Dorpat-Tartu in alten Ansichten

Dorpat-Tartu in alten Ansichten

Auteur
:   Erik Thomson
Gemeente
:   Dorpat-Tartu
Provincie
:   Estland
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1753-1
Pagina's
:   144
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Dorpat-Tartu in alten Ansichten'

<<  |  <  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  9  |  10  |  11  |  >  |  >>

89. Nur wenige Zuschauer, Fuhrleute und zufällige Passanten, sind Zeugen dieses prächtigen Schauspiels. Studenten hoch zu Roß, in Landauern, mit sechs und vier Pferden bespannt, ziehen am Hotel 'Stadt London' vorbei über den Barclayplatz. Da die Karte am 22. September 1908 abgestempelt ist, könnte es sich hier um ein Bild aus Anlaß des 100jährigen Jubiläums der Korporation 'Curonia' handeln, die irn Jahre 1808 gegründet wurde, die Farben Grün-Blau-Weiïs trug, und deren Namein der im Jahre 1959 gegründeten 'Curonia Goettingensis' weiterlebt.

90. Älteste deutsch-baltische studentische Verbindung in Dorpat war die 'Curonia'. Ihr folgte 1921 die 'Estonia', 1922 die 'Livonia', Auch aus der 'Estonia' sind neben im Landesdienst bewährten Persönlichkeiten namhafte Gelehrte hervorgegangen, wie etwa der Historiker Johannes Haller (Tübingen), der Polarforscher Baron Eduard von Toll, der im Nördlichen Eismeer verschollen ist, der Biologe Jacob Freiherr von Uexküll (Hamburg), der Chirurg Wemer Zoege von Manteuffel (Dorpat), der Pathologe Karl Dehio (Rektor der deutschen Universität Dorpat 1918) und der Este Friedrich Reinhold Kreutzwald, der Schöpfer des estnischen Nationalepos 'Kalevipoeg'.

91. Daß es in Dorpat während der Zeit der Russifizierung um die Jahrhundertwende neben den deutsch-baltischen und estnischen Studentenverbindungen auch einen 'Polnischen Theologischen Verein' gegeben hat, zeigt diese seltene Karte, in deren Mitte DL phil. Johann Kvaéala, Inhaber des Lehrstuhls flir Kirchengeschichte (seit 1893) abgebildet ist, Die kleinen Abbildungen zeigen in der Mitte die Universitätskirche, links die Universitätsbibliothek im Chor der Domkirche, rechts das Hauptgebäude der Universität.

92. Die außerordentliche Detailtreue, die die Zeichnungen Rudolph Julius von zur Mühlens so wertvoll erscheinen läßt, zeigt sich auch auf diesem Bild in besonders eindrucksvoller Weise. Der Anlaß dieses Studentenumzuges einer farbentragenden deutschen Verbindung ist dabei weit weniger wichtig, als die Art seiner Darstellung mit der Wiedergabe der Straßenbilder mit ihren Fassaden und Giebeln oder den, man möchte geradezu sagen, fotografisch exakt porträtierten beteiligten Personen.

93. Auf den Großen Markt führt uns Rudolph Julius von zur Mühlen auf diesem Bild. Vor dem im Hintergrund abgebildeten Rathaus, vorbei an den Fassaden der Häuser, die den Platz begrenzen, zieht eine Schar dörptscher Bursche hoch zu Roß und vierspännig zum Commers zur Stadt hinaus. Auf den Balkonen und am Straßenrand fehlt es nicht an Publikum, das dem übermütigen Treiben zuschaut - eine Idylle aus langst verklungen Zeiten - vor 100 Jahren ...

94. Zu den interessantesten Conventsquartieren Dorpater studentischer Verbindungen gehört sicherlich jenes der 'Neobaltia' an der Kastanienallee. Im Jugendstil erbaut, gehörte es der im Jahre 1879 gestifteten deutsch-baltischen Korporation, deren Wahlspruch 'Ex labore otium' lautete, deren Farben Heilblau-WeißOrange waren, und aus deren Reihen nicht wenige bedeutende Wissenschaftler hervorgegangen sind. Es sei am Rande erwähnt, daß im heutigen Dorpat, das keine Korporationen kermt, alle Studenten den Farbendeckei in den Farben der 'Neobaltia' tragen, wie Farbfotos von drüben zeigen.

95. Zu später Stunde mag dieses Foto aus dem Jahre 1922 im Conventsquartier der 'Neobaltia' entstanden sein. Doch haben die Studenten, die ihr angehörten, nicht etwa nur gezecht. Der 'Neobaltia' gehörten als Studenten zahlreiche später weithin bekannte Gelehrte an, wie etwa die Theologen Alfred Seeberg (Rostock) und Reinhold Seeberg (Berlin), der Chemiker Gustav Tammann (Göttingen), der Publizist Paul Rohrbach (Berlin) und der Soziologe Max Hildebert Boehm (Berlin, Jena, Lüneburg), der in Lüneburg das Nordostdeutsche Kulturwerk und die Ost-Akademie ins Leben rief.

96. Diese Aufnahme des 'Hohen Olyrnp' stammt aus den zwanziger Jahren (l926). Sie wurde im Conventsquartier der 'Neobaltia' geknipst. In den dreißiger Jahren, bevor sich die Korporationen im Zuge der Umsiedlung der Deutsch-Balten im Jahre 1939 auflösten, gehörten der 'Neobaltia' unter anderen der Jurist, Diplomat und Ostforscher Boris Meissner (Universität Köln), der Historiker Georg von Rauch (Universität Kiel und der Jurist Walter Meder (Freie Universität Berlin) an, um auch aus diesen letzten Jahren des Bestehens deutscher Korporationen in Dorpat einige Namen zu nennen.

97. Älteste studentische Organisation der Esten in Dorpat ist der 'Eesti Üliöpilaste Selts' (EÜS, Verein estnischer Studenten), als dessen Gründungstag der 26. März 1870 angesehen wird, Er wurde im Jahre 1883 von der Universität bestätigt und umfaßte bis zur Jahrhundertwende die organisierte estnische Studentenschaft, aus der im Laufe der Zeit zahlreiche studentische Verbindungen hervorgegangen sind. Die Farben des 'EÜS' sind, wie die Landesfarben des Freistaates Estland, Blau-Schwarz-Weiß. Unser Bild zeigt das eindrucksvolle Conventsquartier des 'EÜS', eine Schöpfung des estnisenen Architekten Georg Hellat aus dem Jahre 1902, das heute die Fakultät der Körperkultur der Universität beherbergt.

98. Die estnische studentische Korporation 'Vironia' wurde 1898 am Polytechnikum in Riga gegründet. Sie wählte sich die Farben Violett-Schwarz-Weiß, die erstmals am 28. November 1900 in der Öffentlichkeit getragen wurden. Erst im Herbst 1920 wurde die 'Vironia' bei der Universität in Dorpat registriert, wo ihre Philisterschaft als Conventsquartier das Haus erwarb, das wir hier im Bilde zeigen. Im Jahre 1939 standen im Verzeichnis der 'Vironia' 445 Mitglieder, unter ihnen 221 Philister. Im Jahre 1940 wurde das Haus von den neuen Machthabern enteignet. Die Traditionen der Verbindung werden heute im Westen gepflegt und bewahrt.

<<  |  <  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  9  |  10  |  11  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2020 Uitgeverij Europese Bibliotheek