Freckenhorst in alten Ansichten

Freckenhorst in alten Ansichten

Auteur
:   Klaus Gruhn
Gemeente
:   Freckenhorst
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6276-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Freckenhorst in alten Ansichten'

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19 Am 21. Juni 1910 ließ sich der Rektor Heinrich Everding rnit seiner Familie vor dem Haus, das sowohl Jungenschule als auch Lehrerwohnung war, fotografieren. Es war dies die 19 1 2 abgerissene barocke Kurie des Kanonikers Gröning an der nördlichen Kirchhofseite, der am gleichen Ort 1913 das noch erhaltene Gebäude der Mädchenschule folgte. Die Schule war 1 81 5 vom Südende des Marktes durch Reskript des ersten Oberpräsidenten von Westfalen, Ludwig Freiherr von Vincke, in die Gröningsehe Kurie verlegt worden. Ihre idyllische Gartenseite läßt den liebenswerten Reiz der Kanonikatsgebäude nachempfinden, die den Kirch-

platz umstanden und den die Dichterin Annette von DrosteH ülshoff beschrieb.

20 Etwa 180 Kinder drängen sich im [ahre 191 3 vor die Kamera auf dem Hof des 1896 an der Warendorfer Straße zunächst für Mädchenklassen errichteten Schulhauses. Links im Bild ist der von 1910 bis 1932 in Freckenhorst tätige Lehrer Heinrich Schütter, Verfasser der Pestschrift 'Freckenhorst Einst und Ietzt' von 192 9, daneben der Lehrer Franz Eggert und, ohne Hut, Rektor Heinrich Everding (1894-1932) zu sehen. Die ständige Zunahme der Schülerzahlen vor und nach der Jahrhundertwende führte zu mehreren Urn-

und Neubauten und damit verbunden zu organisatorischen Differenzierungen und Umzügen im Volksschulbe-

reich. Gesichter und Kleidung der Kinder auf unserern Bild spiegeln durchaus auch die soziale Situation der alten Weberstadt in der Phase industrieller Wandlung.

21 Am Karfreitag 1900 begaben sich 'unter Blitz und Donner, dem dann ein furchtbar strömender Regen folgte', alle Freckenhorster Gymnasiasten außer dem erkrankten Max von Merveldt in ein Fotoatelier, um sich vor der gemalten Kulisse der Nachbarstadt Warendorf für die Nachwelt fotografieren zu lassen. Sie bildeten die kleine Gruppe derer, die das ehrwürdige Gymnasium Laurentianum Warendorfbesuchen durften oder konnten, damit als 'Cornmilltonen'. wie sie sich selbst nannten, eine humanistische Schulbildung erwarben und Zugang zur schmalen Führungselite

des Kaiserreiches erhielten. Wir sehen (stehend von links): G. Wirth UIl; A. Schleppinghoff Ol; Th. Höselmann, K. Lohmann und F. von Merveldt OIII. Sitzend von links:

K. Sch. Vels, A. Burgholz UIl;

B. Brinkrnann und]. Linnenkemper or. Liegend: A. Westhoff und H. Heitmann IV.

22 Eine Maurerkolonne mit Keilen und Speiseimern bei Urn- undAusbauarbeiten im Kreuzkloster Freckenhorst: Es handelt sich um zwölf Arbeiter der 1895 im Zusammenhang mit der Errichtung von Fabrikationsstätten für die aufblühende Textilindustrie in Freckenhorst gegründeten Bauunternehmung Bernhard Niemerg. 1930 übernahmen die beiden Söhne des Gründers das Unternehmen, das in der Wiederaufbauphase in Westdeutschland nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges stark expandierte. In vierter Generation trat 1986 Karl-Heinz Niemerg in die inzwischen von den Gründerenkeln Bernhard und Karl geführte Firma mit heute

25 Mitarbeitern ein. Sie bietet ein Beispiel für die aus handwerklichen Traditionen erwachsene mittelständische Wirtschaftskraft in unserem Raum.

23 In der Geschichte der 1129 geweihten Stiftskirche St. Bonifatius kommt es im Laufe der Iahrhunderte zu vielfältigen Restaurierungsarbeiten. Unser Bild von 1919, aus der Höhe der östlichen Vierungstürme aufgenommen, zeigt die Wiedererrichtung der 56 maufragenden Turmhaube des Westwerks. Sie war 1913 wegen Baufälligkeit niedergelegt worden. Während des Ersten Weltkrieges blieb derTurm mit einem Pultdach notdürftig abgedeckt. Spendengelder der Gemeinde unter ihrem Dechanten J. Lütten ermöglichten danach den Aufbau durch den heimisehen Zimmermeister H. Serries und seine Werkleute, die sich am 26. Oktober

1919 zum Richtfest im Turmgebälk aufgestellt haben, 'im sechsten [ahr des Ponrifikats seiner Heiligkeit Papst Benedikt XV, als Johannes Poggenburg Bischof von Münster und ]oseph Horsch Amtmann in Freckenhorst war' , wie eine in den Knauf des Turmkreuzes eingelassene Urkunde festhält.

24 Das ausgehende 19. und beginnende 20. [ahrhundert war auch unter den Menschen auf dem Lande trotz konservativer Grundhaltung von Fortschrittsdrang und großerTechnikgläubigkeit geprägt. Neue Fortbewegungsmöglichkeiten banden immer größere Räume in immer kürzerer Zeit aneinander. So wie heute im Auto, sahen um 1900 junge Menschen im eigenen Fahrrad ein allerdings nur wenigen erreichbares Traumziel individueller Lebensgesta1tung. Zwei Preekenhorster Handwerkersöhne, Heinrich Beuning und Franz Klüsener, bauten zum Erstaunen der Ortsbevölkerung verkehrstüchtige Räder einschließlich des erst 1879 von

H.}. Lawson erfundenen Kettenantriebs zusammen und ließen sich als erfolgreiche 'Konstrukteure' vor der neobarocken Park- und Prachtkulisse eines örtlichen Fotoateliers fotografieren.

25 'Domper' nannte man in der niederdeutschen Mundart die Dampfmaschine, die unter erheblichen Auspuffstößen über Rad und Band das Dreschen mechanisierte und vereinfachte. Um 1900 hatten die Bauern Gronewöller und Serries Dampfmaschinen angeschafft und vermieteten sie viele Iahre lang an andere Bauern, die das auf schweren Eisenfelgen ruhende Gerät mühsam von pferden zum Einsatzort, hier auf den Hof Bolte, ziehen ließen, wo trotzdem noch bis zu zwölfHelfer beim Dreschen nötig waren. Der Dömper veranschaulicht den Beginn jener Mechanisierung, die im ältestenArbeitsbereich Freckenhorsts, der Landwirtschaft, in diesem

Jahrhundert eine stille Revolution auslöste, 316 bäuerliche Hofstellen bei 2 300 Einwohnern in Stadt und Kirchspiel gab es im [ahre 1830. Einhundertfünfzig [ahre später war ihre Zahl bei 7 300

Einwolmern auf 117 und bis heute auf unter hundert Familienbetriebe gesunken.

26 In derTüröffnung des Kolonialwarengeschäftes Hermann Breede mit angeschlossener Drogerieabteilung, der einzigen am Ort, steht die Frau des Besitzers mit vier ihrer sechs Kinder. Das traufenständige Fachwerkhaus, in der Langen Straße neben dem Haus Düpmann gelegen, ist im Kataster von 1 825 noch nicht verzeichnet. Hermann Breede hatte nach seiner Militärdienstzeit mit besonderem Verkaufsgeschick die Erzeugnisse der Freckenhorster Heimweber vertrieben, 1891 eine eigene Fabrikation gegründet, 1894 Maria Bornefeld aus Everswinkel geheiratet und das hier abgebildete Haus gekauft. Es kann als Stammhaus des einzigen heu-

te noch in Freckenhorst bestehenden einheimischen Webereibetriebes gesehen werden. Im Zuge einer Betriebsausweitung der Firma Breede wurde es 1927 abgerissen.

27 In die Häuserfolge Schwerbrock und Düpmann reihte sich seit 1 907 das Fabrikationsgebäude der Plüschweberei Breede ein. Die vier Fensterachsen auf unserern Bild bezeichnen den Erweiterungsbau von 1927 im Bereich des niedergelegten Stammhauses, das mit dem Bau der Villa Breede an der Everwordstraße 1924 seine Funktion verloren harte. Am Einfahrtstor stehen die Söhne des Gründers, Bernhard und Heinrich Breede, als auf dem Dreigang-Hanomag Lieferwagen mit einem PS und 1 2 km/h Höchstgeschwindigkeit 1928 ein bedeutender Überseeauftrag von Velourware nach Shanghai die Fabrik verläßt. Zug um Zug wurde der

Betrieb noch vorTrassierung der Merveldtstraße seit 1948 an den Feidiek verlegt. Die frühzeitige Spezialisierung auf hochwertige Mohair- Velourstoffe sicherte sein Überleben als einzige ortsansässige

Weberei mit heute achtzehn Webstühlen.

28 Ein unbekannter Kunstler des 19. Jahrhunderts malte ein Ölbild, das sich heute in Freckenhorster Privatbesitz befmdet und eine fast gänzlich untergegangene Situation am Stiftshof festhält: Rechts sieht man das Stammhaus der Familie Zurwieden. Hier wurde vor der Firmengründung von 1892 an zwei Handwebstühlen gearbeitet. Die Ware setzte man, wie bei allen Handwebern ûblich, im Verlagssystem ab. Vor 1930 beherbergte das Haus zeitweise den Kindergarten, wurde dann von zwei Familien bewohnt und 1 967 abgebrochen. Verschwunden ist auch das hochgieblige, mit seinem Putzbewurf und den hohen, in fünf Achsen angeordneten

Fenstern repräsentativ wirkende Haus des Schreiners Tipkemper aus dem 18. jahrhundert. Für den Schreinereibetrieb lagern Baumstämme in der Bildmitte. Einzig das Haus Heckmann, heute Nee-

hus, hat den Wandel der Zeiten überdauert.

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