Emsdetten in alten Ansichten

Emsdetten in alten Ansichten

Auteur
:   Joachim Glandorf
Gemeente
:   Emsdetten
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2943-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Emsdetten in alten Ansichten'

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29. Das Bahnhofsgebäude um die Jahrhundertwende sowie seine Umgebung strahlen noch eine gewisse Idylle aus. Im Jahre 1856 wurde die Bahnstrecke Münster/Rheine gebaut und Emsdetten somit an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Im Zusammenhang mit der aufstrebenden Textilindustrie entwickelte sich Emsdetten rasch von einem ländlichen Ackerbürgerdorf mit knapp 4 000 Einwohnern im Jahr 1858 zu einem kleinen Industrieort, der um die Jahrhundertwende ungefähr 8 000 Einwohner hatte. Zum Vergleich die Nachbarstadt Rheine: 1858 lebten dort knapp 3000 Menschen, um die Jahrhundertwende hatte Rheine ungefähr 10000 Einwohner. Etwa 1884 erhielt Emsdetten ein für seine Größe stattliches Bahnhofsgebäude aus rotem Backstein. Nachdem 1907 die Strecke Münster-Rheine zweigleisig ausgebaut worden war, wurden auch am Bahnhof Urn- und Anbauten vorgenommen.

30. Im Jahre 1906 erbaute der holländische Architekt Johannes Franziskus Klomp (1865-1946), der Erbauer der Villa Schaub, auch die Villa des Fabrikanten Robert Kuypers. Auf der Terrassenbrüstung stehend, schaut Robert Kuypers junior, der den Emsdettenern als langjähriger Arzt in Erinnerung ist, in die Linse des Fotografen. Klomp schuf neben seinen vielen Aufträgen für sakrale Bauten - von ihm sind unter anderem die Antonius-Basilika in Rheine und die Kirche in Hauenhorst geplant und gebaut worden - auch mit diesem herrschaftlichen Gebäude ein für die Stadtbaugeschichte Emsdettens wichtiges Zeugnis.

31. 1m Mai 1908 wird ein Dankesschreiben des Fabrikanten Robert Kuypers an l.F. Klomp veröffentlicht: Gerne bescheinige ich, daß ich in jeder Hinsicht mit Ihrer Arbeit als bauleitender Architekt meines, von Ihnen entworfenen neu erbauten Wohnhauses zufrieden bin und daß Sie das Vertrauen, was ich in Ihren Ruf als Künstler sowohl, wie als praktischer und äußerst gewissenhafter Baumeister gestellt hatte, voll und ganz verdient haben. Die Baukosten sind im Rahmen des Kostenanschlages geblieben und alle unsere Wünsche haben Sie in der entgegenkommendsten Weise berücksichtigt. Ich werde Sie überall gerne empfehlen.

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32. Die vier Ansichten der Villa Kuypers (spätere Post), einer der im Herbst 1983 vom Arbeitskreis 'Ausstellung Klomp' gezeigten Pläne, ein Ausschnitt aus der Fülle des Werkes des Architekten J.F. Klomp, den man - leider erst heute - wieder hochzuschätzen gelernt hat. Heute, da man sich der Denkmäler vergangener Epochen wieder neu besinnt, da man sich auch der kulturgeschichtlichen Bedeutung der einen Ort prägenden Bauwerke und deren stadtgestalterischer Funktion wieder erinnert, soll Emsdetten mit Stolz auf diesen für seine Zeit so berühmten und anerkannten Architekten blieken, der auch in unserer Stadt Beweise seines baukünstlerischen Könnens hinterlassen hat.

33. Die ehemalige Villa Robert Kuypers wurde 1927 von der Reichspost angekauft und zum Postamt hergerichtet. Das 'Kaiserliche Postamt' war zuvor am Marktplatz (Brink) in dem in den achtziger Jahren errichteten Gebäude des Fabrikanten Engelbert Gröter untergebracht. Bis zum Jahre 1895 befanden sich die Diensträume des Postamtes in den jeweiligen Wohnungen der Postvorsteher. Der Erste Weltkrieg ließ die bis zu diesern Zeitpunkt ansteigende industrielle Entwicklung abtlachen. und auch das Postaufkommen ging stark zurück. Erst in den Jahren 1926-1927 trat wieder ein stärkerer Postverkehr ein. Da geeignete Plätze für einen Neubau nicht zu erlangen waren. entschloß sich die Reichspost. die Villa des Fabrikanten Kuypers anzukaufen und zum Postamt herzurichten. N ach einern größeren Umbau wurde das neue posteigene Dienstgebäude am 1. April1927 bezogen. Das an der Bahnhof- und Emsbrückenstraße 1 ganz in der Nähe des Bahnhofs recht günstig gelegene neue Postamt dürftc mit zu den schönsten Posthäusern der näheren und weiteren Umgebung gehört haben.

34. Das alte Kötterhaus 'Overs Jost' Beike an der Ecke Emsstraße/Lauge wurde im Jahre 1728 erbaut und ungefàhr 1920 abgebrochen. Die Ackerwagen deuten an, daß im Dorf noch Landwirtschaft betrieben wurde. Im Hintergrund ist die Besitzung Beermann/Hermann Leineweber zu sehen, die etwa um 1900 von Hermann Beermann, Mitinhaber der Firma J.C. Biederlack & Co., erbaut wurde. Seine Tochter, Frau Leineweber, erbte die Villa und deren Erben veräußerten sie. Karl Dinkels, der das Haus in hervorragenden Zustand gebracht und die Außenanlagen vorzüglich gestaltet hat, bewohnt das Gebäude heute. Der Bebauungsplan sah noch 1981 den Abriß der erhaltenswerten Villa vor, 1982 wurde das Bauwerk, nicht zuletzt wegen seiner städtebaulich bedeutsamen Lage, als Denkmal unter Schutz gestellt.

35. Im Jahre 1825 wurde der Besitzer von Tecklenborgs Hoek an der Emsstraße mit Wannenmacher Anton Tecklenborg angegeben, Das Foto, das 1930 von August Holländer, der sich um seine Heimat sehr verdient gemacht hat, geschossen wurde, zeigt das Zersägen von Baumstärnmen auf Schienenringe. Die Schienen wurden später von den Wannenmachern verschnitten und zur Fertigung der Wannen benötigt. Im Schnittpunkt der beiden Häuser unschwer zu erkennen: Die ehemalige Villa Robert Kuypers, zum Zeitpunkt der Aufnahme schon Postamt der Stadt.

36. Ein Bliek in die untere Emsstraße zeigt links vorn das Haus Billermann, anschließend Gravenkötter, Börger und Albers, auf der rechten Seite Rengers und zum Grotenhoff. Eindrucksvoll zeigt sich der Wandel von Ackerbürger- zu Geschäftshäusern, hier aufgenommen etwa 1927. In einer sanften Schwingung verläuft die Straße von der Gaststätte Huestedde, heute Westfälischer Hof, in Richtung Ems, Die Pflasterung des Gehweges links und der ungepflasterte Bürgersteig rechts lassen darauf schließen, daß sich die Altbebauung mit landwirtschaftlicher Nutzung länger auf der rechten Emsstraßenseite gehalten hat. Seit dem Bau der Emsbrücke im Juli 1907 war die Emsstraße (früher Emsbrückenstraße) die Hauptverkehrsachse gewesen, Heute stehen nur noch wenige Häuser aus der Zeit um 1910. Die Linienführung der Straße wurde zwar beibehalten, doch der Reiz der kleinparzellierten Grundstücke mit ihren wohlproportionierten und geschickt gegliederten giebelständigen Gebäuden ging verloren.

37. In diesem Hörsting gehörenden Haus an der Emsstraße eröffnete im Mai 1907 Hermann J ürgcns ein Tapetenfachgeschäft. Später hat dieser auf dem Nachbargrundstück einen Neuban errichtet, Das alte Haus wurde abgerissen, als eine Tochter Gerhard Autmaring heiratete und dieser ein neues Wohn- und Geschäftshaus errichten ließ. Heute hat die Firma Gebrüder Autmaring in diesem Haus nach mehrmaligen Umbauten ihre Geschäftsräume. Das Foto zeigt anschaulich, wie schon vor der Jahrhundertwende Erdgeschoßzonen von wohn- oder landwirtschaftlich genutzten Gebäuden zu Geschäftsräumen umgebaut wurden. Man muß sich bei diesem Haus vorstellen, daß - wahrscheinlich mittig - ein Tenuentor gesessen hat, flankiert von seitlich kleinen Fenstern mit schmaler Sprossenteilung wie sie oben im Giebeldreieck zu erkennen sind. Anßergewöhnlich für die Zeit ist die über der Eingangstür und dem Schaufenster angebrachte massive Werbung - sie könnte von heute sein.

38. Einen gewaltigen Schritt weiter - was den Geschäftshausbau betrifft - zeigt sich der Drogen-, Farben- und Kolonialwarenladen von Josef Wittkarnpf. Geschickt wird von außen die Raumhöhe des Ladengeschäfts überspielt und mit einem optisch reich gegliederten Oberlicht versehen. Auch im Obergeschoßbereich mit dem mittebetonenden Erker und dem Dreiecksgiebel, der die Mittelachse wie ein Risalit erscheinen läßt und die Baurnasse zentralisiert und bändigt, zeigen sich bereits städtische Züge. Wie muß das Haus damals auf die kleinstädtischen Bewohner, insbesondere auf die Nachbarschaft in der Emsstraße, gewirkt haben? Wie bei David und Goliath schiebt es sich parzellensprengend zwischen die kleinteilige Bebauung und mißachtet die Nachbargebäude. Deutlich sind auch die bewußt schmucklosen Giebelseiten auf eine höhere Nachbarbebauung hin angelegt. Während noch 1830 der Weber Franz Teupe und 1850 der Krämer Bernhard Teupe an dieser Stelle ein bescheidenes kleines Haus besaßen, haben Teupen 1907 das hier abgebildete Haus gebaut und an Josef Wittkarnpf verpachtet. Das Grundstück neben Wittkampf gehörte 1850 dem Wannenmacher Gerhard Beike (Wännkes Gerd). Dieser hat die Besitzung an Lüken verkauft, die das alte Haus abreißen ließen und ein in der Größe dem Nachbarn angepaßtes neues Geschäftshaus errichteten.

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