Eningen unter Achalm in alten Ansichten

Eningen unter Achalm in alten Ansichten

Auteur
:   Reinhold Rall
Gemeente
:   Eningen unter Achalm
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3447-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Eningen unter Achalm in alten Ansichten'

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59. Stark verändert hat sich das Ortsbild in der oberen Eitlinger Straße. Die linke Häuserzeile ist fast ganz verschwunden. In der rechten Häuserzeile erkennt man ganz unten im Hintergrund das 'Schlößle' (Eitlinger Straße 33) und das Gasthaus 'Zum Tal'. Gegenüber liegen heute Grünflächen, wo einst drangvolle Enge herrschte. Ob es so bleibt, steht noch in den Sternen. Interessant sind auf diesem Bild die alten Hofeinfahrten, unter denen das Regenwasser abgeleitet wurde. Bei ergiebigen Regenfällen kamen nämlich erhebliche Wassermassen die Heerstraße und vom Bruckberg herabgeschossen, die von keiner Kanalisation aufgenommen wurden.

60. Auf den ersten Bliek hat sich eigentlich nicht sehr viel verändert, wenn man dieses Bild der Heerstraße betrachtet. Die Dunglegen vor den Häusern sind verschwunden, die Güllenpumpen haben ausgedient und die Kandeln wurden durch geteerte Gehwege ersetzt. Auch der öffentliche Pumpbrunnen vor dem Hause Heerstraße 9 ist überflüssig geworden, seitdem es Wasserleitungen zu jedem Haus gibt. Während im Ortskern bald jedes dritte Haus ein Wirtshausschild trug, war die Heerstraße gastronomisch unterversorgt. Nur der 'Felsen' im Hause 15 bot Gelegenheit zur Einkehr. Aber auch er schloß bald nach der Iahrhundertwende seine Pforten.

Eningen

Burgstrasse

61. Trotzdem dieses Bild einen Teil des unmittelbaren Ortskerns darstellt, haben sich die wesentlichsten Veränderungen eigentlich nur in der Gebäudenutzung ergeben, weniger in der Bausubstanz. Der 'Grüne Baum' hat seine grünen Bäume verloren. Aus dem 'Ochsen' wurde zunächst eine 'Ratstube", dann eine Drogerie mit Hotel garni. Die Konditorei Mehle beherbergt heute eine Wäscheannahme. Schmied Passauers Schrniede ist gegenwärtig eine Zweigstelle der Kreissparkasse, aus der Wirtschaft 'Zurn Bürgerstüble' wurde die Bäckerei Steinle und die Bäckerei Ottrnar Leuze hat langst geschlossen.

62. Die Häuser Bachstraße 5, 7 und 9 sehen heute zwar etwas schmucker aus als hier um die Jahrhundertwende, stark verändert haben sie sich jedoch nicht. Was sich jedoch grundlegend geändert hat, das ist das Heiz- und Kochmaterial. Man kannte kaum etwas anderes als Buchenholz aus Eningens ausgedehnten Wäldern. Solch eine buchene Scheiterbeige, wie sie ganz rechts an der Hausecke noch zu sehen ist, wurde auf dem Sägbock selbst (später vom gewerblichen Holzsäger) zersägt, dann zu Scheitle gespalten und vor dem Haus zum Trocknen aufgesetzt, was gekonnt sein wollte, damit die Holzbeigen nicht binnen kurzem wieder einfielen. Gespalten ist hier schon das meiste, aber noch nichts aufgesetzt.

63. Die Zeiten sind langst vorbei, als dieses Haus in der Bachstraße die Wirtschaft 'Zur Krone' beherbergte. Das war noch im 18. Jahrhundert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte das Anwesen dem Acciser, das heißt dem Steuereinnehrner, Hermann Sick. Ihm waren nicht nur die Staatssteuern zu entrichten. ihm verdankt Eningen auch die Gründung des Obst- und Gartenbauvereins im Jahr 1897. Heute gehört das Haus der Familie Stingel. Die Scheuer wurde eine Malerwerkstätte und der Garten wich einem Ladenraurnanbau. Die wechselvolle Geschichte des Hauses wurde vor Jahren durch Malermeister Artur Stingel in einer Inschrift an der Fassade verdeutlicht.

64. Das Haus Bachstraße 13 besteht zusammen mit seiner Scheuer in dieser Form nicht mehr. Es wurde in den Jahren 1962 abgebrochen oder total umgebaut. Für den Heimatkundler war es von gewissern Interesse, da es mit einigen anderen Nachbarhäusern zu denen gehörte, die 'auf die Mauern' gesetzt waren. So steht es wenigstens in alten Akten beim Beschrieb der Häuser 'In der Burg'. Wir befinden uns nämlich im Areal der alten Eninger Burg, deren bauliche Überreste hier und da in spätere Wohnhausbauten integriert wurden. Alte Straßenbezeichnungen zeugen noch von ihr: Die Schwanenstraße war einst die 'hintere Burggasse', die Hirschgasse die 'mittlere Burggasse' und die heutige Burgstraße die 'verdere Burggasse'. Von allen Seiten kam man also 'in die Burg'.

65. Schon in der Güterbuch-Renovation von 1719 wird von den Eninger Handwerkern und Wirten geklagt, daß Eningen 'keinen Wandel habe', mit anderen Worten: Eningen hatte nie ein wirtschaftlich interessantes Hinterland, keine Laufkundschaft. In dem Tal hinter der Achalm war früher 'die Welt zu Ende'. Es gab keinen Durchgangsverkehr. Alles war nach Reutlingen orientiert, das man jahrhundertelang nur zu Fuß, im 19. Jahrhundert durch einen dürftigen Postkutschenverkehr erreichte. Auch die Eröffnung der Bahnlinie ReutJingen-Honau am 1. Juni 1892 mit einer Haltestation 'Eningen u. A.' am Südbahnhof brachte keine Besserung. Es war daher ein Freudentag für die Gemeinde, als am 1. November 1899 eine eigene Bahnlinie Eningen-Reutlingen eröffnet werden konnte.

66. Erbauer der 'Büscheles-Bahn', wie man sie im Volksmund liebevoll nannte, war der Ingenieur Ritter Hermann von Schwind aus Wilten bei Innsbruck. Mit finanzieller Beteiligung der Gemeinde Eningen hatte er den Bahnbau in knapp drei Jahren verwirklicht. Der Tag der feierlichen Eröffnung der Bahn, der 1. November 1899, war daher Anlaß für verschiedene denkwürdige Erinnerungsfotos. Hier hat sich Ritter Hermann von Schwind im Kreise seiner Mitarbeiter dem Fotografen gestellt, kurz bevor man die Wagen zur Jungfernfahrt nach Reutlingen bestieg. Die freudige Stimmung blieb nicht lange erhalten, denn die Bahn erwies sich nicht als gewinnträchtig. Am 1. Februar 1903 mußte sie die Gemeinde Eningen in eigene Regie nehmen, Erst 1911 wurde sie die kostspielige Bahn wieder los.

67. Links: viele Eninger versuchten seit eh und je, ihr tägliches Brot in Reutlingen zu finden. Entweder sie gingen in die Reutlinger Fabriken zur Arbeit, oder sie versuchten in der Stadt etwas zu verkaufen, zum Beispiel Anfeuerholz. Hier fährt der Türken-Gottlieb, mit richtigem Namen Gottlieb Ral!, genannt Franzens Türk, mit einem Handkarren voll Reisigbüschele in die Stadt. Die Reisigbüschele der Eninger gaben offensichtlich auch der Dampfbahn ihren Spitznamen.

Rechts: der Schmied Martin Hayer hatte einst seine Schmiede auf dem Schützenhausplatz. In seinen letzten Lebensjahren wohnte er 'im Gäßle', das heißt in der Grabenstraße. Hier ist er gerade mit dem Dengeln einer Sense beschäftigt.

68. Dieses einmalige Bilddokument entschuldigt die Bildqualität. Als es weder Dampfbahn noch Betriebskantinen gab, nahmen die Eninger Männer ein Vesper für den langen Arbeitstag mit auf den Fußweg nach Reutlingen. Mit der Bahn kamen auch die 'Essentragfrauen' auf, die täglich ihre Fabrik aufsuchten und den dort beschäftigten Eninger Männern eine noch halbwegs warme Mahlzeit vom häuslichen Herd brachten. Um halb zwölf balancierten sie den mit Essenstöpfen gefüllten Wäschekorb zum Bahnhof. Das 'Essentragzügle" bestand aus den beiden kleinen Wagen, die auf dem Foto von der Eröffnungsfahrt 1899 zu sehen sind. Sie hatten Längsbänke und gestatreten das Abstellen der Körbe in der Wagenmitte. Frau Katharina Heusel, Herrschaftsstraße 20/2, war eine solche Essentragfrau,

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