Dinslaken in alten Ansichten Band 1

Dinslaken in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Gisela Marzin und Joachim Schulz-Marzin
Gemeente
:   Dinslaken
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4728-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Dinslaken in alten Ansichten Band 1'

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49. 'Publicandum. Am Montag, den 20sten dieses Monats, sollen auf dem hiesigen Markte 32 Stek. Pferde gegen bare Bezahlung ... den Meistbietenden verkauft werden,' so stand es im 'Amts-Blatt der KöniglichPreußischen Regierung zu Cleve' vom Mai 1816. Diese Anzeige ist eine der frühen Zeugnisse aus der Entwiekhing der Dinslakener Kram-Märkte zu Pfingsten und Martini zum Großviehmarkt, zum 'Hauptumschlagplatz des Viehhandels am Niederrhein' . Neunzig Jahre später wurden insgesamt 33 935 Stück Großvieh aufgetrieben. Dann zeigten Rat und Verwaltung nicht genügend Weitblick; sie pflasterten aus hygienischen Gründen lediglich den Neutorplatz und versäumten den Bau einer Viehhalle. Die kam erst 1914, als Dinslaken bereits seine Schlüsselstellung im Rheinland verloren hatte. In die unrentable Viehhalle zog nach dem Zweiten Weltkrieg die Industrie ein.

50. Was ist geschehen? Ein Fahrzeug vom Weg abgekommen und gegen die Hauswand geprallt? Im 'General-Anzeiger, der einzigen in Dinslaken erscheinenden Zeitung', war nichts erschienen, obwohl ihre Geschäftsstelle in unmittelbarer Nähe lag (linker Bildrand). Weshalb sonst sind die Menschen aus den vielen Gaststätten am Viehmarkt (heute Neutorplatz) geeilt und schauen neugierig? Wenn wirklich ein Auto Schaden genommen hatte, konnte sicherlich ' Auto-Helmich' (rechts, wo die Werbetafel für 'Leuna-Benzin' angebracht ist) helfen. Und mußte der Fahrer über Nacht bleiben, bot sich das 'bestrenornmierte Hotel Brauer' an (das weiße Eckhaus mit den Bäumen davor).

51. Vierzig Jahre unfallfrei ist Helene Rossa, geborene Helmich, geblieben. Sie soll nach ihrer Tante Gertrude Helmich die 2. Dinslakenerin am Steuer gewesen sein. Im Jahre 1928 präsentierte sie sich mit ihrer Freundin in einem aPEL - wohl zufällig - vor dem Amtsgericht. Das imposante Amtsgerichtsgebäude mit zwei Dienstwohnungen und einem Gefängnis, auf Kosten der Stadt erbaut und 1913 von sechs Richtern bezogen, wurde notwendig, weil seit dem Beginn der Industrialisierung nicht allein die Stadt, sondern ebenfalls die richterlichen Aufgaben wuchsen. Das Gerichtswesen geht zurück auf Friedrich Il. von Preußeneinige nennen ihn den Großen - der 1753 vier neue Landgerichte in Kleve, Xanten, Wesel und Dinslaken verordnete.

52. Auf dem Wege aus der Stadt nach Norden, direkt hinter der Bahnlinie Köln-Amheim, lag das ehemalige städtische Gaswerk (Teile davon im Hintergrund). Es wurde 1902/03 gebaut und von Heinrich Nottebaum, dem die Betriebsverwaltung oblag, eingeweiht. Bald brannten unter anderem am Rathaus und am Kriegerdenkmal die ersten Gaslaternen, die ein Laternenwärter einzeln anzünden und auslöschen mußte. Nach zehn Jahren war die Kapazität des Gaswerkes ausgelastet, so daß von 1913 an aufgrund eines Vertrages Thyssen das städtische Gas lieferte. Die überflüssigen Bauten wurden als städtisches Lager und von der 'Kraftwagenverkehrsgesellschaft Niederrhein-Ost' genutzt und standen auch der Feuerwehr (Bild) zur Verfügung.

53. Unweit des städtischen Gaswerkes an der Hünxer Straße liegt eine Gaststätte, die über ihrer Eingangstür mit dem steinernen Bild einer Mühle verziert ist. Kaum jemand weiß, warum diese Darstellung. Das Foto zeigt es: Die Mühle nebenan muß nach 1811, nach der Aufhebung des Mahlzwanges durch die napoleonische Gesetzgebung, entstanden sein, denn im 18. Jahrhundert lassen sich lediglich vier Getreidemühlen im heutigen Stadtgebiedt nachweisen: Zwei Wassermühlen, am Altmarkt und in Hiesfeld, eine Windmühle im Westen und eine Roßmühle am Kastell. Nicht lang genug hat die Mühle an der Hünxer Straße gearbeitet, um sich in die Erinnerung zu mahlen.

54. Den Herrn mit Stöckchen kennen wir schon. Es ist der Stadtbaurat Heinrich Nottebaum mit seinem Straßenmeister Braun (am linken Bildrand). Beide begutachteten die Fortschritte beim Asphaltieren einer neuen Straße und sorgten dafür, um die Beeinträchtigung der Bürger durch Bauarbeiten möglichst gering zu halten, daß es mit den Arbeiten zügig voranging. Sie ließen deshalb die neusten technischen Geräte einsetzen. Derartige Bemühungen, dem Bürger durch kurze Bauarbeiten entgegenzukommen, werden in Dinslaken nicht oft unternommen.

55. Die Reichsregierung in Berlin verkündete 1923 den 'passiven Widerstand' gegen die Besetzungdes Ruhrgebietes durch die Franzosen und Belgier, da baute die Stadt am Fischerbusch eine Badeanstalt. Das Becken wurde von Bergleuten, die nicht für die Besatzungsmächte in die Grube fahren wollten, ausgehoben. Eine Baracke aus Heeresbeständen bot Platz für Umkleidekabinen und eine Wohnung für den Bademeister. Nach der Aufgabe des 'passiven Widerstandes' fehlte den Bergleuten Zeit und Muße zum Planschen und Schwimmen. Der Badebetrieb am Fischerbusch wurde eingestellt, Kleingärtner übernahmen später das Gelände, und anstelle der 'Notlösung' wurde bald ein großzügiges Freibad in Hiesfeld angelegt.

56. Die Abraumhalde, innerhalb des Stadtgebietes nur mit Mühe zu übersehen, existiert auf dieser Aufnahme von 1910 noch nicht, denn die Doppelschachtanlage Lohberg nahm die Förderung erst zwei Jahre später auf. 1905 wurde die 'Gewerkschaft Lohberg' notariell gegründet, dem vierköpfigen Vorstand gehörten drei Thyssen an: August, Fritz und Josef. Als die Aufnahme entstand, war eine Tiefe von rund 500 Metern erreicht. Um die Schächte überhaupt abzuteufen, wurde das von Thyssen gerade entwickelte Gefrierverfahren angewandt - Lohberg konnte damals die tiefsten Gefrierschächte der Welt aufweisen. Während der Abteufarbeiten entstanden die Anlagen überTage: Als erste eine Ziegelei, die die nötigen Steine lieferte, ferner eine Waschkaue, ein Kesselhaus, ein Teil der Maschinenhalle, der Zechenbahnhof und die Klärbecken.

57. Gegenüber der Doppelschachtanlage Lohberg entstand eine Siedlung für die Arbeiter, die entsprechenden Sozial- und Geschäftsbauten wurden nicht vergessen. Das abgebildete Casino gehörte allerdings nicht zu Lohberg, sondern stand einige Kilometer entfernt und diente den Beschäftigten der AugustThyssen-Hütte. Im Lohberger Gebiet, wo vor dem Bergbau Felder, Wiesen und Wälder waren, die alten Flurnamen deuten es an, 'Das Wieschen', 'Das Feld' oder 'Der Tannenbusch', kamen zu Anfang dieses Jahrhunderts Menschen aus allen Teilen Deutschlands und Europas. Dementsprechend wuchs die Siedlung 'in amerikanischem Tempo'. Die Anlage und Gestaltung der Straßen und Häuser war großzügig, aber die Siedlung behielt menschliches Maß. Etwas erinnert sie an die von E. Howard 1898 in Großbritannien konzipierten Gartenstädte, manche gute Idee, wie die gartenbauliche Nutzung der Gemarkung, hat sie daher übernommen.

58. Vor dem Eingang zur Kohlenstraße 44 und 46, sie gehörte zu einem späteren Bauabschnitt der Siedlung Lohberg, fehlte 1923 noch das Grün. Doch die beiden Familien Rammelmann, aus Nr. 44 schaute Adele aus dem Fenster und links Maria mit Kind und Hund, waren anscheinend zufrieden. Sie wohnten in einem 'eigenen' kleinen Häuschen, das mehr Platz bot, als der Durchschnittsfamilie im Deutschen Reich zur Verfügung stand. Daß die Entstehung der Siedlung dem Bergban zuzuschreiben ist, läßt sich unschwer an den Straßennamen erkennen: Stollen-, Halden- und Sohlenstraße lauten beispielsweise die Namen. Selbstdie Hierarchie unter Tage fand sich damals über Tage wieder. In der Steigerstraße waren die Häuser größer und schöner, das entsprach dem Rang ihrer Bewohner, den Steigern.

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