Finsterwalde in alten Ansichten

Finsterwalde in alten Ansichten

Auteur
:   Dr. Rainer Ernst
Gemeente
:   Finsterwalde
Provincie
:   Brandenburg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5415-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Finsterwalde in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Für Hunderte deutsche und europäische Städte hat die Europäische Bibliothek in ihrer Reihe 'in alten Ansichten' eine Sammlung historischer Abbildungen aus der Zeit zwischen 1880 und 1930 vorgelegt.

Für Finsterwalde beginnt am Anfang dieses Zeitraums erst die eigentliche bildliche Überlieferung. Kein berühmter oder auch unbekannter Landschaftsmaler oder Kupfersteeher hatte sich in unseren Teil der Niederlausitz begeben, um das Städtchen Finsterwalde zu porträtieren. Trotz intensiver Nachforschungen ist es bisher nicht gelungen, eine ältere Ansicht Finsterwaldes zu finden als die weithin bekannte und mit dem Jahr 1835 datierte Abbildung, die als Vergleichsmaßstab in diesen Band aufgenommen wurde. Lediglich auf einem Porträtgemälde des Pfarrers Caspar Schilling aus dem Jahre 1592 gibt es im Hintergrund eine Darstellung der Finsterwalder Kirche, die jedoch leider kein städtisches Umfeld zeigt. 1866 erschien in der Meißner Lithographie-Anstalt ein Sammelblatt mit einer Gesamtansicht der Stadt sowie mit einigen Einzelbauten. Daraus haben wir als Beispiele die Darstellungen des Hospitals und des Schützenhauses ausgewählt. Die Naturtreue , die deren Zeichner Th. Teschky versprach, sollte aber nicht überbewertet werden.

Zuverlässigere Zeugen der.Vergangenheit entstehen erst mit dem Siegeszug der Fotografie. Wanderfotografen waren schon 1855 in Finsterwalde. Ob sie neben ihrem Haupterwerb, der Anfertigung von Personen- und Familienporträts, auch die Stadt als bebauten Lebensraum abbildeten, bleibt fraglich. Erst mit dem Aufkommen der Postansichtskarte setzte in den letzten Jahren des 19. Jahr-

hunderts eine Flut von bildlichen Darstellungen auch für die Stadt Finsterwalde ein. Heute sind diese Ansichtskarten beliebte Sammelobjekte für den Philokartisten und für den Heimatfreund. Die Zahl von vierhundert Postkarten unserer Stadt allein für die Zeit bis 1930 dürfte längst nicht zu hoch geschätzt sein. Dazu kamen in immer verstärkterem Maße die Aufnahmen der Fotografenwerkstätten, aber auch der Amateure, die die Stadtarchitektur, die Stadtlandschaft, wichtige Ereignisse der Kommune, der Vereine, Betriebe und der einzelnen Familien für die Nachwelt bildlich überlieferten.

All diese Darstellungen sind heute unwiederbringliche Dokumente aus dem Leben unserer Stadt, deren jetziges Gesicht gerade in den Jahrzehnten um die Jahrhundertwende entscheidend geprägt wurde. Althergebrachtes mußte dem Neuen weichen. Aus dem Tuchmacher- und Ackerbürgerstädtchen, das über Jahrhunderte in überlieferten Strukturen und Ausdehnungen verharrte, wurde in wenigen Dezennien eine Fabrikstadt, Fast kam die Fotografie zu spät, um Insignien jener verflossenen und scheinbar so idyllischen vorindustriellen Ära festzuhalten. Das alte Färberhaus der Tuchmacherinnung etwa war längst überflüssig geworden. Der einzelne Textilfabrikant gebot nun über eine eigene neuzeitliche Färberei. Immer mehr Industriebetriebe anderer Branchen siedelten sich in Finsterwalde an. Der Anschluß an das Eisenbahnnetz und die nahen Energiequellen in den Braunkohlenlagerstätten waren begünstigende Faktoren des wirtschaftlichen Aufschwungs, Aus bescheidenen Anfängen entwiekelten sich Unternehmen von erstaunlichen Ausmaßen. So expan-

dierte die Reicheltsche Schraubenfabrik in ihren räumlichen Dimensionen von 1900 mit 4 760 Quadratmetern auf 31 900 Quadratmeter im Jahre 1924.

Nicht nur die Betriebe sprengten die überlieferten Stadtgrenzen. Die sprunghaft gestiegene Zahl der Einwohner verlangte nach Wohnraum. Gab es 1800 1 670 Finsterwalder, so waren es 1900 10 336 und 1931 16 582.

Neue Wohngebiete mußten erschlossen werden, sie dehnten sich weit über das mittelalterliche Siedlungsgelände aus. Auch im Stadtkern selbst verschwanden die meist nur einstöckigen Häuser. Repräsentative Gründerzeitbauten, interessante Jugendstilhäuser, einfallslose Mietsblöcke und auch bemerkenswerte Gebäude moderner Reformarchitektur bestimmen noch heute das Bild der Finsterwalder Stadtlandschaft. Zu den Industrieanlagen und Wohnbauten kamen in jenen Jahren Gebäude, die durch den Aufschwung des kommunalen Lebens notwendig wurden. Die Stadt und ihre bestimmenden Körperschaften bewiesen meist Weitbliek bei deren Konzeption und Realisierung. Noch immer bewähren sich solche Objekte wie die ehemalige Knabenschule, die Doppelturnhalle oder auch das Wasserwerk in funktioneller wie in ästhetischer Hinsicht.

Eine Stadt ist das Gemeinschaftswerk all ihrer Bewohner in vielen nachfolgenden Generationen. Freilich prägen aber auch Einzelpersönlichkeiten ein Gemeinwesen ganz nachhaltig. So sind die hier im Bild festgehaltenen Jahre verbunden mit den Namen der Bürgermeister Michow (1874-1886), Klix (1887-1908), Fritzsch (1908-1918), Dr. Schrader (1919-1921), Dr. Ostrowski (1922-1926) und

Geist (1926-1933) sowie mit den Namen der Stadtverordnetenvorsteher Curt Schaefer (bis 1919) und Johannes Knoche (bis 1932). Einige , die sich als Architekten, Baumeister, Sponsoren oder Bauherren durch ihr aktives Wirken und Unternehmen in das Geschichtsbuch der Stadt eingeschrieben haben, sind in diesem Bändchen genannt. Ihr Werk, unsere Stadt Finsterwalde, das ohne den Fleiß, das Geschick und die Mühe der vielen Ungenannten nicht erstanden wäre, blieb im Zweiten Weltkrieg glücklicherweise fast unversehrt. Finsterwalde zeigt sich heute trotz nicht zu übersehenden partiellen Verfalls und der schon vorhandenen Baulücken, die in den letzten Jahrzehnten zugelassen wurden, als intakte Stadt mit einem eigenen Gesicht.

Gegenwärtig befindet sich Finsterwalde in einer erneuten Umbruchphase, die sicherlich weitere nachhaltige Züge in dieses Gesicht einschreiben wird. Vieles, nun Althergebrachtes, wird verschwinden. Hoffentlich bleibt dem Fotografen Zeit, es der Nachwelt im Bild aufzubewahren. Vieles wird neu erbaut. Es ist zu wünschen, daß es in seiner Modernität in die Züge unserer Stadt paßt, damit das Finsterwalder Gesicht jünger und schöner wird, aber auch unverwechselbar und erkermbar bleibt.

Als Leihgeber von Fotos hatten am Entstehen dieses Bändchens Anteil: Frau Gräbner, Frau Semt, die Herren Andrich, Illig, Oette, Raschke, Reinicke, Unkenstein, das Kreismuseum Finsterwalde und der Männerchor 'Einigkeit'. Ihnen sei herzlich gedankt.

Finsterwalde im Frühjahr 1992

Dr. Rainer Ernst

I. Hoch über dem Bahnhof sehen wir nach Süden und damit auch über die Osthälfte der Stadt Finsterwalde. Das Gebiet Langer Hacken ist noch nahezu unbebaut. Erst in den fünfziger Jahren entstand hier das gleichnamige Wohngebiet in seiner einförrnigen Architektur. Wohltuend fällt der Bestand an Grünflächen und Bäumen auf', so im Gelände des Rcforrn-Rcalgyrnnasiurns, der Möbelfabrik Carl Emil Weise , arn Wasserturm und im Bereich der Calauer Straße. Dieses Foto wurde anläßlich eines Flugrages im Jahre 1930 autgcnommen.

2. Wenn eine Ankündigung des 'Niederlausitzer Anzeigers' vom Juni 1914 in die Tat umgesetzt worden wäre , gäbe es dicses im neoromanischen Stil errichtete Bahnhofsgebäude nicht rnehr , denn es sollte im nächsten Frühjahr ein Neubau, eine 'Zierde der Stadt", geschaffen werden. Von einern Tunnel zu den überdachten Bahnsteigen, von vier Fahrkartenschaltern und von großen Warte- und Restaurationsräumen war die Rede. Der Erste Weltkrieg zerschlug all diese Pläne. Das Eisenbahnzeitalter harre in Finsterwalde am 1. Dezernber 1871 mit der Eröffnung einer Teilstrecke der Linie Halle-Sorau (Zary) begonnen. Das zweite Gleis karn 1890 hinzu.

'Finsterwafde, N.-L.

3. Besucher, die Finsterwalde nach 1910 mit der Eisenbahn erreichten. harten, nachdem sie den Bahnhof verließen, diesen ersten Eindruck von unserer Stadt. Mitten auf der Straße stand der große Gaskandelaber, der auf dem Marktplatz eine noch schonere Entsprechung besaß. Das Bahnhofshotel, das die Stadt 1920 für 150000Mark ankaufte , wurde von der Kommune für soziale Zwecke genutzt. Als Stadthaus beherbergte es 13 Wohnungen, den Arbeitsnachweis und eine Wärrnestube , in der 1921 eine Portion Essen IS Pfennige kostete.

Finsterwalde, N.-L.

Realschule

4. Die Bemühungen um eine weiterführende Lehranstalt in Finsterwalde waren mit der Errichtung des Realschulgebäudes in der Friedrichstraße von Erfolg gekrönt. Stadtbaumeister Droste erarbeitete die Pläne und veranschlagte eine Bausumme von 130 000 Mark. Am 25. April 1904 fand die feierliche Grundsteinlegung statt, und am 1. Juli 1905 konnten Rektor Raebel, sechs weitere Lehrer und 136 Schüler von der großzügig gestalteten und ausgerüsteten Schule Besitz nehmen. Die Glasmalerei der Aulafenster mit Symbolen der Religion, der Physik, Geschichte und Erdkunde und mit Porträts Luthers und Goethes bildeten einen besonders stimmungsvollen Schmuck. Gegenwärtig wird das Gebäude noch von der ehemaligen sowjetischen Armee genutzt.

5. Die Realschule entwickelte sich bis 1931 zum voll ausgebauten Reform-Realgymnasium. Am 12. März dieses Jahres stellten sich Finsterwalder Schüler erstmals mit Erfolg den Abiturprüfungen. An der Schule unterrichtete in den zwanziger Jahren Martin Deutschkron Fremdsprachen. Er setzte sich für die deutsch-französische Aussöhnung ein. Antisemiten schmierten dafür an eine Wand des Schulhauses 'Talrnudjude Deutschkron'. Das Foto zeigt ihn während eines Kinderfestes 1926 mit seinen Schülern und seiner Tochter Inge, die ihre Erinnerungen an die nationalsozialistische Verfolgung in dem Buch 'Ich trug den gelben Stern' aufhob.

finsferwalde jf.-J:.

Sdzraubenfabrii:

6. Im Jahre 1885 verlegte der 1838 in Finsterwalde geborene Fabrikant Ferdinand Julius Reichelt seinen Betrieb von Berlin in seine Heimatstadt. Die Reicheltsche Metallschraubenfabrik entwiekefte sich schnell zum größten Unternehmen Finsterwaldes. Auf dem Betriebsgelände in der Nähe des Bahnhofs wuchsen binnen kurzer Zeit eine Werk halle nach der anderen. Die um 1914 abgebildete Gebäudefront an der damaligen Bismarckstraße zeigt die schon 1904 durch Umbauten stark veränderte Direktorenvilla und das 1900 von der Firma Hubert & Ullrich irn historisierenden Stil errichtete Lager- und Corntoirgebäude. 1928129 entstand daneben das kühl und sachlich erscheinende Bürohaus.

7, Luftschiff- und Ballonüberflüge boten auch in Finsterwalde in den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts immer wieder genügend abenteuerlichen Gesprächsstoff. Ob die Anekdote aber stimmt, wonach arn 1. April 1905 ein hoffnungslos verirrter Luftschiffer in tiefer Nacht allein durch das Hören des berühmten Finsterwalder Sängerliedes über unserer Stadt seinen Standort und seinen Kurs neu bestimmen konnte, bleibt mehr als fraglich. Nachweisen lassen sich dagegen die Zeppelinüberflüge vom Mai 1913, vom September 1930 und vom August 1932.

8. Neben dem Wasserwerk bildete der östlich des Stadtzentrums gelegene Wasserturm das Kernstück des Finsterwalder Wasserversorgungssysterns. Am 8. April 1910 brachte Klempnermeister Rudolf Kropke die Wetterfahne auf dem 53,85 Meter hohen Bauwerk an, das von der Firma Droste errichtet wurde. Die damals installierte Uhr , eine Stiftung der Reichelt-Metallschrauben AG, wurde 1991 durch eine Funkuhr ersetzt. Die in einer Höhe von etwa 30 Metern angebrachten Zifferblätter haben einen Durchmesservon 2,86 Metern.

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