Friedrichstadt in alten Ansichten

Friedrichstadt in alten Ansichten

Auteur
:   Stadt Friedrichstadt, unter Mitwirkung der Gesellschaft für Friedrichstädter Stadtgeschichte
Gemeente
:   Friedrichstadt
Provincie
:   Schleswig-Holstein
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3347-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Friedrichstadt in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Friedrichstadt, am Zusammenfluß der Eider und Treene in den Marschen des westlichen SchleswigHolsteins gelegen, ist eine Stadt, die auf dem Reißbrett geplant wurde. 1621 wurde der Grundstein zum ersten Haus gelegt. Knapp 15 Jahre später standen die meisten Häuser an den schnurgeraden Straßen 'nach zierlicher holländischer Manier erbauet', wie es in einer alten Überlieferung heißt,

Der junge, ehrgeizige Herzog Friedrich lIL von Schleswig zu Gottorp hatte den Mitgliedern der in den Niederlanden nicht geduldeten Bruderschaft der Remonstranten in seiner neu zu erbauenden Stadt Religionsfreiheit versprochen. Nach vorsichtiger Prüfung des Angebotes siedelten sich diese Glaubensflüchtlinge hier an und schufen sich zusammen mit anderen 'frernden Religionsverwandten' , Mennoniten und Katholiken, tatkräftig eine neue Heimat. Quäker und Juden kamen später hinzu; sie alle errichteten wie die evangelisch-lutherischen Landeskinder hier ihre Kirchen, Bethäuser und eine Synagoge. Religiöse Toleranz machte ein friedliches Zusammenleben durch die Jahrhunderte hindurch rnöglich, Vielfach lebten Angehörige verschiedener Konfessionen in einem Haus ohne Streit beieinander; eine Bevölke-

rungsstruktur, die sich in den ersten Jahren des Dreißigjährigen Krieg bildete.

Friedrich lIl. ließ sich aber nicht nur von der religiösen Toleranz leiten. Ebensosehr waren es wirtschaftliche Gesichtspunkte, die ihn veranlaßten, eine Stadt im Westen seines Herzogtums zu errichten. Sie sollte eine Konkurrenz zu Hamburg werden! Daraus wurde nichts. Immerhin aber entwickelte sie sich sehr schnell zu einem Zen tra lort für die angrenzenden Landschaften Eiderstedt, Dithmarschen, Stapelholm und die Südergoesharde im Norden. Die Fähre über die Eider bei Friedrichstadt war die einzige nennenswerte Nord-Süd-Verbindung westlich von Rendsburg, und vom Hafen aus fuhren die Schiffe der hier ansässig gewordenen Reeder nach Holland, Frankreich, England, bis in die Levante und in die skandinavischen Länder. Es ist Chronistenpflicht, in diesem Zusammenhang besonders die Mennoniten zu erwähnen, die mit ihrem ausgesprochenen Geschäftssinn, ihrer Sparsamkeit, ihrer standhaften Frörnmigkeit und ihrem Ruf als 'ordentliche Kaufleute' viel zum Gelingen der Handels- und Gewerbetätigkeit beitrugen.

Friedrichstadt sollte eine friedliche Stadt bleiben, so

war es jedenfalls gedacht. Befreiung von Einquartierung wurde den Bürgern versprochen, und ihre Stadt sollte nicht befestigt werden. Doch schon bald nach der Gründung zogen Soldaten des Dreißigjährigen Krieg hier ein. Ein Schutzbrief des Großen Kurfürsten bewahrte die erschreckten Bürger vor der Plünderung. Dänen, Schweden und Russen waren im 1 7. und 18. Jahrhundert mehrmals in der Stadt, ohne daß Häuser und Bürger ernsthaften Schaden nahmen, bis 1850 die Auseinandersetzung zwischen den Schleswig-Holsteinern und Dänen den größten Teil der schönen alten Stadt in Schutt und Asche sinken ließ. Dänische Truppen verschanzten sich vor der Stadt. Ihre Verteidigung wurde begünstigt durch das Aufstauen des Treenewassers. Schleswig-Holsteinische Truppen versuchten die Stadt zu erstürmen, vergeblich. Bewußt ließ das Oberkommando der Schleswig-Holsteiner die Wohnstätten der gequälten Bürger beschießen. Es wurde eine Tragödie für die Bürger, für ihre alten Häuser und letzten Endes auch für die Soldaten.

Die Friedrichstädter Bürger begannen alsbald nach Beendigung der Streitigkeiten mit dem Wiederaufbau. Die geflohene Bevölkerung kehrte zurück, Handel und

Wandel begarm von neuem und aus den Trümmern wuchs jenes Friedrichstadt, über das in diesem Bildband berichtet wird: die Stadt unserer Großeltern. Friedrichstadt erlebte nach 1870 eine neue wirtschaftliche Blüte. Eine erstaunlich große Anzahl von kleineren Fabriken, viele Handwerks- und Handelsbetriebe gaben den Einwohnern der damals nur kaum mehr als 2 200 Menschen zählenden kleinen Stadt ihre Nahrung. Die Inflation nach dem Ersten Weltkrieg ließ alle diese Betriebe eingehen. Heute zeugt nur die Eidermühle noch von einstiger geschäftlicher Größe.

Unser Bildband beschäftigt sich mit dem alten Stadtkern, der mit seinen durch Linden umsäumten Burggräben und Sielzügen dahinträumt und mit den Menschen, die am Sonntag, wie unser Umschlagbild zeigt, Freude und Erholung auf dem Wasser der so beliebten Treene fanden.

Die Bilder stammen sämtlich aus dem Friedrichstädter Stadtarchiv. Den erläuternden Text hierzu schrieben Mitglieder der Gesellschaft für Friedrichstädter Stadtgeschichte unter Benutzung der im Archiv vorhandenen Literatur.

Blick auf Friedrichstadt oon Dithmarschen aus.

1. Bliek von Dithmarschen auf Friedrichstadt. Im Vordergrund der Fähranleger. Die Schiffe im Hafen und die Fabrikschornsteine im Hintergrund geben Kunde von der ehemaligen wirtschaftlichen Bedeutung der kleinen Stadt,

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2. 'Fährmann, hol rober!' Eine Straßenbriicke über die Eider gab es um 1913 noch nicht. Mit einem sogenannten Fährprahm ging es hinüber. Vom Fährmann Jacob Schemer wurde alles übergesetzt: Fuhrwerke und Autos, Fußgänger und reisende Händler, Rinder, Schafe, Schweine und sonstiges Viehzeug. Um 1880 wurden rund zwanzigtausend Personen mit dieser Fähre befördert. Der etwa 350 Meter breite Eideriibergang bestand an dieser Stelle schon in der Zeit vor der Stadtgriindung. Nach Bau der neuen Straßenbriicke um 1915/16 war die Fähre dann überflüssig geworden. Der Betrieb wurde eingestellt.

3. Ein prächtiges Exemplar von Stor, der hier von seinem Fischer stolz dem Fotografen präsentiert wird. Er wog rund 300 Pfund, war 3 Meter lang und brachte 25 Pfund Kaviar. In früherer Zeit spielte der Störfang auf der Eider eine große Rolle. Um 1885 kam es vor, daß ein Fischer bis zu 60 Stück in einer Fangzeit (von Mai bis Juli) mit nach Hause brachte. Während dieser Zeit suchten die Fische zum Ablegen ihrer Eier die norddeutschen Flüsse auf. Irn benachbarten Stapelhelm sollen Dienstmädchen sich bei ihrer Einstellung ausbedungen haben, daß nur zweimal in der Woche Störf1eisch aufgetischt werden durfte! Fleisch und Kaviar dieses Fisches gelten heute als besondere Delikatesse. Der letzte Stör wurde hier 1952 gefangen.

4. Der Hafen. Er war in den vergangenen Jahrhunderten einer der bedeutendsten Schiffahrtsplätze der Westkuste. Segelschifftypen wie Schniggen, Ewer und Schoner schrieben ebenso Hafengeschichte und waren hier beheimatet oder zu Gast, wie die ersten Dampfschiffe, die in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts den Hafen anliefen. Transportiert wurde fast alles: Stückgut, Getreide, Kohle, Steine, Dachziegel, Zement, Salz, Zucker um nur einiges anzuführen, Frachtverbindungen bestanden zu vielen bedeutenden Häfen in aller Welt. Bis zu 400 Schiffe liefen jährlich den Hafen an, in Spitzenzeiten wurden 42 Schiffe täglich gezählt. Der Hafen verlor an Bedeutung, als die Eisenbahnstrecke Hamburg-Husum und der Nordostseekanal gebaut wurden.

5. Überwintemde Schiffe im 'Bassin', Teil des Hafens. Im Hintergrund zwei Windmühlen vom Typ der Holländermühlen, die Komund die Malzmühle. Das Mahl- und Mühlenwesen bestimmte von jeher maßgeblich mit das wirtschaftliche Geschehen der Stadt. Es gab viele Arten von Mühlen: Neben den aufgeführten waren hier mehrere Ölmühlen, eine Senfmühle, eine Graupenmühle, eine Borkmühle und eine Knochenmühle beheimatet. Mahlgut, wie Getreide und Ölfrüchte, wurde von Friedrichstädter Kaufleuten in den urnliegenden Dörfern und Landschaften aufgekauft, Senf, Knochen und Eichenborke auch von weiter her eingeführt,

J P. KÖLL.', Darr pfmüb e Fre drichstadt, E oer

6. 'Kolln's Walzenmtihie'. Nach Abbruch der beiden Windmühlen wurde im Jahr 1912 diese neue, mit Dampf betriebene Mühle errichtet. Bis etwa 1920 war sie eine der modernsten dieser Art in Europa. 1935 gründete man als Nachfolgerin die Eiderrnühle AG. Heute ist die Eidermühle der größte hier ansässige Betrieb. Sie ist in Privatbesitz. Das Mahlgut besteht zu einem Drittel aus Roggen und zu zwei Dritteln aus Weizen. Das Mehl wird außer an die inländische Kundschaft - zu einem großen Teil in viele Länder der Welt geliefert.

7. Die alte Zugbrücke über den westersielzug. Die Brücke, eine Balkenwaagebrücke, wie man sie noch oft in Holland antrifft, führte bis etwa 1890 über den Westersielzug bei der Eidermühle. Die Möglichkeit des Durchlassens der Schiffe durch Hochziehen der Brückenteile mittels Gewichtsausgleich war für die damalige Treeneund Grachtenschiffahrt von großer Bedeutung. Diese Brücke wurde dann durch eine Drehbrücke ersetzt. Heute bewältigt eine moderne Stahlbetonbrücke den Verkehr auf den Bundesstraßen 202 und 5. Im Hintergrund sind Schornstein und Fabrik der Knochenmühle erkennbar.

8. Brand der 'Knochenmûhle'. Die um 1850 gegründete Düngerfabrik gehörte zur Betriebsgruppe der Firma Stuhr & Lorenzen. In solchen Mühlen wurden entfettete Knochen (sogar Walfischknochen wurden hierher eingeführt) zermahlen. Das so gewonnene Knochenmehl ist reich an Kalk, Phosphaten und Stickstoff. Es fand als Futtermittelzusatz, hauptsächlich jedoch als Düngemittel, Verwendung, Ein Schadenfeuer vernichtete den großen Speicher in einer Nacht. Die Düngerfabrik wurde nach dem Tod des Mitinhabers Heinrich Stuhr (gestorben 1915) an die Guanowerke in Hamburg verkauft. Um 1955 verlagerte sich die Firma auf das Gelände am neuen Hafen, stellte aber wenige Jahre danach den Betrieb ein.

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