Dinslaken in alten Ansichten Band 1

Dinslaken in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Gisela Marzin und Joachim Schulz-Marzin
Gemeente
:   Dinslaken
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4728-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Dinslaken in alten Ansichten Band 1'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

9. Einige Fenster des Königlich-Preußischen Amtsgerichtes sind recht weit geöffnet, daß man geneigt ist anzunehmen, die Bediensteten interessierten sich mehr für das Geschehen auf dem allwöchentlich startfindenden Kleintiermarkt als für Verhandlungen, Urteile und behördliche Schreiben. Von 1879 bis 1897 befand sich das Amtsgericht am Altmarkt, im Zentrum der Stadt, neben der heutigen Gaststätte 'Holtbrügge', die wegen ihrer Nachbarschaft zur katholischen Pfarrkirche 'Vatikan' genannt wurde. 1897 zog das Gericht in die Duisburger Straße neben das Rathaus. Wenige Jahre später bereits übernahm die Stadtverwaltung das Justizgebäude, das Gericht erhielt ein neues großzügiges Haus an der heutigen Schillerstraße.

Totalansicht.

Dinslaken.

10. Nach dem Bliek auf das Königlich-Preußische Amtsgericht bleiben wir bei den Oberen. Die 'Totalansicht' von 1906 zeigt wichtige Institutionen der Stadt: Pfarrer, Lehrer und Apotheker. Das protestantische Pfarrhaus mit beeindruckendem Garten liegt an der Duisburger Straße, durch die noch Pferdekutschen und Straßenbahn, aus Richtung Walsumer Tor kommend, rumpeln. Die Straßenbahn wurde 1900 angelegt. Die Wohnungen der Lehrer (Bildmitte, links) liegen im Grünen am Ufer des Rotbaches. Das weiße Haus, alle anderen überragend (Bildmitte), beherbergt Offizin und Wohnung des Apothekers.

Dinslaken - Walsumertor

11. Das Walsumer Tor wurde bereits im frühen 19 . Jahrhundert abgetragen, doch diese Bezeichnung bleibt für die Ecke Duisburger StraßelWiesenstraße bestehen. Am Eingang zur Altstadt stand die Gaststätte Melters (rechts, mit dem Briefkasten), um die sich einige spannende Geschichten und Sagen ranken. Auf dem Giebel des die Duisburger Straße überragenden Hauses, das 1901 repräsentativ umgestaltet wurde, ist eine Figur, ein die Flügel schwingender Adler, zu erkennen. Der Adler hat sich bis 1945 dort befunden und war das Zeichen der ältesten Dinslakener Apotheke, die sich seit 1841 an dieser Stelle befindet, doch schon 1760 anderenorts gegründet wurde.

12. Weniger stattlich als Pfarrer und Apotheker. dafür in der Nähe ihrer Arbeitsstätte und des Stadtzentrums waren die Lehrer untergebracht. Von ihren Wohnungen an der Gartenstraße bis zur Pestalozzischule waren es nur wenige Schritte. Der Bliek aus den Fenstern fiel auf ein Grundstück mit Teehäuschen, dem bekarmten Buchhändler Jacobs gehörend, und auf die überwachsene Stadtmauer (vorn links), die besonders an dieser Stelle über Jahrhunderte bis heute erhalten blieb.

13. Nach einigen bürgerlichen, ein adliger Wohnsitz: Haus Bärenkamp. Das Haus, dessen Name sich wohl von 'Birken' herleitet, wird erstmals 1436 als 'Haus Berkenkamp' urkundlich erwähnt und ist im Laufe von sieben Jahrhunderten im Besitz verschiedener Familien gewesen. Im 19. Jahrhundert gehört es unter anderen der Familie von Buggenhagen; Julius von Buggenhagen wird 1816 erster Landrat des neugeschaffenen Kreises Dinslaken. Anfang des 20. Jahrhunderts besitzt die Stadt Dinslaken, deren Wappen auf dem Stein (vorn rechts) zu sehen ist, Haus und Grundstück. 1965 wird das alte Haus abgerissen und auf dem Gelände eine Trabrennbahn errichtet.

14. Auf dem weitläufigen Gelände des ehemaligen Hauses Bärenkamp befinden sich heute außer einer Trabrennbahn auch einige Tennisplätze. Ob im Juni 1931 die abgebildeten Damen und Herren dort gespielt haben, ist nicht schlüssig festzustellen, ebensowenig die Namen der Beteiligten. Es dürfte sich um die bessergestellten handeln, denn Tennis blieb trotz der Erfolge deutscher Spielerinnen und Spieler im englischen Wimbledon während der Zwischenkriegszeit ein exklusiver und teurer Sport. Und er war damals längst nicht so athletisch; nach dem Ball hechten, wäre einigen racketschwingenden Herren schwergefallen.

15 .? , .. am 11. Juni im Jahre des Heils 1911, da seine Majestät Wilhelm Il, deutscher Kaiser und König von Preußen, Beherrscher des mächtigsten Reiches der Welt war. .. ', so heißt es in der Urkunde, wurde der Grundstein zum Bau des evangelischen Krankenhauses an der Walsumer Straße 14 gelegt. Weiter wird in dem Dokument ausgeführt: 'Das Gebäude wird in neuerern Stil unter Anlehnung an die malerischen Stilformen des 18. Jahrhunderts des benachbarten Bergischen Landes errichtet und soll nach seiner Vollendung 30 Personen aufnehmen .. .' Nach eineinhalbjähriger Bauzeit war das Gebäude fertiggestellt, rechtzeitig um während des Ersten Weltkrieges als Reservelazarett zu dienen. Im Zweiten Weltkrieg fast unbeschädigt, mußte das Haus 1968 einem 'gesichtslosen' Großbau weichen.

16. Entweder war das Wetterim März 1918 so verlockend, daß die Krankenbetten auf den Balkon geschoben wurden, oder das evangelische Krankenhaus, Reserve!azarett des Ersten Weltkrieges, war im vierten Jahr des Völkermordens derart überfüllt, daB für die Verletzten und Verwundeten jeder freie Platz ausgenutzt wurde. DaB der Krieg noch 'Konjunktur' hatte, deuten die rauchenden Schlote (Bildhintergrund) an. Sie gehörten zum Dinslakener Walzwerk, das mit der Kriegsproduktion vollauf ausgelastet war. 1897 wurde es in Betrieb genommen und von Julius Kalle (1869-1948) für den August Thyssen-Konzern auf die modernste Technik gebracht; nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es entsprechend dem 'Potsdamer Abkommen' demontiert und in der Sowjetunion aufgestellt. Damals war an den blauen Himmel über der Ruhr nicht zu denken - für die Kranken kein erfreulicher Ausblick.

17. Heut noch am Springbrunnen träumen in den tönenden Tag, sich an das Schöne versäumen kurz vor dem Glockenschlag, der das alles beendet, dem letzten, den man vernimmt. Was Max Herrmann-Neiße (18861941) in seinem Gedicht 'Rast auf der Flucht' ausdrückt, läßt sich auf die Soldaten (unseres Bildes) durchaus übertragen. Am Stapp, einem noch heute beliebten Ausflugsziel am Rhein, vergessen die Soldaten wenigstens zeitweise die Schrecken des Krieges und freuen sich ihrer Genesung, zumal dann, wenn sie weibliche Begleitung haben, seien es auch ihre Pflegerinnen aus den Dinslakener Krankenhäusern, die während des Krieges als Lazarette dienen.

GRUSS vomSTAPP und EpPINGHOVE '

--/.'-- --- -

.Vlr~$c .. ~: v.D 3'" -t· .

18. Völlig anders als die Soldaten des Ersten Weltkrieges genossen die Ausflügler des Fin de siècle Rhein und Auen am Stapp: Beschaulich und heimelig war's, Leidenschaft hingegen tobte in Gottfried Keller (18191890), dem literarischen 'Klassiker demokratischer Bürgerlichkeit', wenn er an BettyTendering (1831-1902) dachte, die zeitweise Unterkunft fand in Haus Wohnung (links oben). Kellers Schreibunterlage aus seiner Berliner Zeit, auf der die für ihn 'unerreichbare Reiterin und Salondame Betty Tendering dutzende Male hintereinander beim Namen genannt wird: Betty, Betty, Betty, ist eines der erschütternsten Dokumente erotischen Leidens' (Adolf Muschg).

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2020 Uitgeverij Europese Bibliotheek