Freckenhorst in alten Ansichten

Freckenhorst in alten Ansichten

Auteur
:   Klaus Gruhn
Gemeente
:   Freckenhorst
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6276-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Freckenhorst in alten Ansichten'

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9 Seit altersher gilt in Freckenhorst das Fest inventie crucis. Kreuzauffindung, das am ersten Maisonntag gefeiert wird, als das glanzvollste im Kirchenjahr. Die Gottesdienste finden ihren zweifachen Höhepunkt in einer Sakramentsprozession und durch ein von Orchestermusik und Chorgesang begleitetes Hochamt. Als 'Krüßmg' oder 'Krûtzen' ist der Tag weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt. Schon um 1090 ist die Kreuzverehrung in Freckenhorst urkundlich belegt. Im 1 3. [ahrhundert enrwickelt sich eine Wallfahrt zur hier aufbewahrten Kreuzreliquie, und die dem Heiligen Bonifatius geweihte Kirche wird zeitweise sogar' ecclesia sanctae

crusis ' genannt. So kann die Krüßingprozession auf eine vielhundertjährige Tradition zurückblicken. Ihre sinnenfrohe Prachtentfaltung zeigt unser Bild aus dem Iahre

192 9, auf dem lilientragende

'Engelchen' der Priesterschaft und dem Sanctissirnum voranschreiten.

101m jahre 192 9 feierte man in Freckenhorst die 800. Wiederkehr des Weihetages der Stiftskirche. Das Jubiläum fand seinen äußeren Höhepunkt in der Krüßingprozession durch die mit mehr als einhundert Ehrenbögen besonders festlich geschmückte Stadt. Die erste Segensstation war traditionsgemäß die doppelläufige Freitreppe an der Südseite des Schlosses. Vor ihr knien die Honoratioren der Stadt zum Segen nieder, den der Abt des Benediktinerklosters Weingarten, Ansgar Höckelmann (1862-1943), ein Sohn der Gemeinde, erteilt. Um den Mittelbalkon wölbt sich eine von einem Kreuz überhöhte Stoffdraperie. Kirchenfahnen und die

schwarz-weißen Flaggen der Familie von Westerholt-Merveldt akzentuieren das denkwürdig- feierliche Ereignis.

11 Der hier in der Prozession zur 800-Jahrfeier der Stiftskirche St. Bonifatius unter dem Ehrenbogen an der Kreuzung Schmiehausen hindurchgetragene Silberschrein der Heiligen Th.iatildes gehört zu den großen kunsthistorischen Schätzen der Freckenhorster Kirche. Der sächsische Adelige Everword und seine Frau Geva setzten, kinderlos geblieben, ihre Nichte Thiatildis als erste Äbtissin des von ihnen 861 gegründeten und reich dotierten Klosters Freckenhorst ein. Bis heute wird am 30. Ianuar das

N amensfest der Thiatildis in der Ortskirche liturgisch feierlich herausgestellt. Schon seit dem frühen Mittelalter als heiligmäßig verehrt, werden

ihre Gebeine seit 1669 in einem kostbaren Silberschrein verwahrt, den der Fürstbischof Christoph Bernhard van Galen anläßlich des Abschlusses der Gegenreformation in seinem Territorium stiftete.

12 Der 'Siegeszug' der Bildpostkarte begann bald nach ihrer Einführung 1 885. In Freckenhorst widmeten sich ihrern Druck die Kleinverleger JosepfRöhrs undA. Lütkenhaus. Eines der schönsten Ergebnisse der Tätigkeit von]. Röhrs ist die kolorierte und retuschierte Ansicht von Schloß und Kirche von der ostwärts gelegenen und vom Brüggenbach umflossenen 'Insel' her. Es ist dies der Ort, an dem die alte Burgstätte der Ritter von Vernhove vermutet wird, Von seiner karolingischen Gründung her stand das Kloster Freckenhorst wie die anderen Klöster und Sufte unter dem Schutz ritterbûrtiger Ministertalen. Das auf dem Vernhof (Fronhof) sir-

zende Geschlecht, das um 1350 ausstarb, bekleidete auch das Amt des stiftischen Schulzen.

Gruss aus Freckenhorst

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13 Ursprünglich wohnte die Äbtissin innerhalb der Klausur der Klostergemeinschaft, ehe mit der Urnwandlung des Klosters in ein freiweltliches Damenstift im 16. [ahrhundert die Abtei aus dem Klausurbereich herausrückte. 1740 wurde als letzter Großbau der Stiftszeit das heutige Schloß östlich der Kirche als neue Abtei durch den churfürstlich-kölnischen Hofarchitekten c.F. Nagel errichtet. Der Dreiflügelbau mit neunachsiger Schauseite nach Süden, dessen Mittelrisalit über elegant geschwungener Freitreppe im Giebelfeld das Wappen der Erbauerin, Clara Francisca von Westerholt (1722-1763) trägt, zeigt sich hier noch mit dem schönen

Walmdach, das 1903 durch den Einbau eines Dachgeschosses überhöht wurde. Mit der Aufhebung der Abtei

1811 ging der Besitz auf den preußischen Staat und sodann von Oberstleutnant Zühleke

1841 an die gräfliche Familie von Merveldt über.

14 Zu dem um 851 von dem sächsischen Edlen Everword gegründeten Kloster Freckenhorst gehörte ein Kreuzgang südlich der Kirche, im Volksmund auch unter dem seit dem 14. [ahrhundert beurkundeten Namen 'Paß' bekannt. Die hier abgebildeten südlichen und westlichen Flügel mit von paarigen Säulen und reich skulptierten Kapitellen getragenen dreifachen Rundbögen unter zusammenfassenden Blendarkaden stammen aus dem 13. Jahrhundert. Sie zeigen noch die Überbauungen des 1 7. [ahrhunderts, drei ehemalige Kurien von Stiftsdamen sowie über dem Westflügel das beim Bau der Landwirtschaftlichen Winterschule untergegangene

Hanxledensche Kanonikat von 1671. Im vor 1900 baumbestandenen Quadrurn befindet sich eine Wasserpumpe über dem alten Klosterbrunnen. Den Ostabschluß bildet an der Stelle der

heutigen Sakristei ein Manerrest des 1844 eingestürzten Kapitelhauses.

151m Freckenhorster Kloster Zum Heiligen Kreuz, das heute als Altenheim dient und in seiner Bausubstanz 1996 verschwindet, vollzog sich ein wichtigerTeilländlicher Bildungsgeschichte in Westfalen. Der außerordentlich tatkräftige pfarrdechant Hermann Schulte (1798-1859) berief im Jubiläumsjahr der Stiftsgründung 1852 Franziskanerinnen aus Heythuysen zur Führung eines Schulinternats nach Freckenhorst, und bereits 1857 war ein repräsentatives Kloster- und Schulgebäude im neogotischen Stil mit abgestuftem dreiachsigen Mittelgiebel und achteckigen Ecktürmchen in damals freier Lage am südlichen Ortsrand fertiggestellt. Die Lithogra-

phie von 1857 ist seine früheste Ansicht und schmückte den ersten Prospekt des 'Pensionats für die religiös-sittliche Erziehung undAusbildung der weiblichen Jugend' .

16 Es war die Absicht des Initiators der Pensionatsgrûndung in Freckenhorst, des Dechanten Schulte (17981859), Bauerntöchtern des Münsterlandes unter Einbeziehung wissenschaftlichen Unterrichts eine umfassende hauswirtschaftliche Ausbildung zu verschaffen. Nach einem erstenAufblühen des Instituts werden die Franziskanerinnen während des Kulturkampfes in Preußen 1876 ausgewiesen und können erst 1 888 zurückkehren. Danach beginnt eine Erfolgsgeschichte des Internats als Haushaltungs-, Landfrauen- und Berufsfachschule bis zur Schließung im Iahre 1973. Die Postkarte von etwa 1905 läßt uns mit einem Bliek auf die

von den 'Saaltöchtern' festlich gedeckte Tafel Prestige und hohen sozialen Anspruch der hauswirtschaftlichen Aus bildung im Kreuzkloster erkennen.

17 Das 'Pensionat zum heiligen Kreuz' von 1857, das bis 1973, zuletzt als Berufsfachschule, fortbestand, kann als in vielfacher Hinsicht beispielgebende ländliche Bildungsinstitution gesehen werden. Zu den Schülerinnen zählten selbst Bauerntöchter aus dem ostpreußischen Ermland, aus den Niederlanden und aus Belgien. Französisch und Musik gehörten zum Schulprogramm. Ein Gönner der Schule war der Bauernpolitiker B. von Schorlerner-Alst, Wohl nicht ohne seine Anregung wurde ihr um 1890 eine lehrmolkerei mit Käseverarbeitung angeschlossen. landaufkäufe westlich der

Klostergebäude ermöglichten einen landwirtschaftlichen lehrbetrieb, aber auch die Einrichtung einer pavillonartigen Sommerturnhalle mit Spielplatz zu sportlichen Übungen und Freizeitvergnü-

gungen, die wir in einer Aufnahme des jahres J 907 sehen.

freckenhorst .L

Pensionat zum heil. Kreuz. Turnhalle und Spielpletz,

1 8 Die Landwirtschaftsschule Freckenhorst wurde 1882 als 'Winterschule' von dem pfarrverwalter Dr. Sprickmann-Kerkerinck mit Unterstützung des Westfälisehen Bauernvereins gegründet. Ihre zweijährigen Internats- Winterkurse fanden weit überWestfalen hinaus solchen Zuspruch, daß 1902-1904 ein dreistöckiger Neubau zwischen der zunächst benutzten ehemaligen Hanxledensehen Kurie und der barocken Böselagersehen Kurie errichtet werden mußte.

1921 ging die Schule in die Trägerschaft der Landwirtschaftskammer über. Bis

1934, als die Schule nach Warendorf verlegt wurde, hatten 5295 Schüler sie besucht, da-

von neben 18 Prozent aus dem Kreis Warendorf, 53 Prozent aus dem übrigen Westfalen und 7,5 Prozent aus dem ostpreußischen Ermland. Einige von ihnen stehen auf dem Postkartenbild des jahres

1907 hinter dem Kriegerdenkmal. Seit 1889 schloß es den Stiftsplatz ab. 1951 wurde es durch ein Ehrenmal am Ostgiebel der Petrikapelle ersetzt.

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