Eilenburg in alten Ansichten Band 1

Eilenburg in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Andreas Flegel
Gemeente
:   Eilenburg
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6534-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Eilenburg in alten Ansichten Band 1'

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9 Eindrucksvoll veranschaulicht diese Fliegeraufnahme aus den zwanziger [ahren die Lage des Burgbereiches auf einem weit ostwärts vorspringenden Sporn des westlichen Hochufers der Mulde. Schon vor [ahrhunderten hatten die Menschen die strategische Bedeutung dieser Hochebene mit nach drei Seiten steil abfallenden Hängen erkannt. Sie bot nicht nur eine günstige Verteidigungsposition, sondern ermöglichte zugleich die Überwachung des stark frequentierten Muldeübergangs. Ab dem 6. [ahrhundert besiedelte der sorbische Stamm der Siusler den Eilenburger Raum. Unter Nutzung vorhandener Befestigungsanlagen errichteten sie auf dem

Plateau des Sporns ihr Stammeszentrum in Form einer großflächigen Wallanlage. Zum Schutz der besonders gefährdeten Westflanke des Rondells, trennten sie durch das Ausheben gewaltiger Grä-

ben den Burgbereich vom übrigen Hochufer. In der TalsohIe der dadurch entstandenen Schluchten verlaufen heute die Franz-Abt-Straße und der Sorbenweg. Mit den gewonnenen Erdmassen wurden auf

dem Plateau die Wälle verstärkt, die, mit Palisaden versehen, den in den umliegenden Weilern siedelnden sorbischen Bauern eine relativ sichere Zufluchtsstätte boten.

101m [ahre 1902 beschloß der Magistrat, die altehrwürdige Bergschule am Schloßberg durch einen repräsentativen Neubau zu ersetzen. Das nach Plänen der Leipziger Architekten Franke & Wedekamp auf den Teichen in der Halleschen Straße errichtete Schulgebäude, konnte bereits zwei [ahre später, am 12. April 1904, eingeweiht werden. Seit 1907 stand dieser Schule mit Friedrich Tschanter (1875-1945) ein außerordentlich beliebter und engagierter Lehrer als Rektor vor. Sein Kollegium bestand im [ahre 1908aus 14Lehrer/innen. Sie unterrichteten in jeweils sieben Mädchen- und Jungenklassen etwa 800 Kinder, wobei die Klassenstärken

sich zwischen 35 und 78 Schüler/innen bewegten. Tschanter war politisch außerordentlich aktiv und kandidierte unter anderem 191 2 für die SPD für den Reichstag. Seine demokratische Gesin-

nung und betonte Distanz zu den Nationalsozialisten hatte 1933 seine Entlassung aus dem Schuldienst zur Folge und zwölf [ahre später, am 25. April 1945, wohl auch seine Berufung zum ersten

N achkrie gs bürgermeister durch den amerikanischen Kommandanten. Wenige Tage nach der Amtsübernahme verstarb er an den Folgen des Aufenthalts in den Bergkellern während des Beschusses.

Eilenburg

1 1 Dieses Klassenfoto vom 22. August 1930 zeigt die damalige 5. Klasse der Bergschule Eilenburg. Abgebildet sind: Gertrud Franke, Ilse Kummer, Erna Bemme, Hildegard Wunderlich, Emmy Werner, Elfriede Prischmann, Ilse Schmidt, Grete Schubert, Ilse

Lachmann, IngeborgTheile, Hildegard Höhnemann, Gisela Sigesmund, Grete Müller, Gertrud Weiße, Elfriede Kother, EIsa Voigt, Ilse Röhner, Gertraude Baxmann, Gisela Voigt, Käte KIengel, lrma Schwarze, Hella Hientsche, Ilse Köhler, Crista Schneider,

Ilse Wilke, Ilse Eisold, Liesbeth Marx, Elly Wendt, Ilse Gabel, Charlotte Risse, Marianne Weller, HedwigTheilicke, Gisela Sormus, Hertha Günther, Elfriede Schumann, Gertha Schmidt, Susanne Meißner, Gertraude Meißner und Lehrerin Charlotte Gre-

gor. Die damals 40jährige Lehrerin Gregor war seit

1917 in der Bergschule im Dienst. Im Bildhintergrund ist Rektor Friedrich Tschanter zu sehen, dessen Namen die Bergschule seit 1959 trägt.

12 Heute ist es kaum noch vorstellbar, daß vor gar nicht allzu langer ZeitTausende von Rebstöcken zum Erscheinungsbild der Muldestadt gehörten und der Weinanbau eine bedeutsame Erwerbsquelle der Eilenburger darstellte. Nur einzelne Straßenund Flurbezeichnungen wie Weinbergstraße oder Weinpresse, erinnern noch an dieses nicht unbedeutende Kapitel hiesiger Gewerbegeschichte. Besonders die Hanglagen des westlichen Hochufers der Mulde boten in vergangenen Jahrhunderten für den Weinbau günstige Bedingungen. Auf älteren Stadtansichten sind die mit Rebstöcken dicht bepflanzten Hänge beidseitig der heutigen B 87 deutlich zu

erkennen. Der Weinanbau in unserer Region geht bis weit in das Mittelalter zurück. Möglicherweise stehen auch die ältesten Bergkelleranlagen, die der Volksmund als Klosterkeller bezeichnete, mit

dem Weinanbau in direktem Zusammenhang. Sie befanden sich im Umfeld der hier in einer Aufnahme aus der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts abgebildeten Weinbergstraße.

Eilenburg, Weinbergstrasse und Bergkirche

13 Zu den ältesten Handwerken in der Muldestadt gehört jenes der Schneider. Sie führten in erster linie Auftragsarbeiten für den lokalen Markt aus. Ihr Handwerkszeug hatte zunächst nur einen geringen Umfang. Dadurch war dieser Berufszweig besonders anfällig gegen außerzünftige Konkurrenz. Deshalb gehörten Schneider nur selten zu den wohlhabenderen Handwerkern. Vielmehr bestimmte das sprichwörtliche arme Schneiderlein das Berufsbild. Mit dem zunehmenden Vordringen der Konfektionsindustrie verringerte sich der Anteil an der Kundenproduktion im Bekleidungsgewerbe und damit die Bedeutung des traditionellen Schneiderhandwerks. Waren im [ahre 1910 neben Hermann Hildebrandt in der Bergstraße Nr. 69 noch weitere 35 Schneidermeister und

dazu noch 30 Schneiderinnen in Eilenburg tätig, ist heute dieser Berufsstand nur noch in einem bescheidenen Umfang vor Ort präsent.

14 Im [ahre 191 0, als ungefihr diese Aufnahme entstand, übten neun Schmiedemeister in Eilenburg ihr schweres Handwerk aus. Ihre Werkstätten befanden sich zumeist an den Hauptausfallstraßen der Stadt, wie im ästlichen Teil in der Torgauer Straße und im westlichen Teil in der Bergstraße. Allein hier waren mit den Betrieben Kademann, Schleinitz und Warmuth drei Schmieden ansässig. Ihre Existenz begründete sich neben vielfältigen Leistungen für die Fuhr- und Kaufleute und als Zulieferer für die Vielzahl der in Eilenburg produzierenden holzverarbeitenden Handwerksbetriebe vor allem in der Produktion für die Landwirt-

schaft. Zu diesem Zeitpunkt gab es in der Muldestadt noch etwa fünfzig landwirtschaftliche Betriebe. Etwa die Hälfte davon befand sich im Bergstadtteil. Als diese Aufnahme von der Schmiede Schleinitz

in der Bergstraße Nr. 6S entstand, erlernte gerade der spätere Schmiedemeister Richard Frenkel (2. von links) bei dem MeisterWilhelm Schleinitz (2. von rechts) die Kunst des Schmiedens.

1 5 Stolz präsentiert sich auf dieser Aufnahme aus der Zeit um 191 0 Bäckermeister Heinke vor seinem Geschäftshaus in der Bergstraße 78 dem Fotografen. Er hat auch allen Grund dazu, denn wie es scheint, wurde sein Haus gerade einer Verschönerungskur unterzogen. Zumindest die Fassade erstrahlt im frischen Glanz und läßt mit ihren wenn auch zaghaften Jugendstilformen eine relativ genaue Datierung der Aufnahme zu. Zu jener Zeit hatte das Bäckerhandwerk noch den sprichwörtlichen goldenen Boden. Die Versorgung der Stadtbevölkerung mit Backwaren lag noch ausschließlich in den Händen einheimischer Meister. Im [ahre 191 0 gab es immerhin 34 Betriebe dieses Gewerks in der Muldestadt. Damit gehörten die Bäcker zu den größten Innungen der Stadt. Bei etwa

17 000 Einwohnern kamen somit auf eine Bäckerei rund 500 Konsumenten. Jeder Meister hatte seinen festen Kundenstamm, den er tagtäglich vor allem mit frischem Brot versorgte. Daneben war natürlich jeder Bäcker bestrebt, durch besondere Spezialitäten neue Kunden zu gewinnen. Aus der Bäckerei Heinke waren vor allem die Quarktorten stadtbekannt. Selbst aus 'Kiltsche' loekten sie die Kundschaft in die Bergstraße.

16 Das Fleischergewerbe gehört zu den ältesten Handwerken in den Städten. Den Fleischern oblag die Versorgung der Stadtbevölkerung mit frischem Fleisch und daneben auch zunehmend mit Wurstwaren. Am Ausgang des 19. Jahrhunderts setzte auch in einigen Bereichen dieses Gewerbes die Mechanisierung ein und die industriemäßige Produktion von Dauerwaren begann. Aber nicht zuletzt durch die Zunahme der Bevölkerung und den wachsenden Fleischkonsum konnte sich die Mehrzahl der Handwerksbetriebe im Gegensatz zu anderen Gewerben behaupten. Im [ahre 191 0, als etwa diese Aufnahme entstand, gab es in Eilenburg 23 Fleischereien. Eine von ihnen wurde von Meister Karl Kirchner in der Bergstraße

Nr. 6 betrieben. Wie seit [ahrhunderten wurden damals

die schlachtreifen Tiere vom Meister oder einem Gesellen selbst bei Landwirten entweder in Eilenburg oder in den umliegenden Dörfern aufgekauft. Der Preis wurde frei ausgehandelt und mit Handschlag besiegelt. Bezahlt wurde vor Ort, wobei nach ungeschriebenem Gesetz während der Kaiserzeit zur Kaufsumme ein Goldstück gehörte.

1 7 Mit der Bildung erster Turnvereine um die Mitte des 19. Jahrhunderts nahm die Sportbewegung in Eilenburg einen stetigen Aufstieg. Seitdem verging in der Muldestadt kaum ein [ahr ohne ein größeres Sportereignis. Diese fanden vielfach im Zusammenhang mit Vereinsjubiliäen statt und waren oftmals mit Umzügen durch die Straßen der sportbegeisterten Stadt verbunden. Allein in den fünf der Deutschen Turnerschaft angehörenden Turnvereinen waren im [ahre 1931 insgesamt 1 052 Eilenburger aktiv. Das waren weit mehr als zur gleichen Zeit in den Nachbarstädten Delitzsch (751), Bitterfeld (750), Düben (123) oderTorgau (626) in diesem Dachverband organisiert waren. Von den Eilenburger Mitgliedern war etwa die Hälfte unter 21 [ahre alt. Betrieben wurden die Sportarten Gerä-

teturnen, Volksturnen und Spiele. 193 1 kam das Florettfechten hinzu. Bedauert wurde damals das Fehlen einer Bade- und Schwimmanstalt, da 'doch Baden und Schwim-

gen Stiftungsfestes am 14. August 193 1 in der unteren Bergstraße.

men die gesündeste und beliebteste Körperpflege' darstelle. Die Aufnahme zeigt wohl den Festzug des Allgemeinen Turn- Vereins Eilenburg anläßlich seines 7 Ojähri-

181mjuli 1863 schrieb man: 'Ist das ein reges Leben und Treiben auf dem Augustenplatz (heute: Maxim-Gorki-Platz) geworden. Seit vier Wochen war man mit der Herstellung einer hölzernen Notbrücke beschäftigt, die nun fertig und dem Verkehr übergeben worden ist. Alsbald begann und vollendete man den Abbruch der alten Leipziger Brücke. - Sie ist nun heimgegangen, die alte treue Führerin, die Lasten jeglicher Art getragen hat, und mit gespannter Erwartung sieht man dem Bau der neuen Brücke täglich zu. Ein ganzer Felsen von Steinen ist aufgefahren. Da wird gehämmert, gemeißelt, gezimmert, gepocht;

und der große Rammel- gezogen in schwebender Höhe - verkündet durch seine verrichtenden Schläge die Festigkeit des Untergrundes .... Gott gebe seinen Segen zur Vollendung dieses schönen

Werkes, ... ' Nahezu 70 [ahre hatte diese Brücke ihren Zweck erfüllt, bevor auch sie 1931 einem Neubau weichen mußte. Für die neue Leipziger Brücke mußte unter anderem das Vorderhaus des Grund-

stückes Bergstraße 1 abgebrochen werden.

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