Eilenburg in alten Ansichten Band 1

Eilenburg in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Andreas Flegel
Gemeente
:   Eilenburg
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6534-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Eilenburg in alten Ansichten Band 1'

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ZumGeleit

Die große Resonanz auf das 1994 erschienene Buch 'Eilenburg - wie es früher war' veranlaßte mich, die damit begonnene Bilddokumentation des 1945 verlorengegangenen Stadtbildes Eilenburgs fortzuführen. Im Ergebnis entstand der vorliegende Band. Er enthält 76 Fotografien, die bis auf wenige Ausnahmen dem reichen Fundus historischer Stadtansichten im Stadtmuseum Eilenburg entstammen. Allen, die durch die Übergabe historischer Bilddokumente an das Stadtmuseum Eilenburg zur Herausgabe dieses Bandes beigetragen haben, sei an dieser Stelle herzlichst gedankt.

Die Auswahl aus der Fülle des Materials fiel nicht leicht. Den Vorzug erhielten Motive, auf denen neben dem historischen Objekt Szenen aus dem alltäglichen Leben der Eilenburger eingefangen sind. Ebenso vielfältig wie die Motive selbst ist auch ihr Entstehungszweck. Dabei reicht das Spektrum von 'Schnapp schüssen' die für das familiäre Fotoalbum bestimmt waren, über gestellte Gruppenbilder von Vereinen, Schulklassen und Belegschaften bis hin zu professionellen Fotografien, die in Form von Ansichtskarten Grüße aus der Muldestadt in alle Welt tragen sollten.

Dienten die einen in erster Linie der persönlichen Erinnerung und entstanden somit in der Regelohne größere künstlerische Ambitionen, sind die anderen Massenartikel, deren Motivwahl von den Gesetzen des Marktes bestimmt wurde. Abhängig vom

jeweiligen Standort des Betrachters ist auf ihnen in unterschiedlichster Intensität die vergangene Wirklichkeit festgehalten und gespeichert. Wie es wohl kaum ein anderes Medium dieser Zeit besser vermag, gewähren sie uns somit objektive Rückblicke in die Vergangenheit unserer Stadt. Eindrucksvoller als es Worte je vermögen, veranschaulichen sie die ganze Vielfalt und Schönheit des alten Eilenburg und lassen uns an Momenten des Alltags seiner Bewohner teilhaben.

Die Aufnahmen sind zum überwiegenden Teil erstmals in dieser Form veröffentlicht. Sie entstanden zwischen dem [ahre 1898 und dem 11. Juli 1944. In ihrer Gesamtheit dokumentieren sie die gewaltigen Umwälzungen, die durch die geschichtlichen Ereignisse des 20. Jahrhunderts in Gang gesetzt wurden.

Für den alteingesessenen Eilenburger werden die Bilder für sich sprechen. Für die jüngeren Betrachter aber blieben die Fotografien ohne erklärende Worte fremd und stumm. Erst deren Einordnung in Raum und Zeit und die Ermittlung der wesentlichen Entstehungsumstände macht aus den oftmals anonym und zusammenhanglos überlieferten Abbildungen Quellen der Erkenntnis. Diese mittels vergleichender Methoden gewonnenen Informationen wurden zu kurzen Texten zusammengefaßt. Für den einen werden sie nicht mehr als eine Gedächtnisstütze sein, für den anderen aber bliebe der Band ohne diese 'Chroniksplir ter' ein Buch mit sieben Siegeln. Dabei konnte die Vlelfàlt der

Erkenntnismöglichkeiten des Mediums Fotografie hier nur angedeutet werden.

Die Palette reicht von der Wirtschaftsgeschichte über die Technikgeschichte, die Militärgeschichte, die Kostümkunde bis hin zur Geschichte einzelner Familien oder gar Personen. Den größten Quellenwert haben diese authentischenAbbilder derWirklichkeit allerdings für die Stadtgeschichte selbst. Ausschnitthaft geben sie die Realität des alten Eilenburg wider. Oftmals sind sie die einzigen Zeugnisse die noch über die einstige Baugestalt einzelner Gebäude oder auch ganzer Straßenzüge Auskunft geben können. Welchen Stellenwert sie hierbei für Städteplaner, Denkmalpfleger undArchitekten erlangen können, belegt ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit. 1997 enthielt die städtische pfarrkirche St. Nikolai ihre 1945 zerstörte barocke Bekrönung wieder. Da detaillierte Bauunterlagen aus der Entstehungszeit nicht ermittelt werden konnten, dienten einzig und allein historischeAbbildungen in Form van Ansichtskarten und Fotografien als Vorlagen für diese Rekonstruktion.

Das Buch erhebt aber nicht den Anspruch einer großen wissenschaftlichen stadtgeschichtlichen Abhandlung. Es soll vielmehr auf einem Spaziergang durch das alte Eilenburg Geschichten zur Geschichte erzählen, die für den Fachmann genau so von Interesse sein können wie für den Laien.

Die Motive fügen sich auf dem historischen Rundgang zu einem Mosaik der damaligen Zeit zusammen, ohne damit allerdings in irgendeiner Weise Anspruch aufVollständigkeit erheben zu wollen. In ihm finden sich scheinbar nebensächliche Begebenheiten mit herausragenden lokalen Ereignissen vereint. Sie berichten vom Handwerkerdasein im wilhelminischen Kaiserreich über das Wegbrechen ganzer Wirtschaftszweige in den Krisenjahren der sogenannten Goldenen Zwanziger bis hin zum Anfang vom Ende des Tausendjährigen Reiches. Es sind Episoden einer Periode städtischer Entwicklung, die mit dem Hurrapatriotismus am Vorabend des Ersten Weltkrieges begann und in einem wahren Inferno am Ausgang des Zweiten Weltkrieges endete, in dem das alte Eilenburg schließlich unwiederbringlich unterging.

Andreas Flegel

1 Am Hauptbahnhof hier auf einer Ansichtskarte um 191 0, möchten wir unseren Spaziergang beginnen. War die Grenznähe des preußischen Eilenburgs zu Sachsen der industriellen Entwicklung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts außerordentlich förderlich, verhinderte diese Randlage in den folgenden Jahrzehnten lange Zeit eine Anbindung der Stadt an das Gleisnetz im zersplitterten Deutschland. Erst mit der Erteilung der Konzessions- und Bestätigungsurkunde für die Halle-Sorau-Gubener Eisenbahngesellschaft am 2. Februar 1868, begannen Bürgermeister Schreckers langjährige Bemühungen um einen Bahnanschluß Früchte zu tragen. Bereits im Mai 1871 wurde das Bahnhofsgebäude gerichtet und nur ein knappes [ahr später lud arn 19. April 1872 die Lokomotive 'Fin-

sterwalde' mit zehn Wagen die Spitzen der städtischen Behörden und zahlreiche Fahrlustige zur ersten Freifahrt ein. Damit waren die Weichen gestellt, die mit der Eröffnung weiterer Strecken

(Eilenburg-Leipzig am 1. November 1874, Eilenburg-Düben am 20. Februar 1895) die Muldestadt zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt werden ließen und ihr damit wesentliche Impulse zur An-

siedlung der modernen Industrien dieser Zeit verliehen.

2 Diese Aufnahme vom tausendjährigen Sorbenturm entstand Pfingsten 1900 oder 1901. Der quadratische Turm ist nicht nur die älteste Bauurkunde Eilenburgs, sondern gilt zugleich als ältester Backsteinbau Sachsens. Er war das höchste und stärkste Bauwerk einer im 10. Jahrhundert hier anstelle einer sorbischen Wallanlage errichteten deutschen Burg. Sie wiederum war Bestandteil eines zur Sicherung der eroberten Gebiete entlang der Mulde angelegten Burgwardsystems. Der Sorbenturm, der wohl einzig massiv ausgeführte Teil der 961 als Ilburg erstmalig beurkundeten Anlage, diente einer kleinen militärischen Besatzung als Warte und Zufluchtsstätte. Aus Verteidigungsgründen hatte man ihn separat von den übrigen Burgbauten auf der höchsten Stelle des Plateaus errichtet. Der Angriffsseite ab-

gewandt, befand sich etwa aufhalberTurmhöhe der Zugang, der nur mittels Strickleitern u.ä. erreichbar war. Ruinös geworden, sollte der Turm um die Mitte des vorigen Jahrhunderts abgerissen werden. Doch Bürgerproteste vereitelten dieses Vorhaben. Er wurde schließlich besteigbar gemacht und dient seit 1863 den Eilenburgern und ihren Gästen als Aussichtsturm.

3 Doch bevor wir unsere Exkursion durch das alte Eilenburg fortsetzen, statten wir drei der 1997 mit Eilenburg vereinigten Gemeinden einen kurzen Besuch ab. Zunächst führt uns unser Abstecher nach Kospa. Vor der Gast-und Schankwirtschaft von Herrmann Hoff parkt irgendwann in den dreißiger [ahren ein für heutige Verhältnisse imposantes Gefährt von einem Bus. In ihm haben die Mitglieder des damaligen Gesellschaftsvereins Platz genommen, dem Bewohner der umliegenden Gemeinden angehörten. Mit seinen 3 14 Einwohnern (1930) gehörte Kospa oder Cospa, wie es damals noch geschrieben wurde, zu den größeren Dörfern der nähe-

ren Umgebung. Neben der Landwirtschaft waren im Iahre 1930 zahlreiche Handwerker in dem 1233 erstmals urkundlich erwähnten Dorf ansässig. Dazu gehörten der Müller und Bäcker Schöly, der

Schmied Klemm, der Stellmacher Riedel, der Schuhmacher Lorenz, mehrere Maurer und der Kunstmaler Alfred Dickert. Letzterer war wohl der damals prominenteste Einwohner des Ortes. Seine

Bilder und Gemälde zieren noch heute so manches Wohnzimmer. Unter anderem gestaltete er im [ahre 1921 im Auftrag des Eilenburger Magistrats eine der drei Notgeldserien.

4 Weiter führt uns unsere Überlandtour nach Pressen. Hier machen wir im [ahre 1906 auf dem Hof des Bauern [ordan Station. Wie es für solche Aufnahmen von Gütern üblich war, mußten sich neben der Familie des Bauern auch alle Knechte und Mägde auf dem Hof versammeln. Hinzu kamen noch sämtliche verfügbaren Zugtiere. Allein schon deren beträchtliche Anzahl stellt die Wirtschaftskraft des Gutes in beeindruckender Weise zur Schau. Gekrönt wird diese Präsentation noch durch die im Hintergrund abgebildete Dampfmaschine. Mit solchen Lokomobilen wurden vor allem Dreschmaschinen angetrieben, die das mühselige und arbeitsauf-

wendige Hantieren mit dem Dreschflegel ablösten. Allerdings war es eine kräftezehrende und zeitaufwendige Prozedur, diesen stählernen Koloß mit seinen starren Achsen so zu positionieren, daß

hörte. Sie bewirtschafteten damals mit rund 120 Hektar das mit Abstand größte Gut des Dorfes.

die Transmissionsriemen auch auf den Scheiben blieben. Ein derartiges Wunderwerk der Technik konnten sich in der damals noch 'stromlosen Zeit' nur bedeutende Güter leisten, wozu jenes der [ordans ge-

5 Die letzte Station unseres Ausflugs führt uns nach Behlitz. Auch hier nehmen wir mit dem HofStädter eine der größten Bauernwirtschaften des Ortes in Augenschein. Zu diesem Bauerngut gehörten im [ahre 1930 1 20 Morgen, oder anders gesagt, 30 Hektar Grundbesitz. Auch für diesen Fototermin wurden alle Familienangehörigen des Bauern, alle Arbeitskräfte sowie sämtliches Zugvieh auf dem Hof versammelt. Standesgemäß hat sich die Familie des Bauern in der Mitte der Gruppe positioniert. Eines der Kinder zeigt sich im für diese Zeit typischen Matrosen-Look. Der andere Junge im linken Bildteil besucht wahrscheinlich bereits die Schule. Als Kopfbe-

deckung trägt er wohl eine damals obligatorische Schülermütze. Diese winterliche Aufnahme entstand um das [ahr 1915. SO [ahre später wurde das Gut vollständig abgebrochen.

6 Das 400jährige Reformationsjubiläum wurde in Eilenburg, einer Stadt, in der sich Luther oft und gern aufhielt, mit großem Zeremoniell begangen. Höhepunkt der Feierlichkeiten stellte am 31. Oktober 1917 die Pflanzung einer 'Luthereiche' auf dem Schloßberg dar. Nach Gottesdiensten und einem Platzkonzert der Militärkapelle formierten sich um 15.00 Uhr Abordnungen des Offizierskorps, der Militärvereine, der kirchlichen Behörden, des Evangelischen Bundes und der Schulen auf dem Marktplatz zum Festzug. Auf den Schloßberg angekommen, wurde unter dem Glockengeläut von St. Marien der junge Eichbaum gepflanzt. In Anbetracht des Ersten Weltkrieges, der tiefe Wunden in eine Vielzahl von Eilenburger Familien riß, beschworen die Festredner den deutschen Geist und

appellierten an die Opferbereitschaft für Kaiser und Vaterland. Die Rede von Superintendent Dr. Büchting endete bezugnehmend auf den Baum mit dem Wunsch: 'Möge er heranwachsen zu einem Wahrzeichen für uns und künftige Geschlechter, daß Luthers Erbe in Eilenburg allezeit im evangelischen Glauben und deutsch-protestantischen Geist erhalten bleibe! Luther, wir rufen dich im Weltkriege! Das walte Gort!'

7 Diese Aufnahme vom Amtshaus entstand nach 1936. Während des Dreißigjährigen Krieges (16181648) hatte das Eilenburger Schloß durch Belagerungen u.ä. starke Schäden erlitten. Diese konnten nur teilweise behoben werden, so daß die einst bedeutende Anlage verfiel. Schließlich dienten im 18. Jahrhundert die verfallenen Gemäuer nur noch der Gewinnung von Baumaterial. Daraus entstand unter anderem das Amtshaus als Verwaltungssitz der sächsischen Amtshauptmannschaft Eilenburg. Nachdem das Amt 1815 dem Königreich Preußen einverleibt wurde, zogen Beamtenfamilien in den schlichten Barockbau. 1890 mußten sie

den Gerichtsbehörenden weichen als diese nach Querelen mit der Stadtverwaltung ihr Domizil vom Rathaus in das Amtshaus verlegten. Sie ließen im [ahre 1936 vor allem im Inneren des Gebäudes

größere Umbauten vornehmen. So wurden unter anderem das Foyer großzügig erweitert und für eine Dienstwohnung ein separater Zugang geschaffen. Als Justitia im [ahre 1992 das weniger

vom Alter als vielmehr von mangelnder Pflege gezeichnete Gebäude verließ, blieb es leer, bis im Juni 1993 ein Brand dieses Wahrzeichen der Muldestadt zur Ruine werden ließ.

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8 Diese Ansichtskarte zeigt das neue Krankenhaus unmittelbar nach seiner Fertigstellung im November 1898. Mit dieser über 60 Betten verfügenden medizinischen Einrichtung trugen die Stadtväter den gewachsenenAnforderungen der Gesundheitsvorund -fürsorge im ausgehenden 19. [ahrhundert Rechnung. Große Verdienste um den Neubau hatte sich Sanitätsrat Dr. Hauffe erworben, der 35 [ahre hier als 1. Krankenhausarzt fungiert hatte. Als er im Iahre 1903 starb, trat der bisherige 2. Krankenhausarzt Dr. med. Ernst Laaser seine Nachfolge an.20 [ahre, bis zu seinem Lebensende, übte er aufopferungsvoll dieses schwere Amt neben seiner

Praxis aus. Anfangs standen ihm vier Schwestern vom Roten Kreuz Augusta -VictoriaHeim in Eberswalde zur Seite. Doch schon bald stieß das Haus an seine Kapazitätsgrenzen. Wurden beispielsweise

1903 insgesamt 306 Patienten an 12 281 Verpflegungstagen versorgt, hatten sich diese Zahlen Mitte der zwanziger [ahre etwa verdreifacht. Deshalb beschloß der Magistrat eine großzügige Erweiterung

des Krankenhauses. Der Neubau konnte nach kurzer Bauzeitam9.Mai 1927 seiner Bestimmung übergeben werden. Damit standen nunmehr 130 Betten zur Verfügung.

Verlag: Bruuo ffC88~ Na bI. (H. Schulze), Ellcnburg

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