Dießen am Ammersee in alten Ansichten Band 1

Dießen am Ammersee in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Dr. Thomas Raff
Gemeente
:   Dießen am Ammersee
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1999-3
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Dießen am Ammersee in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Am südlichen Ende des Ammersees liegt, inmitten einer der schönsten Landschaften Oberbayerns, der Markt Dießen. Heute vor allem als Künstlerort, wegen seiner bedeutenden Klosterkirche und als Stätte der Erholung bekannt, kann Dießen auf eine lange und zeitweise bedeutende Geschichte zurückblicken.

Die Ursprünge liegen, wie bei den meisten Siedlungen, im Dunkeln. In der Mitte des 12. Jahrhunderts nennt sich erstmals ein Graf urkundlich 'Comes de Diezan' , woraus bald der Name des Ortes entstand. In den folgenden knapp hundert Jahren entwickelte sich das Geschlecht der Grafen von Dießen-Andechs zur mächtigsten unter allen bayerischen Adelsfamilien. Königinnen und Bischöfe, Heilige und Selige, Herzöge und Markgrafen gingen aus diesem Stamm hervor, sein Besitz reichte von Burgund bis Istrien, von Oberfranken bis Südtirol. Im Schutz dieser mächtigen Herren gedieh sowohl das von ihnen gestiftete Kloster als auch der Ort Dießen, der bereits 1231 in einer Urkunde als 'civitas' = Stadt bezeichnet wird. Mit dem Aussterben der Dießen-Andechser (1248) fiel deren gesamter altbayerischer Besitz an die Wittelsbacher. War Dießen bis dahin zentraler Verwaltungs- und Gerichtsort einer mächtigen

Herrschaft, so sank es nun zurück in den Stand eines kleinen Landmarktes, der an Bedeutung bald von Weilheim, Landsberg und Starnberg überflügelt wurde.

Die geistliche Stiftung der Grafen, das Dießener Augustinerchorherrenstift, allerdings blühte weiter und war bis zur Säkularisation (1803) der Grundherr über fast alle Bewohner des südlichen Ammerseegebietes. Auch die Dießener selbst unterstanden zeitweise dem Kloster, doch erwarb Kaiser Ludwig der Bayer 1326 von diesem die Marktrechte und schenkte sie den Bürgern als Dank für ihren tapferen Einsatz bei der Schlacht von Mühldorf. 1926 und 1976 wurde die 600- beziehungsweise 650-Jahrfeier der Erhebung Dießens zum freien herzoglichen Bannmarkt festlich mit Umzügen begangen,

In den folgenden Jahrhunderten stand Dießen dann nicht mehr im Rampenlicht der Geschichte, das 15. und 16., also die Zeit der Spätgotik und der Reformation, brachte einen gewissen Wohlstand über den kleinen Ort; Not und Elend kam in Dreißigjährigen Krieg und ebenso in den beiden Erbfolgekriegen des 18. Jahrhunderts. 1803 wurde das Kloster säkularisiert, was sich zunächst katastrophal auf die Wirtschaft des Marktes auswirkte. Im Laufe des Jahr-

hunderts wurden dann aber die Ammerseegegend und das verträumte Dießen zuerst von den Künstlern, dann von den sogenannten Sommerfrischlern 'entdeckt', was für viele Bürger eine neue Einkommensquelle erschloß. In den Jahren um 1860 hatte Dießen (damals noch ohne St. Georgen und die anderen, später eingemeindeten Ortsteile ) etwa 1 150 Einwohner, ein Rat- und ein Posthaus, zwei Schulhäuser, vier Sägmühlen und vier Brauereien, diverse Gasthäuser.

Während wir von den älteren Zeiten nur durch wenige bildliche Zeugnisse einen optischen Eindruck gewinnen können, kommt uns seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die Fotografie zuhilfe. Die in diesem Büchlein zusammengestellten fotografischen Aufnahmen stammen etwa aus dem Zeitraum von 1870 bis 1930, sie zeigen also ein dörfliches 'fin de siècle', die 'Gründerzeit', die Jahre des 'Wandervogels', des Ersten Weltkrieges, der Inflation. Es wurden vor allem solche Motive ausgewählt, die heute nicht mehr oder nur noch verändert erhalten sind. Für die ältere Generation sollte eine Erinnerung, für die jüngere und für die Gäste Dießens eine Anregung gegeben werden, sich mit dem historischen Wachsen dieser Gemeinde auseinanderzuset-

zen. 'Alles Seiende ist ein Gewordenes' , hat ein kluger Mann einmal gesagt; das heißt, daß die Gegenwart nur versteht, wer von der Vergangenheit etwas weiß.

Manche Bilder werden den Betrachter wehmütig stimmen oder von der 'guten alten Zeit' träumen lassen, die in Wirklichkeit oft gar nicht so gut war. Man sollte nicht vergessen, daß die letzten Jahrzehnte nicht nur Schwierigkeiten, sondern vor allem viele Erleichterungen gebracht haben: Für das tägliche Brot müssen weniger Stunden gearbeitet werden, die medizinische und soziale Vorsorge gibt mehr Sicherheit, weite Strecken können mühelos zurückgelegt werden, mehr Zeit denn je steht zur freien Verfügung. Solche Veränderungen drücken sich auch im Aussehen eines Ortes aus - man mag es begrüßen oder bedauern. Jedenfalls verdienen es die alten Bilder, für spätere Generationen festgehalten zu werden, als Erinnerung und als Herausforderung.

Ich danke allen, die mir ihre wertvollen alten Fotos zur Verfügung gestellt haben, vor allem Dr. H.J. Schweizer und Frau E. Jaschhof, und dadurch das Zustandekommen dieses Büchleins erst ermöglichten.

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1. 'Diessen a.lAmmersee aus der Vogelschau.' Der altehrwürdige Markt soll auf dieser 1914 gestempelten Postkarte als lockendes Ziel des Fremdenverkehrs gezeigt werden: Segelboote beleben den See, man erkennt eine Badeanstalt, die Anreise ist per Dampfschiff oder Eisenbahn möglich, die Alpengipfel sind nahe. Die Bebauung entspricht noch weitgehend dem Zustand des 17. und 18. Jahrhunderts, das heißt, das ehemalige Kloster thront über dem Markt, dieser wird durch die zwei sich kreuzenden Straßen geprägt und scheint dem Ammersee eher den Rücken zuzukehren. St. Georgen ist noch ein eigenes, durch Alleen mit Dießen verbundenes Dorf.

Diessen

Gruss vom Ammersee

2. Die schönste Art, nach Dießen zu gelangen, war (und ist noch heute) die Anreise per Schiff. Während auf dem Starnberger See schon seit 1851 ein Dampfschiff ('Maximilian') kreuzte, begann auf dem entlegeneren und weit weniger mondänen Ammersee die Ära der Dampfschiffe erst 1877: Zwölf Dießener Bürger hatten die 'Dampfschiffahrtsgesellschaft Ammersee AG' gegründet, die im ersten Jahr ein wenig geeignetes Schiff namens 'Omnibus', dann (1878-1908) den Dampfer 'Marie' betrieb, derwohl auf dieser Postkarte von 1907 agebildet ist,

fmmersee - Dampfer Gisela.

3. Der 'Salondampfer Gisela' war 1893 in Stegen vom Stapel gelaufen. Er war das größte und luxuriöseste Schiff der Amrnerseeflotte und auf den Namen der österreichischen Kaisertochter und Gemahlin des Prinzen Leopold von Bayern getauft worden. Nach dem Sturz der Monarchie (1919) bekam das Schiff darm den 'dernokratischeren' Namen 'Augsburg', unter dem es noch bis zum Jahre 1963 auf dem Ammersee seinen Dienst versah. Noch länger allerdings ist der Raddampfer 'Diessen' unterwegs, der 1908 vom Stapel lief und noch heute als geliebter und bestaunter Veteran über den See stampft.

4. Eine typische Postkarte der Jahrhundertwende: Ein Teil der Bildseite mußte für die Mitteilung frei bleiben, da die andere Seite nach Vorschrift der Post allein der Adressenangabe vorbehalten war. In vier kleinen Bildfeldern ist zu sehen, was die Sommerfrischler damals an 'Bayerdiessen' schätzten, (Der Ort wurde früher oft so genannt, um ihn von 'Schwabdiessen', dem heutigen Unterdießen westlich des Lechs, zu unterscheiden.) Eine Dampfschiffahrt auf der 'Gisela' (Abbildung 3), ein Besuch der berühmten Klosterkirche mit ihrem eindrucksvollen Hochaltar und ein Spaziergang durch den schattigen Klostergarten mit seinem romantischen Wasserfall (Abbildung 29).

5. Diese Aufnahme soll schon um 1875 entstanden sein und zeigt die Mündung des Mühlbachs in den Ammersee. Damals schnitt noch nicht der Bahndamm den Ortsteil Fischerei vom See ab (die Eisenbahnlinie wurde erst 1898 eröffnet), das Seeufer hatte noch seinen natürlichen Verlauf und diente den Fischern zum Herausziehen ihrer Boote. Die spater so beliebten Seeanlagen wurden im Hinblick auf den steigenden (und erwünschten) Fremdenverkehr in den Jahren vor 1890 angelegt und 1909 erweitert. Dominierend liegt über allem das ehemalige Augustinerchorherrenstift mit seiner mächtigen Kirche, ganz rechts erkennt man das Dach des Taubenturms (Abbildung 25).

Diessen am 1'mmersee. Bootshafen

6. Diese um 1910 entstandene Aufnahme zeigt die damaligen Seeanlagen beim Dampfschiffsteg, einige Fischerhütten und einen Teil der in den See gebauten 'Damen- und Herrenbadeanstalt'. Während die letztere erst kurz vor der Jahrhundertwende eingerichtet wurde, stehen manche von den Fischerhütten schon sehr lange; die älteste wurde bereits 1788 errichtet und war mit Holzschindeln gedeckt, die unter dem heutigen Ziegeldach noch erhalten sind. Auf den im Vordergrund erkermbaren Gleisen wurde die Kohle vom Kohlenbunker auf den Anlegesteg geschoben und von dort in die Schiffe geladen. Die am Ufer stehenden Fässer dienten zur Aufbewahrung und zum Transport der lebenden Fische,

7. Im Jahre 1929 errichtete die Gemeinde in den Seeanlagen, unweit des Dampferstegs, einen Kiosk, der abwechselnd jeweils für ein Jahr an einen der Dießener Cafetiers verpachtet werden sollte. Der erste Sommer war jedoch gleich sehr verregnet und brachte schließlich auch noch eine Überschwemmung, so daß den Caféhausbesitzern das Angebot der Gemeinde nicht mehr besonders attraktiv erschien. Daraufhin benützte die hiesige Künstlervereinigung, die 1927 gegründete 'Arbeitsgemeinschaft Dießener Kunst' (ADK), das Gebäude für ihre Verkaufsausstellungen. 1939 und 1954 wurde der Kiosk bis zur heutigen Größe erweitert und zieht alljährlich viele Besucher von nah und fern an.

8. Als am Weihnachtstag 1898 zum erstenmal eine Eisenbahn in Dießen halt machte, veranstalteten die Bürger ein Fest mit Blasmusik: ein neues, vielversprechendes Zeitalter war angebrochen! Der Bahnhof war zunächst nur eine kleine Holzbaracke, die bald darauf nach Riederau abgegeben wurde. Denn bereits 1901/02 errichtete man ein neues Bahnhofsgebäude, von dessen Aussehen das Foto einen Eindruck gibt. Die Anlage ist noch weitgehend erhalten, wurde allerdings 1937 im Stil jener Zeit modernisiert und künstlerisch ausgestaltet. Im Schalterraum sind auf handgemalten Wandfliesen (aus der Keramikwerkstatt Kiechle) weit über hundert einheimische Vogelarten bildlich dargestellt.

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