Forchheim in alten Ansichten

Forchheim in alten Ansichten

Auteur
:   Alfred Frank
Gemeente
:   Forchheim
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2672-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Forchheim in alten Ansichten'

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29. Auch beim Passieren der Wiesentstraße, deren Ausmündung in die Bamberger Straße die Postkarte zeigt, konnte man sich einst eine Nase voll des angenehmen Biersud-Geruches kostenlos besorgen. Hier stand das zweite, das Untere Kommunbrauhaus, das auf der Aufnahme im eingeschossigen Satteldachhaus mit der einfachen Riegelfachkonstruktion festzustellen ist. Im Vordergrund links steht der schmucke Fachwerkbau der Kammerersmühle von 1698. Das Bild entstand zu einer Zeit, da noch tagtäglich der Gaslaternenanzünder seines Amtes zu walten hatte, damit vor 1898, in welchem Jahre die elektrische Straßenbeleuchtung eingeführt wurde. Am Platz des Unteren Brauhauses erstand 1954 ein großes Wohn- und Geschäftshaus.

30. Die Wiesentstraße hieß in ihrem mittleren Teil Judengasse, wo zwischen 1645 und 1938, bis zur gewalttätigen Sprengung durch die Nationalsozialisten, die ehemalige Synagoge mit der Judenschule stand. Juden wohnten bereits Ende des 13. Jahrhunderts dahier. Bei der Judenverfolgung 1298 kamen in Forchheim ftinfundachtzig Juden ums Leben. Innerhalb eines Jahrhunderts entwickelte sich eine neue Judengemeinde, und um 1407 ist auch eine Synagoge genannt. Einer 1478 einsetzenden neuen Verfolgungswelle folgte 1499 ein bischöflicher Ausweisungsbefehl, als dessen Folge der uralte Judenfriedhof verfiel. Es dauerte bis gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges, ehe sich wieder eine geschlossene Judenniederlassung bilden konnte; die neue gettoartige Judengasse war nunmehr in die Wiesentstraße verlagert.

31. Das Anwesen Wiesentstraße 39, 1907 aufgenommen, jahrzehntelanger Treffpunkt geselliger Bürger, der Liebhaber guten Essens und Trinkens, der Freunde von Sport, Theater und munterer Tanzmusik, der Kinofans der Anfangszeit des Films, die Gastwirtschaft Franz Marx, mit ihrem einstigen großen Wirtschaftsgarten, einer in der 'guten alten Zeit' vielgenutzten Somrnertagseinkehr, ist längst Geschichte geworden. Die Besitzer wechselten häufig, die Spezialitäten, Blut- und Leberwürste, blieben gleich schmackhaft. 1909 wurde ein Saalbau angefügt, der sich zehn Jahre später zu einern Kino, dem 'Neuen Theater', wandelte. Es boten sich 1930 das erste Tonfilrn-, 1939 das erste Farbfilm-Erlebnis für die Bürger, 1953 begann die Überbauung des Wirtsgartens mit zwei neuen Lichtspieltheatern, dern 'Apollo' und der 'Union'.

32. Bei Stadtftihrungen wird wohl kaum einmal die Wiesentstraße ausgelassen, in der es noch zahlreiche Fachwerkgebäude (Wohnhäuser, Scheunen, Schuppen) zu bewundern gibt. Das sehenswerteste Anwesen ist die Kammerersmühle vom Jahre 1698, die aber längst nicht mehr gewerblich genutzt wird. Der Name des Erbauers MARDINVS BVRCKAR T ist über einem Portal der Traufseite zu lesen.

33. Ist es heute vor allem das historische Annafest auf den Forchheimer Kellern, das die Bürgerschaft und zahllose Gäste aus der weiten Umgebung zehn frohe Tage lang in beste Stimmung versetzt, so gab es früher noch zusätzliche lebensfrohe Feiertage, an denen die durch die Lande wandernden Unternehmer auf dem 'Marktplatz' ihre zukräftigen Besonderheiten anboten, die Karussells, SchiffsschaukeIn, die Zuckerstände, und es gab reichlich Gelegenheit hierzu, etwa zum 'Kinderbeichten' am Weißen Sonntag, an den verschiedenen Jahrmarktssonntagen, wo das Landvolk in Scharen zur Stadt strörnte, und natürlich am Kirchweihtag, der auf die 'allgemeine Landkirchweih' im Oktober fiel. Bestimmt können sich manche Forchheimer beim Studium der Fotografie freudig überrascht in die Kinderzeit zurückversetzen.

34. Der Marktplatz, den die Aufnahme von 1908 zeigt, ist nach wie vor der Ort regclmäßiger Schweine- und Tauben-, auch Christbaurnmärkte, war aber vordem die Stätte der monatlichen Viehmärkte, weshalb im Stadtplan von 1867 noch die Bezeichnungen 'Viehrnarkt' und 'Schweinemarkt ' (= er lag zur Bamberger Straße hin) zu lesen stehen. Zuvor aber füllte den weiten Platz ein 120 Meter langer und 45 Meter breiter Weiher aus, der der langgestreckten Form und seiner Lage beirn 'Seelhaus' wegen 'Seelgraben' hieß und der städtischen Fischzucht diente. Nach einer Verordnung Fürstbischofs von Erthal mußte der Weiher 1788 aufgegeben und eingcfüllt werden. Es bot sich Gelegenheit zur Anpflanzung einer Baumallee, die den gesamten Straßenzug begrenzte und ihrn den Namen Alleestraße verlieh.

35. Der Bliek in die Quergasse der Alleestraße um 1920 bietet noch ein recht beschauliches, kleinbürgerliches Bild. Ganz links ist eine Ecke des 1926/1927 abgeräumten einstigen Oberen Kommunbrauhauses zu erkennen, dessen Platz das Rot-Kreuz-Kolonnenhaus einnahm. Das idyllisch anmutende Wohnhäuschen inmitten der Straßenszenerie ist nun zu Rot-Kreuz-Garagen umgestaltet, und das folgende dreigeschossige, spätgotische Satteldachgebäude konnte dank erneuter Fachwerkfreilegung vor zehn Jahren zu einer wahren Zierde des engen Straßenzuges werden.

36. Die Aufnahme der Badstraße, die gut und wie einst gern noch immer Gasse genannt werden könnte, selbst wenn sie bereits gepflastert und mit Gehsteigen versehen ist, zeigt das ehemalige Fachwerkgepräge durch Kalkmörtel getilgt oder mit Sandsteinen verblendet. Man sieht es dem 'Volksauflauf' an, daß einst das Auftauchen eines Fotografen mit der umfangreichen Apparatur ein wahres Ereignis bildete. Der Straßenname rührt von einem der drei ehemaligen mittelalterlichen öffentlichen Wannen- oder Kufenbäder, das Obere Bad genannt war und bereits 1429 urkundlich vorkommt und am Anfang der Badgasse, im Anwesen Hauptstraße 45, seinen Standort besaß.

37. Die Lagunenstadt Venedig mußte einzelnen Städten, die sich durch ihre Wasserlage gewisse südländische Romantik zueigneten, den Namen leihen, so wenn sich Bamberg seines zauberhaften 'Kleinvenedigs' rühmt, ebenso verweist Forchheim gerne - wenngleich zaghafter - auf das südlich anrnutende Gepräge seines rechten Wiesentufers. Die Wiesentpartie zwischen Vogel- und Fuchsenbrücke wie das sich anschließende Ufergelände zeigen eine der Wassernähe angepaßte Bauweise: die Steintreppe zum Fluß, die Holzbühne, von der aus man Wäsche, Säcke, Hausrat, Kartoffeln, Rüben reinigen und auch Wasser schöpfen konnte, die an die überkragenden Obergeschosse angebauten Holzveranden, wie dies etwa das dreigeschossige Gebäude linker Hand so ausdrucksvoll darzustellen weiß, das freilich 1957 abgetragen wurde.

38. 'Ein Photograph ist da!', so mag die von Haus zu Haus laufende Nachricht gelautet haben, als eines Tages wieder einmal der Mann mit dem stelzbeinigen Gestell und dem schwarzen Tuch über dem Kopf - etwa um 1880 - in der Stadt erschienen war, um diesmal die Gastwinschaft 'Rotes Roß' und die nach dem Wirt Johann Fuchs getaufte zuvor 'Hutergasse" genannte Verbindung zwischen Marktplatz und Wiesentstraße (= Raschenbach) in seinen 'Zauberkasten' zu bannen. Wer nur irgendwie Zeit hatte, kam herbeigelaufen: Männer, Frauen, Mädchen, auch die eben erreichbare Fuchsengassenjugend. Die Fuch'sche Wirtschaft gewann übrigens dadurch besondere Bedeutung für die Stadt, als schon etliche Jahre vor 1914 im Gasthaussaal die erste Begegnung mit den 'laufenden Bildern' zu erleben war.

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