Ebersberg in alten Ansichten Band 3

Ebersberg in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Markus Krammer
Gemeente
:   Ebersberg
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6068-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Ebersberg in alten Ansichten Band 3'

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49 Als Folge der allgemeinen Rohstofiknappheit während des Ersten Weltkrieges beschloß der Ebersberger Marktmagistrat in der Sitzung vom 12. [anuar 1917 wegen Kleingeldmangel gemeindliches Notgeld in Form von kleinen Papierscheinen in Umlauf zu bringen. Schon Mitte Dezember 1916 hatte man den Auftrag gegeben, 1 400 Gutscheine zu 5 Pfennig, 5 000 Gutscheine zu 10 Pfennig und 4 000 Gutscheine zu 50 Pfennig drukken zu lassen. Die Gemeinde verpflichtete sich zugleich, nicht mehr solcher Gutscheine in Umlauf zu bringen, als der jeweilige Barbestand der Gemeindekasse betrug. Diese Gutscheine konnten jederzeit bei der Gemeindekasse eingelöst werden.

50 Gemäß einer Bekanntmachung des Generalkommandos vom 1. März 1 91 7 wurden wegen Rohstoffmangel aus Bronze gegossene Glocken beschlagnahmt. Nur solche Glocken, die als einzige 'Läuteglocke' eingesetzt waren, oder aber von besonderem wissenschaftlichen, geschichtlichen oder kunstgewerblichen Wert waren, beließ man auf den Kirchtürmen. Ganze 11 2 Glocken seilte man im Bezirk Ebersberg von den Tünnen ab und verlud sie zum AbtransportaufschwereWägen.Auch aus Ebersberg mußten damals vier Glocken abgeliefert werden. Auf dem vor dem Rathaus stehenden Bruckenwagen sind, von links, zu sehen: die Glocke von der Krankenhauskapelle, die 11-Uhr-Glocke, die Glocke der Friedhofskapelle und die 12-Uhr-Glocke. Noch im September 1918 beschlagnahmten

die Machthaber die große Sebastiansglocke. Da jedoch der mit demAbseilen beauftragte Zirnmermeister die Grippe bekam, verzögerte sich diese Maßnahme und kam schließlich wegen des nahen Kriegsendes nicht mehr zur Ausführung. 1942 aber wurde auch diese Glocke vom Turm

abgeseilt und imAuftrag der NSMachthaber zu Kriegsmaterial umgegossen.

51 Kriegerisch gings im Markt Ebersberg im Iahre 1919 zu, als in München die Räterepublik ausgerufen wurde. Pfarrer Martin Guggetzer schreibt über diese turbulenten Tage: 'Der Bolschewismus erhebt sein Haupt auch im schönen katholischen Bayernland. Alarmierende Nachrichten vonAufmärschen der Rotgardisten; überall Plünderungen, Diebstahl und Raub. .. Alle umliegenden Ortschaften von Bedeutung werden nach und nach von Rotgardisten besetzt... Ebersberg, Grafing und Kirchseeon bleiben verschont, weil diese sofort bei Anzug der Roten mit allen Glokken läuten und entgegenziehen, bei Tag und Nacht.' Im April

1919 wurde eine Einwohnerwehr gebildet, die dem Freikorps Chiemgau unterstellt war. Beim Aufmarsch der Regierungstruppen gegen das von den 'Roten' besetzte München zogen auch Grafinger und Ebersberger Solda-

ten des Freikorps zur Entsetzung der Landeshauptstadt mit. Beim Angriff der 'Weißen Garde' auf das von den 'Roten' verteidigte Haar kam Leutriant Karl Wiedemann aus Niederseeon ums Leben. Zwischen Trudering und Berg am Laim konnten die Männer des Bezirks Ebersberg eine

Kanone erbeuren, die nach Beendigung der Kämpfe auf dem Ebersberger Marktplatz neben der Mariensäule aufgestellt wurde.

52 Als in ganz Bayern wohl einmalige Anlage, die zum Gedächtnis der im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten angelegt wurde, ist die sogenannte Heldenallee in Ebersberg anzusehen. Entlang des Fußweges vom Klostersee zum Aussichtsturm hat der Verkehrs- und Verschönerungsverein in den Iahren 1929 bis 1935 für jeden Gefallenen einen Lindenbaum gepflanzt, an dessen Stamm das entsprechende Namensschild befestigt ist. Beginnend mit dem südlichsten Baum oberhalb des Klostersees, der dem ersten Gefallenen der Gemeinde, namens Iosef Bauer (gestorben am 1 O. August 1 914) gewidmet ist, zieht sich die Totenallee chronologisch geordnet nach den Sterbedaten der einzelnen Soldaten die Ludwigshöhe hinauf bis zum Aussichtsturm. Ganze 91 Bäume erinnern rnit ihrer Beschilderung an die Grausamkeit des Krieges und stellen

heute eindringliche Malmmale dafür dar, daß wir nicht aufhören dürfen, uns trotz aller Rûckschläge immer wieder mit aller Kraft für den Frieden einzusetzen.

53 Noch in Friedenszeiten ging der am 6.April1897 geborene Anton Bergmeister heim Ebersberger Steinmetzmeister JosefMaier in die Lehre. Seine EItern Iosefa undAnton Bergmeister betrieben im Untergeschoß des Hölzerbräu-Wirts einen kleinen Obst- und Lebensmittelladen. Im August 1914 meldete sichAnton Bergmeister als Kriegsfreiwilliger und wurde an der französischen Front eingesetzt. Am 7. Mai 1 915 schlug im Ailly -Wald eine Granate direkt neben ihm in den Schützengraben ein. Der erst 18 [ahre alte Ebersberger wurde verschüttet und starb arn 8. Mai um zwei Uhr früh. Anton Bergmeister liegt im Kriegsgräberfriedhof von Saint Mihiel, südlich von Verdun, begraben.

Auch für Peter Manglharnmer wurde nach dem Krieg ein Lindenbaum in der Heldenallee ge-

pflanzt, da er arn 9. Juni 1915 bei Arras durch einen Granatsplitter tödlich verletzt worden war. Peter Manglhammer ist im Militàrfriedhof von St. Laurent-Blangy in einem Sarnmelgrab bestattet.

54 Die sogenannten goldenen zwanziger Iahre brachten auch für den Markt Ebersberg einige neue Errungenschaften. Da die Verkehrsverbindung nach München nicht besonders gut war, beschloß der Marktgerneinderat in seiner Sitzung vom 20. Mai 1925, einen 'Auto-Überlandverkehr Ebersberg-München' einzurichten. Ein in Coburg bestellter Vomag-Bus mit einer Leistung von 45 PS wurde am 20. Juli 1925 von mehreren Ortshonoratiaren abgeholt. An der Hauptstraße vor dem Eingang zur Kirche stellten sie sich zur Erinnerung an dieses denkwürdige Ereignis vor dem Bus zu einern gemeinsamen Fototermin auf Bürgermeister ]osef Müller ist als dritter von rechts zu erkennen. Im Hintergrund links stehen der damalige 2. Bürgermeister Otto Meyer und Pfarrer Martin Guggetzer.

55 An der Westfassade des 1908 erbauten Oberwirtsaales (heutiges 'altes Kïno') ließ die Marktgemeinde Ebersberg im Juli 1925 Garagen für den neu angeschafften Vomag-Bus bauen. Oberhalb der Einfahrtstore war dabei in großen Lettern zu lesen: 'Auto-Überland- Verkehr Ebersberg-München.' Obwohl man schon vier Iahre nach Eröffuung der Buslinie feststellen mußte, daß der Betrieb für die Gemeinde unrentierlich ist, kam es erst zum Ende des Iahres 1940 zur Einstellung. In der alten Omnibus garage waren dann bis zum Bau des Feuerwehrhauses Wägen der örtlichen Feuerwehr untergebracht. ImAugust 1986 wurden die Garagen und das danebenstehende Wirtshaus 'Zum Eber am Berg' abgebrochen. An ihrer Stelle entstand ein neues Wohn- und Geschäftshaus.

56 Der am 15.April1874in Ebersberg als Sohn der GastwirtsEheleute Alois und Elise Mûller beim 'Neuwirt' geborene Iosef Mûller wurde erstraals im Juli 1919 und dann auch 1924 zum 1. Bürgermeister der Marktgemeinde Ebersberg gewählt. Er war ein glänzender Redner und hatte besonders in den letzten Iahren seines Wirkens als Gemeindeoberhaupt seine ganze Energie der Öffentlichkeitsarbeit gewidmet und dabei große Projekte, wie unter anderem auch den Bau des neuen Knabenschulhauses 1925126, in Angriff genommen. Iosef Müller starb überraschend am 3. Dezember 1926.

JOSEf MÜLLE 1919-1926

57 Nach dem überraschenden Tod des Bürgermeisters Iosef Müller, am 3. Dezember 1926, trat e1fTage später der Marktgemeinderat zusammen und forderte einstimmig den bisherigen 2. Bürgermeister Otto Meyer auf, 'die Bürgermeistergeschäfte interimistisch fortzuführen', wobei man es der 'Wählerschaft, die mit diesem einstimmigen Beschlusse nicht einverstanden sein sollte'. überließ, 'auf dem Wege der gesetzlich ermöglichten Volksabstimmung eine Änderung der gesamten Gemeindevertretung, die hinter diesem Beschlusse einmütig steht, herbeizuführen'. Da von den Einwohnern der Gemeinde aber keine Einwände kamen, fungierte Malermeister Otto Meyer nunmehr als offizieller 1. Bürgermeister der Marktgemeinde Ebersberg bis zum [ahre 1 930. Otto Meyer

übte das Amt des Bürgermeisters aber vor allem von 1945 bis zu seinem Tode im [ahre 1957 aus.

p. 1 1926 -

58 Gemäß des vom königllchen bayerischen Notar Michael Eggert in Ebersberg ausgestellten Vertrags erwarb der Leutnant der Reserve Hermann Schmederer aus München am 16. Oktober 1901 vom königlichen Kämmerer Ludwig Freiherr von Gumppenberg Pöttmes-Oberbrennberg um den Betrag von 1 Million Goldmark das Schloß und den größten Teil der Besitzungen des ehemaligen, 1808 säkularisierten Ebersberger Klosters. Schon ein halbes [ahr nach dem Kauf des Ebersberger Gutes heiratete Hermarm Schmederer die Münchner Architektenstochter Rosa Aichinger. Das Bild zeigt das frisch vermählte Paar in der Münchner Maximilianstraße, wo die Schmederers ihren Wohnsitz hatten. Der 'Ebersberger Anzeiger' berichtet vorn herzlichen Empfang des Gutsbesitzer-Ehepaares von der Hochzeitsreise am 'prachtig geschmückten Portale des Schlosses' durch den Bürgermeister Georg Radl mit dem Gemeindeausschuß, der Ebersberger Geistlichkeit, des Dienstpersonals und der Einwohnerschaft. Hermarm Schmederer, der mitVorliebe auf

seinem Apfelschnnmel reitend, die auf den Feldern beschäftigten Knechte und Mägde besuchte, hat die [ahrzehnte herauf, oft unter großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, das von den Vorgängern heruntergewirtschaftete Gut zu neuer Blüte gebracht. Besonders die alte, traditionsrei che Schloßbrauerei stattete er in den [ahren 1919/20 mit den damals neuesten teelmisehen Einrichtungen aus, sodaß diese schließlich 'zu den besteingerichteten Landbrauereien Bayerns' zählte. Aus der Ehe der Schloßgutsbesitzer gingen drei Töchter mit Namen Irmgard, Rosa-Luise und Gertraud sowie ein tot geborener Sohn hervor. Hermarm Schmederer starb im 81. Lebensjahr am 13. September 1956.

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