Eningen unter Achalm in alten Ansichten

Eningen unter Achalm in alten Ansichten

Auteur
:   Reinhold Rall
Gemeente
:   Eningen unter Achalm
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3447-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Eningen unter Achalm in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Ohne Kenntnis der Vergangenheit ist die Gegenwart nicht verständlich. So oder ähnlich soll sich schon Goethe ausgedrückt haben, obwohl es für diese simple Einsicht eigentlich keines Goethe bedurft hätte. Diese einleuchtende These gilt sowohl für die große Weltgeschichte als auch für die Geschichte des kleinsten Dorfes. Und so einleuchtend diese Aussage auch ist, sie wird doch immer wieder bei Diskussionen um die Welt- wie um die Lokalpolitik übersehen oder gar mißachtet.

In diesem kleinen Bildband ist weder von hoher Politik noch von Weltgeschichte die Rede, obwohl diese immer auch bis ins kleinste Dorf spürbar durchschlagen. Wie die Geschichten Eningens und seiner Menschen durch die Jahrhunderte eingebettet ist in die Geschichte eines Landes und eines Volkes, das kann man am Beispiel Eningens viel ausführlicher in dem 1976 erschienenen Eninger Heimatbuch von Franz Georg Brustgi nachlesen. Dieser Bildband will vielmehr anschaulich machen, wie sich die wirtschaftliche Situation und die Lebensgewohnheiten einer Dorfgemeinschaft im Ortsbild niedergeschlagen haben und noch weiter in alle Zukunft niedergeschlagen werden. Insofern will er also keine Konkurrenz, sondern eher eine Ergänzung zum Eninger Heimatbuch sein. Dieser Bild-Spaziergang durch das Eningen der Jahre 1886-1925 wird für die einen, besonders wohl für die älteren Einheimischen, eine liebe Erinne-

rung an die Jugendz eit sein. Den anderen entloekt er vielleicht ein stilles Aufatmen, von der 'guten alten Zeit' verschont geblieben zu sein. Dies ist legitim, solange man dabei nicht vergißt, daß auch unsere Gegenwart eines ferneren Tages je nach der persönlichen Einstellung wehmütig gepriesene oder glücklicherweise vergangene 'gute alte Zeit' sein wird. Vielleicht wird durch das eine oder andere alte Bild verständlich, warum in Eningen manches so ist, wie es ist.

Einige kurze historische Anmerkungen seien erlaubt, um einzelne Bildunterschriften verständlicher zu machen: Nach der Not und den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges mit der damit verbundenen Dezimierung der Bevölkerung suchten in vielen Städten und Dörfern die Menschen nach einem Zuerwerb, denn die Landwirtschaft erbrachte auf den oft wenig fruchtbaren, verkommenen und unkrautüberwucherten Böden zu wenig Ertrag. So gingen die Eninger zunächst einzeln, später in immer größerer Zahl und zuletzt praktisch das ganze Dorf auf den Landhandel, der in der ersten Hälfte des 19. J ahrhunderts seine Blütezeit hatte. Nur wenige brachten es zu Wohlstand oder gar Reichtum. Die Masse der kleinen Kistenkrämer blieb arm und häufig verschuldet.

Unter der wochen- und monatelangen Abwesenheit oft von Mann und Frau litt die Bevölkerungszahl

nicht - im Gegenteil. Wohl aber litt die Pflege und Erhaltung des Gebäudebestandes, vor allem die Schaffung von neuem Wohnraum für die wachsende Einwohnerzahl. Oft hatten zwei nicht verwandte Familien ein gemeinsames Wohnzimmer und nur ein Kreidestrich auf dem Fußboden begrenzte die häusliche Sphäre. Selbst 1945/1946, als die großen Flüchtlingsströme untergebracht und der eingesessenen Bevölkerung anteilmäßig zugewiesen werden mußten, hatte Eningen sein Mißverhältnis zwischen Einwohnerzahl und Wohnungsbestand noch nicht überwunden, obwohl es von Kriegsverwüstungen verschont geblieben war.

Der jahrzehntelange Landhandel zehrte auch am guten Ruf der Eninger. Kinder wuchsen weitgehend ohne Eltern auf , vernachlässigten den Schulbesuch, gingen danach ohne jegliche Berufsausbildung dem Hausiergewerbe nach und häufig war auch die sprichwörtliche schwäbische Arbeitswut nicht besonders ausgeprägt. Kein Wunder, daß die Regierung den Landhandel durch verschiedene Maßnahmen einzudämmen versuchte und ihn auch schließlich unterband. Die wenigen verrnögenden Händler wanderten aus Eningen ab in die nähere oder weitere Urngebung, wo Wasserkraft die Umstellung auf industrielle Produktion erlaubte. Den Armen blieb nur die Möglichkeit, in der in Reutlingen entstehenden Industrie Fabrikarbeit anzunehmen. Eningen wurde in den

achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine reine Arbeiterwohngemeinde. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sich Eningen langsam von der Arbeiterwohngemeinde zur Industriegemeinde, wobei sich auch heute noch die Zahl der Aus- und Einpendler ungefähr die Waage halten dürfte.

Ich möchte diese Einleitung nicht schließen ohne ein Wort des Dankes an die vielen ungenannten und oft auch nicht mehr bekarmten Spender von Bildern, die es mir erlaubten, in den vergangenen fünfundzwanzig Jahren ein Bildatehiv im Rahmen des Gemeindearchivs aufzubauen. Nur ein kleiner Teil der verfügbaren Fotos konnte für diesen Bildband ausgewählt werden und oft fiel mir die Wahl schwer. Mit ganz wenigen Ausnahmen, die im Bildteil des Eninger Heimatbuches zu finden sind, wurden die meisten Bilder noch nicht veröffentlicht. Daß dies jetzt möglich wird, dafür gebührt dem niederländischen Verlag Europäische Bibliothek aufrichtiger Dank. Eine besondere Freude wäre es mir, wenn der in den letzten Jahren etwas verebbte Spendenfluß an historischen Aufnahmen durch diesen Bildband künftig wieder kräftiger sprudeln würde. Es liegt sicher noch manches Interessante in Schachteln und Schubladen.

1. Wohl an die zwanzig Jahre vor der Jahrhundertwende sah der Eninger - oder auch Pfullinger 'Rank' so aus. Es ist jene Stelle, wo von der Landstraße Reutlingen-Pfullingen am heutigen Südbahnhof die Eninger Landstraße abzweigt. Erbaut in den Jahren 1852-1854, führt die Straße seitdem im Tal 'urn den Berg' nach Eningen. Zuvor kam man nur 'über den alten Buckel' (Alfred-Schradin-Weg) dahin. Hinter den Bäumen verläuft seit 1892 die Bahnlinie Reutlingen-Honau und rechts im Vordergrund wachsen noch Kohlköpfe, wo heute das Gasthaus 'Zum Südbahnhof' steht. Die Geländer gehören zur Brücke über den Arbachf1utgraben, der die Wiesen im Gewand Bäch wässerte. Er ist heute vollständig kanalisiert und weitgehend durch Industriebetriebe überbaut.

2. Die Bächkelter stand einst dort, wo sich heute die Firma W. Kadel und der Straßenbauamtsgerätehof befinden, also halbwegs zwischen Eningen und dem Südbahnhof. Ihr Aussehen ist uns in dieser Aufnahme von Prof. Hugo Schwenk aus dem Jahre 1910 und in einer Zeichnung von Paul Jauch aus dem Jahre 1918 erhalten. Vor dem Bau der Talstraße von 1852-1854 führte zu ihr der Kelterweg, der heute noch in kleinen Reststrecken erhalten ist. Er führte vom 'scharfen Eek' dem Leinsbach entlang über den Mühleweg bis in die Bäch. Nach einer Jahreszahl im ehemaligen Kelterbaum darf ihr Baujahr mit 1565 angenommen werden. Im Jahr 1920 wurde sie abgebrochen, da der Eninger Weinbau fast ganz aufgehört hatte. (Foto: Sammlung Dr. Keirn, Reutlingen.)

3. Dem Zeichner Paul Jauch verdanken wir auch den einzigen Einblick in das Innere der ehernaligen Bächkelter. 1899 bestand das Zubehör aus fünf Kelterbäumen, 10,50 Meter lang, je mit eigenem Baum, Biet und Gestell und buchener Spindel. Die Spindel des vordersten Kelterbaums ist links im Bild zu erkennen. Spindeln waren Meisterwerke der Zimmermannskunst und es gehörten wohl mehrere 'gestandene Mannsbilder' dazu, wollte man das Ding beim Preßvorgang drehen. An einem der Kelterbäume war die Jahreszahl 1565 eingeschnitzt. Sie ist wohl auch identisch mit dem Baujahr der Kelter selbst.

4. Würde man heute am gleichen Standort in der gleichen Richtung auf den Auslöser drücken, dann wäre auf dem Foto im wesentlichen das große Verwaltungsgebäude der Firma Wandel & Goltermann abgebildet. Die Aufnahme zeigt die noch stille Eninger Landstraße beim heutigen Holzlagerplatz der Firma Gottlieb Stumpp. Unter den Bäumen erkennt man das Geländer der Leinsbachbrücke, wo der Mühleweg nach rechts abzweigt. In der Wegegabelung stand einst ein 'Grubbänkle', eine Ruhebank. Im Jahre 1910, als diese Aufnahme entstand, war es bereits eine Sitzbank, zuvor aber eine hohe Steinbank zum Absetzen von Traglasten. Heute liegt auf der stark verbreiterten Reutlinger Straße fast pausenlos starker Verkehr. (Foto: Sammlung Dr. Keim, Reutlingen.)

5. Von 1895 bis 1897 wurde an der Straße nach Reutlingen die Mechanische Baumwollweberei erstellt. In ihr fanden seitdern Eninger Männer und Frauen ihren Lebensunterhalt, die als Alternative nur die Möglichkeit der Fabrikarbeit in Reutlingen gehabt hätten. Ebenfalls 1897 erstellte Schreinermeister Jakob Mab Maier daneben ein Gaststatten- und Schreinereigebäude, die 'Bierhalle'. Rechts im Bild sind in den Langenäckern die ersten Gebäude der heutigen Friedrichstraße zu erkennen. Noch ist der Hang des Augenriedes kahl und leer, wo sich heute ein ausgedehntes Wohngebiet mit großen Wohnblocks erstreckt. Im Vordergrund das heutige Industriegebiet 'Im Grund' mit der Leinsbachbrücke für das Industrieanschlußgleis der Dampfbahn.

6. Wenn man auf der Staatsstraße von Reutlingen kommend die Mechanische Baumwollweberei Eningen passiert hatte und den geschlossenen Wohnbezirk erreicht hatte, dann stand und steht noch heute zur Linken die Wirtschaft 'Zum scharfen Eek', Angefangen bei der 'Bierhalle' reihten sich ab dem 'scharfen Eek' die Eninger Wirtschaften die Hauptstraße aufwärts wie die Perlen einer Kette. Es waren einstmals zwischen vierzig und fünfzig im ganzen Ort, ein Überbleibsel aus der Zeit des Eninger Landhandels. Das 'scharfe Eek' wurde 1922 durch die Brauerei Bräuchle veräußert und von Johannes Hemming erworben. Seitdem ist es im Familienbesitz. Etwa um diese Zeit entstand auch die Aufnahme.

7. Im Zeitalter der Selbstbedienungsläden und Supermärkte spricht man heute gerne etwas geringschätzig oder abfällig vom 'Tante-Emma-Laden ', besonders dann, wenn das Warensortiment etwas eingeschränkt ist, man von der Inhaberin aber noch persönlich bedient wird, Die Läden waren sicher echte Kornrnunikationszentren, besonders seit man sich wegen des Komforts der Hauswasserleitung nicht mehr an den öffentlichen Brunnen traf. So ein 'Tante-Emrna-Laden' und für den Verfasser war er dies im wortwörtlichsten Sinne - befand sich bis zum Sommer 1962 im Hause Hauptstraße 9. Es war die Spezerei-Handlung von Christian Kreiter, der auf diesem Foto zusammen mit seiner Frau zu sehen ist.

Hauptstrasse

8. Die untere Hauptstraße zwischen den Gasthäusern 'Zum scharfen Eek' und 'Traube-Post', als Gehwege und Makadam-Belag noch unbekannt waren. Links erkennt man das Wirtshausschild des Gasthauses 'Zum Adler'. Das Gebäude rechts im Bild, die heutige Kreissparkasse, wurde zu jener Zeit noch allgemein als die 'Eintracht' bezeichnet. Es handelte sich allerdings dabei nicht, wie vielfach angenommen wurde, auch um ein Wirtschaft, sondern um den Sitz einer ehemaligen Gesellschaft von Eninger Leinwandhändlern, die unter dem Namen 'Eintracht' firmierte. Als diese Aufnahme entstand, gehörte die 'Eintracht' dem Kaufmann Alfons Fausel.

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