Diepholz in alten Ansichten Band 2

Diepholz in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Wilfried Gerke
Gemeente
:   Diepholz
Provincie
:   Niedersachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6660-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Diepholz in alten Ansichten Band 2'

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1 9 Links führt der am 8. August 1971 aufgehobene Pastorengang zum Haus Hagemann. Den Gang verstellt ein VW-Käfer. Doch das Schild sperrt eindeutig die Gasse für Kraftfahrzeuge aller Art! Das große Haus von Willy Samenfeld war noch ein echter TanteEmma-Laden mit kleinen Schaufenstern, Stiegen im Eingang und einem Fahrradgeländer zum Schutz der Hauswand. An einen Kundenparkplatz dachte man damals nur dort, wo ohnehin Platz war. Samenfeld war Mitglied der Edeka, der Einkaufsgenossenschaft deutscher Kaufleute. Neben dem Eingang war eine Vorrichtung zum Aufhängen von erlegten Hasen, Kaninchen, Fasanen und Rebhühnern zum Verkauf angebracht.

20 Auf dem lauschigen Pastorengang! Links steht das Geschäftshaus Samenfeld, rechts das Haus für den zweiten Pastor der evangelisch -lutherischen Gemeinde. Diese 'Kaplanei ' hatte die Gemeinde 1697 für den Geistlichen gekauft und bis 1917 entsprechend genutzt. Dann erwarb Kaufmann Wilhelm Stüven das Gebäude, dessen Nachfolger der aus Lemförde stammende jüdische Schlachtermeister Alfred Roberg wurde. Roberg starb 1932. 1938 verwüstete die SA die Inneneinrichtung und drangsalierte Witwe Roberg und ihren Schwiegervater. Frau Roberg wurde 1942 im

Alter von 52 Iahren zuerst nach Hannover, dann nach Warschau deportiert und ist seitdem verschollen. Ihr Schwiegervater starb im KZ Theresienstadt, ihr ältester Sohn wurde mit

23 Iahren 1942 im Osten ermordet, und nur der jüngere Sohn konnte 1940 mit 19 Iahren völlig verarmt nach Palästina emigrieren.

21 Von diesen Häusern ist außer dem Giebelhaus rechts nichts mehr vorhanden. Wir sehen aber, wie um ihre Erhaltung gekämpft wurde: Die Fronten wurden vor allem im Erdgeschoss verändert, um große Schaufenster zu schaffen. Ganz neu erstand 1962 das Kaufhaus Seitz (später Magnus) mit einem Flachdach. In den Folgejahren wurde es immer mehr erweitert und 'schluckte' seine Nachbarn. Ein großes Ereignis war zehn Iahre später der Einbau der ersten Rolltreppe. Dafür musste sogar die Lange Straße gesperrt werden. Die Commerzbank ließ sich 1968 nieder und

baute 1972 neu. Das Haus für Malereibedarf von Albert Klüver (rechts neben Seitz) wurde 1946 eingerichtet.

22 'Tollen Fidi', amtlich Friedrich Tolle, war das Diepholzer Original der Kaiserzeit. Geistig behindert, schlug er sich mühselig durchs Leben. Mitleidige Bürger stellten ihn zum Straßenkehren vor ihren Häusern an. Druckereibesitzer Schröder ließ ihn die Schnellpresse des Wochenblatts bedienen, doch 1906 wurde Fidi ein Opfer der Technisierung, als Schröder einen Gasmotor anschaffte. Er war friedfertig, hasste er aber einmal jemanden, hasste er ihn lebenslang. Seine Leidenschaft galt dem Rauchen, und deshalb sammelte er gern - von den Kindern verspottetdie Kippen auf der Straße.

Besen und Eimer, manchmal eine Gießkanne waren seine Arbeitsgeräte, Weste, Jacke, eine nicht ganz pas-

sende Hose, Holzschuhe und Kopfbedeckung seine Kleidung. Jahrelang lebte er in der Siechenabteilung

des Krankenhauses am Willenberg, bis er im April 1920 imAltervon 71 Iahren starb.

llFidi" Diepholz.

Dlepholz.

,,Fldi".

23 Ein Blick auf die Lange Straße nach Norden. Das pflaster des Bürgersteigs war nur wenig höher gelegt als das der Fahrbahn. Das Haus rechts erwarb BuchbinderWilhelm Berneburg im Iahre

1 890. Seine Tochter Else betrieb die Buchhandlung noch viele Iahre nach dem Zweiten Weltkrieg.

Hier kauften vor allem die Schüler der Schulen in der Bahnhofstraße. Leseabende in einem Kreis Interessierter in der 'Hinterstube' trugen dazu bei, das kulturelle Leben zu heben. Buchhändler Wilhelm Günzel übernahm das traditionsreiche Geschäft und verlegte es in die Bahnhof-, dann in die Mühlen-

straße. Das Haus dahinter gehörte derTischlermeisterfamilie Grelle schon um 1690 und blieb mehrere Generationen lang bis

1 937 in ihrer Hand.

24 Ein Bild aus der Zeit des Wirtschaftswunders mit bescheidener Adventsbeleuchtung. Immerhin sind die Schaufenster schon den Bedürfnissen der durch die großstädtische Entwicklung verwöhnten Kundschaft angepasst und entsprechend vergrößert. Die meisten Häuser stehen nicht mehr:

Spielzeuggeschäft Diestelhorst (Inh. Törker) mit Fahrradgeschäft und Reparaturbetrieb, Schloss- Drogerie Otto Hoffmann, der 'seifen-platz.', Thams & Garfs (Thaga). Nur die Firma im angrenzenden Haus (Schuh-Seegers) ist unverändert geblieben. Die Straße ist zur Fußgängerzone umgestaltet worden, folglich sind auch Parkstreifen und Fußgängerüberweg verschwunden.

25 Links vorn ein Haus mit wechselvollem Schicksal. Lange Straße 11 wurde nacheinander von einem Kaufmann, einem Branntweinbrenner, einem Bäcker und Brauer bewohnt, der 'Kochs Kukeback' genannt wurde. Seit 1 854 existierte hier die Schmiede Neumüller. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog ein Süßwarengeschäft (und später auch eine Pizzeria) ein. Das Häuschen rechts (Nr. 13) gehörte einem Kürschner, dann einem Schlachter. Es wurde 1969 abgebrochen. Das Rathaus wirkt wie das Zeichen

des Bürgerstolzes in der Wilhelminischen Ära. In Wirklichkeit ist es eher ein Denkmal sparsamer Haushaltsführung des Magistrats. Entworfen hat das Gebäude nämlich ein Architekt der Post, und die

Aufschrift über dem Erdgeschoss lautet 'Kaiserliches Postamt'. Die kommunale Verwaltung verzichtete auf diese Etage und überließ einen weiteren Teil dem Leiter des Postamts als Wohnung. Als die Post in den zwanziger Iahren auszog, besaßen der Magistrat und die Bürgervorsteher ein repräsentatives Gebäude.

26 Am 16. November 1905 wurde der Sitzungssaal des Rathauses im ersten Stock nach eineinhalb Iahren Bauzeit eingeweiht. Das Buntglasfenster hatte der gebürtige Diepholzer Kaufmann Fontheim gestiftet, den Eichenstuhl des Bürgermeisters der Getreidekaufmann Schwarze, den sechzehnarmigen Gaskronleuchter die Firma Franke in Bremen, die Wanduhr der Vorstand Dunkel von der Gaswerk AG. Das Gemälde links zeigt die Münte, das vom Willenberg in der Mitte schenkte der Diepholzer Beckmann im Mai 1 920; er hatte es von dem Weimarer Maler Groß erworben. Ein Schmuckstück war der hellgrüne Kachelofen.

Verantwortlich für Entwurf und Ausführung war

Postbaurat Schaeffer aus Hannover. Die Post zahlte jährlich 2300 Mark Miete an den Flecken Diepholz. Der Bau hatte 55 000 Mark gekostet, sodass die Ausgaben nach 24 Iahren

ausgeglichen gewesen wären. Allerdings zog die Post ein paar Iahre früher an die Bahnhofstraße um.

27 Das Fachwerkhaus rechts (Lange Straße 55) wurde von 1764 bis 1800 von den Hausvögten Klusmeyer bewohnt, van 1 8 1 2 bis 1876 von den Tierärzten Bockemeyer. Rechts vorn (hier nicht mehr sichtbar) stand ein niedriger Anbau. Dort war bis 1789 die Hauptwache an der Lappenberger Pforte. Damals wurde Diepholz 'entfestigt' und erhielt mit der Neuen holländischen Poststraße eine regelmäßige Post- und Verkehrsverbindung mit Nienburg und Osnabrück. Links vorn (Nr. 8) ließ sich 1882 der Textilkaufmann Wilhelm Stüven nieder, rechts daneben (Nr. 9) stand seit

1763 das pfarrwitwenhaus, das allerdings nur bei Bedarfvon einer Pfarrerswitwe bewohnt war und von der politischen

Gemeinde dann an andere Personen vermietet wurde.

])iepholz

.[angeslrasse

28 Der Gründer des Geschäftshauses Stüven war von 1898 bis 1910 Bürgermeister. Der Landrat dankte ihm 'für die erfolgreiche Leitung derVerwaltung des Fleckens, der dank Ihrer umsichtigen und tatkräftigen Initiative in den Iahren Ihrer Amtszeit eine Reihe wirtschaftlich wertvoller und sozial segensreicher kommunaler Einrichtungen erhalten hat, die er bis dahin hatte entbehren müsseri'. Das Foto zeigt junge Schützen beim Ausmarsch Ende der dreiBiger Iahre in Höhe der heutigen Passage zwischen zwei Modehäusern. Damals stand dort noch ein Baum. Rechts wehen

die Hakenkreuzflagge und die schwarz-weiB-rote Flagge. Die Jungen sind auffallend uneinheitlich gekleidet.

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