Dinslaken in alten Ansichten Band 1

Dinslaken in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Gisela Marzin und Joachim Schulz-Marzin
Gemeente
:   Dinslaken
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4728-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Dinslaken in alten Ansichten Band 1'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

lJlN:5LJ-I.Kt.l'l. Kotbadl-Partie

29. In Sichtweite von Heinrich Nottebaums Haus liegt der Voswinckelshof, an dem um 1900 einer der Rotbacharme vorbeifloB. Seit dem 19. Jahrhundert trägt das Anwesen zwischen Wiesen- und BrückstraBe den Namen des Landrichters Johann Voswinckel. Die Geschichte des Hauses reicht jedoch bis ins frühe 15. J ahrhundert zurück, Der Hof war lange Zeit im Besitz der jeweiligen Drosten (das war der Titel eines rnit polizeilichen und militärischen Befugnissen ausgestatteten Adeligen) des Landes Dinslaken. Im 20. Jahrhundert wechselten die Besitzer und Aufgaben des Hauses, seit 1975 gehört es der Stadt Dinslaken und dient als Museum.

30. Im Jahre 1940 spielten Mädchen und Jungen, die zu dieser Zeit noch im Voswinckelshof untergebracht waren, munter und ausgelassen mit Panzerabwehrkanonen, die während des Polenfeldzuges erbeutet und vor dem Hauseingang aufgestellt wurden. Der traditionsreiche Hof gelangte von 'einer Tochter der letzten Voswinckels' über eine Zwischenstation 1916 in den Besitz der 'Gewerkschaft Deutscher Kaiser'. Das Anwesen diente in der Folgezeit als Kindererholungsheim und kurzfristig während des Zweiten Weltkrieges als Lazarett. Für die spielenden Kinder schien der Krieg noch weit weg; es dauerte jedoch nicht lange, und der Voswinckelshof war durch Brandbomben stark beschädigt, und weite Teile Dinslakens waren in Schutt und Asche versunken.

31. Von 1935, der Straßenname (heute Schloßstraße ) macht es sichtbar, stammt die Aufnahme und zeigt das Gebäude des Bergamtes, das schräg gegenüber dem Voswinckelshof liegt. Das Haus gehört zu den steinernen Zeugen der Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts wieder aufblühenden Backsteinkunst, wie sie zum Beispiel durch F. Höger und seinem Chilehaus in Hamburg inspiriert war. Die Post und der ältere Teil der Sparkassenhauptverwaltung (beide an der heutigen Friedrich- Ebert -Straße) sind ebenfalls in diesem Stil ausgeführt, allerdings wesentlich schlichter als das Bergamt. Aufgabe dieses Amtes ist unter anderem auf die Sicherheit im Bergbau zu achten, gemeinschädliche Einwirkungen des Bergbaus zu verhindern und die Landschaft im Interesse der Öffentlichkeit zu gestalten - mit ihrem Dienstsitz ist dies wenigstens gelungen.

32. Einige Schritte nördlich vom Bergamt an der Kaiserstraße (heute Friedrich-Ebert-Straße) lag das Stadtbauamt und gegenüber das Rathaus mit Polizeiwache. Nach Auszug des Amtsgerichts wurde im Juni 1913, am Tag 'der Feier des 25jährigen Regierungsjubiläums seiner Majestät des Kaisers und Königs' Wilhelm Il., das Rathaus eingeweiht. Fast fünfzig Jahre später, weil nach dem Zweiten Weltkrieg nur notdürftig wiederhergestellt und für die Verwaltung zu klein geworden, wurde es abgerissen. Seit 1988 ziert der Bau der Stadtbibliothek, die auch im Juni - Koinzidenz der Geschichte - eingeweiht wurde, diesen Platz. Auf der rechten Straßenseite in Höhe der Straßenbahn springt das giebelständige Haus mit dem kleinen Turmaufsatz ins Auge. Es ist die Synagoge, 1894 errichtet auf dem Gelände des ehemaligen Augustinerinnen-Klosters Marienkamp, am 10. November 1938 von Nationalsozialisten angezündet und völlig ausgebrannt.

33. Damals wie heute: Bei besonderen Gelegenheiten gratuliert der Bürgermeister. Aus Anlaß der Goldenen Hochzeit des Kriegsveteranen Theodor Mangelmann gratulierte der von 1899 bis 1911 amtierende Dinslakener Bürgermeister Dr. Ernst Otto Leue, der aus Odenkirchen stammte und gleichzeitig mit Heinrich Nottebaum gewählt wurde. In seine zehnjährige Amtszeit - eine Wiederwahllehnte er aus Gesundheitsgründen ab - fielen der Ausbau des Gymnasiums, die 'Inbetriebnahme' des Kommunalfriedhofes, die Auflösung des Bürgermeisterverbandes mit Walsum und Hiesfeld sowie die Weiterführung der Straßenbahn vom Walsumer Tor zum Bahnhof.

34. Die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) und die ihr übergeordnete Partei, die NSDAP, haben dafür gesorgt, daß es die Duisburger Straße so nicht mehr gibt. Lediglich das Eckgebäude (rechts) und die evangelische Pfarrkirche haben den Zweiten Weltkrieg und die Folgen überstanden, was angesichts der Baugeschichte der Kirche bemerkenswert erscheint. 1720wurde sie anstelle eines 1717 abgebrannten Vorgängerbaus nach Plänen von Bartolomeo Sala errichtet. Da den einheimischen Handwerkern der Italiener zu 'hoch geloffen ' war, änderten sie die Entwürfe so, daß der neue Turm einstürzte. Die schuldigen Handwerker mußten haften und neue Pläne Salas akzeptieren. Gegenüber der Kirche praktizierte der als Armenarzt gerühmte Dr. Heinrich Böing, der jährlich 40 Reichstaler für die Behandlung armer Kranker von der Stadt bekam und drei Mägde beschäftigen konnte.

35. Dort, wo heute die 'Deutsche Bank' (FriedrichEbert-Straße) ihre Geschäfte abwickelt, präsentierten sich die Postbeamten vor ihrem Dienstgebäude (von 1899 bis 1929). Es hatte sicherlich eine öffentliche Fernsprechstelle, denn 1898 forderte der Rat dringend eine solche und wollte dafür fünf Jahre lang etwa 300 Mark zahlen. Dreißig Jahre war die Post in dem für ihre Zwecke gebauten Haus untergebracht; vorher lag die 'Posthalterei', seit dem Ende des 18. Jahrhunderts bezeugt, inmitten der Altstadt nahe der St.Vincentius-Kirche und zog 1876 gegenüber dem Rathaus an der Duisburger Straße ein. Seit 1929 dient das Gebäude gegenüber der Sparkasse als Postamt.

36. Mitten in der Stadt lag der jüdische Friedhof, wie ein Hügel gewölbt, da immer wieder Bestattungen darauf vorgenommen wurden. Die aufrecht stehenden Grabsteine dieses Friedhofes signalisieren eine gewisse Anpassung an den christlichen Brauch, da ursprünglich die Steine das Grab bedeckten. Da die Zahl der Juden im 19. Jahrhundert gewachsen war - im Verhältnis zu Dinslakens Gesamteinwohnerzahl war die jüdische Gemeinde recht stark - und das alte Gräberfeld den Erfordernissen des Verkehrs und der Planer entgegenstand, wurde in der Nähe des kommunalen Friedhofes eine neue Begräbnisstätte geschaffen. 1927 verschwand der alte Friedhof; sein Ende war gewissermaßen Menetekel für das Schicksal der gesamten jüdischen Gemeinde von Dinslaken.

37. Auf dieser Aufnahme ist von dem jüdischen Friedhof nichts mehr zu erkennen; der Erweiterung der Schiller- (links) und Hauptstraße (heute Friedrich-Ebert-Straße) mußte er weichen. In dem kleinen Fahrradgeschäft am 'Park' soll nach Aussagen eines verdienstvollen Heimatforschers ein Rothschild, keiner aus der bekannten Frankfurter Bankiersfamilie, sondern aus der des Leiters des jüdischen Waisenhauses, Leopold Rothschild, gelernt haben. Im Hintergrund (rechts) schaut die Front des 1929 in Betrieb genommenen Postamtes hervor. Der Bliek durch die Häuser (Mitte) offenbart, wie unverbaut und grün Dinslaken am Ende der zwanziger Jahre war. Parkplätze an der Hauptstraße, ein leidiges Problem von heute, fanden sich genug.

38. Nach jahrelanger Unterbringung in Gaststätten, zunächst beim Wirt Tremöhlen, danach bei L. Maaß am Walsumer Tor, konnte das Reform-Realgymnasium i. E. 1912 in ein eigenes, für ihre Zwecke entworfenes Gebäude hinter dem Kreishaus einziehen. Nachdem frühere Versuche gescheitert waren, forcierte seit der Jahrhundertwende die Stadt die Einrichtung einer Höheren Schule, um die Verlegung des Landratsamtes nach Dinslaken zu begünstigen. Eine private Knaben-Rektoratschule, die 1901 mit drei Lehrern und zehn Schülern in zwei Klassen begonnen hatte, wurde 1905 von der Stadt übernommen und weitergeführt mit neuem Namen und einem neuen Direktor, denn anstatt eines Theologen mußte es ein Altphilologe 'mit vollem Examen' sein. Um die Verschandelung des Stadtparkes zu verhüten, wurde noch der erste Ausbauplan fallen gelassen, danach fielen allerdings die Bäume für einige Bauten.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2020 Uitgeverij Europese Bibliotheek