Erlangen in alten Ansichten Band 2

Erlangen in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Klaus Fröba
Gemeente
:   Erlangen
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6222-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Erlangen in alten Ansichten Band 2'

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9 'Gleich eine Viertelstunde arn Rande des Burgberges, und an dem Ufer der Rednitz liegen mehrere bedcutende Fabriken, vom Wasser getrieben, eine Papierrnûhle, zwei Mahlmühlen, ein Eisenhammer, und der wichtige Foliohammer mit Glasschleife. Diese Gebäude zusammen heissen in der gewöhnlichen Sprache die Werker.' So schildert Iohann Christian Fick in seiner 1812 erschienenen 'Historisch -topographischstatistischen Beschreibung von Erlangen' den 1688 neu entstandenen Stadtteil 'Werker', die Keimzelle der Erlanger Industrie. Dieses frühindustrielle Fabrikviertel fiel fast vollständig der Vernichtung

anheim. als 1970 begonnen wurde, den 'Prankenschnellweg' zu bauen. Die Bewohner der Werker waren wegen ihrer Rauflust in der ganzen Stadt gefürchtet. Für die 'besseren' Bürger sind die

'Werkerer' damals 'minderwertige' Menschen gewesen.

10 Mitarbeiter der Erlanger Spiegelfabrik auf den Werkern stehen urn 1890 für den Fotografen in Pose. Schon im

18. [ahrhundert gab es hier eine Spiegelfabrikation unter Leonhard Freyesleben, die aus einem einzigen viergeschossigen Gebäude bestand. Von

177 5 bis 1861 führte die Familie Fischer den Betrieb, der bis zum jahr 1907 als Aktiengesellschaft fortgeführt wurde. Zeitweise beschäftigte die Firma bis zu zweihundert Mitarbeiter, die täglich 14 Stunden arbeiten mußten für uns heute unvorstellbar. Der [ahreslohn eines Arbeiters lag 1882 bei etwa 600 Mark. 'Muß wegen Arbeitsmangel, Unglûcksfällen oder Betriebsstörungen der ganze Betrieb

länger als eine Woche rullen, so hat der Arbeiter auf'Lohnentschädigung keinen Anspruch', heißt es in der Fabriksatzung. 1970 wurde der gesamte ehemalige Gebäudekomplex abgebrochen, dar-

unter auch das im letzten Viertel des 1 8. jahrhunderts errichtete Wohnhaus des Firmenchefs nebst dem 'Comptoirgebaûde' (erbaut 1815) .

11 BuntesTreiben am 'Erichskeller' 192 9. Die Bergkirchweih ging 1755 aus dem Altstadter pfingstjahrmarkt hervor. Im 'Auszug der neuesten Weltgeschichte und schönen Wissenschaften' , der späteren 'Erlanger Realzeitung' heißt es: '21.4.1755. Nachdeme die sonst in hiesiger Altstadt Erlang auf dem Rathaus-Platze gehaltenen Iahrrnärkte wiederrun fortgesetzet, und auf den dritten Pfmgstfeiertag verleget, auch vor heuer zum erstenmal auf dasigen Schießhaus-Platz den Anfang nehmen, und drei Tage hindurch kontinuieren sollen; als hat man dem Publico solches hiermit wissend zu machen für nötig befunden, damit alle diejenigen, sowohl

einheimische als fremde Personen, welche diesen Pfingstmarkt zu bauen willens sind, sich darnach achten können; übrigens selbige alle derjentgen Freiheiten, die sie sonst auf vorherigen Märkten ge-

nassen, wiederrun sich zu erfreuen haben sollen.' Die 'Berchkerwa', Frankens großtes Volksfest, wurde schon lange vor dem Münchner Oktoberfest gefeiert. Letzteres mag um ein kleines größer

sein. Aber: Wer beides kennt, weiß. wofür er sich entscheidet!

12 Die Bergkirchweih. Ansichtskatte von 1920. In den 1795 erschienenen 'Darstellungen aus der Welt der Erlanger Musensöhne zur Rûckerinnerung und Beherzigung' wird das Treiben auf dem Berg so beschrieben: 'Bratwurstdämpfe steigen von 50 Rosten empor, überall klappern die Bierkrüge, die Buben laufen jubelnd mit ihren Eierringen herum, blasen auf ihren schnarrenden Trompeten und die Weiber kaufen Band zu den Schürzen ein, Die Männer schießen nach ihren Scheiben, die Jünglinge gehen auf und ab, die ehrsamen Dienstmädchen besteigen den Saal, um ihren Tanz zu halten; die Studiosi ? - nehmen nicht immer Rücksicht darauf, daß

diese Volksfeste wohl allgemein sind, aber mehr für den Mirtelstand gehören und Bûrgerfeste sind, daß die Studiosi hier höfuch geduldet werden, aber nicht selbst die übrigen verächtlich behandeln können. Nur freuen, nur teilnehmen dürfen sie, sie müssen alles anwenden, um die Freude allgemein zu machen.'

Rm "Erichskeller"

.Gruß ven der Erlanger Bergkirchweih.

13 Der Gedenkstein im Eichenwald wurde aus Anlaß der 1 OO-Jahr-Feier der Zugehörigkeit Erlangens zu Bayern am 23.Juli 1910 enthüllt. Gesnftet wurde er vom [ustizrat und Ehrenbürger Erlangens Daniel Hilpert (1837 -1923). Der Entwurf stammt von Stadtbaurat Bernhard Mucke; die Ausführung in Muschelkalk nahm der Bildhauer Johann Baptist Mantel vor. Der einfache Gedenkstein ist von einer Anlage mit Ruhebänken umgeben. Auf der Vorderseite befindet sich das Wappen Bayerns mit der Inschrift: '4. Juli 1810', auf der Rückseite das Wappen Erlangens mit der Inschrift '4. Juli 1910'. Vom Modell wurden seinerzeit verkleinerte Gipsabgüsse als

Briefbeschwerer verkauft; darum wird von älteren Erlangern noch heute das ganze Denkmal als 'Briefbeschwerer' bezeichnet.

Gedenkstem zur Jahrhundertfeier der Vereinigung Erlangens mit der Krone

14 Turnsrraße 3. Ehemaliges Strumpfwirkerhaus von 1830/31.Die 1919von Schreinermeister Michael Köbler gegründete Schreinerei wird bereits in der dritten Generation von Ludwig Köbler fortgeführt. Michael Köbler (geboren 1876, gestorben 1938), der sich auf dem Bild stolz vor seinem Hauseingang präsentiert, war eine in der ganzen Stadt angesehene Persönlichkeit, von 1909 bis 1914 Vorsitzender des Arbeitervereins, 1919 bis 1 933 Stadtrat der Bayerischen Volkspartei, deren Vorsitzender er von 1928 bis 1933 gewesen ist. Neben diesen Ämtern war Köbler auch 1921

bis 1934 Vorstand des Vereins zur Erhaltung des katheli-

sehen Vereinshauses 'Kolping' (Bismarckstraße 4). 1 933 von den Nationalsozialisten wegen seiner Zugehörigkeit zur BVP in 'Schutzhaft' genommen, legte er sein Stadtratsmandat nieder 'rnit dem Wunsche, die Stadt Erlangen, die meine zweite Heimat geworden ist, möge einer glücklichen Zukunft entgegen gehen'. Erst 62jährig, verstarb Köbleram 2.Juni 1938 in Erlangen.

15 Die 1908 in Breslau im Lichtdruckverfahren hergestellte Ansichtskarte zeigt die Ludwigsbrücke in der Palmstraße. Die jetzige Brückenkonstruktion stammt aus dem [ahr 1907. Das Bauwerk wurde da~als nach Prinz Ludwig benannt, der für kurze Zeit ab 1913 als Ludwig HL in München regierte. An Ludwig erinnerte einst am östlichen Brückenkopf ein in eine Art Pyramide angebrachtes Hochrelief mit dem Porträt des Prinzen. Außerdem gab es einen kleinen Brunnen und einen Löwen. Rechts und links von dieser Anlage luden Bänke zum Verwellen ein. Dies alles ließ die Stadt im Trend der Zeit Ende der fünfziger jahre entfernen. Ein Denkmal ist die

Ludwigsbrücke längst nicht mehr; sie kostete seinerzeit

90 000 Mark, wofür man sich heutzutage gerade ein Auto der Mittelklasse kaufen kann.

Erlangen

Prinz Ludwig Elrüdle

16 Unmittelbar an der Dechsendorfer Brücke stand etwa bis Mitte der fünfziger Iahre das Restaurant 'Fischhäusla' von Adam Fürsattel. Wer den Zungen-GaumenOrgasmus erleben wollte, war im Fischhäusla fehl am Platz, Eine besondere Spezialität der Wirtsleute waren die gebakkenen Aischgründer Spiegelkarpfen, die in großen Pfannen in Butterschmalz zubereitet wurden. 1905 ist Betty Jakob Gastronamin des Fischhäusla, die zugleich auch eine Fischhandlung betrieb. In dem gemütlichen Wirtsgarten konnte man nach anstrengender Arbeit am Abend oder am Wochenende unter schattigen Bäumen ausspannen. Bis vor wenigen [ahren Verbindungs-

haus der BurschenschaftTeutonia, dann Asylantenunterkunft, wurde das Haus nun zum Sitz des 'Amtes für Industrie- und Sozialarbeit der Evangelisch-Lutherischen Kirche' auserwählt.

1 7 Viele sehenswerte Motive wurden damals von Ansichtskartenverlegern und Fotografen im Bild festgehalten und für die Nachwelt dokumentiert. Verträumte romantische Winkel, enge Gassen und Wege waren kein so lohnenswertes Objekt. Deshalb gibt es auch keine einzige Ansichtskarte vom sogenannten Hartmannsgäßchen, dem Verbindungsweg zwischen der Harfenstraße und derWöhrstaude in der Erlanger Altstadt. Nur der MalerWilli Hilpert (1909-1986) hat sich die Mühe gemacht und zu Pinsel und Farbe gegriffen, um diesen idyllischen Winkel in einer Zeichnung festzuhalten. Im Hintergrund sieht man den Schornstein der

Braucrei und Malzfabrik Steinbach. Für Neu-Erlanger und solche, die es nicht wissen: Der Weg hat seinen Namen von der hier damals ansässigen Schreinerei Hartmann.

1 8 Pfarrstraße 1 3. Ehemals Sitz des markgräflichen Wildmeisters, dann des KöniglichBayerischen Forstverwalters (bis 1822). Nach Stadtarchivar Johannes Bischoff ist eine Wildmeisterei in Erlangen erst um 1540 entstanden. Leo Schürstab von Oberndorf (1488-1559) beschwerte sich am 22. Oktober 1535 gegen den 'verruchten, schändlichen Wildknecht zu Erlang'. 1542 wurde Peter Jeger bestellt als 'Amtsverweser und Vogt zu Erlang, die beiden Wiltmalster Amt Erlang und Baiersdorf zu versehen'. 1598 berichtet pfarrer Johannes Heilig, daß 'die Wildmeister in dem Frühmeßhaus (Mittlere Schulstraße ), so dem Gotteshaus gehörig, vie-

Ie lange Iahre ihre Herberge gehabt' haben.Am 20. November 1631 wurde die Stadt Erlangen von kaiserliche Soldateska geplündert, zerstört und verbrannt. Dem Wildmeister wurde alles, sogar die

Kleider am Leibe bis auf Warris und Hose geraubt. Dem Wildmeister oblag die Aufsicht über die Waldungen der Altstadt (Stubenlohe, Meilwald), Waldfrevel und Wilderei zu alm den und ein

wachsames Auge auf allerlei lichtscheues Gesindel zu richten.

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