Eilenburg in alten Ansichten Band 1

Eilenburg in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Andreas Flegel
Gemeente
:   Eilenburg
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6534-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Eilenburg in alten Ansichten Band 1'

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49 Auch wenn sich in den achtziger [ahren des 20. [ahrhunderts die bauliche Hülle derTorgauer Straße Nr. 8 wesentlich gewandelt hat, ist mit dem Bäckerhandwerk eine seit Generationen mit diesem Grundstück verbundene Gewerbetradition erhalten geblieben. Um 1880 hatte Meister Herrmann, einer von damals etwa 30 Bäckern, hier sein Domizil. Nach dessen Tod führte seine Witwe Friederike den Betrieb weiter, bis er um 1890 von Ernst Kasper übernommen wurde. Ende der zwanziger [ahre wird mit Kurt Ackermann ein einstiger Geselle Meister. Rund 60 [ahre verblieb die Bäckerei im Besitz der Ackermanns, bis sie im Zusammenhang mit dem Abriß des alten Gebäudes den Staffelstab an Familie Schmidt weiterreichten. Die Arbeits bedingungen der Bäcker waren außerordentlich hart. Neben

der Hitze, dem Arbeiten im Gehen und Stehen, der Nachtarbeit und den langen Arbeitszeiten war das Kneten des Brotteiges die anstrengendste Arbeit. Erleichterung brachten erst die technischen

Errungenschaften des ausgehenden 19. Jahrhunderts, als durch Gas- oder Elektromotor getriebene Knetmaschinen den Mechanisierungsprozeß in der Backstube einleiteten. Das Foto zeigt die Bäckerei

um 1910. In derTür steht der langjährige Geselle Gottlebe.

SO DieseAufnahme aus der Zeit um 191 0 zeigt uns ein typisches Wohnhaus in der Martinstraße. Auch wenn in jüngster Vergangenheit bauliche Eingriffe das ursprüngliche Erscheinungsbild dieses Straßenzuges verändert haben, lassen einzelne heute zumeist verfallene Gebäude die einstige Beschaulichkeit der bis 1856 eigenständigen Gemeinde Geßlinge erahnen. Ihren Namen verdankt diese wohl deutsche Ansiedlung einer slawischen Fischbezeichnung. Ableitend von dem Ortsnamen (Gesslünge,

1449) und wohl auch bezugnehmend auf die niedrigen Wohnhäuser hat der Volksmund die zum Teil heute noch gebräuchliche Bezeichnung Katzenhäuser geprägt. Die Gassengemeinde, wie diese Vorstadtgemeinde auch genannt wurde, hatte im [ahre 1548 zehn besessene

Mann, wobei der Grundbesitz außerordentlich klein war. Allerdings entfiel auf einen Hof etwa die Hälfte des gesamten Landbesitzes. Wenige [ahre nach der Eingemeindung erfolgte in Eilenburg eine Neubenennung der Straßen. Der einstige Hauptweg der Gemeinde Geßlinge erhielt

1861 in Reminiszenz an den Reformator Martin Luther die Bezeichnung Martinstraße.

5 1 Das Foto zeigt den 'Scharnhorst' , die Kinderund Jugendorganisation des Wehrverbandes 'Stahlhelru'. beim Passieren der Muldebrücke wohlAnfang der dreißiger [ahre. Solche Aufmärsche paramilitärischer Verbände aller politischen Lager waren zu jener Zeit an der Tagesordnung. Sie endeten nicht selten in regelrechten Straßenschlachten. Auch in Eilenburg standen sich mit dem kommunistischen 'Rotfront kämpferbund', dem republikanischen 'Reichsbanner' , den brutalen Schlägertrupps der nationalsozialistischen 'Sturmabteilungen' (SA), dem ebenfalls dem rechten Spektrum zugehörigen 'Stahlhelrn' unter anderem mehrere Verbände gegenüber, wobei der 'Stahlhelm ' mit etwa 100 Mitgliedern hier zu den kleineren Kampfbünden gehörte. Zur Führung des in Deutsch-

land etwa 500 000 Mitglieder zählenden Bundes gehörte Botho- Wendt Graf zu Eulenburg, ein Nachkomme der im Mittelalter hier residierenden Herren zu Ilburg. Wenige Wo-

chen nach der Machtergreifung der Faschisten mußte sich der Kampfverband der SA unterwerfen. Der 'Scharnhorst' wurde aufgelöst und die Kinder und Jugendlichen

wurden im Zuge der Gleichschaltung entweder 'Pimpfe' beimjungvolk oder in die Hitlerjugend integriert.

52 Einer der zahlreichen repräsentativen Säle der Muldestadt befand sich im 'Gasthof zum MuIdental' in EilenburgOst, in der Dübener Straße

Nr. 3. Diese Aufnahme vom großen Festsaal entstand wohl in der zweiten Dekade des 20. Jahrhunderts.

53 Am l1.Juli 1944, 1.13 Uhr, erhielt die hiesige Warnstelle die Warnmeldung 'Luftgefahr 1 5' . Acht Minuten später traf die Meldung 'Fliegeralarm' ein und wurde sofort akustisch ausgelöst. Unmittelbar danach überflog eine größere Anzahl Flugzeuge Eilenburg-Ost. Dabei wurde 1.28 Uhr eine Minenbombe mit enormer Sprengkraft abgeworfen. Sie detonierte in der Dübener Straße (heute Puschkinstraße) neben den Grundstücken Nr. 75 und Nr. 33 und hinterließ im gesamten Stadtteil ein Bild der Verwüstung. Es war der bis dahin opferreichste Angriff auf Eilenburg. Vier Männer, zehn Frauen und fünf Kinder verloren ihr Leben. Hinzu kamen 13 schwer und 17 leicht verletzte Personen. Drei Wohngebäude waren total zerstört. Drei Gebäude hatten schwere, 13 mittelschwere und 72

leichte Schäden. 108 Personen verloren ihr Obdach und wurden bei Verwandten oder in Notquartieren untergebracht. Die beiden Aufnahmen Nr. 55 und Nr. 56 zeigen die Dübener Straße arn 1 1.

Juli 1944. Sie entstammen den internen geheimen Dokumentationen der damaligen Verwaltung über diesen Luftangriff

S4 Noch am 1 1. Juli 1944 begannen die Aufräumungsarbeiten in der Dübener Straße. Durch die örtliche Luftschutzleitung wurden sofort Hilfskommandos eingesetzt. Drei Löschzüge der FFW Eilenburg, drei schwere und eine leichte Löschgruppe der DCF und der Firma Schwarz einschließlich SO' Ostarbeiter', wie es in dem Bericht heißt, karnen zum Einsatz. Für die Bergungs- undAufräumungsarbeiten wurden drei Wehrmachts-Hilfskomman dos mit 170 Mann, 100 Mann der Polizei-Nachr.-Ers. u. Ausb. Abtlg. sowie 43 Mann der Technischen Nothilfe eingesetzt. Darüber hinaus waren 1/7 Mann der NSKK mit zwei Einsatzwagen, einem PKW und zwei Krädern sowie

1120 SA-Männer, 1129 Helferinnen des DRK sowie zwei Gruppen DRK-Männer mit zwei Fahrzeugen vor Ort.

Weiter waren im Einsatz ein Krankentransportwagen der Wehrmacht, vier WehrmachtSchnellkommandos, 3/13 Leute des Reichsarbeitsdienst es und von dem Eilenburger Polizeirevier 20 Offiziere und

1 7 Beamte. Die Baufirmen Enigk und Vieweg stellten 3 S Fachhandwerker.

55 Anfang des 20.Jahrhunderts erfolgte im Zuge der Stadterweiterung die Bebauung der ehemaligen Sauschwemme, einem Gebiet, das wegen seiner feuchten Niederungen den Eilenburgern über Jahrhunderte zum Hüten ihrer Schweine diente. Es erstreckte sich östlich der alten Dammstraße (heute Dr.Külz-Ring) bis hin zur Mulde. Zum Hochwasserschutz dieses Neubaugebietes war 1898 ein neuer Damm von der Torgauer Brücke bis zum Güterbahnhof angelegt worden. Aber bereits 1859 waren zahlreiche ältere Dammbauten erhöht worden. Besondere Verdienste bei der Anlage und Besserung von Ufer-, Damm-, Wege- und Brückenbauten hatte sich der Magistratsassessor (Stadtrat) Samuel Kopf (t1869) erworben. Ihm zu Ehren erhielt die Straßenführung entlang der alten

Deichanlagen die Bezeichnung Samuelisdamm. Markante Mietshäuser, Villen sowie repräsentative öffentliche Bauten prägen das Gesicht dieses Straßenzuges, wie es dieses Foto aus der Zeit um

'Róberstili '. das am 15. Mai 1907 seiner Bestimmung übergeben wurde.

1925 veranschaulicht. Im Vordergrund erhebt sich das aus dem Stiftungsvermögen des Bankiers Ferdinand Röber und nach Plänen von Stadtbaumeister Otto Lemke errichtete Städtische Bürgerasyl

EllENBURG

Samuall.·Damm und Alter.·Asyl

56 Diese Gesamtansicht von Eilenburg entstand wohl nach 1930. Sie zeigt im Vordergrund Bauten, die mit dem Werden und Wachsen der Stadt aber auch mit dunkleren Kapiteln jüngerer Vergangenheit auf das Engste verbunden sind. Im linken Bildteil sieht man den Zweckbau der Reichsbanknebenstelle in Eilenburg. Diese Nebenstelle wurdeam 16.Aprill923 in Eilenburg eröffnet und konnte am 1. Juli 1929 in das neu errichtete Bankgebäude in der Röberstraße einziehen. Dahinter ist auf dieser Ansicht die Stadtschule zu sehen, die am 2. April 1894 als Volksschule in Nutzung genommen wurde. Sie war der einzige große Schulbau Eilenburgs, der das Inferno im April 1945 nicht überstand. Davor erhebt sich das ehemalige Offiziers-Kasino der Eilenburger Kaserne. Nach

umfangreichen Ausbauarbeiten zog hier im September 1933 die Stadtsparkasse Eilenburg ein. Bis dahin war das städtische Geldinstitut im Rathaus untergebracht. Die Nutzung der Villa im rechten

Bildvordergrund zu Zeiten der DDR ist vielen Eilenburgern in unguter Erinnerung.

S7 Bis zum 20.Jahrhundert hatte Eilenburg im Kalkül der Militärstrategen, was die Unterbringung von Soldaten anbelangte, nie eine große Rolle gespielt. Nur einmal von Januar 1819 bis September 1820 war die Stadt ständige Herberge eines Truppenteils. Seit diesem Intermezzo waren die Stadtväter, der wirtschaftlichen Bedeutung einer Garnison für ihre Stadt bewußt, ständig bemüht, Standort einer Garnison zu werden. Erst am Vorabend des Ersten Weltkrieges, als das Heer enorm aufgestockt wurde, erinnerte man sich im Kriegsministerium wohlwollend an das Anliegen der Muldestädter. Keinen geringen Einfluß auf diese für die weitere Geschichte Eilenburgs verhängnisvolle Entscheidung hatten wohl großzügige Flächenübereignungen an den Reichs-Fiskus für den Kasernenbau sowie

für eine Offiziersanstalt in der Röberstraße und ein Lazarett in der Wilhelmstraße. Daneben wurden für Flächen bei Paschwitz und Bunitz Nutzungsrechte eingeräumt. Im Herbst 1914 wurde nach Plä-

nen des Stadtbaumeisters Lemke mit dem Bau der Infanteriekaserne begonnen. Nach nur einem [ahr war sie am 1. November 191 S bezugsfertig. Einer der ersten Soldaten, die Anfang [anuar

1916 vom provisorischen Barackenlager in den Neubau umzogen, schrieb am 6. [anuar diese Ansichtskarte.

58 Die Eilenburger Kaserne, die zuweilen mit einer Stärke von 3 200 Mann belegt war, verlor nach dem Ersten Weltkrieg im Rahmen der militärischen Beschränkungen für Deutschland ihre Bedeutung. Nach ständig wechselnden Truppenteilen wurde 1920 mit der Auflösung der Kaserne begonnen. 1922 erwarb die Stadt den Komplex und ließ ihn für andere Nutzungen umbauen. Beispielsweise wurden in den Mannschaftshäusern 103 Wohnungen geschaffen. Daneben fanden hier die städtische Volksbücherei und das ]ugendheim ihr Domizil. Nachdem 1935 im nationalsozialistischen Deutschland die Wehrpflicht eingeführt wurde, erhielt im Folgejahr die Kaserne ihre eigentliche Funktion zurück.

Zunächst zog hier ein Teil des Infanterie-Regiments Nr. 32 ein. Die verheerenden Folgen der abermaligen Stationierung von militärischen Einheiten in der Muldestadt sind hinlänglich bekannt.

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