Eisfeld in alten Ansichten Band 1

Eisfeld in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Renate Gauß
Gemeente
:   Eisfeld
Provincie
:   Thüringen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5384-3
Pagina's
:   88
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Eisfeld in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Wer sich von den Höhen des Thüringer Waldes her der kleinen Stadt Eisfeld nähert, wird fasziniert sein von dem Panorama, das sich seinen Blieken bietet. Über den roten Ziegeldächern der Altstadt, die sich mit ihren kleinen Gassen und Plätzen zwischen Werra und Mühlgraben ausdehnt, erhebt sich im Mauerkranz der alten Stadtbefestigung die einstige 'Neustadt', flankiert von den markanten Bauwerken des Schlosses mit dem runden Turm und seiner barocken Zwiebelhaube und der schönen spätgotischen Stadtkirche (1488-1505). Sie bildet gemeinsam mit Pfarrhaus und Alter Schule (16./17. Jahrhundert) einen architektonisch reizvollen Winkel am Eingang des Stadtkerns, der sich leicht ansteigend zur Marktstraße hin öffnet.

Die schlichten Häuserzeilen im Umfeld des fast schmucklosen Rathauses, erbaut nach dem großen Stadtbrand von 1822,-der Markt mit dem runden Sandsteinbrunnen und dem Kopfsteinpflaster haben trotz neuzeitlicher Geschäftigkeit noch jenen Hauch biedermeierlicher Atmosphäre bewahrt, der uns aus alten Fotos und Ansichten entgegenkommt. Diese stammen zum großen Teil aus den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg, als Eisfeld noch Sitz eines herzoglichen Verwaltungsamtes in Sachsen-Meiningen war, und sich das ansässige Bürgertum nach einigen Jahrzehnten des wirtschaftlichen Aufschwunges eines gewissen neuerworbenen Wohlstandes erfreute , der sich allerdings in den Grenzen kleinstädtischer Bescheidenheit präsentierte. Der Dichter OHo Ludwig aus Eisfeld (1813-1865) hat in den Erzählungen 'Die Heiterethei' und 'Zwischen Himmel

und Erde' die enge, genügsame Welt seiner Landsleute literarisch verewigt. Als die Stadt im Jahre 1913, übrigens unter weitreichender Resonanz der deutschen Öffentlichkeit, seines hundertsten Geburtstages gedachte, verband sich dies mit einer Besinnung auf eigene geschichtliche und kulturelle Traditionen und die Schönheit der südthüringisch-fränkischen Landschaft. Diese zu nutzen und für die Belebung des Fremdenverkehrs zu erschließen, sahen Stadtväter und Bürgervereine als wichtige Aufgabe an, der auch die vom Magistrat herausgegebene Schrift 'Eisfeld a.d. Werra' mit einer Einführung in die klimatischen Verhältnisse, in wirtschaftliche und kommunale Struktur, Sehenswürdigkeiten, Wanderwege und geschichtliche Informationen dienen sollte.

Der Ursprung Eisfelds reicht weit zurück in die Periode der fränkischen Kolonisation, als die adligen Grundherren Asis und Erpho eine bäuerliche Siedlung an der Ostgrenze des Grabfeldes gründeten, die um 802 als 'Asifeld' in den Fuldaer Traditionen erstmals urkundlich erwähnt wird. Sie lag im Talgrund der Werra, umflossen vom 'Alten Graben', zu Füßen eines Herrensitzes auf der Anhöhe, der späteren Burg 'Esefeld'. Sie wurde zum Ausgangspunkt eines Marktfleckens, der 'Neustadt', die 1323 von Graf Berthold VII. von Henneberg Stadtrecht erhielt und mit Mauern, Toren und Türmen befestigt wurde. Stadt und Amt Eisfeld gingen nach häufigem Wechsel der Landesherrschaft 1374 als Teil der Pflege Coburgs und der 'Sächsischen Ortslande in Franken' in den Besitz der Markgrafschaft Meißen über; der

Meißner Löwe ziert seitdem das Wappenschild der Stadt Eisfeld. Als Etappenort an der für den deutschen Binnenhandel bedeutsamen Handelsstraße NürnbergErfurt über den Thüringer Wald erlebte Eisfeld im ausgehenden Mittelalter eine erste Blütezeit; Handwerk und Landwirtschaft, Handel und Dienstleistungen für den Durchgangsverkehr florierten. Nach der Errichtung einer Saigerhütte durch Nürnberger Kaufleute, in der sächsisches und böhmisches Rohkupfer geschmolzen und an die deutschen Handelsplätze geliefert wurde, wuchs die Bevölkerung rasch auf etwa drei- bis viertausend Seelen an.

Persönlichkeiten wie die Reformatoren Nikolaus Kindt (1490-1549) und Justus Jonas (1493-1555), dessen Grabstätte sich in der Kapellruine des Alten Friedhofes befindet, wirkten an der Stadtkirche St. Nikolaus und an der Lateinschule, aus der auch der spätere Leipziger Thomaskantor und Buchdrucker Georg Rhaw (1488-1548) zu Wittenberg hervorgegangen ist. Eisfeld war, 'ehe es durch das unglückselige Kriegswesen in Asche und gänzlich Grundverderben geriet, eine von ansehnlichen Gebäuden zierliche Stadt', wie A. Saur im Deutschen Städtebuch 1658 schrieb, zehn Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, in dem die Stadt 1632 und 1641 total zerstört wurde und vier Fünftel ihrer Bevölkerung einbüßte. Der Ort blieb nach dem Wiederaufbau der Wohnstätten, offentliehen Gebäude und der Stadtbefestigung, die 1673 unter Herzog Ernst dem Frommen von Gotha vollendet worden ist, ein unbedeutendes Ackerbürgerstädtchen im Herzogtum Sachsen-Hild-

burghausen, das 1826 in Sachsen-Meiningen aufging. Die örtlichen Gewerbe , die Gerberei, Schuhrnacherei, Leineweberei, Tuchmacherei und das Mühlengewerbe , verloren nach einer zeitweiligen Konjunktur durch die Auswirkungen der Napoleonischen Kriege und kleinstaatlicher Zollgrenzen ihre Absatzmärkte und konnten sich nur noch mühsam in Verbindung mit landwirtschaftlichem Nebenerwerb am Leben erhalten. Soziale Spannungen fanden ihren Ausdruck in der Eisfelder Bürgerrevolte 1820, im Stadtbrand 1822, dem 133 Wohnhäuser und das Rathaus zum Opfer fielen und in einer jahrzehntelangen Auswanderungsbewegung nach Amerika. Mit dem Abriß der alten Stadttore 1830, des Oberen Tores am Ausgang der Marktstraße, des Coburger Tores vor der Alten Schule und des Kirchtores am Kirchberg, kündigte sich ein städtisches Wachstum an, das jedoch erst nach dem Bau der Werra-Eisenbahn 1858 zögernd einsetzen sollte.

Die Anbindung an das zentrale Eisenbahnnetz mit der Weiterführung der Strecke nach Coburg und Lichtenfels, die Erschließung des Waldgebietes durch das 'Gründerle' , die Kleinbahn nach Unterneubrunn 1890 und die in den Jahren 1909-1911 erbaute Bahnlinie nach Schalkau-Sonneberg, der Ausbau der durch Eisfeld führenden Straßen hatten zur Folge , daß die Stadt sich zu einem wichtigen Umschlagplatz im südlichen Vorland des Thüringer Waldes und zum Standort zahlreicher kleiner und mittlerer Betriebe der Spielwarenherstellung, Holzverarbeitung und der Porzellanindustrie entwickelte. In Werkstätten und Fabriken, vielfach

auch in Heimarbeit, entstanden bei billigsten Löhnen bemalte und überwebte Holzstabrouleaus, Holzpferdchen und Schaukelpferde, Puppen und Zubehör, Tiere und Figuren aus Papiermaché. Märbeln aus Stein und Ton, aber auch technische Porzellane wie Isolatoren, Schalterdosen und Fadenführer für den industriellen Bedarf. Zwischen 1860 und 1913 wuchs die Einwohnerzahl von 3 500 auf 4 600 Personen an. Während das Häuserverzeichnis der Stadt Eisfeld 1870 noch eine übergroße Mehrheit handwerklicher und landwirtschaftlicher Berufe verzeichnet, verlagerte sich die Erwerbstätigkeit zunehmend auf industrielle Bereiche, und auch die Bebauung dehnte sich, zunächst in Richtung Bahnhof und Bahnhofstraße, gegen die Jahrhundertwende immer weiter über die einstigen Stadtgrenzen aus. Eine Schützentafel von 1873zeigt das neuerbaute Sedansdenkmal auf der Siegeshöhe mit dem Bliek zum Bahnhof und zur 1858 als erstes größeres Unternehmen erbauten Brauerei Bergschlößchen; wenige Jahre später hatten sich in dieser Gegend und in Richtung Steudach die wohlhabenden Bürger mit ihren dem Zeitgeschmack entsprechenden Wohnhäusern, aber auch Sägewerke und 1897 die Porzellanfabrik niedergelassen, die später eine Filiale der Porzellanfabrik Kloster Veilsdorf wurde. Erst nach der Inflation und in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts gesellten sich Textil-, Metall- und Rüstungsunternehmen hinzu.

Eine städtische Infrastruktur mit vielen kleinen Geschäften, 2 Hotels, Gaststätten, einem 'Uhrmacher' und Besitzer eines 'photographischen Ateliers' (1871)

und einem 'Kinephon-Theater' (1913), einem 'Atelier für Zahnleidende' und zwei Ärzten begann sich zu entwickeln. Das Siechenhaus aus dem 16. Jahrhundert wurde 1902 dank einer großzügigen Stiftung von Dr. Max Michaelis durch ein zeitgemäßes Krankenhaus an der Schleusinger Straße ersetzt. Den Schenkungen William Lobensteins verdankte die Bürgerschaft den Kindergarten 1907, die Turnhalle 1911, die Bepflanzung des Stelzner Berges unter der Obhut des Oberförsters Carl Möller 1892 sowie den schönen roten Sandsteinbrunnen auf dem Neumarkt 1906. Der 1880 erbauten großen Bürgerschule mußte zwanzig Jahre später ein Anbau angefügt werden. Schon 1864 war in Eisfeld eine Zeichen- und ModelIierschule für den künstlerischen Nachwuchs der Spielzeugindustrie gegründet worden, in der eine Reihe profilierter Künstler ihre erste fachliche Ausbildung erhielt. Wasserleitung, Elektrizitätswerk und Kanalisation, der neue Friedhof und das Krematorium, Gefängnis und Amtsgericht, gepflasterte Straßen und Bürgersteige, das Postamt und nicht zuletzt die schon 1865 zunächst als Amtsblatt verlegte Eisfelder Zeitung als wichtige Informationsquelle der ansässigen Bevölkerung rundeten das Bild einer kleinen Stadt ab, die im Verlaufe eines halben Jahrhunderts aus ihrem bescheidenen Rahmen herausgetreten war.

1. Das um 1930 gefertigte Luftbild läßt sehr gut die historisch gewachsene Topographie der kleinen Stadt am Oberlauf der Werra erkennen, den mittelalterlichen Stadtkern zwischen Kirche (im Vordergrund) und Schloß, der zu einem Großteil noch von der relativ gut erhaltenen Stadtmauer umgeben ist. Links davor erstreeken sich Teile der in der Werra-Aue gelegenen Altstadt, dem älteren Teil der Siedlung Eisfeld.

2. Ganz ländlich wirkt die Szene mit dem Schubkarren. der von einer Frau in Arbeitskleidung die 'Cracker Hohle' hinaufgefahren wird. Dieser Name bezeichnet jenen Abschnitt der alten Handelsstraße , der aus Richtung Nürnberg-Coburg-Eisfeld zur Stadt hinaus in Richtung des Dorfes Crack führte.

3. Der Bliek von der Marktstraße zum Markt im Herzen Eisfelds ist vor allem auf die obere Häuserzeile gerichtet, die wie alle Häuser der 'Neustadt' nach dem großen Brand von 1822 errichtet worden ist. Besonders augenfällig präsentieren sich das Hotel 'Zum deutschen Haus' mit seiner dekorativ verschieferten Fassade, damals noch das beste Haus am Platze, der Aufgang zum Schloß und die Apotheke, die seit 1684 die Bürger der Stadt und des Umlandes mit Heilmitteln und Arzneimitteln versorgt.

4. Der Fotograf hat das Rathaus irn Festschmuck zur Siegesfeier nach Beendigung des Deutsch-französischen Krieges 1871 festgehalten. An der dem Markt zugewandten Fassade mit dem Uhrtürmchen und der girlandengeschmückten Tribüne prangt das Bild der Germania. Das Erdgeschoß des 1836 erbauten Gebäudes zeigt noch die drei runden Torbögen, die später zugesetzt wurden. Der runde Sandsteinbrunnen von 1790, damals noch Trinkwasserbehälter des Wohnviertels, wurde irn Winterhalbjahr mit Holzplanken abgedeckt.

5. Der 'Nikolausmarkt", diesmal. das heißt im Jahre 1927, schon in winterlicher Stimmung, mit seinen Verkaufsbuden und zahlreichen Überraschungen, brachte vor allem für die Kinder Freude in die Vorweihnachtszeit des Jahres. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges erlosch die alte Tradition für lange Zeit.

6. Der Marktbrunnen, hier auf einem Foto aus der Zeit der Jahrhundertwende , zeigt noch die schlichte klassizistische Form seiner Entstehungszeit 1790. In der Mitte des großen runden Sandsteintroges befindet sich die Brunnensäule mit einem Vasenaufsatz und zwei Wasserspeiern. Die rundum führenden Laufsteine erleichterten das Schöpfen des Wassers. Im Jahre 1906 stiftete das Ehepaar Otto und Emilie König eine neue Brunnensäule in barocker Ausführung, die bis heute den Brunnen ziert. Die Häuserfront im Hintergrund zeigt noch die alten biedermeierlichen Tore.

7. Wo einst das Obere Tor gestanden har, in der Schwarzburger Straße, vormals die Obere Marktstraße , hat der Fotograf das noch ganz kleinstädtische Milieu um die lahrhundertwende festgehalten: abgestellte Gespanne. eine Bäuerin mit Huckelkorb, die ungepflasterte Straße mit den seitlichen Abflußrinnen , auf der man 'bis an die Knorren' im Schlamm versinken konnte.

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