Freckenhorst in alten Ansichten

Freckenhorst in alten Ansichten

Auteur
:   Klaus Gruhn
Gemeente
:   Freckenhorst
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6276-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Freckenhorst in alten Ansichten'

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Einleitung

Mit der Erlaubnis zur Herstellung und zum Versand bebilderter Postkarten im [ahre 1885 begannen überall in den deutschen Ländern Druckereien und Lithographieanstalten immer neue Motive breiten Käuferschichten anzubieten. Es wurde populär, Nachrichten, ErinnerungsgIÜße und Glückwünsche aller Art an Freunde und Verwandte zu senden. So wurden diese Bildpostkarten eine wichtige Quelle für die anschauliche Betrachtung unserer Städte und Ortschaften seit dem Ende des 19. [ahrhunderts. Für die anschauliche Vergegenwärtigung ihres Lebens und ihrer Gestalt sorgen gleicherweise Fotografien, die seit der Mitte des 19. [ahrhunderts in mehreren Entwicklungsschritten mit Hilfe der Daguerrotypie, der Glasplattentechnik und, zwischen 1884 und 1900, durch die Rollfilmentwicklung möglich wurden. Über beide Medien, die Bildpostkarte und die Fotografie, sollen die Gestalt und das Leben der münsterländischen Kleinstadt Freckenhorst zwischen 1850 und 1930 nacherlebbar und analysierbar werden. Die Kommentierung der 'alten Ansichten' wird zeigen, daß Bilder [ener Zeit nicht nur eine Ortsgestalt, Lebensumstände und Verhaltensweisen der Bürger dokumentieren, sondern auch historische Grundlagen und Bedingungen des Ortsbildes angesichts des schnellen Gestaltwandels durch Modernisierungsschübe und postindustrielIe Weiterentwicklung bewußtmachen können. Die 'alten Ansichten' können darüberhinaus als Grundlage für ein historisches Ortslexikon und als Beitrag zu einer Sozialgeschichte der Stadt gesehen und gelesen werden.

Der heutige Betrachter wird schnell bemerken, wie vielseitig Fotografie und Bildpostkarte eine vergangene Lebenswirklichkeit erfassen. Die Welt unserer Groß- und Urgroßväter erscheint in der Einfachheit ländlichen Alltags ebenso wie im Glanz von Sonn- und Festtagen. So wird die bauliche Erscheinung eines traditionsreichen Ortes ohne hektischen Autoverkehr in der Beschaulichkeit seiner humanen Maßstäbe

ebenso wie in der Begrenztheit eines in sich ruhenden Selbstbewußtseins erschlossen.

Die Sammlung der 'alten Ansichten' soll aber nicht in dieVerklärung einer 'guten, alten Zeit' führen, Vielmehr wird in den Bildern Orts-, Zeitund Gesellschaftsgeschichte transparent. Freckenhorst erlebte in der zweiten Hälfte des vorigen [ahrhunderts zusammen mit einem beachtlichen Bevölkerungswachstum eine tiefgreifende soziale Wandlung durch die Industrialisierung der vielhundertjährigen heimisehen Weberei. Aus dem kirchlichen Raum kamen 1852 durch die Gründung des Klosters Zum Heiligen Kreuz mit seinem Mädchenpensionat und 1882 durch die Gründung der landwirtschaftlichen Winterschule wichtige, weit über die Ortsgrenzen hinausgreifende Impulse für die ländliche Bildung. Die neben der Weberei durch das Ackerbürgertum und das Kleinhandwerk geprägte Bevölkerung erhielt eine den zeitrypischen Erscheinungen des technisch-wirtschaftlichen Fortschritts und des nationalen Selbstbewußtseins der wilhelminischen Epoche zwischen der Reichsgründung 1871 und dem Ersten Weltlctieg entspreeliende Formung, die sich insbesondere im mannigfach aufblühenden Vereinswesen manifestierte. Dies alles vollzog sich aber in den Begrenzungen und Verwurzelungen eines Städtchens und seines bäuerlichen Umlandes, die wesentlich der herausgehobenen, fast 1 OOOjährigen Geschichte eines Stiftes entsprangen. Um 860 als Frauenkloster von dem sächsischen Edlen Everword und seiner Frau Geva gegründet und seit 1495 als freiweltliches Damenstift bis zu seiner Auflösung am 13. August 1811 im Zuge der Säkularisation weitergeführt, hatte es das Leben der Menschen und die bauliche Gestalt des Ortes geprägt. Es ließ als Bezugspunkt des Alltags und des Ortsbildes die 1129 als dritten Kirchenbau am gleichen Platz errichtete romanische Stiftskirche, umliegende Kurien- und Klostergebäude und einen östlich angefügten

Schloßkomplex zurück, deren äußere Erscheinung zusammen mit den in Bildern festgehaltenen kirchlichen Traditionsfesten folglich einen Kern der 'alten Ansichten' ergeben.

Die Ansichten von Häusern, Straßen und Plätzen des Städtchens zeigen einen Ort ackerbürgerlicher Prägung, der heute fast verschwunden ist, obwohl er den Zweiten Weltkrieg ohne größere Schaden überstand. Bis zum [ahr 1930, das der Anlage der Buchreihe entsprechend das zeitli che Ende der bildbezogenen Betrachtungen darstellt, erscheinen Straßenführung und Ortskernbebauung so, wie sie sich seit dem Mittelalter kontinuierlich entwickelten.

1308 waren die im KlosterbezirkAngesiedelten erstmals cives, Bürger, eines Ortes genannt worden, der nicht durch Wall und Graben, sondern nur durch Schlagbäume geschützt war. In einem westlichen Halbbogen legte sich um Kloster und Kirche der geschlossene Wohnbezirk des 1498 etwa 550 und 1811, als der letzte Stiftsamtmann Bürgermeister wurde, 1 360 Einwohner zählenden Wigbolds. Ihnen wurde in wechselnden verwaltungsrechtlichen Bindungen die Bewohner der im Kirchspiel Preekenhorst zusammengefaßten umliegenden Bauerschaften zugeordnet. 1928 wurden die 1 093 Bewohner des Kirchspiels in die Stadt mit ihren 1 678 Bürgern eingegliedert, ein Vorgang, der den Prozeß der neuzeitlichen Verwaltungsgeschichte vorläufig abschloß, und ein Grund dafür, Bilder aus den Bauerschaften als Teil der 'alten Ansichten' zu sehen und zu verstehen.

Seit dem 1. [anuar 1975 ist die Gemeinde mit heute rund 7 000 Einwohnern Teil der Stadt Warendorf, ohne daß die Bürger der 'Stiftsstadt' das Bewußtsein von eigener Geschiclire und Tradition verloren hätten. Es ist diese Eigenstàndigkeit, die viele Bilddokumente innerhalb der 'alten Ansichten' veranschaulichen.

MitWehmut und Befremden muß der Betrachter der Bilderfolgen fest-

stellen, daßVieles von dem alten Baubestand der Stadt Freckenhorst durch Abriß und Neubau insbesondere zwischen 1950 und 1980 unwiederbringlich dahingegangen ist. Während die Industrialisierung des Ortes um die jahrhundertwende, von der mehrere Bilddokumente Zeugnis ablegen, die Bebauung des 17. und 18. [ahrhunderts im Wesentlichen unangetastet ließ, haben Wandlungen des Lebensstils, Verkehrsführung durch den Ort, Nutzungsänderungen und ein oft ungehemmtes Modernisierungsstreben bei gleichzeitigem Verlust an Geschichtsbewußtsein für mehrere Iahrzehnte einen solchen Gestaltwandel bewirkt, daß die Bilddokumente heute dazu beitragen kónnen, historische Grundlagen und Bedingungen der Stadigestalt wieder freizulegen und so bewußt zu halten, daß die verbliebenen Identifikationsmöglichkeiten bewahrt bleiben.

In diesem Sinne sei 'Freckenhorsr in alten Ansichten' allen Heirnatfreunden, den zum Teil seit Iahrhunderten hier verwurzelten Bürgerund Bauernfamilien und den vielen Neubürgern gewidmet, die sich rings um den aus der fruchtbaren münsterländischen Tiefebene aufragenden 'Westfälischen Bauerndom' angesiedelt haben.

1 Der Steindruck 'Freckenhorst von der Südseite' stellt die wohl bekannteste und schönste historische Ansicht der Stiftsstadr dar. Zur Jubelfeier zum 1 OOOjährigen Bestehen von Stift und Kirche

1 852 hatte der Dechant Hermann Schulte (1839-1859) in der Werkstatt J. Wiener, Brüssel, eine Gedenkmünze schlagen und in der 1800 in Emmerich gegründeten Buch- und Steindruckerei des [ohann Lambrecht Romen vorliegende Ansicht drucken lassen. Der Druck erfaßt die Ortsgestalt van Süden bis Nordosten vom Wörden aus. Die als Staffage gewählten Vordergrundfiguren tragen münsterländische Bauerntrachten des 19. [ahrhunderts.

Die dominante Stiftskirche, noch ohne den 1580 eingestürzten und erst 1860 wiedererrichteten nordwestli ehen Rundturm, ist eingefaßt van den alten Klostergebäuden beim Kreuzgang und

dem Schaugiebel des Schlosses. Der herausragende Doppelgiebel arn rechten Bildrand gehört zum 1965 abgerissenen barocken Dechaneigebäude.

2 Der 'Grundriß des Wigbolds Freckenhorst' von 1793 verschafft einen guten Überbliek über die historische Gestalt des Ortes. Parzellierung und aufgelockerte Bebauung zeigen ackerbürgerliches Gepräge. Ein Nord-Sûd-Achse von Osnabrück-Warendorf nach Hamm legt sich in einem weiten Bogen um die Ortsmitte, Markt und Stiftsfreiheit. Von ihr zweigen zwei wichtige Wege ab, der vom Markt in nordwestlicher Richtung ausgehende Mûnsterweg, die heutige Westerfelder Straße, und die nach Südosten weisende Berg- oder Barkstraße, die heutige Westkirchener Straße. Die Stifiskirche und die östlich angefügte schloßartige Residenz der Äb-

tissin mit dazugehörigem Brau- und Beginenhaus sind durch Ansichtszeichnung aus der Vogelschau ebenso hervorgehoben wie die von einem Wassergraben umgebene Alte Dechanei rnit ihrem barocken Kunstgarten am nördlichen Ortsrand.

3 Diese, soweit bekannt, früheste fotografische Aufnahme Freckenhorsts vom Turm der Stifiskirche von etwa 1912 zeigt die von Norden hereinführende Warendorfer Landstraße zwischen dem Weißen Kreuz unter zwei mächtigen Linden und dem Bahnhofsgebäude mit der Hausgruppe der Firma Sendker, die den Ortseingang bilden. In der Bildmitte erhebt sich unter hohem Walmdach in völlig freier Lage die 1726 erbaute Alte Dechanei am Platz des heutigen Altenheims Dechaneihof. Von den die Bogenlinie der Langenstraße, heute Warendorfer Straße, säumenden Häusergruppen

sind reizvolle und historisch bedeutende Bauten heute verschwunden, so das in der Bildachse unterhalb der Dechanei liegende traufenständige Walmdachhaus Mersmann, später Kosters, das

vordem Buchholtzsche Kurie und, von 1848 bis 1863, Ortskrankenhaus war.

4 In der Reihe der 'Kunstund Geschichtsdenkmäler der Provinz Westfalen' erschien 1886 ein Band über den Kreis Warendorf, der aus der Feder von j.B. Nordhoff eine erste umfassende wissenschaftliche Darstellung der Bau- und Kunstwerke Freckenhorsts enthielt. Neben den beigefügten Fotos, Grund- und Aufrißzeichnungen findet sich auch ein vom Bruder des Autors gefertigter, mit 'F.A. Nordhof[ 1881' signierter Stahlstich der Stiftskirchenansicht von Nordosten. Er zeigt die kreuzförmige Basilika mit dern Kernbau von 1129 und der östlichen Chorergänzung des 13. Iahrhunderrs, vier der fünfTürme sowie die stark ausgeweiteten Pensteröffnun-

gen späterer Zeit und das bereits 1841 niedergelegte Kreuzhäuschen mit seiner Doppelpforte an der Nordseite des Langhauses.

5 Die Postkartenansicht der Stiftskirche St. Bonifatius van Nordwesten stammt noch aus dem 19. Iahrhundert. Das ist vornehmlich an den traufenständigen Fachwerkbauten südlich des Kirchplatzes zu erkennen, die von 1902 bis 1904 durch den Neubau der Landwirtschaftlichen Winterschule ersetzt wurden. Der Baukörper der Kirche zeigt sich im grauen Putzüberzug aus dem Iahre 1860, den davon weiß abgesetzten Laibungen der seinerzeit vergrößerten Rundbogenfenster, dem neugotisch erneuerten Nordportal mit der daran westlich anschließenden Taufkapelle sowie den Stützpfeilern, die das Gewände im Lot halten sollten. Das Sandsteinmauer-

werk wurde 1927/28 wieder freigelegt, die Stützpfeiler entfernte man im Zuge der Kirchenrestaurierung 19551962 nach Rückbau der Fensteröffnungen in ihren ursprünglichen Zustand.

6 In mehrfacher Hinsicht bedeutsani ist die Innenaufnahme der Stiftskirche, die den Vierungsabschluß nach Westen, das dreischiffige Langhaus und den Raumabschluß mit seiner Orgelempore im Zustand von 1901 festhält. Der Raum ist geprägt durch die von Victor von der Forst zwischen 1 89 1 und 1899 nach Entwürfen des Miinsterschen Architekten Rincklake geschaffenen Ausmalung. 1955-1962 stand eine erneute Restaurierung der Kirche unter der denkmalpflegerischen Idee der 'Rückgewinnung der raumarchitektonischen Form', so

daß von der neoromanischen Architekturmalerei und den vielfigurigen Historienbil-

dern nichts erhalten blieb. Ebenso verschwanden die Mettlacher Bodenplatten und die Orgelempore mit dem dekorativen barocken Prospekt von 1 71 1, einer Stiftung der Äbtissin Gertrud von KorffSutthausen, sowie die künstlerisch wenig bedeutsame neoromanische Kanzel.

7 Die grundlegende Innenrenovierung der Freckenhorster Stiftskirche von 1 957 1962 schloß weitgehende Umsetzungen der Kunstgegenstände ein und schuf völlig neue Raumeindrücke. Sie betraf auch die zweijochige Taufkapelle, die zum Erdgeschoß des 1860 erneuerten nordwestlichen Rundturmes hin apsisartig geöffnet war. Die Nische barg einen barokken Altar mit vollplastischer Marienfigur, Voluten und abschließendem Strahlenmotiv sowie kleineren Assistenzfiguren der Heiligen Agatha und des Evangelisten Johannes,

die heute das nördliche Seitenschiff zieren. Die Tumba mit der vollplastischen Sufterinnenfigur der Geva aus dem

12. jahrhundert fand Aufstellung in der Krypta, während der zylinderförmige Taufstein von 11 29 mit seinen berühmten Reliefdarstellungen des Heilsgeschehens in der Kapelle verblieben ist.

8 Aus dem europaweit tätigen Verlag der Gebrüder Klauber in Augsburg stammt dieses Andachtsbild aus der Mitte des 18. Iahrhunderts. Es zeigt in einer Ansicht von Norden die fünftürmige Stiftskirche mit dem 1841 abgebrochenen Kreuzhäuschen am heutigen Nordportal und der über seiner Doppelpforte angebrachten Kanzel für Predigten bei Pilgergottesdiensten und Prozessionen. Das Kreuzhäuschen von 1454 diente auch zur Aufbewahrung einer Kreuzreliquie, die hier, von einem Engel getragen, in barocker Ummantelung auf göttlicher Strahlenbahn Segen verheißend über dem Kirchenraum schwebt. Ein informativerText in schöner Kartu-

sche, aus der sich ein pflanzenhaftes Rankenwerk entwiekelt, faßt die Darstellung unten und seitlich ein. Schon 1 3 1 2 hatte der Bischof von Osnabrück den Besuchern des Heiligen Kreuzes einen Ablaß gewährt. Nach dessen Verlust in der Reformationszeit war

1 743 mit der Besorgung einer neuen Kreuzreliquie aus Rom die Wallfahrt nach Freckenhorst wieder aufgeblüht.

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