Dorfen in alten Ansichten Band 1

Dorfen in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Joe A. Schmöger
Gemeente
:   Dorfen
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3044-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Dorfen in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Dorfen, das ist historisch ein Gemeinwesen, das vor gut zwölfhundert Jahren erstmals urkundlich erwähnt wurde, das vor mehr als siebenhundert Jahren durch die Herzöge Bayerns aus dem Hause Wittelsbach mit den Rechten eines Marktes versehen und vor nunmehr fünfundzwanzig Jahren zur Stadt erhoben wurde;

das ist geographisch und statistisch eine Stadt, die nord-östlich von München an dem Fluß Isen und an der Bahnlinie München-Simbach, heute an der Bundesstraße 15 und morgen vielleicht an einer Bundesautobahn liegt, die über 10000 Einwohner (1978) zählt und 100 Quadratkilometer Gemeindeflur (1978) umfaßt, die seit Beginn der Gebietsreformen auf die doppelte Einwohnerzahl von 1971 und die ISfache Fläche von 1960 angewachsen ist;

eine Stadt, die noch heute mit drei Toren bewehrt, von einer Wallfahrtskirche gekrönt, und mit zwei Brauereien und einem Dutzend Wirtshäuser wohl versehen ist.

Aber ist das Dorfen? Nein,

ich möchte meinen - in Abwandlung des Spruches

über einen Münchener Stadtteil - Dorfen ist kein Ort, sondern ein Zustand.

Nur so lassen sich Wallfahrtsfrömmigkeit und zeitweise Exkommunikation der Dorfener Bürger, lassen sich Stolz auf herzoglich-kurfürstlich-königliches Privileg und offene Widersetzlichkeit gegen die Obrigkeit, lassen sich religiöse Bruderschaften und Faschingstreiben, überhaupt auf einen Nenner bringen, so wie die Innerlichkeit der Gotik und der Überschwang des Barock in der Wallfahrtskirche. Wenn die Gegensätzlichkeit im Wesen der Bayern auf das keltische Bluterbe zurückgeht, wie manche Forseher meinen, dann hat Dorfen besonders viel geerbt; wenn diese Gegensätzlichkeit typisch bayrisch sein sollte, dann verkörpert Dorfen in besonderem Maße diesen Typ.

Dies ist eine Liebeserklärung: es könnte sein, daß Dorfen es nicht merkt - auch das ist typisch.

Ganz ohne geschichtliche Einordnung geht es freilich nicht.

Im Jahre 773 wird in einer Freisinger Urkunde erstmals 'dorfin' erwähnt, das heißt: bei den Dörfern, ein

Ort, der neben dem Pfarrsitz in (Ober-) Dorfen auch andere Ansiedlungen umfaßt haben muß, wie die Pluralform des Namens zeigt.

Zwischen 1229 und 1237 gründeten die bayrischen Herzöge im Isental den Markt Dorfen, um das Achsenkreuz zweier sich schneidender Straßen, mit Wall, Graben und später mit Toren bewehrt. Sie statteten den Ort mit dem Marktrecht und weiteren Privilegiën aus, vor allem mit dem Recht bürgerlicher Selbstverwaltung und mit der niederen Gerichtsbarkeit. Im Teilherzagturn Niederbayern, zu dem Dorfen lange Zeit gehörte, nahm es, nach den Städten, den ersten Rang unter den Marktgemeinden ein.

Krieg und Pest und Hunger und Teuerung blieben dem Markt nicht erspart; Erwerbssinn und Handwerksfleiß der Bürger ließen sich nicht brechen. Die Wallfahrt zur Gnadenmutter von Dorfen brachte geistigen und wirtschaftlichen Aufschwung; im 17. und 18. Jahrhundert strömten aus ganz Süddeutschland, aus Österreich und Böhmen die Pilger herbei, Fürsten kamen und Bauern.

Jahrhundertelang war die Gemeinde ein überschau-

barer Bereich gewesen, auch noch als sie 1954 den Stadt-Titel erhielt. Mit der Gebietsreform ab 1972 hat Dorfen die alten Grenzen gesprengt und sieben ganz anders strukturierte Gemeinden in die Stadt einbezogen. Eine Gemeinschaft aus diesen heterogenen Teilen zu schaffen, wird langer Jahre bedürfen.

Die 'große' Geschichte hat Dorfen nur gestreift; dafür haben wir dankbar zu sein. Geschichten aber gibt es gerade genug; einige sind in den Bildunterschriften festgehalten.

Die Karten und Fotos dieses Bandes stammen von einigen wenigen Leihgebern, denen an dieser Stelle herzlich Dank gesagt sei; ein Großteil der Fotos sind Arbeiten zweier alteingesessener Foto-Ateliers. Die Datierung war, von Ausnahmen abgesehen, äußerst schwierig; mit Hilfe des Bauzustandes, der Kleidermode und wirtschaftlicher Fakten wurde versucht, wenigstens zeitliche Grenzwerte zu finden, machmal war auch dies nicht sicher möglich. Vielleicht läßt sich in Bildern das einfangen, was mit Zahlen und Fakten, mit Gemeindegrenzen und Verwaltungszuständigkeiten nicht zu fassen ist.

1. Auf dem Kirchberg, der nach dem Missionar Südostbayerns auch Ruprechtsberg heißt, beginnt unser Rundgang durch Dorfen, auf dem Weg zurück in die Geschichte: hier befand sich wohl schon im späten 8. Jahrhundert eine Ansiedlung, die zusammen mit dem Pfarrsitz Oberdorfen den Namen 'dorfin' trug. Vielleicht stand hier eine frühe Wallfahrtskirche, deren gotische Nachfolgerin von 1350 im Chorschluß und im Massiv des Turmes noch erkermbar ist. Als 1782 ein Pfeiler einstürzte und einen Teil des Gewölbes mit sich riß, erstand in den Jahren 1784 bis 1790 der neue Bau in den schlichten Formen des Frühklassizismus: Mit dem machtvollen Bau des Priesterhauses und dem Pfarrhof das krönende Ensemble.

Karte: vor 1913 (Neubau des Pfarrhofs).

2. Der weite weiß-goldene Raum der Kirche ist auf das Gnadenbild ausgerichtet, die Muttergottes von Dorfen, ein einzigartiges Schnitzwerk der Spätgotik. Der Barock hatte die Madonna in weite prunkvolle Gewänder gekleidet und ihr mit dem Krönungsbaldachin des Egid Quirin Asam einen gloriosen Rahmen gegeben; die Frömmigkeit der Pilger hatte sie mit zahllosen Weihegaben geschmückt. 1868 wurde der Asam-Altar bis auf geringe Reste abgebrochen und ein Altarbau im Stile der Neugotik konzipiert; zugleich wurde der gesamte Innenraum in romantischer Rückbesinnung umgestaltet, freilich auch das Gnadenbild wieder in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt.

Foto: etwa 1890/1900.

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3. Die Priester, die die zahlreichen Wallfahrer zu betreuen hatten, wohnten zunächst im Markt; denn es gab keinen Pfarrhof. Nach 1700 wurde auf dem Berg ein Haus errichtet, das die Wallfahrtspriester 1719 bezogen; bis zu achtundvierzig Priester fanden hier Unterkunft. Das Haus wurde 1775, erheblich vergrößert, Priesterseminar und nach der Säkularisation zum Teil Pfarrhof (1813). Nach dem Neubau des Pfarrhofs (1913/1914) erwarben die Schulschwestern Unserer Lieben Frau vom Anger in München das Anwesen und richteten es zum Heim für alte und kranke Schwestern ein. Die Kapelle von 1775/1776 zeigt reichen barocken Schmuck.

Karte: nach 1914.

4. Die Wallfahrer waren von weit her nach Dorfen gekommen, bis aus den böhmischen Ländern der alten habsburgischen Monarchie. Für Speis' und Trank war drunten im Markt ausreichend gesorgt; doch brauchten die Pilger bei der Ankunft und zwischen den Messen eine Stärkung. So war die Kirche, ähnlich wie in anderen Wallfahrtsorten, von einern Kranz kleiner Läden umgeben. Dort konnte der Wallfahrer eine Leibesstärkung kaufen, dazu Kerzen, Wallfahrtsmedaillen und andere Devotionalien erwerben. Kerzen, Honig, Meth und Süßigkeiten waren im Meth-Ladel zu haben, das bis über den Ersten Weltkrieg hinaus erhalten geblieben war.

Foto: etwa 1910/1920.

VE~lEGUNG DES FRIEDHOFES

5. In früheren Zeiten hatte in Dorfen ein Friedhof rund um die Marktkirche bestanden, dann eine Anlage um die Wallfahrtskirche auf dem Berg; dazu kam, vor den Toren, der Pestfriedhof an der Sebastianskapelle. Nach der Jahrhundertwende wurde eine Neuanlange notwendig; die alten Gräber - hier an der Wallfahrtskirche - wurden aufgelassen. An den alten Friedhof schließt sich die Anlage des Marienstiftes an, eines 1898 gegründeten Bürger- und Altersheimes; jenseits der Straße steht die Mädchenschule und, ganz am Ende der Straße, das Haus der Cilli-Mari, die als Naturheilkundige weithin berühmt war. Foto: zwischen 1904 und 1908.

6. Von der 'Stepfn', der Wallfahrertreppe mit ihren 150 Stufen, entsprechend den Psaltern des Rosenkranzes, reicht der Bliek über den Markt - vom Johannisplatz mit dem Kirchtor zum Turm der Marktkirche - hinüber an die Hügel südlich des Isentales und hinein in die Gatterberge, die Ausläufer einer Altmoräne. Ansiedlung und Landschaft sind noch säuberlich voneinander geschieden; die Bebauung ist kaum über die alten Grenzen von Wall und Tor hinausgewachsen. Die Orte jenseits der Wiesen und Äcker sind eigene Gemeinwesen, die Straßen verbinden die Menschen und trennen sie nicht - noch nicht. Foto: etwa 1920/1930.

DORFEN

Jchannispletz

7. Die erste Platzanlage, der Johannisplatz, den wir über die 'Stepfn' erreichen, läßt uns zum Kirchberg zurückschauen, zur alten Knabenschule und zum Pfarrhof mit den beiden Ziergiebeln. In der Bildmitte, neben dem Haus mit der Kuppel, führt die Treppe zur Kirche. Die Bäume in der Umzäunung stehen an der lsen beim Standbild des Brückenheiligen St. Nepomuk. Drei Studenten sollen in einer Bierlaune einmal die Figur von ihrem früheren Standplatz in einem Vorgarten entwendet und in den Fluß geworfen haben. Josef Martin Bauer, der Schriftsteller aus unserer Heimat, der sich Weltgeltung erworben hat, beschreibt diese Episode in einem seiner Bücher.

Karte: etwa 1914/1920.

8. Ein Sprung um einige Jahrzehnte zurück: der gleiche Platz präsentiert sich uns mit einem ländlichen Gasthof mit breiter, schattiger Toreinfahrt und bäuerlichen Häusern daneben, mit der alten Holzbrücke, die 1898 abgebrochen wurde und mit dem Anwesen auf dem Berg, das 1913 dem Neubau des Pfarrhofes weichen mußte. Der Herr vor der Brücke trägt, soweit zu erkennen, Zylinder und Bratenrock, also durchaus städtische Kleidung, während die Kleidung des zweiten Mannes eher rustikal anmutet: ein Stück Spitzweg, ein spät-biedermeierliches Idyll in Dorfen.

Foto: etwa 1865/1870.

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