Eilenburg in alten Ansichten Band 1

Eilenburg in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Andreas Flegel
Gemeente
:   Eilenburg
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6534-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Eilenburg in alten Ansichten Band 1'

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29 Im beginnenden 20. Jahrhundert wurden Drohgebärden und kleinere militärische Auseinandersetzungen zwischen den Weltmächten zu unheilvollen Vorboten eines sich anbahnenden Weltbrandes. Auch in Eilenburg erklangen die Kriegstrommeln immer lauter. Dafür sorgten unter anderem sieben Militärvereine, zu denen auch der Marineverein unter Leitung des Polizeisergeanten Ungewiss gehörte. Dieser Verein veranstaltete beispielswei se in der ersten Septemberwoche des [ahres 1909 eine große Kriegsmarineausstellung. Prunkstück dieser Schau war ein von Vereinsmitgliedern gefertigtes Modell des Panzerschiffes 'Kaiser Wilhelm II'. Die Abbildung zeigt das gigantische Schiffsmodell während eines im Rahmen der Ausstellung durchgeführten Umzuges durch die Mul-

destadt in der Leipziger Straße. Bereits zwei Monate zuvor hatte dieses Kriegsschiff zahlreiche Schaulustige in die

Gaststätte 'Lindengarten' nach Eilenburg-Ost gelockt, wo es anläßlich des Stadtfestes ausgestellt war. Die Gebäude im

Hintergrund fielen 1945 dem Kriegswahn zum Opfer.

30 Eilenburg gehört zu den Wiegen der deutschen Genossenschaftsbewegung. Um die Mitte des 19. [ahrhunderts ging man in der expandierenden Industriestadt mit Ideen schwanger, die erst [ahrzehnte später ihren Durchbruch erlebten. Zu den Pionieren dieser Bewegung gehörten unter anderen der Buchbindermeister August Fritzsche, Friedrich Vogel und Friedrich Wagner, die am 12. Juli 1850 die erste Lebensmittel-Assoziation im Königreich Preußen, und damit eine der ersten Verbrauchergenossenschaften in Deutschland überhaupt, aus derTaufe hoben. Doch dieser furios gestarteten Assoziation war nur eine kurze Lebensdauer beschieden.

Bereits 1853 löste sie sich nach zahllosen Anfeindungen, Intrigen, Prozessen und Reglementierungen wieder auf. Knapp fünfzig [ahre nach diesem ersten gescheiterten Versuch entstand im [ahre

ner Verkaufsstelle präsent. In der Stadtmitte befand sich neben dem Firmensitz in der Breitestraße 1 1 ein zweites Geschäft in der Leipziger Straße 16.

1898 der Consum-Verein Eilenburg und Umgebung. Er etablierte sich sehr schnell in der Muldestadt und war im [ahre 1908, als diese Aufnahme entstand, in jedem Stadtteil bereits mit mindestens ei-

3 1 Auf der Rückseite des abgebildeten Fotos ist von alter Hand 'Sornmer 1933 Eilenburg' vermerkt, wobei der genaue Anlaß für diesen Umzug der Sportjugend nicht bekannt ist. Abgebildet sind im Hintergrund die Wohn- und Geschäftshäuser Leipziger Straße Nr. 66-72, die allesamt 1945 der Zerstörung anheim fielen. Rechts im Haus des Tierarztes Dr. P. Brendel befand sich zu dieser Zeit eine Verkaufsstelle des Konsumvereins. Im Nachbargebäude hatte Kaufmann August Meyer seine Geschäftsräume. Neben der Einmündung zur Rollenstraße besaßen Glöckners zwei Häuser. Im Geschäft 'Emil Glöckner', mit den damaligen Inhabern Bruno und

Fritz Glöckner, waren unter anderem Stahlwaren, Geschenkartikel, Haus- und Küchengeräte, Glas, Steingut und Porzellan im Angebot. Die beiden folgenden Grundstücke gehörten dem Zigarren-

fabrikanten Otto Heinrich. Das Gebäude am linken Bildrand war im Eigentum von Emil Voerckel. In diesem prächtigen Barockbau befanden sich zu jener Zeit zehn Haushaltungen.

32 Auf unserem Spaziergang durch das alte Eilenburg sind wir jetzt im Herzen der um die Mitte des 12. [ahrhunderts angelegten Stadt angekommen. Von der Marktkreuzung oder besser gesagt von der Ecke Marktplatz/Bernhardistraße blicken wir in die Leipziger Straße. An der Stelle des im linken Vordergrund abgebildeten Gebäudes befindet sich heute die Löwen-Apotheke. Der Vorgängerbau war 1820 als Brauhaus errichtet worden. Nach dem Niedergang des zünftigen Braugewerbes befanden sich später in ihm diverse Geschäfte. Eine der letzten Handelseinrichtungen, die sich vor der Zerstörung in diesem markanten Eckgebäude befanden, war das Textilkaufhaus Küster,

den älteren Eilenburgern besser als 'Kûsters Eek' bekannt. Fast obligatorisch für Straßenaufnahmen aus dieser Zeit ist ein abgebildeter Polizist. Ob es nun übertriebene Eitelkeit der Ordnungshüter war oder

ob sie wegen ihrer Uniform vom Fotografen um eine Statistenrolle gebeten wurden, läßt sich heute sicherlich kaum noch klären. Der abgebildete Straßenzug wurde 1945 fast vollständig zerstört.

Eilenburg

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33 Die Straßenführung der Nordpromenade (Nordring) folgt wie ihr Pendant im Süden (Südring) den im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts abgetragenen bzw. verfüllten Stadtbefestigungsanlagen. Auf den einst schützenden Wällen wurden zum Teil Wohngebäude errichtet und auf der stadtabgelegenen Seiten der Promenaden entstanden vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreiche herrschaftliche Wohnhäuser, die als ein regelrechter 'Villengürtel' den alten Stadtkern umschließen. Die abgebildete Villa (Nordring Nr. 13) gehörte der Familie Beyer, die seit dem ausgehenden 19. [ahrhundert gemeinsam mit der Familie Teichmüller den Verlag C. W Offenhauer führten.

Dieses traditionsreichste Eilenburger Verlagshaus war 1845 von dem aus Naundorf stammenden Bauernsohn Karl Wilhelm Offenhauer als Buchhandlung gegründet worden. 1854 kam eine

richten' (l.April19ü9) zur beliebtesten Regionalzeitung der Muldestädter wurde.

Buchdruckerei hinzu und am 3. (4.) April 1855 erschien unter dem Titel 'Eilenburger Nachrichtenblatt' erstmals eine Zeitung in dem noch jungen Verlag, die später als 'Eilenburger Neueste Nach-

34 In der Großen Mauerstraße zwischen der heutigen Bernhardistraße und dem Kreuzweg erhob sich bis zu den unheilvollen Apriltagen des [ahres 1945 ein kleiner Turm im barocken Gewand über das Grau der Gartenmauern. Er gehörte zum Grundstück Leipziger Straße Nr. 6, das über Jahrhunderte zu den bekanntesten Adressen in der Muldestadt zählte. Hier hatten unter dem Zeichen des Löwen Generationen von Apothekern, durch Privilegien geschützt, die Eilenburger mit Mitteln zur Pflege und Heilung von Krankheiten versorgt. Durch die Offizin der Löwen-Apotheke gelangte man in den großen gepflegten uralten Apothekergarten,

von wo aus man durch einen Laubengang den sogenannten Apothekerturm arn Ende des Grundstücks erreichte. Er war eines jener Lusthäuschen, in denen die Romantik der Goethe-Zeit zu Hause war.

schweifen lassen. Die Aufnahme zeigt dieses barocke Kleinod Eilenburgs um das [ahr 1910.

Van den beiden nördlichen Fenstern im ersten Stock des Gartenhauses konnte man noch bis weit in das 19. [ahrhundert hinein seine Blicke ungestört über die Schönheiten der Muldelandschaft

3S Am 14.AprilI887 erfolgte die Einweihung der neuen Bürgerschule in der Dorotheenstraße. Gleichzeitig begann die Umstellung von einer sechs- auf eine achtklassige Schule. Im ersten [ahr besuchten 672 Kinder in 16 nach Knaben und Mädchen getrennten Klassen die Bildungseinrichtung. Die Klassenstärken bewegten sich zwischen 14 und 6S Schülern bzw. Schülerinnen. 1909, als etwa diese Aufnahme entstand, erfolgte die Umwandlung in eine Mittelschule. Anfang der zwanziger [ahre mußte die Mittelschule infolge der Einrichtung der Grundschulen die jeweils unteren drei Klassen abgeben. Dafür wurde auf der Grundla-

ge der Bestimmungen vom

1. Juni 192 S begonnen, gemischte Klassen einzuführen. Am 1 7. Mai 1927 erfolgte die Anerkennung als vollausgestaltete Mittelschule. Mit diesem zwischen den Volksschu-

len und den höheren Schulen stehenden Schultyp wurde dem Wunsch vieler Eltern entsprochen und eine Bildungseinrichtung in Eilenburg etabliert, die auch Kindern Minderbemittelter die

Möglichkeit einräumte eine über das Ziel der Volksschule hinausgehende praktische Ausbildung zu erhalten.

EllENBURG

Bürgerschule.

36 Das Turnen hat in Eilenburg eine lange Tradition. Schon um die Mitte der vierziger [ahre des 19. [ahrhunderts wurde diese Form der Körperertüchtigung im Privatseminar des Schuldirektors Geißler gepflegt. Noch im selben [ahrzehnt entstanden zwei Turnvereine, denen während der Revolutionsjahre 'destruktivste Tendenzen im kommunistischen und sozialistischen Sinne' unterstellt wurden. Trotz gegenteiliger Beteuerungen führten diese Anschuldigungen schließlich zum Verbot beider Vereine. 1861 bildete sich ein neuer Turnverein, aus dem nach einer Spaltung im Folgejahr der ATV hervorging. Mit der Gründung des Vereins began-

nen auch die Bemühungen um eine eigene Turnhalle. Es waren zahllose Hindernisse zu überwinden und vielfältigste Sammel- und Spendenaktionen notwendig, bis am 1 S. November 1874 der erste Turnhallenbau Eilenburgs eingeweiht werden konnte. Auf dem nördlichen Flügel fand der Röhrenkastenmann seinen Platz. Die Neptunfigur zierte von 1712 bis 1852 den Eilenburger Marktbrunnen und war seitdem ins Kornhaus verbannt. Diese Aufnahme van derTurnhalle des ATV in der Dorotheenstraße entstand anläßlich der 7S-JahrFeier des Vereins Ende Juni 1936.

37 Dieses Foto aus dem [ahre 1906 erinnert an eines der ruhmreichsten Unternehmungen der Muldestadt. Wie kaum eine andere Firma hat die Gebr. Zimmermann AG in der Wilhelmstraße 1 8 (heute Berhardistraße) mit ihren Erzeugnissen den Namen der Stadt in aller Welt bekannt gemacht. In Blütezeiten wurden jährlich mehr als 7 000 Pianos produziert. 1910 zählte die nunmehrige Leipziger Pianoforte-Fabrik Gebr. Zimmermann A.-G. Leipzig-Mölkau und Eilenburg über 700 Beschäftigte. Während des Ersten Weltkrieges kam es infolge van Auftragsmangel zu einem dramatischen Rückgang der Belegschaft. Nur langsam konnte sich das Unternehmen

wieder erholen und am 1. Juli 1919 kam es schließlich zur Verschmelzung mit der HupfeldAG in Böhlitz-Ehrenberg. Als 'Leipziger Pianoforte- und Phonola-Fabriken HupfeldGebr. Zimmermann AG Eilen-

burg' stieg das Unternehmen mit seinen Fabriken in Dresden, Leipzig, Seifhennersdorf und Eilenburg zum größten Pianohersteller Europas auf. Am 10. April 1931, wenige Wochen nach dem 7 S. Ge-

burtstag des Firmengründers Richard Zimmermann, beschloß der Aufsichtsrat das Eilenburger Werk zu schließen. Am 30. Juni 1931 warletzter Arbeitstag bei Zimmermann.

38 Ebenso feierlich wie man die Soldaten des Il. Bataillons des thüringischen Infanterieregiments Nr. 72 am 1. Oktober 1913 in der Muldestadt willkommen hieß, erfolgte auch deren Verabschiedung am 9. August 1914 auf die Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges. Aus einem Fenster der damaligen Mitteldeutschen Privatbank (Leipziger Straße Nr. 1) hielt ein anonym gebliebener Fotograf dieses pompöse Ereignis auf dem Eilenburger Marktplatz im Bild fest. Für eine Vielzahl dieser Soldaten war es ein Abschied ohne Wiederkehr. Todesanzeigen gefallener Soldaten füllten zunehmend die Spalten aller deutschen Gazetten und dem allgemeinen Kriegstaumel, in dem sich weite Teile der Bevölkerung befanden, folgte sehr schnell

die Ernüchterung. Auch viele Eilenburger Familien bekamen trotz der fernen Kriegsschauplätze die grausame Realität des Krieges zu spüren. Als das Völkermorden nach vier [ahren endete, hat-

ten mehr als 800 junge Männer aus Eilenburg ihr Leben auf den Schlachtfeldern fern der Heimat verloren.

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