Forchheim in alten Ansichten

Forchheim in alten Ansichten

Auteur
:   Alfred Frank
Gemeente
:   Forchheim
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2672-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Forchheim in alten Ansichten'

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39. Ein malerischer Winkel der alten Stadt zeigt sich auf der Ansichtskarte vom Lohmühlgäßchen um die Jahrhundertwende, das im Namen an das ehemals bedeutsame Gerbergewerbe erinnert, das aber auch dadurch wirtschaftsgeschichtliche Bedeutung erlangte, daß in der bereits 1595 erwähnten Lohmühle (Schleifmühle) mit dem Fachwerkobergeschoß im Jahre 1894 der Elektriker Ostermann mit einer 5 kW-Dynamo-Maschine das erste elektrische Licht in der Stadt erzeugte. 1895 übernahm die Dynamoanlage der Mühlenbesitzer Georg Hagen und er baute seinen Betrieb zu einem Elektnzitätswerk aus, das drei Jahre spater von der Stadt erworben und schließlich zum Grundstock der öffentlichen Elektrizitätsversorgung wurde. 1899 konnten dann auch die elektrischen Straßenlampen die seitherigen Gaslaternen ablösen.

40. Die Aufnahme von 1910 gewährt nur einen recht bescheidenen Einblick in einen historischen Straßenverlauf, die Burgerhofstraße, deren Geschichte dafür sechs Jahrhunderte weit zurückzuverfolgen ist. Schon 1372 erwähnt der Bamberger Bischof Ludwig von Meißen 'den Hof zu Forchheirn, Bürgerhof genannt', der hernach als 'Burgershof" einen städtischen Wirtschaftshof mit Stallen, Scheunen und Wohnungen darstellte. Raumbeherrschend erhebt sich in Bildmitte ein dreigeschossiges Giebelhaus aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts, dessen zweites Fachwerkobergeschoß unter Verputz liegt. Es war der frühere städtische Bauhof. Die Gebäudefolge der Straße ist heute weitgehend im Äußeren umgestaltet.

41. Jener Weg, der an der Hauptstraße begarm und zum Kirchhof (Friedhof) führte und von diesem aus in südlicher Richtung bis zum Rosengäßchen verlief, mußte schon mehrmals den Namen wechseln. Die ursprüngliche 'Pfaffengasse' wurde zur 'Kirchengasse', die neuerdings in 'St-Martin-Straße' umgetauft wurde. Der bis 1899 mit Pfaffengasse bezeichnete Straßenzug vom Kirchhof zum Rosengäßchen war vordem das Wohngebiet der hiesigen Priesterschaft, die nach der 1354 erfolgten Umwandlung der Pfarrei St. Martin in ein Kollegiatstift ein Kanonikat bildete. Die Priester lebten in eigenen Häusern, von denen es zuletzt acht gab. Die Aufnahme von 1910 zeigt ein solches Kanonikerhaus, den 1432 errichteten 'Steinhof", an den sich zur Kirche hin das nunmehr wieder sein Fachwerk zeigende Anwesen der Buchdruckerei Streit anschließt.

42. Wer könnte beim Anblick dieser Forchheimer Altstadtidylle nicht in Verzückung geraten! Die schon der älteren Generation Angehörenden dürften in lieben Jugenderinnerungen schwelgen, und die sich mit dem schwankenden Gegenwartsgeschehen nicht leicht zurechtfindenden Jugendlichen mögen sich überlegen, ob in dem Schlagwort von der 'guten alten Zeit' nicht I doch ein Körnchen Wahrheit liegen mag. Alles ordnet

sich zum Gleichklang: Der Blumenflor auf den Fensterstöcken, am Kellerhals, im Vorgarten, verkündet die Harmonie in der Familie, die sich gleichfalls auf den sonnentrunkenen Hofhund überträgt, sogar der Handkarren gewinnt von solcher Ausgeglichenheit, und die Tauben, die sich der Mittagsruhe hingeben, sind an sich ein Syrnbol schöpferischen Friedens.

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43. Nach Eröffnung der Eisenbahnlinie Nürnberg-Forchheim-Bamberg am 15. Oktober 1844 führte der gesamte Fahr- und Fußgängerverkehr über die Bahngleise beim Bahnhofsgebäude; Schranken konnten den Übergang sperren, die jedoch nicht selten zu lange geschlossen gehalten wurden, so daß ungeduldige Passanten regelwidrig unter diesen hindurchkrochen. Die Freigabe eines eisernen Fußgängersteges, der 'Reutherstraßenüberführung', am 21. Mai 1901 bedeutete eine wesentliche Verkehrserleichterung. Er bestand bis zum 28. November 1937, wo ihn eine neuangelegte Fußgänger-Unterführung ablöste. Im Hintergrund der noch aus der Zeit vor der Jahrhundertwende stammenden Postkarte ist die 1896 in neugotischem Stil erbaute evangelische St.-Johanniskirche zu sehen.

44. Die Ansichtskarte mit Bahnhof und Postgebäude von 1903 offenbart einen Gutteil örtlicher Verkehrsgeschichte, wenngleich in dem langgestreckten, nüchternen Gebäude, dessen Modernisierung 1938/1939 erfolgte, nicht ganz leicht das gegenwärtige, recht gefällige Bahnhofsgebäude zu erkennen ist. Bei dem damaligen Umbau wurde der Bahnhof erhöht, und die ursprünglich auf der Südseite befindliche Gastwirtschaft tauschte mit den im nördlichen Flügel untergebrachten Betriebsräumen den Platz. Das 1897 errichtete erste posteigene Dienstgebäude rechts im Bild war schon 1935 einer neuen Bahnhofspost gewichen. Seit 1891 wird die Eisenbahn zweigleisig betrieben, und 1899 begarm ihr elektrischer Betrieb.

45. Die Aufnahme des Reuther Tores, die noch vor 1875 entstand, ist schon deswegen eine Kostbarkeit, weil sonst von den nach erfolgtem Übergang der Festungswerke aus staatlicher in städtische Hand im Jahre 1875 unbedachten und unnötigerweise zerstörten Basteien, Tore, Türme, Mauern und Gräben lediglich die von dem Forchheimer Amateurmaler Michael Kotz mit dem Pinsel festgehaltenen Erinnerungen auf die Nachwelt gekommen sind. An diesem Reuther Tor, das 1567 Fürstbischof Veit IJ. von Würtzburg erbauen hatte lassen, begann die Stadtverwaltung 1875 mit den Abbrucharbeiten, die schließlich durch die Jahre hin auf die übrigen Festungsteile übergriffen und zwei Drittel davon pietätlos vernichteten.

46. Als 1969 das an der Ecke DreikirchenstraßejVogelstraße stehende, unscheinbare, als 'Torstoffelhaus' bekannte, seit Jahren aber unbewohnte Bauernhäuschen abgetragen wurde, da verschwand nur noch ein 'Schandfleck' aus dem Stadtteil. Ehemals war das Gebäude allerdings von einiger geschichtlicher Bedeutung für die Festung, als sich hier noch die Behausung des Wächters am Reuther Tor, des Torsperrers, befand, deren Geschichte bis 1608 zurückreicht, in welchem Jahre die Reuther-Tor-Bastei entstand. Als 1838 Forchheim die Festungseigenschaft verloren ging, gab es auch kein Tor mehr zu bewachen und auf- und abzuschließen. Das Wachhäuslein wechselte wiederholt seinen Besitzer, und 1870 erwarb es schließlich Christof Hoffmann aus Kersbach, den seine neuen Nachbarn kurz den 'Torstoffcl' hießen.

47. Mit der notwendig gewordenen Erweiterung des Festungsbereiches um die Mitte des kriegerfüllten 16. Jahrhunderts entstand zugleich ein architektonisches Kunstwerk, das jedoch an zwei Stellen noch besonders zu schützen war: am Ein- und Ausfluß der Wiesent. Die bewährten bischöflichen Baumeister erdachten sieh eine wirksame Sicherung in Gestalt des Südlichen und Nördlichen Wasserhauses oder -schlosses, und dem Nördlichen Wasserhaus am Bamberger Weg von 1577 entsprach nahe dem Nürnberger Tor ein Südliches von 1567. Deutlich ist auf der etwa einhundert Jahre alten Aufnahme neben den Schießöffnungen mit dem Wappenstein von 1569 auch der inzwischen eingelegte Mauerzug zum Nürnberger Tor hin zu erkennen. Der einstige Wehrbau ist später in die Stadtwerke am Streekerplatz einbezogen worden.

48. Das unter der Regierung des baufreudigen Kurfürsten und Fürstbischofs Lothar Franz von Schönborn 1698 errichtete Nürnberger Tor, das letzte Nürnberger und jüngste der ehemaligen vier Torwerke, ist bei der Zerstörung der Festung Forchheim allein erhalten geblieben. Die glanzvolle Architektur des auf den Italiener Antonio Petrini (1624-1701) zurückgehenden Bauwerkes und die Abwertung der bisherigen Tordurchfahrt infolge der geradlinigen Weiterführung der Hauptstraße am jetzigen Finanzamt begünstigten die Rettung. Die um 1880 entstandene Fotografie zeigt noch den breiten, von einer mehrbogigen Steinbrücke überlegten inneren Festungsgraben und den beiderseitigen Ansatz der Mauerfacen. Heute wirkt das seiner Nachbarschaft beraubte Bauwerk wie ein auf einer Waldblöße stehengelassener Baumriese.

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