Eppingen zu Großvaters Zeiten

Eppingen zu Großvaters Zeiten

Auteur
:   Dipl.Ing.Arch. E. Kiehnle
Gemeente
:   Eppingen
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4964-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Eppingen zu Großvaters Zeiten'

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EINLEITUNG

'Eppingen zu Großvaters Zeiten' reicht zeitlich vom Aufkommen der Dampfmaschine bis zur Weltwirtschaftskrise 1929-1932. Betrug die Wochenarbeitszeit 1875 noch 72 Stunden, sank sie 1900 auf 60, 1913 auf 57 und 1932 auf 42 Stunden. 1865lebten hier 3256 Einwohner, 1900 waren es 3 468 und 1930 zählt Eppingen 3 506 Einwohner.

Das glücklichste Jahr für die Steuerzahler war 1857/58, die 673 Gemeindebürger brauchten keine Umlage an die Stadtkasse zu zahlen. Schon 1879 lud der Carnevals-Club zum Umzug ein (K. Hartmann, Th. Linck u.a.m.). Die Bahnlinie Richtung Karlsruhe wurde am 14. Oktober 1879 eröffnet, nach Schwaigern am 8. August 1880 (damit nach Heilbronn) und 1899 nach Sinsheim (Verbindung nach Heidelberg). Das am 24. Juli 1813 errichtete Bezirksamt (heute würde man Landratsamt dazu sagen) brachte reges Leben und Aufschwung, sein Verlust am 8. Januar 1924 leitete den Niedergang ein.

Im 19. Jahrhundert sind etliche Eppinger geboren, die auswärts die Dinge bewegten und voran brachten: Rudolf Hofmann 1857 (später Bad. Baurat und Denkmalpfleger ), J acob Renz 1866 (Bürgermeister in Mosbach), Karl Vielhauer 1870 (Tierarzt, Schlachthofdirektor in Hamburg), Hermann Gebhard 1878 (Kämpfer für die Landwirtschaft, Präsident der Badischen Landwirtschaftskammer, Vorsitzender des Bad. Landbundes, Landtagsabgeordneter, gestorben 1928), Jakob Dorr 1884 (Bürgermeister in Knielingen) und Karl Doll 1905 (Bürgermeister in Schönau, Oberkirch). Es war die Zeit, in der der Kraichgau der Residenz Dienstmädchen, Leibgrenadiere und Beamtennachwuchs stellte, Eppingen besonders Landwirtschaftsräte, Tierärzte und Pfarrer. 'Die Dand vun Darlach, die Baas vun Brette' - un d'Vedder vun Ebbinga!

1. Links: Dieses Gäßchen führt auf der Nordseite des Kirchplatzes in den Hof der ehemaligen städtischen Kinderschule. Zwischen der katholischen Altstädter Kirche 'Unsere liebe Frau' und der St. Katharinenkapelle liegt hier im Herzen der Altstadt eines der schönsten, ruhigen Plätzchen.

Rechts: Das Bild zeigt den 'Hohen Ast', erbaut im Jahre 1446, der Seitenflügel mit dem Weinstock aus dem 16. Jahrhundert. Um 1910 besuchte die Familie ihr 'Stammhaus'. Im oberen Fenster Jakob Lampert (18901968, verheiratet mit Frieda geborene Dorsche) und Gustav Müller. Von links Lina L. (ledig), Eugenie (1894, verheiratet mit Hermann), Emilie (1897, verheiratet mit Aug. Sauter), Martha (1899, verheiratet mit Kirchgessner), Konrad (1898-1958, Vater des jetzigen Gärtnermeisters Fritz Lampert), im Fenster AnneMarie L. geborene Reimold (1838-1924, Frau Jacobs), Küfer Konrad L. (1868-1951, mit Fliege, bewohnte das Haus bis zuletzt allein), Anne-Maries Mann Jacob L. (1837-1913, hemdsärmelig, Urgroßvater des jetzigen Gärtners), Frieda L. (Mutter von Auto-Dorsche); die weiteren könnten sein der nach USA ausgewanderte Albert, EIsa (verheiratet Dopf in Grötzingen), Gertrud, der spätere Bierführer Wilhelm L. und der spätere Küfermeister Richard Lampert.

Das Haus in der Gesamtfront auf der Südseite des Kirchplatzes zeigt unser nebenstehendes Bild. Das romantische Winteridyll gefiel Direktor Hermann aus Karlsruhe so gut, daß er spontan zu Pinsel und Farbe griff. Heute steht keines dieser Gebäude mehr.

Als der alte Friedrich Gärtner-Lampert sich einmal spät und beschwingt vom 'Löwen'-Stammtisch auf seinen langen einsamen Heimweg machte, fürchteten seine Freunde um seine Sicherheit, denn er mußte den dunklen Stadtwinkel und den schmalen 'Spitzgärten'-Steg über den wasserreichen Hilsbach begehen. Sie schlichen ihm nach, er merkte das. Am Steg warf er einen großen Steinbrocken in das Wasser und lief eilends nach Hause. Aufgeschreckt suchten die Stammtischbrüder die Stelle ab und stocherten sogar den Bachgrund mit Bohnenstecken durch. Sie fanden nichts und liefen betrübt zur Gärtnerei um die Ehefrau zu wecken. 'Fraa Lambert, Eier Monn isch än d'Hilschbach geschtertzt, mer häwwe gsuchd, er muß versaffe sei.' Sie schaute nach und meinte dann schmunzelnd. 'Der isch lewendich, blos liegt er em Bedd und schnarcht.' Die Gesichter der wackeren Lebensretter in der Morgendämmerung hätte man sehen sollen!

2. Neben der Idylle die Katastrophe, Großbrand 1873 hinter dem Pfeifferturm. Ein Maurer und Feuerwehrmann, der später sogenannte Brandmüller wurde erwischt, als er die Scheune des Rösslewirtes Kar! Hartmann anzündete. Er hatte auch frühere Brände gelegt. Aber das Feuer nahm trotz aller Bemühungen der Feuerwehr seinen Lauf. Die mit Erntegut gefüllten Scheuern entlang des sogenannten Zwingergrabens, zu den Anwesen an der Kirchgasse und der Rappenauerstraße gehörend, boten den Flammen reiche Nahrung. Bis zu Franz Herr und einschließlich der Zehntscheuer fielen sie den Flammen zum Opfer, wie auch das Doppelwohnhaus F. Fuhrmann und J. Hirsch, das evangelische und das katholische Pfarrhaus und die Häuser K. Doll und J. Fürth.

Erst 1871 hatte ein Großbrand die Häuser Konrad Schmidt, Kupferschmied Hofmann, Franz Zorn, Philipp Frey, Adam Gebhard und Heinrich Doll vernichtet.

Am schlimmsten wütete das Feuer 1846 in der Vorstadt. Das alles hatte dem Gerätepark der Feuerwehr schwer zugesetzt, sodaß der am l3.April 1876 einstimmig zum Kommandanten gewählte Heinrich August Wittmer - Stellvertreter wurde Wilhelm Schmelcher - zahlreiche Verbesserungen forderte. Da der Gemeinderat darauf nicht einging, stellte er aus Protest 1879 sein Amt zur Verfügung. Seinem Nachfolger Valentin Stellberger glückte mehr, allerdings dauerte es bis 1897 bis die dringend notwendige neue Schiebeleiter angeschafft wurde.

Unberührt steht der trutzige Pfeifferturm daneben, sodaß später der auch dichtende Reinhold Zorn singen konnte:

Solang' die schöne Elsenz/ Durch Eppingens Fluren schleicht,! Solang' der alte Pfeifer-,! Der Pfeiferturm nicht weicht,/ ... Solang stirbt die Gemütlichkeitl in Eppingen gar net aus.

3. Links oben: Bereits damals betrieb man Werbung, wenn auch der Zeitgeschmack und die technischen Mittel anders waren. Adler und Bauer aus Karlsruhe hatten einfachere Zeichen, die Eppinger Fotografen Gern und Mühlich, letzterer mit Hauptsitz in Bretten, mußten mehr Aufwand treiben. Der umschlungenen Dame Gerns stand ein Lorbeerkranz mit Bändern bei Mühlich gegenüber. Nur bei Behördenfotos begnügte sich Gern mit einem einköpfigen Adler mit Brustschild als Signet.

Links unten: Die Postkarte 'Gruss aus Eppingen', ebenfalls rankenumschlungen und um 1900, bietet die Stadtansicht über dem baumreichen Elsenztal mit dem Eichelberg im Hintergrund, das Prominenten-Hotel 'Zur Krone-Post' und das an drei Straßen am Marktplatz grenzende stattliche Haus des Stadtrentmeisters Gebhard. Es gab auch farbig getönte Ausgaben.

Rechts: Schließlich die Karte vom 'Luftkurort Ottilienberg' zeigt ihn mit Tanzfläche und Gartenhäuschen, wie ihn nur noch die Älteren vom Hörensagen und die ganz Alten kennen. 'Staubfreie Luft, Tannenwälder, Fremdenzimmer, Tel. nr. 4', werden angepriesen und das 'eigene Fuhrwerk' war 1903 sicher vonnöten. Pächter August Barth drückte neben den amtlichen Poststempel noch seinen eigenen LuftkurortRundstempel bei.

Als Pächter (alter Ausdruck Beständer), als Landwirt oder Gastwirt, meist beides zugleich, sind bekannt:

Heinrich WiIlnauer (bis 1874), Urgroßvater Phil. Michael Weiss, Johann Phil.Benz, Großvater Friedrich Weiss (gestorben 1904, für die jüngeren schon als Urgroßvater zu betrachten), Johann Georg Hinkel, August Barth (1903-1908), Joh.Georg Hinkel und Hermann Geier (ab 1930, Vater des Hoteliers in der.Stadt). Davor saßen Jäger und Förster oben, weshalb der Eppinger Hausberg auch Jägersberg genannt wird.

Gelungen war des Schöpfers Werk,! Der Lauf der Welt gewegnet! Gewiß hat vom Ottilienbergl Er erstmals sie gesegnet.

meinte in der 8. Strophe seines Eppinger Heimatliedes (1925 erstmals gedruckt) Heimatdichter Johannes Kleinheins (vgl. Bild 7 mitte).

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4. Eppingen und Umgebung, um das Jahr 1854 von J. Lohmüller 'nach der Natur auf Stein' gezeichnet, Druck der Chr.Fr. Müller'schen Lith.Anstalt Carlsruhe (eingerahmt 54,5 x 65,0 cm groß), hing im 19. Jahrhundert in jedem Eppinger Haushalt, der etwas auf sich hielt. Heute ist es selten geworden. In der Mitte das Panorama, wie man früher sagte, die südöstliche Ansicht der Stadt Eppingen, im Vordergrund der für Eppingen charakteristische Pferdebauer , Störche und im Hintergrund links der Hilsbacher Eichelberg und rechts die Burgruine Steinsberg, die das Eppinger Gäu nach Norden begrenzen. Darum herum, oben links im Uhrzeigersinne beginnend der Weiler'mer Turm (d.i.d. Steinsberg), Hotel 'Krone-Post', Gräfliches Schloß Schomberg, der Neuhof, das Rathaus, Ottilienberg (das Chordach fehlte eine zeitlang wegen Blitzschlag), Wohnhaus des Herrn Physikus Wilhelm (Ecke Leiergasse/Bahnhofstraße 18), Streichenberg, Ravensburg, Schloß Gemmingen, der Pfeifenthurm (ein Wohnhaus steht noch auf der heutigen Altstadtstraße), die Stadtkirche (damals noch zwei Konfessionen dienend) und das Amtshaus (vgl. I, 42). Eine Sammlung von Kulturdenkmalen, die sich sehen lassen kann.

Über die Stadt und ihre Bewohner schrieb Heimatdichter Joh. Kleinheins: Die Altstadt birgt den treuen Sinn,/ Die Vorstadt die Finanzen, I Doch beiden blühet nur Gewinn/ Im froh vereinten Ganzen.

Außer dem Bezirksamt (daher Amtshaus, heute Landespolizeirevier) unter Amtmann August Brecht waren im Jahre 1876 hier folgende staatliche Sonderbehörden ansässig: Amtsgericht (Oberamtsrichter Ludwig Kugler), Gerichtsnotar Johann Oppel und Distriktsnotar Carl Bucherer, Gerichtsvollzieher Carl Mader, Amtsgefängnis (Wärter und Gerichtsdiener Michael Faessler), Gendarmerie, Bezirkstierarzt August Lydtin, Bezirksarzt Jos.Adolf C. Hofmann (Bezirks-Assistenzarzt Jonas Billigheimer), Steuerkommissar Thomas Dürr, Bezirksförster Emil Kuenzer, Bezirksstraßenmeister Jacob Eberhard, Bezirksgeometer Peter Englert, Kaiserlicher Postmeister Georg Bläss, Kaiserliche Fahrpost (nach Bretten und Steinsfurt) und private tägliche Fahrpost (nach Heilbronn und Langenbrücken) Posthalter Heinrich Wittmer. Später kamen der Zollsekretär Brudler, Bezirks-Baukontrolleur Robert D. Kussmaul und die Ortkrankenkasse (Emil Ziegler) dazu. Das Eichamt versah ein Küfermeister unter staatlicher Aufsicht.

5. Der Großherzog zu Besuch. Vor dem festlich geschmückten Rathaus stehen die örtlichen Würdenträger mit Amtskette und um den Marktplatz herum die zahlreich erschienenen Einwohner, um dem in zweispänniger Kutsche vorgefahrenen geliebten Landesvater die Ehre zu erweisen. Seine Königliche Hoheit Friedrich L von Baden (1826-1907, 1852 Prinzregent, 1856 Großherzog) mochte Eppingen ebenfalls. 1864 hatte er seine Amtsstadt besucht, weilte zur Feier seines Geburtstages und Einweihung des Neubaus der Höheren Bürgerschule am 9.September 1869 hier, schaute am 19.120. September 1878 nach seinen Mannövertruppen, besichtigte den nahezu fertig gestellten Neubau der evangelischen Stadtkirche im Rot und erschien am IS. Oktober 1879 zur Eröffnung der Eisenbahnlinie Grötzingen-BrettenEppingen nebst Festbankett in der großen Güterhalle auf der Südseite des Eppinger Bahngeländes. Da er nach damaligen Kirchenrecht zugleich Oberhaupt der evangelischen Landeskirche Badens war, nahm er sich anderntags ausführlich Zeit, die am 23. März gleichen Jahres eingeweihte neue Stadtkirche zu besichtigen. Die Großherzogin, geborene Luise von Preußen, versuchte beim Kaffee-Empfang dem Eppinger Frauenverein bessere Manieren anzugewöhnen, vor allem das Unterlassen des Eintunken der mürben Brezeln in den Kaffee. Bei einem späteren Kaffeebesuch tunkte die Großherzogin die Brezeln selber. Schüchtern und respektvoll meinten die Frauen: 'Aber Königliche Hoheit, Sie selbst haben uns doch gelernt, daß man das doch nicht dürfe.' Luise gab schlagfertig zurück: 'Ach das eine Mal, das macht nichts, soo schmecken sie doch so gut.' Seither heißen sie Großherzogs-Brezeln, Präsidentin des Frauenvereins war 1914 die Frau des Dienstvorstandes des Bezirksamtes, Oberamtmann Roth.

Unter Großherzog Friedrich Il. (1857-1928, regierend 1907-22. November 1918 scheint das Verhältnis nicht so gut gewesen zu sein. Es rumorte sogar einmal und bei seinem Besuch wurde die Situation durch hochhalten eines Schildes gerettet, auf dem zu lesen stand:

Ob gleichwohl unsere Stadt/ Abneigung gegen Hoheit hat,/ so liebt sie ihren Fürsten doch/ es lebe hoch der Großherzog.

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