Dinslaken in alten Ansichten Band 1

Dinslaken in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Gisela Marzin und Joachim Schulz-Marzin
Gemeente
:   Dinslaken
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4728-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Dinslaken in alten Ansichten Band 1'

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39. Weil Verwaltung und Rat die Bedeutung der Eisenbahn für die wirtschaftliche Entwicklung nicht erkannten, nahmen sie keinen Einfluß auf den Verlauf der Bahnstrecke Köln-Arnheim und die Lage des Bahnhofes. Deshalb befand sich das 1856 errichtete Bahnhofsgebäude am nordöstlichen Rand, weitab vom städtischen Zentrum. Erst Jahre später wurde der Bahnhof durch die Straßenbahn an die Stadt angeschlossen. Der Posthalter allerdings begriff die Zeichen der Zeit und bot noch vor der Eröffnung der Strecke zwanzig gute Pferde, zwei Beichaisen, zwei Postkariolen nebst Zubehör zum Kauf an. Die Höherlegung des Eisenbahnkörpers und die wirtschaftliche Entwicklung erforderten sechzig Jahre später einen neuen Bahnhof.

40. Das Originalfoto trägt die Notiz: 'Walzwerk Fa. Grüddelbach.' Ein Walzwerk in der Nähe des Bahnhofes betrieb bis 1896/97 August Hollenberg, danach August Thyssen. Eine andere Firma in der Nähe der Bahn und aus den Anfängen der Industrialisierung Dinslakens nannte sich 'Rheinische Fabrik für elektrische Bogenlichtkohle' und war im Besitz des Heilpraktikers und Stadtverordneten Wilhelm Grüdelbach. Als der Bahnhof 1914 erweitert wurde, mußte sein Betrieb weichen und wohl schließen, denn später stellte der Heilpraktiker neben seiner Praxis in Voerde Betonplatten her.

Dinslaken

August Thyssen Hütte, Gewerkschaft Walzwerk

41. Mit dem einheimischen Maschinenfabrikanten August Hollenberg begann um 1870 das industrielle Zeitalter Dinslakens. Seine Eisengießerei, östlich der Bahn und mit Auflagen zum Schutz der Nachbarn vor Belästigungen und Gefahren versehen, und sein später gegründetes Walz- und Hammerwerk gelangten nach finanziellen Schwierigkeiten 1896/97 in den Besitz der 'Gewerkschaft Deutscher Kaiser'. Hinter diesem Unternehmen stand August Thyssen, der bereits mehrere Werke andernorts aufgebaut hatte und nun der 'Motor' der Industrialisierung Dinslakens wurde. Nach erfolgreichen, unter Sylvesterknallern vorgenommenen Walzversuchen expandierte das Werk beträchtlich. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es demontiert, die WarmbreitbandstraBe gelangte in die Sowjetunion, nach Magnitogorsk.

42. Stolz und selbstbewußt blieken die Maschinisten der Drehstromzentrale der 'Gewerkschaft Deutscher Kaiser' in die Kamera. Bis 1906 erzeugten zwei liegende Verbunddampfmaschinen von je 1 000 PS die erforderliche elektrische Energie für ein Warmwalzwerk mit zwei Walzenstraßen und ein Kaltwalzwerk, alles Betriebe, die seit Mai 1897 von Thyssen errichtet wurden. Den erforderlichen Dampf lieferten drei Kesselbatterien mit zusammen etwa 3 000 Quadratmetern Heizfläche. Die Aufstellung der Arbeiter läßt durchaus Schlüssel auf ihre Stellung und ihren Rang am Arbeitsplatz zu: Die wichtigsten Personen stehen vorn. Ist nicht der Mann mit der demonstrativ zur Schau gestellten Uhrenkette zum Aufseher prädestiniert? Im Kleinen, am Arbeitsplatz, wird die hierarchische Ordnung der wilhelminischen Gesellschaft offensichtlich.

43. Boxen stand schon im Altertum auf dem olympischen Programm, damals gab es für den Sieg in Olympia einen Ölzweig. An derartige Ehren haben 1922 die Gründer des Box- und Fecht-Club Dinslaken noch nicht gedacht. Ihre Sorge galt der notwendigen Ausrüstung, denn Boxhandschuhe und anderes Gerät waren unerschwinglich. 'Mit Säcken und jeder Art erreichbarer Leinwand wurden die Fäuste zum Kampf urnwiekelt.' Eine Scheune in der Nähe des Altmarktes war erste Austragungsstätte von Boxveranstaltungen. Ende der zwanziger Jahre stieg das Interesse am Faustkampf derart, daß der 1931 in Box-Club Dinslaken umbenannte Verein jedem Kandidaten eine Aufnahmegebühr von einer Mark abverlangte und ihm anschließend eine Lektion in Sachen Boxen erteilte. Wer nach dieser ersten Lektion den Weg zum Training zurückfand, war für den Verein zu gebrauchen.

44. 'Achse der Neustadt' wurde sie treffend genannt: Die Neustraße. Diesen Namen trägt sie heute, nachdem verschiedene Benennungen sië im Laufe der Jahrhunderte zierten. Mittlerweile ist ihr Name bedeutungsgleich mit fußläufiger Hauptgeschäftsstraße geworden. Fußgänger stellten auch 1911 den Hauptteil am Verkehr. Bekannte Geschäfte sind auf der Aufnahme nicht zu sehen, dafür fällt das jüdische Waisenhaus (Bildmitte, mit einerTreppe vor dem Portal) auf. Das Haus wurde 1771 für den Steuereinnehmer Weinhagen entworfen und diente von 1885 bis 1938 als Unterkunft und Schule für 'unbemittelte israelitische Waisenkinder'. Nach der schamlosen Austreibung der jüdischen Kinder und Erzieher eignete sich die NSDAP das Haus an; Partei und Gebäude gingen 1945 unter.

45. Im Chemie- oder Physikraum, vermutlich beidem, hat sich das Kollegium der jüdischen Schule zusammengefunden. 1879 verfügte die königliche Regierung in Düsseldorf die Umwandlung der jüdischen Privatschule am Ort in eine öffentliche Schule. Als erster Lehrer wurde Leopold Wormser berufen; er gab den Anstoß zur Gründung eines jüdischen Waisenhauses und wurde dessen erster Leiter. Sein Schulinspektor fragte ihn daraufhin, ob er angesichts dieser Belastung seinen Lehrberuf ordentlich erfüllen könne. All seinen übernommenen Pflichten komme er nach, antwortete er und fügte hinzu, daß er für seine 'nebenamtliche' Tätigkeit keinerlei Gehalt beziehe, sondern es nur im Interesse des edlen Werkes tue. Jahre später schied er jedoch aus dem Schuldienst aus und wurde bis 1913 hauptamtlich angestellter Waisenhausdirektor.

46. '1. Gardinenwäsche nach Plauener Art. 2. Teppich-Entstaubung durch Vakuum. 3. Fell und Pelzfärbung. 4. Samt- und Plüschaufarbeitung. 5. Wasserdichtmachung jeglicher Art Herren- und Damen-Garderobe, ' So inserierte und warb die Dinslakener Filiale der Mülheimer Dampffärberei und Chemisehen Waschanstalt Eduard Noël auf der NeustraBe 58 um 1912 für ihre Spezial-Abteilungen. Im gleichen Haus war die 'Restauration Brauer' untergebracht, nicht zu verwechseln mit dem Hotel Brauer, das auf der Neustraße 2 lag und sich seiner vorzüglichen 'Diners von 12 bis 2 Uhr' rühmte. Die Neustraße war gastronomisch ausgezeichnet versorgt, Dinslaken galt als eine 'Thekenhochburg' , kamen doch um die Jahrhundertwende 64 Einheimische (Männer, Frauen und Kinder) auf ein Schanklokal.

47. Je näher der Neutorplatz rückte, desto zahlreicher wurden die gastronomischen Betriebe. Denn auf diesem Platz fanden die von vielen Menschen besuchten Viehmärkte statt. Das 'Restaurant Reichskrone' auf der Neustraße gehörte der Familie Tremöhlen, die Erfahrung und Tradition im Schankgewerbe aufwies. Der Bierwirt, Bäcker und Winkelier (Besitzer eines kleinen Kramladens), Johann Tremöhlen, unterhielt von 1885 bis 1899 eine auf Beschluß des Kreistages eingerichtete 'Natural- Verpflegungsstation' , die mittellosen Wanderburschen für ein bis zwei Stunden Arbeit Verpflegung und Unterkunft gewährte. Aber nicht nur die Wanderburschen fanden bei ihm eine Herberge, sondern auch die Schüler des Realgymnasiums im Aufbau wurden 'im Saale des Wirtes Tremöhlen' unterrichtet. Anscheinend gab es Spannungen zwischen Schülern und Wanderburschen, so daß Schüler und Lehrer mangels eines eigenen Gebäudes wiederum in eine Gaststätte, zu 'Maaß' am WalsumerTor, umzogen.

48. Vom Altmarkt kommend, ist das nordöstliche Ende der Neustraße fast erreicht, Zum Viehmarkt waren es noch wenige Schritte, vorbei an der 'Rheinisch-Westfälischen MaschinenhaUe' von Heinrich Biefang & Comp. (links) und der Gaststätte Maaß - 'Ma( a)ß für Ma( a)ß - allein in diesem Bereich waren drei Wirte dieses Namens gemeldet. Um 1900 mündete zwischen dem Haus mit dem (Pseudo) Renaissance-Giebel und der Markise (Bildmitte) sowie dem Restaurant Reichskrone und gegenüber dem Textilgeschäft Moritz Sal( 0 )mon die Klosterstraße auf die 'Achse der Neustadt', Bis zur Kreuzung mit der BahnstraBe waren rechter Hand die 'Germania-Drogerie' von Willy Kühn und das 'Hotel Brauer', das Zimmer ab 'Mk 2,25, Konferenzzimmer und eine Autogarage' anbot, zu passieren.

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