Gammertingen in alten Ansichten Band 1

Gammertingen in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Botho Walldorf
Gemeente
:   Gammertingen
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2465-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Gammertingen in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

In das mit grûnen Matten geschmiickte, mit Waldungen und fruchtbaren Höhen umrahmte Laucherttal ist anmutig das Oberamtsstädtchen eingebettet. Das innere Städtchen ist auf der einen Seite von der forellenretchen Lauchert und auf der anderen Seite von einem [ast ebenso breiten Kanal umzogen. Eine noch vielfach sichtbare Festungsmauer umgûrtet dasselbe. Dort zieht von der Lauchertbrücke über den Stadtgraben die Landstraße hin, links von ihr ragt das hilbsche Schloß empor mit dem prächtigen Vestibiil und dem geräumigen Saal, worin Hohenzollern seine Abgeordneten wählt. Rechts steht ziemlicn in der Mitte das dreistëckige Geburtshaus des Musikdirektors August Reisér. Aus: 'Lebensbild des Musikdirektors Reiser', geschildert von Albert Reiser 1907.

Als der Bedeutendste der Gammertinger Maler, Konstantin Hanner (1827-1893) als Zwanzigjähriger seine Heimatstadt malte, wählte er einen Standpunkt bei der Riedlinger Straße (früher 'Galgensteige' genannt). Dutzende von Ansichtskartenzeichnern und Fotografen benutzten in den folgenden Jahrzehnten diesen Platz, um das Oberamtsstädtchen aufzunehmen. Heute kann niemand mehr von dort fotografieren, weil ein Hochwald inzwischen herangewachsen ist. Kunstvoll zeichnete Untermüller Josef Reiser (1858-1945) die Jahreszahl 1896 in sein Fotoalbum.

Sie gibt uns Aufschluß, daß Reiser zu diesem Zeitpunkt mit der Hobbyfotografie in Gammertingen anfing. Er fotografierte Menschen, Häuser und Ereignisse, die das Städtle damals bewegten.

Etwa zum gleichen Zeitpunkt kamen die ersten Ansichtskarten auf', die von dem Hofbuchbinder Rudolf Göckel (heute Schreibwarengeschäft Mey) herausgegeben und verkauft wurden. Die Wirte und Geschäftsleute wollten ihre Häuser aus Gründen der Werbung auf solchen Karten abgebildet haben. Andere Gebäude, deren Existenz man kundtuen wollte, waren: der Bahnhof, das evangelische Bet- und Pfarrhaus oder der Aussichtsturm auf dem WeihefeIsen (1903).

Nach den Vorstellungen des Verlages soll die Zeit zwischen 1896 und 1930' dokumentiert werden. Die Leute kamen von der Alb zum Oberamt, zum Gericht und vor allem zum Einkaufen, Man feierte Fasnet nach altem Brauch in einem Jahr mehr, im anderen weniger. Feierlich wurde Fronleichnam begangen. Schon der Pfarrer Urbach (gestorben 1898) hatte Probleme mit seinen Nachbarn: Er bat den 'Ben-Ottle' und seine Brigida, doch wenigstens während des Gottesdienstes ihre lautstarken Streitereien zu unterlassen.

Kaum bemerkbar doch stetig hat sich das Stadt- und

Landschaftsbild Gammertingens seit dem Wirken der ersten Fotografen gewandelt.

Es soll noch beschrieben werden, wie die alten Ansichten die Zeiten überdauert haben. Die Geschäfte, die einst die Karten verkauften, hatten diese längst nicht mehr vorrätig. Der Untermüller Reiser hatte in sein Album fein säuberlich jedes Bild geklebt. Für nachfolgende Kinder war das Album ein willkommenes Spielzeug oder mancher riß einfach ein Bild heraus, das ihm gefiel. Diese Fotos tauchten durch Zufall woanders im Städtle wieder auf. Etliche bleiben natürlich verschollen.

Vor dem Ersten Weltkrieg gab es Sammelmappen für Ansichtskarten. Meistens kamen diese erst nach dem Tode jener Menschen, die diese Karten damals sammelten, wieder zum Vorschein. Bisweilen war eine Karte von Gammertingen dabei. Der Hofglaser Anton Keller hatte einen kranken Sohn Andreas. Dieser war lange Zeit in Tübingen, bevor er jung starb. Seine Freunde, unter ihnen der Zimmermann Anton Wolf 0905-1975), schickten ihm viele Ansichtskarten seiner Heimatstadt. Über SO Jahre lagen die Bilder unbeachtet zwischen Geschäftspapieren und Sterbebildern herum, bis der Zunftmeister Dr. Burkhart sie nach und nach entdeckte.

Andere Bilder wurden beim Abbruch von Häusern ge-

funden oder buchstäblich auf dem Mü1lplatz noch aufgelesen. So ist es mit dem Nachlaß des letzten Hirschwirts geschehen.

Bereits Ende der zwanziger Jahre begann Flora Bader (geboren 1911, in Sigmaringen wohnhaft) Motive in der Stadt Gammertingen zu fotografieren. Sie schrieb Anekdoten nieder und illustrierte ihre Heftchen mit Ansichtskarten. Viele Fotos des unteren Müllers hat sie vor dem Vergessenwerden bewahrt.

Von fast jeder Epoche gibt es in der Stadt Gammertingen bauliche Zeugen: Vom Mittelalter sind dies die Stadtmauer und der gotische Staffelgiebelturm von St. Leodegar, vom 16. Jahrhundert die Michelskirche, vom 17. Jahrhundert das Friseurgeschäft Kraus (früher 'zum Ochsen'), vom 18. Jahrhundert das Rathaus, vom 19. Jahrhundert das Kirchenschiff der Stadtpfarrkirche und von der Jahrhundertwende sind nur noch die Häuser Stelleschmied und Dr. Burkarth sowie die Friedhofskapelle unverändert erhalten geblieben.

Möge dieses Büchlein beitragen zu der Erkenntnis, daß auch das scheinbar alltägliche Stadtbild langfristig grundlegenden Wandlungen unterworfen ist.

1. Auf dieser gezeichneten Südansicht ist eine Menge nicht mehr vorhandener Häuser zu erkennen: der Arrest (abgebrochen 1956), die Zehntscheuer (1900), die evangelische Kirche steht noch nicht, die alte Volksschule (1972), die Untere Mühle mit Ipsmühle (1975), Bögle (1977), Osswald (1969), Kaplanei (1933), Wangerhannes Göggel (1969), Sauter (1980), Stricker-Hanne (1952) und Echsle, heute Café Waizel (1974). Bebaut wurden die Breite ab 1951, der Mühlburren durch die Firma Schey ab 1934 und der Kirchengarten ab 1959 mit den Schulen. Die Bewaldung ist um 1896 noch wesentlich spärlicher, wahrscheinlich weil die Zeiten des Viehbetriebs noch kaum 50 Jahre her sind, Deutlich sieht man die Neue Straße (erbaut 1862) als einen Eingriff in die Landschaft.

2. Diesen Standpunkt wählte bereits 1847 der Gammertinger Maler Hanner für sein Gemälde. In den 50 darauffolgenden Jahren sind die Häuserzeilen an der Neuen Straße, der Sigmaringer Straße und im Roten Dill hinzugekommen. Im Unterland sind es die geräumigen, damals modernen Bauernhäuser von Bögle, Ott, Osswald und Göggel, die inzwischen von den Ansprüchen überholt und verschwunden sind. In dem Gebäude links unten befindet sich seit 1919 das Sägewerk Genkinger. Vorher war es die Pappendeckelfabrik. Man sieht die zum Trocknen aufgehängten Pappendeckel. Die Lauchert schlängelt sich durch die Talaue. Sie wurde 1974 ausgebaut, Es wurde dadurch Platz geschaffen für Baugebiete und das Bildungszentrum. Es vollzog sich die Wandlung von den mit Fallenstöcken bestückten Wässerwiesen zum Freizeitzentrum der Alb-Lauchert Sport- und Schwimmhalle.

3. Auf dieser Ansichtskarte ist noch kein Bahnhof zu erkennen. Außerdem ist sie gezeichnet und läßt Platz zum Beschreiben der Vorderseite. Sie gehört also zu den ältesten Karten. Zu den ersten Industriebauten gehört das Haus Hirning und die seit 1977 als Schützenhaus genutzte Fabrik Maute, an der sich ein großes Wasserrad befand. Der Stadtgraben, der bei der Stadtgründung im 13. Jahrhundert angelegt wurde, ist gut zu sehen sowie der Soppen, wo von 1934 bis 1976 das alte Schwimmbad zu finden war. Die Stadtpfarrkirche war immer von Kastanien umstanden. Der Kirchengarten wurde ab 1959 zunächst mit der neuen Volksschule bebaut, es folgte die ursprüngliche Realschule und der Fachklassenbau (1971). In Bronnen war die Schloßhalde oberhalb der Josefskapelle noch eine ausgedehnte Wacholderheide.

Gamrnertingen

4. Von der Neuen Straße (erbaut 1862 mit Hilfe des preußischen Staates und heute noch so genannt, amtliche Bezeichnung Hechinger Straße) ist der mittelalterliche Stadtteil 'Unser' besonders gut zu sehen. Die Neue Straße ersetzte die Alte Steige als Verkehrsweg, wo der Fuhrhalter Aigner oft Vorspanndienste leisten mußte. Die von Adligen errichtete Michelskirche und die von Bürgern gestiftete Leutekirche St. Leodegar sind gut zu erkennen. Die Dachlandschaft der 'Unser-Häuser' zeigt eine verwirrende Vielfalt, aus welcher der Turm der 1972 abgebrochenen Volksschule ('Rälling') hervorsticht. Die Nord- und Westseite der Stadtmauer sind relativ gut erhalten. Die Häuser Zeiler (früher Berner), Göggel-Wetzel, Leipert und ein Schopf des 'Küfer'-Willi Göggel enthalten Teile der Stadtmauer, durch das Haus der Büglerin Hanner geht sie mittendurch. Zwischen den Häusern Göggel-Wetzel und Leipert ist die Stadtmauer original erhalten geblieben.

Garrirner-tirrqeri

5. Ungehindert war der Bliek von der Neuen Straße auf das Städtle mit der Talaue der Lauchert, als das Landesbahnviadukt noch nicht gebaut war. Ursprünglich sollte die Bahn von Neufra durchs Fehlatal nach Hermentingen gebaut werden. Trotz höherer Kosten wurde jedoch das Oberamtsstädtle Eisenbahnknotenpunkt und das Fehlatal blieb uns in seiner unberührten Schönheit erhalten, Dieses Foto zeigt, welchen Eingriff der Bau der Landesbahn (1901-1908) in die Landschaft darstellte, aber damals machte sich darüber niemand Gedanken und man war fortschrittsgläubig. Hier ist auch deutlich zu sehen, wie das ursprüngliche Bachbett der Lauchert sich neben der Fabrik Maute befand, Die Aufstauung vor der Stadtmühle wurde während der planmäßigen Stadtgründung im 13. Jahrhundert vorgenommen, damit das Wasser den Weg durch den künstlich angelegten Stadtgraben nahm.

6. Frei erhob sich der Weihefeisen über dem Weihtäle und bot einen schönen Rundbliek als der neu gegründete Verschönerungsverein hier einen Aussichtsturm erstellte. Das Landesbahnviadukt besteht noch nicht. Die damals dem Stadtmüller Maurer gehörenden Fabrikbauten Hirning und Maute sind deutlich auszumachen. Die Gammertinger sind ganz naoh der damaligen Mode gekleidet. Diese Karte schickte der in der Unteren Mühle logierende Lokführer Piekart an seine in Schlatt wohnende Braut. Seit alters her werden Ereignisse im Städtle an der Fasnet glossiert. In einer Anzeige der 'Lauchert-Zeitung' steht: Dienstag. den 24. Februar 1903: Großartiger, großstädtischer Festzug, Eestwagen lIl: Darstellung der neuesten Errungenschaften auf dem Gebiete der Stodtverschonerung zur Hebung des Fremdenverkehrs: Aussichtsturm auf dem Weihefelsen.

7. Diese Aufnahme wurde um 1920 vom Aussichtsturm auf dem Weihefeisen gemacht. Das ab 1955 bebaute Bohlliegt noch als unberührte Alblandschaft mit seinen Äckern, Hecken und Rainen da. Der Friedhof wurde 1837 von der Stadtpfarrkirche ins Bohl verlegt. Rechts davon ist Henkels Steinbruch zu erkennen. Aus dem kleinen, weiter hinten liegenden Steinbruch wurden die Steine für das heutige Haus des Steinhauers Herre (früher Zimmermann Hebeisen) gewonnen. Die Brücke über die Lauchert wurde 1907/08 erbaut und im April 1945 mit den drei anderen Landesbahnbrücken von der zurückweichenden Wehrmacht gesprengt. Die zweiachsige Dampflok ist eine Type d' (erbaut Düsseldorf 1898) von der es insgesamt sechs Stück gab. Der vierachsige Personenwagen (Rastatt 1908) und der Packwagen (Grünberg in Schlesien 1899) gehören seit 1969 zum Museumszug und bleiben uns erhalten.

8. Von der Kreuzwirthalde oder Bruileshalde (im Mittelalter auch 'Michaelshalde' genannt, weil sie zu den Pfründen der Miehelskirche gehörte) sind links die evangelische Kirche, das Rathaus mit der Volksschule (beseitigt 1972) sowie neben dem Kreuz die Loh-, öi- und Ipsmiihle (abgebrochen 1952) zu erkennen. Das Altersheim fehlt noch. Man kann daher bis zum Mauren sehauen, der ab 1983 bebaut werden soll, In der Breite wurden ab 1951 die Häuser des Flüchtlings-Wohnbauprogramms und der Kindergarten St. Martin erstellt, der zuerst aus einer Baracke bestand. Um die Stadtpfarrkirche gruppieren sich die heute nicht mehr vorhandenen Häuser von Kutschenbäck Burkhart, Kupferschmied Fauler, Bären-Helene Doldinger (heute Hummel) und Johann Reiser (heute Fidelishaus).

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