Eppingen in alten Ansichten

Eppingen in alten Ansichten

Auteur
:   Dipl.Ing.Arch. E. Kiehnle
Gemeente
:   Eppingen
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2669-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Eppingen in alten Ansichten'

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EINE KLEINE SÜDDEUTSCHE STADT

Eppingen befand sich schon im 12. Jahrhundert unter den Reichsstädten der Stauferkaiser. Seit 1462 im Besitz der Kurpfalz, gehörte es ab dem Jahre 1803 zum Lande Baden und erlebte um die Jahrhundertwende eine Blüte, die sich in der baulichen Erscheinung des Stadtbildes wiederspiegelte, Wie sah es nun zujener Zeit, die sich später in der Erinnerung der Älteren als 'Goldene Friedenszeit' verklärte, in der ehemaligen Reichsstadt aus, die stolz als Bezirksamtstadt den Mittelpunkt eines ländlichen Amtsbezirks von 46 648 badischen Morgen bildete?

Zwischen den Fachwerkhäusern der im 16. Jahrhundert angelegten Vorstadt hatten Geschäftsleute an der breiten Brettener Straße, der alten Reichsstraße, moderne Massivbauten errichtet. Lange Reihen pferdebespannter Fuhrwerke bewegen sich im Herbst durch die Stadt, um die Feldfrüchte beim Lagerhans und der Zichorienfabrik abzuliefern. Frauen mit langen Röcken und breitkrempigen Hüten, andere wiederum mit langer Schürze und Kopftuch, gehen einkaufen oder tragen im Strohkorb das selbstgernachte Brot zum Bäcker. Vor dem Gasthof hält eine Chaise und vornehme Herrschaften, er im Bratenrock und Zylinderhut, sie mit Sonnenschirm und Schleier, stelgen gerade ab. Ein Handwerksrneister, angetan mit blauer oder Lederschürze und Schildkappe, strebt zum Seitenausgang der benachbarten Wirtschaft; er muß nach dem Vesper zum Frühschoppen, der zugleich eine wichtige Nachrichtenbörse darstellt. Dazwischen spielen oder rennen Kinder herum, die Mädchen das Haar in lange Zöpfe geflochten, die Buben oft kahl geschoren. Der Seifensieder zieht im Leiterwägelchen die frisch eingetroffenen Stockfische hinunter zur Elsenz, um sie dort zu wässern, Der Latemen-Höge klettert gerade eine Leiter hoch, um in die Straßenlaterne Erdöl einzufüllen. Als Seine Königliche Hoheit, Großherzog Friedrich von Baden sich bei der Einweihung der Bahnlinie von seiner Stadt verabschiedete, drückte ihm der Eppinger Vorarbeiter einer Bahn-

arbeiterkolonne treuherzig die Hand und sagte: 'Herr Großherzog, unn aa en scheener Gruß an Eier Fraa!'

Im Jahre 1843 berichtete ein Chronist: 'Die Hauptnahrungsquelle der Einwohner ist Feldbau und Viehzucht, und die Einwohner gehören zu den wohlhabenderen des Großherzogthums,' Bei den Handwerkern waren die Schuster (achtundzwanzig), die Maurer (zwanzig), die Leineweber (achtzehn), die Schneider (achtzehn) und die Bäcker (zwölf) am stärksten vertreten. 1871 bestanden in Eppingen neunzehn Wirtschaften, wovon sieben zugleich Brauereien waren. Sechs Küfer und zwei Kübler lassen erkennen, daß der Obst- und Weinbau ehedem eine großere Bedeutung besaß, als heute. Man war gewohnt, zu Fuß von einem Ort zum andern zu gehen, weshalb alle Landstraßen erhöhte Fußwege besaßen. Um 1900 kostete ein Zentner Kartoffeln M. 1,40, ein Taglöhner verdiente M. 1,50 am Tag. Für eine Kuh mußte man etwa M. 220,- hinlegen und für 48 Pfennig erhielt man ein Vesper und drei Glas Bier.

Kinderreiche Familien waren damals keine Seltenheit, Im Schnitt entfiolen in badischen Landen auf eine Haushaltung 4,87 Personen. Bei den in einer Haushaltung lebenden Personen befanden sich nicht nur der Haushaltsvorstand, Frau und Kinder, sondern auch sonstige Verwandte, Kost- und Pflegegänger, Dienstboten, Gesellen und Lehrlinge, Zimmerund Schlafstellenmieter und schließlich zufällig Anwesende. Die Volkszählung 1880 ermittelte in Eppingen 396 Wohnhäuser, 794 Haushaltungen, 1 599 evangelische Einwohner, 732 Katholiken, 50 Mennoniten, 79 Baptisten, 1 Methodist, 9 sonstige Christen und 151 Juden, zusamrnen 3622 Einwohner. Im Jahre 1910 betrug die Einwohnerzahl 3 402 und 1933 waren es 3 506.

Heute leben 6 881 Personen in Eppingen, mit den Stadtteilen sind es insgesamt 14 730. Als weitere vergleichsmöglichkeit seien einige andere Einwohnerzahlen des Jahres 1880 genannt. Bretten erreichte gerade 4 034, in Heidelberg zählte

man 36042, in Heilbronn 31 256 und in Karlsruhe 73841 Einwohner.

Als Bezirksamtsstadt (1813-1924) fühlte sich Eppingen stets seinem Umland verpflichtet, schuf für dieses öffentliche Einrichtungen, und im 'Rot', neben Altstadt und Vorstadt gelegen, ein vorbildliches und repräsentatives Schul- und Behördenviertel. Die Kraichgaubahn führte 1879 zu einer guten Verbindung nach Karlsruhe und 1880 nach Heilbronn. 1899 folgte der Eisenbahnbau in Richtung Heidelberg.

Indessen, der Erste Weltkrieg und die nachfolgende Inflation brachten einen gewaltigen Einbruch in der begonnenen neuzeitlichen Entwicklung. Die Auflösung des Bezirksamtes mit allen ihren nachteiligen Folgen sorgte für weitere Rückschläge. Doch manches gute alte Haus überdauerte die Stürme der Zeiten, und bis heute hat sich die alte Fachwerkstadt, in der es sich gut leben läßt, auf sieben Hügel ausgebreitet.

'Eppingen in alten Ansichten', 1840-1932, war eine schwierige AufgabensteIlung. Zu Anfangszeiten der Fotografie wurde in einer Kleinstadt natürlich nicht viel fotografiert und man darf die Bildqualität nicht an den Ansprüchen der heutigen Fototechnik messen. Zudem ist vieles Bildmaterial in den letzten Kriegstagen 1945 untergegangen. Erscheinen manche alte Häuser auf den Bildern verwahrlost, so muß man bedenken, daß vor 1870 die Stadt zweieinhalb Jahrhunderte lang unter unzähligen Kriegszügen und Truppeneinquartierungen stark zu leiden hatte. Dürre, 1848er Revolution und Hagelschlag verursachten zusätzlich Elend und eine Auswanderungswelle. Trotzdem war es eine lolmende und reizvolle Aufgabe, denn sie bot Gelegenheit zu geschichtlicher Dokumentation. Aus vielen Bildern weht uns ein Hauch von Romantik und altdeutscher Gemütlichkeit an, der damals den höchsten badischen Baubeamten zur Feststellung veranlaßte, daß Eppingen das malerischste mittelalterliche Stadtbild im Lande Baden hätte.

BlLDNACHWEIS

Fotos: Adler (1), Fleischmann (1), Dr. Beysol (1), Gern (1), Foto-Kammerlander (10), E. Kiehnle (2l), Landesdenkmalamt Karlsruhe (7), Lautz (2), Mangold (l), Mühlich (1), Schnabel (1), Strähle (1, freigegeben RLM) und unbekannte Verfasser (25).

Reproduktionen: Generallandesarchiv Karlsruhe (1),

Kammerlander (1) und Seibold (1).

Kopien: J. Dieffenbacher Söhne (3).

Kartenzeichnung: Abbildung 41 E. Kiehnle.

Bildvorlagen vom Generallandesarchiv Karlsruhe (1), Heimatmuseum 'Alte Universität' Eppingen (6), Landesdenkmalamt Karlsruhe (7), Stadtarchiv Eppingen (3), Postkartenverlage Bosch & Kirsch (2), Fr. Kepner (l), Wilhelm Kepner (2), Lautz (2), Karl May (2), Mettier (1), Verlag Eugen Kepner (2), Verlag Schober und Beckmann (I), Foto-Kammerlander (5), O. Baumann (1), DI. Beysel (1), E. Brenkmann (2), J. Dieffenbacher Söhne (2), K. Doll (1), E. Kiehnle (25), A. Klingenfuß (1), W. Kolb-Vielhauer (3), S. Holz (1), H. Lang (1), Lagerhaus-Raiffeisen-GmbH (1), R. Preusch (1), H. Schnabel (1), K. Vollweiler (1), H. Weigel (2), Dr. Weitzäcker (1), Geschwister Wirth (5), Zorn Söhne (1), Schützen-Ges, (1), TV 1865 (1) und VfB (2).

Allen denen die Bildvorlagen zur Verfügung stellten, gilt der herzliche Dank des Verfassers und des Verlages.

Zur Landkarte hierneben:

Sie stellt einen Ausschnitt aus der 'Post-Reisekarte von Deutschland' des Fürstlichen Thurn & Taxis'schen Oberpostsekretärs U. Hendschel dar, gedruckt in Frankfurt am Main etwa 1850. Eppingen liegt zwischen Stuttgart und Mannheirn, Karlsruhe und Heilbronn. In fünf Richtungen sind Postlinien eingezeichnet. Quer durch die Karte - wie auch durch die Stadt - zieht die alte, von Nürnberg her kommende, und ins Elsaß ziehende Reichsstraße.

Eppingen im Jahre 1645

Eppingen im Jahre 1854

2. Eine der ältesten Postkarten. um 1900, stellt zwei Südansichten Eppingens einander gegenüber:

Merians berühmten Kupferstich aus dem Jahre 1645, der zu den sechsundzwanzig schönsten Stadtansichten Baden-Württern bergs zählt, und die Lithographie J. Lohmüllers von 185 4. Rechts im Bild der Hügel mit der staufischen Reichsstadt, links schließt sich die pfälzische Vorstadt an. Merian erfand einen zur einmaligen Stadtsilhouette passenden Himmel, Lohmüller hat 'nach der Natur auf Stein gezeichnet' den landschaftlichen Hintergrund, in dem der Eichelberg bei Hilsbach und der Steinsberg bei Weiler am Horizont des 'Eppinger Gäus' stehen. Überraschend und kulturgeschichtlich besonders bedeutungsvoll, wie sich beide Stadtansichten gleichen.

3. Den Gasthof 'Zur Krone-Post' zeigt uns dieser Steindruck, wieder von J. Lohmüller. Von hier betrieb Posthalter Wittmer, Landtagsabgeordneter, Hauptmann und Feuerwehrkommandant, die in obenstehender Karte eingezeichneten Eppinger Postlinien, natürlich mit Kutschen und als Pferdepost. Auf der Straße stehen ein Coupé und ein Postwagen. 1846 erbaut, stellte die 'Krone-Post' das Prominentenhotel dar. Hier stiegen der Großherzog, Prinzessinnen und hohe Offiziere ab. Vierzehn Fensterachsen lang, besaß das klassizistische Gebäude eine ungewöhnliche Größe. Es gehört zu den während der Jahrhundertwende für Eppingen typischen Modellhäusern, von denen hier drei als Geschäftshäuser aneinander gereiht sind. Der Schlußstein aus dem Torbogen des 1973 abgerissenen Hauses wird im Heimatmuseum 'Alte Universität' aufbewahrt.

4. Hurra, der Landesvater kommt! 'Ehrenpforte zum Empfang Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs Friedrich am Donnerstag, d. 19. September 1878.' steht auf der Rückseite dieses Bildes geschrieben. Am Ende der Brettener Straße, dem Stadtrand Richtung Karlsruhe, wo auch heute noch die geschlossene Bebauung aufhört, hatte man dieses kunstvolle Tor zum Empfang des regierenden Landesfürsten errichtet. Die stattlichen Bauernhäuser dahinter legen Festschmuck aus Tannenreisern an. Anstelle der Katharinenstraße mündet links noch ein Feldweg ein, und im Vordergrund rechts ist deutlich die Straßenrinne aus Sandsteinplatten erkennbar.

5. Der hohe Besuch ist eingetroffen. Ihre Königliche Hoheit, Großherzogin Luise von Baden, geruht auf dem Marktplatz dem Landauer, wie diese Wagenart hieß, zu entsteigen. Die Honoratioren und die Einwohnerschaft haben sich zum Empfang des hohen Gastes fast vollzählig versarnmelt, der Veteranenverein ist im Ordensschmuck angetreten. Der Großherzog und die Großherzogin weilten gerne und des öfteren in Eppingen. An der Straßenkreuzung sind Tannen aufgestellt und Girlanden gezogen, die Häuser sind mit Tannenreisern und bunten Papierstreifen geschmückt. Am Eingang der fachwerkreichen Altstadt stehen schon, im darnaligen Sinne moderne, Gebäude, ganz aus Werkstein oder Klinkern erbaut.

6. Wer es sich leisten konnte, nutzte die neue Errungenschaft der Fotografie und ließ seinen Nachwuchs in dieser Art konterfeien. Gut beieinander schaut der kleine Eppinger Erdenbürger in die Welt. Was wird sie ihm bringen? Wird er Landwirt, Handwerksmeister, Landwirtschaftsrat, Veterinär, Pfarrer oder gar Bürgermeister werden? Sobald es geht, wird er -zunächst jedenfalls - wie alle Altersgenossen in knie langen Hosen herumtoben, oder gar genau wie die Madehen mit einem fast zum Boden reichenden Rock bekleidet werden. Barfuß laufen war das übliche, grobes Schuhwerk gab es nur zur kalten Jahreszeit, Als Gymnasiast durfte er die Studentenmütze tragen.

7. Da steht er nun, groß geworden, der junge Eppinger Bauernsohn, in seiner Sonntagstracht, wie sie um 1860 noch getragen wurde. Dreispitz, breiter Kragen mit Schlaufe, Weste mit silbernen Knöpfen, langer Tuchrock, eine weiße Lederhose, weiße Kniestrümpfe und Schnallenschuhe bestimmen das Aussehen der Kleidung. Ein Spazierstöckchen und Großvaters Pfeife, wie wir heute sagen, bilden das würdevolle Zubehör. Der Tabak könnte einheimischer Herkunft sein, denn auf 28,8 Hektar Feld wuchsen Tabakpflanzen und in Eppingen befanden sich mehrere Zigarrenfabriken.

8. Vier Vettern im bunten Rock feiern im Urlaub ein Wiedersehen. Wie man sieht, haben es zwei zu Chargen gebracht. Die Dienstzeit gehörte zum festen Bestandteil im Ausbildungsgang eines jungen Mannes. Die Uniformen sind dieselben wie in den Befreiungskriegen. Solche Uniformmützen sind noch im Heimatmuseum zu sehen, Wohl um 1840 entstanden, dürfte es sich um das älteste Eppinger Foto handeln.

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