Dülmen in alten Ansichten

Dülmen in alten Ansichten

Auteur
:   Heinz Brathe
Gemeente
:   Dülmen
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2988-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Dülmen in alten Ansichten'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

49. Zur Verbesserung der Wohnsituation trug auch die Kanalisierung bei. Sie wurde 1882 in der Tiberstraße begonnen und seit 1905 nach einem behördlich genehmigten Plan durchgeführt. Die Verrohrung der Straßen kam während des Ersten Weltkrieges durch den Einsatz von Kriegsgefangenen ein beträchtliches Stück voran. Gleichzeitig entstanden beiderseits des Mühlenweges die Rieselfelder, in die die gesammelten Abwässer flossen. Dennoch blieben Hermann und Libbeth mit ihrem 'Ahltönnken' nicht ohne Arbeit. Sie leerten weiterhin Abortgruben und fuhren den Inhalt in die Gärten ihrer Auftraggeber. Das genügsame und bis ins hohe Alter rüstige Paar wohnte vor der Stadt in einer verfallenen Hütte, Die Ziege band es des Nachts an einen der Bettpfosten.

50. Große Bedeutung für die Entfaltung des wirtschaftlichen Lebens hatte der Bau der Bahnlinie Essen-Münster. 1862 traf die zuständige Köln-Mindener Gesellschaft die ersten Vorbereitungen. Im Raume Dü1men wünschte die Eisenhütte eine Streckenführung westlich der Stadt. Vornehmlich mit Rücksicht auf das Wildpark-Projekt des Herzogs von Croy wurde die Linie nach Osten verlegt. Die Arbeiten am Gleiskörper nahmen etwa zwei Jahre in Anspruch. Am 1. Januar 1870 verkehrte der erste Zug, Die Haltestelle in Dü1men wurde mit einem im reichseinheitlichen Stil gemauerten Empfangsgebäude versehen. Sie führte seit 1875 offiziell den Namen 'Hauptbahnhof'. Ihr waren ein Güterschuppen und eine Verladerampe zugeordnet.

51. Durch die Linie Dortmund-Enschede erhielt die Stadt einen zweiten Bahnhof. Am 15. Juni 1875 konnte das Teilstück Lünen-Dülrnen der Öffentlichkeit übergeben werden. Es war beabsichtigt, die beiden Bahnhöfe bei günstiger Gelegenheit im Kreuzungspunkt der Strecken zu vereinigen. Das Ernpfangsgebäude am 'Ostbahnhof' blieb ein holzverkleidetes Provisorium, das die Bomben 1945 vernichteten. Den ersten Versuch einer Zusammenlegung ließ der Erste Weltkrieg scheitern. Der nächste gelang während des Zweiten Weltkrieges nur halb. Seit dem 30. November 1940 hatte Dülmen eine einzige Station mit einem unteren und oberen Bahnsteig. Der gesamte Personenverkehr wurde über den Ostbahnhof abgewickelt. Der stillgelegte Hauptbahnhof kündete bis 1977 als einsames Relikt von vergangener Zeit.

52. Wegen der rasch steigenden Einwohnerzahl machte den Stadtvätern auch die Unterbringung der Volksschüler Sorge. Wie die 'Neusträßer Schule' milderte die 'Schildschule' nur vorübergehend den Raummangel. Sie stand auf der rechten Seite der unteren Münsterstraße. Eigentümer der Wohnhäuser vor ihr rechts waren die Familien Dütting und Untied. Auf der linken Seite befanden sich die Herzog von Croy'sche Verwaltung, das Hotel Sternemann und die Mühle Schücking. Vorn links begann die Nonnengasse, rechts der Bült. Heute passieren an dieser Stelle täglich Tausende von Fahrzeugen die Stadt. Bis 1945 wurde das Straßenstück nur wenig vom Verkehr berührt. Im Volksmund hieß es 'up'n Schild'.

53. Lehrer unserer Tage brauchen beim Anblick dieses Bildes weder Scham noch Stolz zu empfinden. Es drängt den Betrachter geradezu, die brav dasitzenden Jungen mit ihren kurzgeschorenen Haaren und den zumeist verschränkten Armen zu zählen. Es sind ihrer man vermag es kaum zu fassen - achtzig, die 1890 als ABC-Schützen in einer einzigen Klasse der 'Schildschule' unterrichtet wurden. Ihre Lehrerin war Dorothea Osthues, der der Ruf eines gestrengen und dennoch gütigen 'Fräulein' anhing, Wortbildungen wie Klassenfrequenz und Bildungsnotstand waren damals noch unbekannte Vokabeln.

54. Als 'Höhere Schüler' oder 'Lateiner' galten die buntbemützten Knaben der alten Lateinschule. Die Anfänge dieser Einrichtung gehen in Dülmen in das 14. Jahrhundert zurück, als sich an St. Viktor das Stiftskapitel konstituierte. Einem der Kanoniker oblag die Unterweisung in der Kirchensprache. Im 19. Jahrhundert wurde der Name 'Rektoratschule' üblich, 1868 kam die Schule auf dem Bült unter. Ab 1881 führte sie die Klassen Sexta bis Obertertia, die von drei Lehrern unterrichtet wurden. Wer das Einjährige oder das Abitur erreichen wollte, mußte nach auswärts gehen, Das Foto zeigt die Quinta und Quarta des Jahres 1901-1902 mit dem Rektor Bernhard Naendorf (Mirte) und den Lehrern Johann Höyng und Anton Lewing (rechts).

DUimen. Gymnasium

55. Seit 1905 liefen Verhandlungen mit dem Ziel, die Rektoratschule zu einem Gymnasium aufzustocken. Sie hatten 1911 unmittelbar vor dem Stadtjubiläum den erwünschten Erfolg. 1912 begann in der Obertertia der gymnasiale Unterricht. 1917 gingen einige der Oberprimaner in die Abiturprüfung. Andere trugen bereits den feldgrauen Rock. Trotz der kriegsbedingten Schwierigkeiten machte der von Stadtbaumeister Wo1ters entworfene Neubau gute Fortschritte. Bis auf den Gesangsaal und die Aula waren nach zwei Jahren alle Räume bezugsfertig. Am 11. Januar 1916 siedelte das Gymnasium von der Bültschule zum Nonnenwall über.

Der Bildstock an der Ecke zur Münsterstraße war eine der Stationen des alten Feldkreuzweges.

56. Um die Jahrhundertwende erfuhr das Vereinsleben einen kräftigen Auftrieb. Die schon seit längerem existierenden oder kurz zuvor gebildeten Zusammenschlüsse waren weniger gesellige als kirchliche und berufsständische Organisationen. 1897 gab die Kolpingfamilie ihr Gesellenhaus in der Marktstraße auf. Sie bezog an der Münsterstraße ein neues Heim, das erst in jüngster Zeit in privaten Besitz überging. Für die Stadt bedeuteten das Kolpinghaus und der mit einer Bühne ausgestattete Saal eine Bereicherung. Denn zwischen 1897 und 1945 boten sich für Veranstaltungen jeglicher Art drei Großräume an, ein Angebot, über das Dülmen nie mehr verfügt hat. Als einziger Saal wurde nach dem Zweiten Weltkrieg der des Kolpinghauses wieder aufgebaut und mehrmals modernisiert.

57. Eine gesicherte Schwimmgelegenheit gab es seit den neunziger Jahren in einer an der Münsterstraße von privater Hand eingerichteten und mit einer Gastwirtschaft verbundenen Badeanstalt. Das gemauerte Becken wurde von einem hohen Holzzaun umschlossen. An dieses Bad erinnert die Straßenbezeichnung 'Alte Badeanstalt'. 1929 verpachtete die Herzog von Croy'sche Verwaltung hinter Hausdülmen einen der Fischteiche an die Stadt, die ihn als Strandbad ausbaute. Die Badenden wurden anfangs nach Geschlechtern getrennt. Die Konkurrenz des Halterner Stausees machte das 1930 eröffnete Dü1mener Strandbad zu einem höchst unrentablen Objekt. Die Stadt verzichtete deshalb nach Kriegsende auf eine Verlängerung des Vertrages.

58. Eine echte Sensation, die viele Menschen auf die Beine brachte, muß es gewesen sein, als um 1900 die ersten Automobile die Stadt passierten. Die Wagen nahmen an einer internationalen Fernfahrt Paris-Berlin teil, Vor dem Kolpinghaus befand sich ein Kontrollpunkt, an dem anzuhalten war. Sofort wurde jedes Fahrzeug - bei dem hier gezeigten handelt es sich dem Vernehmen nach um einen Renault - von Neugierigen umringt, die es voller Staunen betasteten. Der mit einem Säbel ausgerüstete Stadtpolizist dürfte Mühe gehabt haben, den einzelnen Teilnehmern Platz zu schaffen für eine unbehinderte Weiterfahrt.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2020 Uitgeverij Europese Bibliotheek