Feuchtwangen in alten Ansichten

Feuchtwangen in alten Ansichten

Auteur
:   Fritz Karg und Karl Wirth
Gemeente
:   Feuchtwangen
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4598-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Feuchtwangen in alten Ansichten'

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59. Die Aufnahme vom ehemaligen Gasthaus 'Zum Grünen Baum' erinnert nicht nur an ein sehr schönes Fachwerkhaus in der Rothenburger Straße, sondern auch 'an die in der oberen Vorstadt im Jahre 1464 dem heiligen Jodoco geweyhete so genannte S. Joß-Capelle'. Sie stand an der Stelle, die das Foto zeigt, und diente den Sondersiechen, den Aussätzigen, die die Stadt nicht einmal zum Gottesdienst betreten durften. Auf der 'Siechenpeunt' hinter dem Kirchlein stand ihr Haus. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erlosch die Krankheit ohne erkennbare Ursache. Die Joskapelle zu Feuchtwangen verfieL Im Jahre 1700 benützte man die Steine zum Bau eines Amtshauses, aus dem später die abgebildete Gastwirtschaft wurde.

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60. Die Aufnahme vom Distriktskrankenhaus, das am 10. Mai 1892 eingeweiht wurde, veraniaßt uns, in der Chronik das Kapitel 'Hospitalpflege in Feuchtwangen' aufzuschlagen, Als soziale Selbsthilfe schuf sich jede städtische Gemeinschaft im Mittelalter Einrichtungen für Altersversorgung und Krankenpflege. Verhältnismäßig spät, nämlich im Jahre 1469, stiftete der kinderlose Amtmann Adam von Kirchberg 600 Gulden für den Bau eines Spitals. das Alte und Kranke der Stadt aufnehmen sollte. Das Werk in der Nähe der Spitalgasse hatte Bestand bis ins 20. Jahrhundert. 1925 baute die Stadt ein Altersheim in der Rothenburger Straße. Vorher schon, im Jahre 1889, hatte der Distrikt die bisherige städtische Krankenpflegeaufgabe übernommen.

61. Es WaI ein weiter Weg vom ersten Zeppclin-Luftschiff, mit dem Graf Zeppelin am 2. Juli 1900 minutenlang über dem Bodensee schwebte, bis zum D - LZ 127, der am 14. Juni 1930 Feuchtwangen überflog. Mit fieberhafter Spannung hatte die Bevölkerung den 'Graf Zeppelin' erwartet. In nur 400 Meter Höhe erschien er am Himmel. DaIUm konnte auch die historisch interessante Aufnalune gelingen. Ein vorher gebauter LZ 126 WaI am 12. Oktober 1924 in Friedrichshafen aufgestiegen und nach drei Tagen in Lakehurst (USA) gelander. Das Luftschiff auf dem Foto verkehrte zehn Jahre lang regelmäßig zwischen Europa und Amerika, während das Schwesterschiff 'LZ Hindenburg', das 1936 ebenfalls über Feuchtwangen erschien, bei einer Landung in Amerika verbrannte.

62. Als das hübsche Rauhreifbild von Feuchtwangen entstand, war das alte Krankenhaus noch nicht erweitert. Diese Baumaßnahme erfolgte 1924, so daß das Foto in die ersten zwanziger Jahre gehört. Es zeigt die reizvolle Lage der Stadt im Sulzachgrund. Die Nordseite schützt ein Höhenzug, der sich vom Galgenberg über den Miehelsberg und den Bretzenberg zum Kronenwirtsberg hinzieht. Auf dem Miehelsberg wurden die Steine gebrochen, mit denen vor achthundert Jahren der Kreuzgang, später Mauern und Stadttore gebaut wurden, Um in den Teuerungsjahren 1816/17 Verdienstmöglichkeiten zu bieten, ließ man die verlassenen Steinbrüche in eine Anlage umwandeln, die den Namen 'Königshöhe' erhielt. 1886 erfolgte eine große Neuanpflanzung dieses reizvollen Stadtparks.

63. Der Name 'Mooswiese' ist erstraals 1624 erwähnt, Möglich, daß er um diese Zeit erst gebräuchlich wurde; sicher ist jedenfalls, daß die Messe viel älter ist und aus Anlaß der Weihe der Michaelskapelle stattfand. Von ihr, die auf der heutigen Königshöhe stand, ist nichts mehr erhalten, Man vermutet jedoch, daß dieses Kirchlein bereits aus der Zeit der Christianisierung stammte. Am 29. September steht sein Heiliger im Kalender, und er ist es, der alljährlich den Beginn der Mooswiese bestimmt. Dann freilich denkt in Feuchtwangen niemand mehr an eine Kirchenweihe, sondern ein fröhliches Volksfest wird gefeiert,

Gruß von der Feuchtwanger Mooswiese

64. Die Mooswiese ist im Jahreslauf der Feuchtwanger ein außergewöhnlicher Höhepunkt. 'Vor der Mooswiese' und 'Nach der Mooswiese' sind geläufige Zeitbcstimrnungen im lokalen Sprachgebrauch. Diese besondere Stellang der Mooswiese im Leben der Stadt wurzelt in den wirtschaftlichen Verhältnissen der Vergangenheit. Um Michaeli hatten Bauern und Ackerbürger die Ernte eingebracht und allerhand Gulden im Beutel. Man war in der Lage, den Jahresbedarf an Kleidung, Schuhwerk und Geräten einzukaufen. Zudem hatte man arn Ende eines mühevollen Bauernjahres auch das Gefühl, sich ein Fest verdient zu haben. Verständlich also, daß das Volk die Marktbuden umlagerte und 'in den Hütten des Laubes zechte, tanzte und guter Dinge war'.

65. Seit fast fünfundzwanzig Jahren findet am Mooswiesensonntag ein großer historischer Festzug statt, der aus über dreißig Bildern mit mehr als dreihundert Mitwirkenden und sechs bis acht Kapellen besteht. Das Foto aus der Zeit um 1923 zeigt, daß es auch früher hin und wieder Festzüge zur Mooswiese gab. Sicherlich standen sie noch nicht unter einem einheitlichen Motto. Aber der Wagen mit dern 'Försterheim' läßt großen Eifer und eine Fülle von Einfällen erkennen. Ausgestopfte Vögel und Geweihe zieren die Wände. Neben der bäuerlichen Standuhr hängen Büchse und Gamsbarthut. Der Jäger sitzt im Ohrensessel und ruht sich von der Pirsch aus. Im Hintergrund fällt das alte Schießhaus an der Mooswiese auf, das die Aufschrift 'Kleinkinder-Bewahranstalt' trägt.

66. Auf dem vorigen Bild war das städtische Schießhaus von 1699 zu sehen, das die Aufschrift 'Kleinkinder-Bewahranstalt' trug. Das erinnert an den Feuchtwanger Kindergarten, der von 1878 bis 1955 dort untergebracht war. Gegründet wurde er 1848 als private 'Kinderbewahranstalt', in der nach einem Satzungsentwurf die Kleinen zum Beispiel 'mit Fleckenzupfen, mit Sortieren von Bohnen und Steinchen in Scharmützeloder Düten' beschäftigt wurden, Dreißig Jahre was sie in einem Privathaus untergebracht. Dann zog der Kindergarten in den zweiten Stock des Schießhauses, das er später allein benutzen durfte. Auf dern Foto aus der Zeit kurz nach dem Ersten Weltkrieg sind Madehen mit Blumen im Haar zu sehen, die die Schwester 'Unsre Tänzerinnen' nannte.

67. So feierte der Feuchtwanger Kirchensprengel um 1890 das Maifest: Es war ein Montag in Mai. Die Schulklassen hatten sich mit ihren Lehrern auf dem Kirchplatz versammelt. Dem Festzug voraus zogen mit schallender Blechmusik Musikmeister Fürst und seine Stadtkapelle. Ihnen folgten Bürgermeister, Stadträte, der Lokalschulinspektor mit der übrigen Geistlichkeit. Dann kamen mit wehenden Fahnen die Schulen aus Stadt und Land. Hinterdrein folgten Mütter und Väter, denen das Maifest genauso wichtig war wie ihren Kindern. Über den Marktplatz ging es zum Greifenkeller. Dort erhielt jedes Schulkind zwei Brezeln, vier neue Pfennige und einen viertel Liter Bier. Musik und Spiele der Kinder ließen den Nachmittag im Flug vergehen.

68. In einer kleinen Stadt wie Feuchtwangen gab es viele freundschaftliche und verwandtschaftliche Beziehungen. Sie wurden auch in geselliger Form gepflegt, Da kamen am Abend die Männer am Stammtisch zusammen, und die Ehefrauen trafen sich regelrnäßig beim 'Kaffeekranz' entweder reihum in ihrer guten Stube oder zur Sommerzeit auch einmal im Garten an der Stadtmauer. Das Bild von einem solchen 'Kaffeekranz' aus dem Jahre 1898 ist erhalten geblieben. Hier sitzen Damen aus bekarmten Geschäftshäusern, die Tierarztgattin, eine Lehrersfrau vor der rosenumrankten Laube zusammen. Das beste Kleid war aus dem Schrank gesucht worden. Daß beim Plaudern und Kaffeetrinken sogar noch Zeit zum Stricken blieb!

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