Dorpat-Tartu in alten Ansichten

Dorpat-Tartu in alten Ansichten

Auteur
:   Erik Thomson
Gemeente
:   Dorpat-Tartu
Provincie
:   Estland
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1753-1
Pagina's
:   144
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Dorpat-Tartu in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Im Jahre 1030, so wissen alte russische Chroriiken aus Nowgorod und Pleskau zu berichten, unternahm der russische Großfürst Jaroslaw der Weise einen Kriegszug gegen die Esten. Er besiegte sie und gründete am Ufer des Embach, dort, wo seit unvordenklichen Zeiten die Esten ihre Götter verehrten und eine Burg sie vor Feinden schützte, den 'Grad Jurjew'. Doch bereits im Jahre 1061 gelang es den Esten, die Eroberer zu vertreiben. Da sie damals kein eigenes Schrifttum kannten, fehlen uns Nachrichten aus der Folgezeit, und erst als deutsche Kaufleute die Gestade an der Ostküste der Ostsee zu befahren begannen, die Stadt Riga (1201) und der Orden der Schwertbrüder gegründet wurde, der später im Deutschen Orden aufging, tritt das Land erneut ins Blickfeld der Chronisten.

Irn Jahre 1212 besetzten die Deutschen jene Siedlung, die wir seitdem Dorpat nennen, im Estnischen Tartu. Sie verloren sie 1223 während eines Estenaufstandes und stürmten sie anschließend erneut. Bischof Hermann erbaute eine mächtige Burg und eine stolze Kathedrale, und eine durch viele Türme verstärkte Mauer umgab fortan den Domberg und die Siedlung zu seinen Füßen, die sich zunächst bis zum Ufer des Embach erstreckte. Dorpat gehörte in der Folgezeit dem Städtebund der Hanse an; neben Riga und Reval entsandte es seine Vertreter zu den Landtagen, beteiligte es sich an der Landespolitik.

Seit dem 16. Jahrhundert wurde die Stadt wiederholt zum Schauplatz erbitterter Kämpfe um den Besitz des Landes. Im Jahre 1524 loderte das von Luther in Wittenberg entzündete Feuer der Reformation auch in Dorpat in hellen Flammen. Bilderstürme verwüste-

ten die inzwischen hier entstandenen zahlreichen Kirchen und Klöster. Irn Jahre 1558 eroberten die Russen die Stadt. Viele Bürger wurden nach Rußland verschleppt, in der Stadt ein Blutbad angerichtet. Die Zeit der Ordensherrschaft ging zu Ende. Im Jahre 1582 wurde Dorpat von den Russen geräumt und den Polen übergeben. Im Jahre 1600 eroberten Schweden die Stadt, doch kehrten 1602 die Polen wieder zurück, um Dorpat 1625 erneut den Schweden zu überlassen. Im Jahre darauf erschien König Gustav Il. Adolf in Dorpat. Ruhe und Ordnung kehrten für einige Dezennien ein. Der König gründete hier eine Universität und unterzeichnete ihre Stiftungsurkunde am 30. Juni 1632 im Feldlager vor Nürnberg. Als die Russen Dorpat im Jahre 1656 erneut eroberten, wurde die Tätigkeit dieser 'Acadernia Gustaviana' unterbrochen, und erst 1690 wieder aufgenommen, als die Schweden erneut Herren des Landes waren.

Sie blieben es indessen nicht lange, denn während des Nordischen Krieges im Jahre 1704 eroberten die Russen Dorpat, das nun für einen längeren Zeitraum in ihrem Besitz bleiben sollte. Peter I. von Rußland befahl im Jahre 1708 die Zerstörung der Festungswerke und den Abtransport der gesamten deutschen Einwohnerschaft in das Innere Rußlands. Die Universität schloß ihre Tore, wurde nach Pernau verlegt (1699), wo sie im Jahre 1710 in den Wirren des Nordischen Krieges unterging.

Es dauerte lange, bis sich Dorpat von den schweren Wunden erholte, die der Krieg ihm geschlagen hatte. Im Jahre 1 714 durften die nach Rußland verschleppten Bürger, soweit sie noch am Leben waren, nach Dorpat zurückkehren. Durch Kriege seitdem weit-

gehend verschont, litt die Stadt in der Folgezeit jedoch wiederholt unter verheerenden Feuersbrünsten, so vor allem in den Jahren 1755 und 1775.

Eine neue Blütezeit für die Stadt begarm mit der im Jahre 1802 erf'olgten Neugründung der Universität durch Kaiser Alexander 1. von Rußland. Dem ersten Rektor, dem Württemberger Parrot, und dem ersten Kurator, Maximilian Klinger, einem Jugendfreund Goethes, folgten viele bedentende Männer, denen es zu danken ist, daß die Universität Dorpat zu Ansehen und Ruhm gelangte, der bis in unsere Tage nachklingt. Durch die stilvollen Universitätsbauten des Schlesiers Krause und die Pflege der Domanlagen wurde Dorpat zum 'Embach-Athen', einem 'Heidelberg des Nordens'. Mit dem allesmisehen Sängerfest, das im Jahre 1869 in Dorpat stattfand, wurde der Grund zu einer Tradition gelegt, die noch heute, unter grundlegend veränderten Bedingungen, zu den eindrucksvollsten nationalen Manifestationen des estnischen Volkes gehören,

Manches schwere Jahr hat Dorpat noch überstehen müssen, wie etwa die Russifizierung am Ausgang des 19. Jahrhunderts, den Ersten Weltkrieg und die Herrschaft der Bolschewiken an seinem Ausgang, Eine geschichtliche Stunde schlug schließlich der Stadt und dem Lande, als am 2. Februar 1920 in Dorpat der Friedensvertrag zwischen Estland und Sowjetrußland den Freiheitskrieg des estnischen Volkes für staatliche Unabhängigkeit und das Selbstbestimmungsrecht beendete und Sowjetrußland 'für ewige Zeiten' auf alle bisherigen Souveränitätsrechte im Lande verzichtete und die staatliche Selbständigkeit Estlands de jure anerkannte.

20 Jahre später allerdings wurden die 'ewigen Zeiten' durch die militärische Besetzung des Landes seitens der Sowjettinion willkürlich beendet, das Land zur Sowjetrepublik erklärt und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken einverleibt. Der Zweite Weltkrieg fügte Dorpat schwere Verluste zu. Es verlor viele seiner historischen Bauten, ganze Stadtviertel wurden vernichtet, in denen heute, nach dem Wiederaufbau der Stadt, Allerweltsbauten stehen, die mit dem alten 'Embach-Athen' nichts mehr zu tun haben, wie es in den Herzen dererweiterlebt, die hier gelebt oder hier studiert haben, und nur die erhalten gebliebenen Universitätsbauten und einige Denkmäler und Gedenksteine auf den Friedhöf'en erinnern an die alte Alma mater Dorpatensis und an ihre großen Söhne.

Die Bildvorlagen zu diesem Album wurden zur Verfügung gestellt von: Herbert Arst (Bradford, England), Baltische Zentrale Bibliothek, Otto Bong (Lüneburg), Carl-Schirren-Gesellschaft (Lüneburg), Alma Hiitonen (Helsinki, Finnland), Dr. Ilo Käbin (Lund, Schweden), Mag. Bernard Kangro (Lund, Schweden), Prof. Dr. Dietrich Loeber (Hamburg), Harald Nurk (Älvsjö, Schweden), Elmar Ojaste (Västra Frölunda, Schweden), Aleksander Raukas (Saltsjöbaden, Schweden), Prof. Dr. Per Wieselgren (Eslöv, Schweden), Werner Chr. Winter (Hamburg), Wolf Paul Wulffius (Bremerhaven), Kriegsarchiv (Stockholm), Bildarchiv des Verfassers.

Dorpet anno 553.

Don ber guten alten StaM Dorpet, [o an ëem jIu~ ~rnbecf gelegen ift, fenbet ~w. ¤iebben ge~orfamften <5ru~

1. Diese im Verlag C. Schulz in Dorpat erschienene und bei Louis Koch in Halberstadt gedruckte Karte zeigt uns jenes alte Dorpat, das bis auf Reste der Vergangenheit angehört. Wir sehen auf dem Domberg das Bischofsschloß, rechts die zweitürmige Domkirche, deren Ruine heute noch steht, zu ihren Füßen den Turm der Johanniskirche, ebenfalls nur noch als Ruine erhalten. Die Stadtmauer, die dem Lauf des Embach folgt, ist völlig verschwunden, mit ihr das 'Deutsche' und das 'Russische' Tor.

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2. Krieg und Feuersbrünste haben das mittelalterliche Dorpat völlig zerstört. Es war eine stark befestigte Stadt, wie noch dieser Plan aus dem 17. Jahrhundert sie zeigt. Wir wollten ihn an die Spitze der Bilderreihe setzen, die uns durch das alte Dorpat führt, Aus dem Mittelalter haben nur zwei Kirchen die Stürme der Jahrhunderte überstanden. Ihre Bilder werden wir nachfolgend noch zeigen. Viele Bauwerke aus späterer Zeit sind in nachfolgenden Kriegen und Feuersbrünsten zerstört worden.

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JJorpaf. JJomruine.

3. Von den ältesten Sakralbauten der Stadt stehen heute nur noch zwei: Die St-Peter- und Paulskathedrale (Domkirche) und die St.-Johanniskirche. Von ihrer einstigen Schönheit künden heute nur noch ihre Ruinen. Aus dem 13. Jahrhundert stammt die Domkirche, eine machtige zweischiffige Basilika mit zwei Türmen von zirka 67 Meter Höhe an ihrer Westfassade. Der äußere Verfall dieser Kirche, die ihresgleichen in den baltischen Landen nicht hatte, begann nach den Bilderstürmen im Jahre 1525.

orpat ? Domruine.

4. Erhebliche Beschädigungen erlitt die Domkirche wie auch die ganze Stadt, in der Zeit des Livländisehen Krieges (1558-1583). Sie wurde vorübergehend als Getreidespeicher benutzt und stand schon im Jahre 1613 völlig in Ruinen. Was der Livländische Krieg noch nicht völlig zu zerstören vermocht hatte, fiel im Jahre 1624 einem Brand zum Opfer, der durch ein Sonnenwendfeuer (Johannifeuer) verursacht worden war. Den stehengebliebenen Mauern schlugen Bomben, die während des Nordischen Krieges sie trafen, Lücher und Breschen.

DO RPAT

Domruine

5. Als im Jahre 1802 die Universität nach einem Jahrhundert seit ihrer Auflösung wieder eröffnet wurde, beschlossen Professor Joharm Karl Sirnon Morgenstern (1770-1852) und der Universitätsarchitekt Johann Wilhelm von Krause (1757-1828), die Mauern der Domkirche für die Errichtung der Universitätsbibliothek zu benutzen. Diese Pläne aus dem Jahre 1802 sind nicht in vollem Umfang verwirklicht worden. Es erfolgte lediglich der Ausbau des Chores der Kirche zur Universitätsbibliothek, die irn Herbst 1806 eröffnet werden konnte.

6. Dieses Bild zeigt ein Seitenschiff der Domruine, vom Chor aus gesehen. Die Bibliothek im Chor der Ruine beherbergt wertvolle Schätze, unter ihnen 45 vor 1500 gedruckte 'Wiegendrucke', zahlreiche Ausgaben berühmter Buchdrucker des 16. und 17. Jahrhunderts, Werke bekarmter Wissenschaftler, die älteste estnische Literatur mit dem ersten im Jahre 1637 in Estland gedruckten Buch in estnischer Sprache, 350 000 Dissertationen, ferner Handschriften, deren älteste aus dem 13. Jahrhundert stammen; sie finden sich hier ebenso wie Briefe und Autographen bedeutender Persönlichkeiten.

7. Einen besonders guten Eindruck von der Größe der Domkirche verruittelt diese Luftaufnahme. Die Universitätsbibliothek verfügt nicht nur über wertvolle Bestände an Handschriften, so von Schiller, Heine, Haydn und Beethoven sowie vieler anderer Größen des Geistes, mit denen vor allem Professor Morgenstern in regem Schriftverkehr stand. Sie verfügt auch über eine beachtliche Graphiksammlung mit mehr als 4 400 Stichen und Zeichnungen, Gravüren und Bildern westeuropäischer und baltischer Meister aus dem 16. bis 19. Jahrhundert.

8. In der Graphiksammlung der Universitätsbibliothek finden sich Originalzeichnungen von der Hand Johann Wolfgang von Goethes, nicht zuletzt aber auch die von Gerhard von Kügelgen gemalten Porträts von Herder, Goethe, Wieland und Morgenstern. Auch sie werden in der Universitätsbibliothek aufbewahrt, die schon seit langem ihre Schätze kaum unterzubringen vermag. Der dringend erforderlich gewesene Neubau einer allen Anforderungen gewachsenen Bibliothek ist vor kurzem zum Abschluß gelangt, was zu einer wesentlichen Entlastung der historischen Räume geführt haben dürfte.

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