Dießen am Ammersee in alten Ansichten Band 3

Dießen am Ammersee in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Juliane Wörlein
Gemeente
:   Dießen am Ammersee
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6159-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Dießen am Ammersee in alten Ansichten Band 3'

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Vorwort

Geschlechter kommen, Geschlechter gehen.

Alles nimmt an allem teil. Sogar ein unmaßgeblicher Markt wie Dießen ist betroffen, wenn 1870 ein Zweites Deutsches Reich in einem erzfranzösischen Spiegelsaal gegründet wird, zu Versailles, und dieses Reich kaum fünfzig [ahre später im Mittelpunkt des Ersten Weltkriegs steht. Wenn das Büchlein auch nur das Leben dieses Markts im Zeitraum etwa dreißig [ahre var bis etwa dreißig [ahre nach dem [ahre 1900 sich zum Thema setzt, so handelt es doch gleichzeitig von all den großen Umbrûchen, die sich damals im inneren wie auch im äußeren Bereich vollzogen haben. Keine Idylle ohne Teilhabe an Katastrophen. Nichts Neues im übrigen für Dießen.Als abgelegener kleiner Fischerort hat er begonnen, ist zur Gerichts- und Begräbnisstätte für eines der mächtigstenAdelsgeschlechter im Mirtelalter geworden, den Grafen von Dießen-Andechs, und spielt in der Tourismuswelt von heute eine zwar nicht laute, aber unübersehbare Rolle.

Ein Glücksfall ist bereits die geographische Lage: mitten in der südbayerischen Seenlandschaft, nah bei den Alpen, nah bei München - im Gewande eines Parks. Den Wasserreichtum verdankt Dießen der Quellausschüttung eines mitte/hohen Hinterlandes; das Gefälle lud schon früh zur Anlage von Mahl-, ÖIund Papiermühlen ein. Man siedelte längs des größten Bachs und nährte sich aus dem See. Was immer man der Voraussicht

der Grafen oder späterhin der Ökonomie der Chorherrn verdankt: Noch heute versorgt die Wasserleitung vom 'hoheri' Bischofsried den 'niederen' Markt, von der kûnstlichen Abzweigung des Mühls- vom Tiefenbach ganz zu schweigen.

Technischer Fortschritt des 19. [ahrhunderts, umwälzende Erfindungen - und 'plötzlich' gibt es Eisenbahnverkehr und Dampfschiffahrt! Fast zweitausend [ahre lang hatten 'Fernstraßen' mit der Welt verbunden, etwa die Römerstraße von Pähl über Raisting und Ertlmühle kommend, das Kloster erreichend und weiterführend über Romenthal, Achselschwang und Eresing nachAugsburg; oder sehr viel später der Post- und Holperweg Pähl-Dießen-Landsberg oder nach 1900 immerhin die Staatstraßen nach Utting und nach Raisting. Ein regulärer Flugverkehr mit München ader Tokio läßt noch immer auf sich warten. Vorerst lockt die' alte' Eisenbahn auch weiterhin in alle Himmelsrichtungen; was sie an Segen für Handel und Handwerk in Dießen gebracht hat, kann ein kleines Büchlein gar nicht fassen.

Genaugenammen rechnet so ein kleiner Markt nicht nach den Überschriften der Geschichtsbücher. Für ihn gilt die lapidare Binsenwahrheit: Geschlechter kommen, Geschlechter gehen. Nicht Bismarck oder Marx regieren, sondern die Hofner oder die Enzensperger. die Gröbl, Iemüller, Unterauer, Iäger im Kai-

serreich und wieder nach dem Ersten Weltkrieg die Enzensperger und Köglmayr ...

Zum Selbstbewußtsein eines kleinen Orts gehören seit der zweiten Hälfte des 19. [ahrhunderts möglichst zahlreiche Vereine. Sie dienen nicht allein dem Selbstzweck, der Kirchenmusik, der Theaterleidenschaft, der Traditionspflege - alle Altersgruppen lassen sich vom jeweiligen Feuer anstecken. Bürgerstolz wird erkennbar, und Gemeinsinn läßt sich nicht lumpen; in Sachen Feuerwehr, Rotes Kreuz und Ortsverschönerung will jedes Dorf das andere übertreffen.

1891 erscheint in Dießen eine erste Tageszeitung, Ausdruck eines kraftvollen Eigenlebens. Der Ort selber kommt sich immer städtischer vor und die eingemeindeten Teilorte immer ländlicher, St. Georgen bleibt mit Wonne bäuerlich. Zwar hat das Kloster seit der Säkularisation 'ausgespielt', doch seine Hinterlassenschaft ist bleibend: Töpfereien, Webereien, Handerzeugnisse aller Art führen fort, was in der größeren Ökonomie gelernt wurde. Ein gleiches gilt fürsABC-wenn auch mit Einschränkungen. Im vorigen [ahrhundert schrieben noch viele Dießener (und wahrscheinlich auch anderswo andere Lichter) ihren Namen mit drei Kreuzchen. Damals machte man einen gewissen [ohann Baptist Heiß dahier zum Bürgermeister, weil er des Lesens und des Schreibens kundig war, im Gegensatz zu anderen Kandidaten. Heute können alle schreiben - und

schreiben nicht. Und statt des Lesens sehen sie fern ... nur Sie nicht, Sie, die Leser dieser Erinnerungen.

Für tatkräftige Hilfe bei der Suche nach Informationen in den Archiven der Marktgemeinde und der Heimatforscher danke ich ganz besonders Herbert Schreiber. Dem 'Häuserbuch von Dießen, Sankt Georgen und Wengen' (Mskr.), in mühevoller Arbeit zusammengestellt von Kreisheimatpfleger Wilhelm Neu, konnte ich wertvolle Informationen entnehmen. Bei der Suche nach der Identität von Personen unterstützte mich liebenswürdig Therese Pfaff Besonderen Dank sage ich auch Georg Iaschhof für kritische Durchsicht und Überarbeitung des Manuskripts.

Das erste Dampfboot auf dem Ammersee, der 'Omnibus', erwies sich für die Personenbeförderung als ungeeignet. Eine neugegründete Dampfschiffgesellschaft unter Bankier Isidor Landauer bestellte nun 1 878 ein seetüchtiges Schiff bei Escher,

Wyss & Co. in Zürich. Die Bootsteile wurden in St. Alban von Fachleuten aus Zürich unter Mithilfe von heimisehen Handwerkern zusammengebaut. Die Frau des Landrichters Boxler taufte das Halbsalon-Dampfschiff auf den Namen 'Marie', nach der Mutter des Königs Ludwig II. Ab 1879 befuhr die 'Marie' den Ammersee dreimal täglich nach Fahrplan; ein erweiterter Schiffsverkehr

von Grafrath bis DieBen setzte 1880 ein. Nach der Eröffnung der Ammerseebahn wurde die 'Marie' ab 1899 vom Bahnhof DieBen aus durch Rollwagen mit Kohlen beschickt; vcrher kam das

Heizmaterial mit Schleppkähnen von Grafrath nach Stegen. Das Schiff'war bis 1907 im Personenverkehr eingesetzt, lag später als Wohnboot in Riederau und wurde 1959 zersägt. Die Zylinder der Mo-

toren sind im Nürnberger Verkehrsmuseum ausgestellt.

2 Der Dampfer 'Gisela'

lief 1893 vom Stapel und war bis 1963 eingesetzt. 1919 erhielt das Schiff nach Auflösung der Monarchie in Bayern den Namen 'Augsburg', Fassungsvermögen 600 Passagiere. Der Dampfer 'Diessen' ist heute der älteste

Schaufelraddampfer in Bayern, seit 1908 in Betrieb, letzte Fahrt 'unter Dampf' 1974, seitdem auf Diesel umgestellt. Die 'Andechs' konnte wie sein Schwesterschiff 'Diessen' 400 Personen befördern, war seit 1907 in Betrieb und wurde 1956 außer

f1mmersee

Damplet Andechs

Dienst gestellt. Die 'Schondorf' besorgte seit 1909 den Winterverkehr, der 1953 eingestellt wurde. Das Schtff wurde 1956 verschrottet.

Domp er Diessen

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3 Diese Strandbadidylle starnmt aus der Zeit um 1910, der See hat gerade Tiefstand, so läßt es sich auf dem angeschwemmten Sandboden gut lagern. Am Dampfersteg hat der Salondampfer 'Gisela' angelegt. Dahinter ist die ehemalige Dießener Badeanstalt zu sehen, ganz rechts im Hintergrund die Kirche von St. Alban. Die Säule dürfte noch ein Relikt aus dem Auffüllungsjahr der Seeanlagen 1908 sein. Heute steht an dieser Stelle das Strandhotel mit einer gepflegten Badeanlage.

4 Der Mühlbach, kurz vor seiner Mündung in den Ammersee, war immer schon eine gerne gemalte und fotografierte Idylle. Vor 100 jahren reichte der Blick vom See aus nach Westen noch bis zu dem hohen Gerberhaus von Georg Gröbl. Die traditionsreiche 'Untermûhle' (Giebelfassade in der Mitte) kam 1803 in den Besitz der Familie Hafner; 1975 wurde das Gebäude völlig abgebrochen. Der 'Unterbräu' gegenüber wurde 1859 Braustätte, als Kaspar Enzensperger hier ein Wohn- und Bräuhaus baute und das danebenstehende Anwesen miteinbezog. 1908 kaufte Franz Götzfried den Besitz. Von den vier Fischerhäusern am Bach entlang ist

das Haus Rauch, 'beim

Gaug', nachweislich seit dem 1 7. Iahrhundert der älteste Familienbesitz im Markt. 1826 erwarb die Familie Fastl das Haus daneben. Die Nachkommen von Jakob Ernst blieben von 1752 bis 1903 in

dem unterenAnwesen. ErnstTöchter heirateten vor 1900 Söhne der bekarmten Familien Rauch, Schweizer und Köglmayr. Der Weg zum Dampfschiffsteg führte vor dem jahr des Bahnbaues

1898 noch nicht an den Häu-

sern vorbei; die direkte 'Lándeallee' war 100 m weiter nördlich.

Partie aus Diessen am FmmersE:e.

~-_ .. -

5 Die 'Untermûhle' wurde gegen Ende des 15. [ahrhunderts angelegt. 1809 gehörte dazu ' eine ganz gemauerte Mahlmühle, ganz gemauerter Ölschlag, von Holz gebaute Sagmühle, von Holz gebaute 'Bretter-hütte'. 1820 erwarb Leonhard Hofner das Anwesen, das nun für vier Generationen im Besitz der Familie blieb und zu einem modernen Betrieb umgestaltet wurde. Die Marktgemeinde, seit 1970 Eigentümerin des Anwesens, ließ Wohrïhaus und Wirtschaftsgebäude 1975 abbrechen und einen freien Platz anlegen, der den Namen des berühmten langjährigen Gemeindebürgers Carl Orff trägt.

6 Das Pfóderl-Haus im unteren Teil der MühlstraBe zum See hin war nur durch einen schmalen Gang vom Nachbarhaus Rauch, 'beim Gaug', getrennt. Im 17. [ahrhundert wohnten hier auch Fischer mit den bekarmten Namen Scherde und Ernst, seit 1911 war das Anwesen im Besitz der Familie Pfóderl. Bei der Großmutter Thercsia Pföderl stehen ihre Schwiegertochter Afra und ihre Enkel Iosef (16 [ahre, später nachArgentinien ausgewandert) und Franz (9 [ahre, in DieBen ansässig); das dreijährige Mädchen ist Hedwig Huber von Wengen, später verheiratete Abendroth. Das Haus wurde

1972 abgebrochen und an der Stelle eine Grünfläche belassen.

7 Im]ahre1739übernahm Leopold Gastl das Fischeranwesen am Mühlbach, das seit dieser Zeit unter dem Hausnamen 'beim Pöldl' bekannt ist. Wie die meisten Fischer betrieben die Gastls auch

eine Landwirtschaft; Heuboden und Stall befanden sich in der rechten Haushälfte. Die gelagerten Baumstämme gehörten zum benachbarten Sägewerk Hofner. Simon Gastl, der Großvater des heutigen Besitzers Paul Gastl, hält an der Hand seineTöchter Kathi (geb. 1902) und Marie (geb. 1907).

8 Dieses alte Fischerhaus an der Reitstege im Ortsteil Fischerei hatte um 1700 den Hausnamen beim 'Fischmelcherla' nach dem damaligen Besitzer mit dem Vornamen Melchior. Als Jakob Rauch um 1 750 das Anwesen erwarb, nannte man es beim 'Kobl'. Am Gartenzaun steht (um 1920) die Fischerstochter Kathi Gastl aus der Nachbarschaft. Das Haus ist heute umgebaut (Elektro-Ziese); der Stadel ist noch im alten Zustand.

Die s sen 3. Ammersee - Haus .beim Kobel" mit dem echt einheirnischen Giebelvorsprung; an der Südseite befindet sich ein Söller (früher Schindeldachung; am FIrstwinkel erkennbar)

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