstanden bis nach dem Zweiten Weltlcrieg immer neue Ausstellungsgebäude. Die Alte Messe wahrte mit ihren Ausstellungen eine Kontinuität der großen Schau von 1902 über 70 Jahre, selbst noch nachdem am Rheinstadion die Neue Messe entstanden war. Erst 1982 wurden die Ausstellungshallen bis auf die heutige Stadthalle und den Ehrenhof abgerissen, um Platz zu machen für ein neues durchgrüntes Büro- und Wohnviertel.

Architektonisch war die Ausstellung von 1902 weniger bedeutend, sie war eher der Abschluß des Historismus und Eklektizismus mit wenigen Jugendstileinflüssen, und sie war kein Ausblick in die Zukunft, was zwei Jahre später bei der Gartenbauausstellung am selben Ort mit Gebäuden von Peter Behrens weit besser gelang. Architektonisch am fortschrittlichsten und am wenigsten mit historisierendem Dekor überladen, gab sich die Halle der Gutehoffnungshütte. Selbst der

Kaiser bewunderte ihre Schlichtheit und das unverhüllte Hervortreten der Eisenkonstruktion. Das radikalere Vorbild, ohne Türmchenvorbauten, war schon bei der Londoner Weltausstellung 1851 zu sehen gewesen.

Zeitgenössische Berichte sollen nun durch die wie eine Gartenstadt konzipierte Ausstellung führen, deren nach außen überladene Architektur mit modernen Stahlträgerkonstruktionen im Inneren damals ein enormes Interesse bei der Presse hervorrief, die aber auch mit Kritik, die sich fast wie ein Kommentar auf das aktuelle Baugeschehen anhört, nicht zurückhielt: Eine urteilslose Menge kann man wohl damit ergotzen, daß man ihr wie großen Kindern spielensen aufgeputztes Blendwerk vorsetzt. Der bautechnisch geschulte Fachmann wird dagegen solche Kunst unbedingt verurteilen, besonders da sie nur dazu fûhren kann, den Geschmack des Volkes noch mehr zu verbilden, der ohnhin durch die Unwahrheit und Oberflächlichkeit, die vielfach in der Baukunst herrscht, schon grûndlich verdorben ist.1

INDUSTRIE - GEWERBE:. DEUTSCH - NATiONALE KVN6T- AV55TEß,VN6 DU:ûE.LDORf 1902. ZVR ERINNERUNG AN

DEN KAISERBE5VCH.

1. Endlich kam der 1. Mai heran, und allen Zweifeln und auch allen Anfeindungen zum Trotz war das gewaltige Werk am Eröffnungstage fertig! Leute, die der Ausstellungsleitung unter allen Umständen etwas am Zeuge flicken wollten - und deren gab es auch vereinzelt - hatten ja insofern recht, daß in der Ausstellung noch nicht alles bis aufs i-Tüpfelchen in Ordnung war, aber das darf die Düsseldorfer Ausstellung für sich in Anspruch nehmen, daß sie fertiger war, als je eine Ausstellung am Eröffnungstage gewesen ist, besonders wenn man erwägt, daß auf der letzten Pariser Ausstellung am Eröffnungstage noch ganze Strecken wüsten und unbebauten Landes zu sehen waren. Zur Eröffnung hatte der Protektor sein Erscheinen zugesagt. Durch die flaggengeschmückten Straßen ging die Fahrt des Thronerben zur Ausstellung.Î

2. Ein Besuch aber lenkte mehr als alle übrigen die Augen der Welt auf Düsseldorf: Der Besuch des Kaisers am 15. August. Der Kaiser erklärte, er sei mit besonderer Freude nach Düsseldorf gekommen, weil er, als er noch Student war, von seinem hochseligen Herrn Großvater den ersten großen Auftrag erhalten habe, ihn bei der Einweihung des Cornelius-Denkmals in Düsseldorf zu vertreten. Der Kaiser bemerkte weiter, daß die Kaiserin bedauere, an dem Besuch nicht teilnehmen zu können, da ihr schmerzender Fuß ihr nicht gestatte, eine so weite Reise zu unternehmen. Wiederholt äußerte der Kaiser seine besondere Genugtuung über die großartigen Maschinen; er habe gehört, die Düsseldorfer Ausstellung sei die bedeutendste unter sämtlichen Ausstellungen; sicher würde sie dazu beitragen, der deutschen Industrie einen immer größeren WeItabsatz zu sichern.Î

3. Das Ausstellungsgelände wird gebildet von einem unmittelbar am rechten Rheinufer unterhalb der festen Rheinbrücke gelegenen, früher bei Hochwasser überschwemmten und fast ungenutzten Landstreifen, der sogenannten Golzheirner Insel, Es liegt also am Nordende der Stadt und zwar in unmittelbarern Zusammenhange mit dem Hofgarten, dem Glanzpunkt Düsseldorfs, von dem noch ein kleiner Teil in die Ausstellung einbezogen ist. Das Gelande liegt also so weit von den Bahnhöfen entfernt, daß sich die Herstellung eines besonderen Gleisanschlusses zur Bewältigung des großen Verkehrs der von außerhalb zuströmenden Besucher als notwendig erwies. Das Gelände besitzt eine Gesamtfläche von 55 Hektar, wovon etwa zehn Hektar bebaut wurden.4

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