Gammertingen in alten Ansichten Band 2

Gammertingen in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Botho Walldorf
Gemeente
:   Gammertingen
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5484-0
Pagina's
:   96
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Gammertingen in alten Ansichten Band 2'

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18. Aufschriften sagen viel über die Funktion eines Hauses oder die Denkweise seiner Bewohner aus. Oft bleiben sie noch lange erhalten, selbst wenn ein Besitzwechsel stattgefunden hat. Aufschriften werden in der Schriftart ausgeführt, welche die jeweilige Epoche favorisiert. Im Jahre 1904 ließ Medizinalrat Dr. Josef Burkarth (1862-1946) nach seiner Ernennung zum kgl, Oberamtsarzt in Gammertingen einen Wohnhausneubau in der Reutlingerstraße 7 errichten. Den Entwurf lieferte der bedeutende hohenzollerische Architekt Laur. Das äußere Aussehen hat das Gebäude im wesentlichen bis heute bewahrt. Mit seinem reich gegliederten Dach ist es ein typisches Bauwerk seiner Zeit. Hier arbeitete der spätere Zimmermeister Heribert Hummel (18881975) als Lehrbub mit. Auf die Denkweise der Kaiserzeit weist der Spruch hin: 'Deutsches Haus, Deutsches Land, Schirm es Gott mit starker Hand.' Bei einer Renovation in den fünfziger Jahren wurde der Spruch entfernt. Ebenso geschah es mit dem Torbogen und der Gartenmauer , die dringend benötigten Parkplätzen und einer Garagenzufahrt weichen mußten. In diesem Haus praktizierten drei Generationen der Arztfamilie Burkarth: auf Josef folgten sein Sohn Dr. Erwin Burkarth (1892-1970) und sein Enkel Dr. Herbert Burkarth (geboren 1924), Arzt bis 1990, seitdem Dr. Kurz aus Ebingen. Der schlanke Kamin erinnert an die früheren Ofenheizungen, die mit Holz und Kohle betrieben wurden. Ab den sechziger Jahren wurden Öl-Zentralheizungen installiert. (Fundstelle: Film-Nr. 209, Negativ-Nr. 72.)

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19. Um 1800 wurden in Gammertingen zwei bis heute ortsbildprägende Gasthofbauten errichtet: die 'Post' (Reutlingerstraße 4-6) und der 'Hirsch' (Hohenzollernstraße 26, 28 und 32). Sowohl das Postamt als auch bis 1908 die Posthalterei waren hier untergebracht. 1915 meldet die Lauchert-Zeitung die Unterbringung russischer Kriegsgefangener in der 'alten Post'. Von 1933 bis 1936 nutzt die nationalsozialistische Gliederung SA (Sturm-Abteilung) das Gebäude als Kaserne des SA-Hilfswerklagers. Ein Wachhäuschen wurde davor aufgestellt, ein Exerzierplatz dahinter angelegt. Als das Kreisaltersheim 1940 Reservelazarett wurde, erwarb der Landkreis das Gebäude von Johann Göckel, Konditor, zur Unterbringung der alten Leute. Zunächst mußte jedoch der Dachstuhl komplett erneuert werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Flüchtlinge eingewiesen. Der Heirnatvertriebene Schmidt betrieb über einen kurzen Zeitraum dort eine Töpferei. 1956 erwarb der Kaufmann Spohn das Haus und nutzt es seitdem als Materiallager. (Fundstelle: Reproduktion März 1988 Negativ-Nr. ISa.)

20. Nach dem Tode seines Vaters Rudolf Spohn (1844-1927) ließ sein Sohn Marquard (1885-1969) 1928 in der Reutlingerstraße 2 einen Geschäftshausneubau errichten. 1925 war der Vorgängerbau, das Wohn- und Ökonomiegebäude des 'Postbauern' Jakob Maier, versteigert worden. Industriell gefertigte Bimssteine hatten als Banmaterial an dem Neubau bereits Eingang gefunden. Das Obergeschoß wurde in Holzfachwerk ausgeführt, eine Bauweise, die in Garnmertingen bis Anfang der fünfziger Jahre angewendet wurde. Dieses Geschäftshaus wurde zahlreichen Modernisierungen unterzogen, die der damalige Architekt nicht im Entferntesten in Betracht ziehen konnte. Er konnte z.B. nicht ahnen, daß der Autoverkehr einmal so stark zunehmen würde, daß Kaufmann E. Spohn schalldämmende Fenster benötigen würde. 1959 erfolgt der Einbau einer Ölfeuerungsanlage , die bereits 1963 erweitert wurde. Aber auch der 1974 an der Stelle der als Materiallager genutzten 'Postbauern-Scheuer' errichtete Flachdachbau wurde 1988 dem Zeitgeschmack angepaßt: zur Auflockerung wurde die Fassade mit roten Ziegeldach-Anbauten versehen. Bernerkenswert auf dem Foto ist der gußeiserne Wegweiser mit den hohenzollerischen Farben schwarz-weiß. Seine SchriftgröBe genügte zur Zeit der Pferdefuhrwerke und Postkutschen zum Erkennen der Ortsnamen. (Fundstelle: Film-Nr. 483, Negativ-Nr. 13.)

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21. Bis Anfang der sechziger Jahre war die 'Stelle' noch stark landwirtschaftlich geprägt. Der Buchbinder gehört zu jenen Handwerkern, die 1991 auf dem neuen Brunnen dargestellt wurden. Franz Göckel hatte das Buchbinder-Handwerk von seinem Vater Martin übernornmen, Dessen Sohn Albert ('Buchbinder-Bert', 1903-1969) betrieb es auch noch und es erlosch mit seinem Tode. Haus- und Stalltür des Gebäudes waren aus Holz gefertigt in der Weise, wie wir es auch an anderen alten Gammertinger Häusern fanden. Ein Oberlicht sorgte für die Beleuchtung des Hausganges. Die 'Heugatter' lehnen griffbereit, um auf den Leiterwagen aufgesetzt werden zu können. 'Mosa' (Flecken) an der Außenwand zeigen, daß die Wände von den Ausdünstungen des Viehs 'versalpetert' sind. Das war in den meisten Gammertinger Häusern der Fall, in denen Vieh gehalten wurde. Direkt an den Fensterläden ist das Warenangebot mit Kreide angeschrieben. Hier wurden noch in den fünfziger Jahren Briefbögen und Urnschläge einzeln für ein paar Pfennig verkauft. Deswegen mußte die AJbertine Göckel (1906-1991) jedesmal die Treppe auf- und absteigen. (Fundstelle: Film vom 04/06/1987 Negativ-Nr. 19a.)

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22. Weil der 1904 geborene Bäcker Hermann Göggel (gestorben um 1974) auf dem Foto abgebildet ist, ist die Datierung einfach. Das Bild von der Bäckerei Sigmaringer Straße 9 dürfte also um 1920 entstanden sein. Um 1900 trug das traufständige Handwerker- und Bauernhaus die Aufschrift: 'Euseb Göggel', wie ein älteres Foto belegt. Dieser Euseb, der von 1833-1911 lebte, gab einem ganzen Geschlecht bis heute seinen Namen. Auf diesen folgte Hermann, dann Bernhard und zuletzt Kar! Göggel. Weil jede Generation die Bäckerei modernisierte und andererseits stets eine oberamtliche Genehmigung für den Betrieb der jeweiligen Backöfen erforderlich war, ist die Geschichte des Hauses in den städtischen Bauakten besonders gut dokumentiert. 1887 vergrößert E. Göggel seine Scheuer. Weitere Umbauten wurden 1931 mit dem Einbau der Schaufenster vorgenommen. Zu dieser Zeit war ein Dampfbackofen in Betrieb. (Fundstelle: Film-Nr. 090 Negativ-Nr. 55.)

23. Von dem uns als Kaufhaus Krämer bekarmten Geschäftshaus in der Sigmaringer Straße wurde bereits im Bildband von 1983 auf Seite 54 ein Foto vom Originalzustand veröffentlicht. Im Jahre 1869 ließ der Trochtelfinger Kaufmann Marquard Spohn (der Ältere) einen Banplan für ein Geschäftshaus erstellen. der bis auf unwesentliche Abweichungen auch so ausgeführt wurde. Der erste Stock wurde dem Wohnstil der Zeit entsprechend als 'bel etage' bezeichnet. Im Jahre 1919 ging das Gebäude an den Kaufrnann Julius Krämer (1889-1971) über. Er beseitigte in den dreißiger Jahren die alte Fassadengestaltung. Ende der fünfziger Jahre erfolgte die Umstellung auf Selbstbedienung, wobei wiederum die Schaufenster dem veränderten Zeitgeschmack angepaßt wurden. 1976 wurde das Gebäude abgebrochen und ein Neubau weiter östlich erstellt. Das veränderte Verbraucherverhalten in den letzten 100 Jahren findet also auch in der Architektur der Geschäfte ihren Niederschlag. (Fundstelle: Stadtarchiv Gammertingen, Reproduktion Aug. 1990.)

24. Der fürstliche Hotbuchbinder Rudolf Göckel (1854-1915, seit 1988 Papeterie Mey) hat eine ganze Anzahl Ansichtskarten machen lassen, die die jeweiligen Bauzustände dokumentieren. Unbewußt schaffte er damit Geschichtsquellen. Zur Orientierung als einziges noch bestehendes Gebäude kann die 'alte Post' genommen werden. Links ist die 'Krone' im Baustand von 1860 zu sehen. Die Kronenwirte Konrad MiIler, Karl Löffler, sowie Johann und Franz Miller paßten ihren Gastronomiebetrieb stets den Erfordernissen der Zeit an. Sie veränderten das Erscheinungsbild der 'Krone" nachhaltig. Das Vorhandensein des 'Kronensaals' ab 1935 begünstigte den Ruf Gammertingens als Fasnetshochburg. In den fünfziger Jahren gab es ringsum keine großen Fasnetsveranstaltungen, insbesondere nicht in den traditionell evangelischen Gebieten. Mit der Einrichtung der 'Kronen bar' 1961 hatten die Jugendlichen über dreißig Jahre einen beliebten Treffpunkt. Die im September 1989 angekündigte Schließung der 'Krone' wurde im April 1991 Wirklichkeit. Der Totalabbruch erfolgte im November 1991. (Fundstelle: Reproduktion: März 1988, Negativ-Nr, 14a.)

25. Mannigfaltig sind die städtebaulichen Veränderungen in der Sigmaringer Straße seit es gezeichnete und fotografierte Darstellungen gibt (ab etwa 1895). Im Volksmund wird dieser alte Verkehrsweg 'Stelle' genannt , nach dem alten Flurnamen des Gebietes. Das Wohn- und Geschäftshaus von Mey ist eines der ältesten Geschäftshäuser Gammertingens. Es war eines der wenigen Häuser ohne den üblichen Ökonomieteil und hob sich daher bei seiner Entstehung um 1840 von der Vielzahl der anderen Häuser ab. Untermüller Josef Reiser hat Hofbuchbinder Göckel (1854-1915) mit Gattin Theresia, geborene Maier (gestorben 1942) fotografiert (vor 1900). Göckel war den Strömungen seiner Zeit aufgeschlossen und gründete den Albverein (1892) und den Verschönerungsverein (1902). Um 1894 wurde der Ladenanbau errichtet und mit der Aufschrift 'Buch- und Kunsthandlung' versehen. Es war eines der ersten Spezialgeschäfte in Gammertingen. (Fundstelle: Reproduktion März 1989, Negativ-Nr. 14a.)

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26. Um 1900 wurden auch in Gammertingen die Rechnungsköpfe aus Repräsentationsgründen kunstvoll gestaltet, Von Rudolf Göckel (seit 1915 Raphael Mey, seit 1988 Papeterie Mey) liegen fast ein Dutzend Versionen vor. Der mündlichen Überlieferung nach soll Göckel mit dem Buchbinden ein ansehnliches Vermögen gewonnen haben, das ein Opfer der Inflation wurde. Schulen und Schüler sind bis heute treue Kunden der Firma Mey. 1892 wird die Erstausstattung der evangelischen Haidschule (bestand bis 1936) von Göckel geliefert. Eine Karte von Palästina, Kreide und Tintenfässer waren dabei. 1904 war es die evangelische Privatschule Gammertingen. Der 1952 eingerichteten 'Städtischen Oberschule' folgten in den sechziger Jahren weitere Schulen, deren Bedarf im wesentlichen bei der Firma Mey gedeckt wurde. Eine Relieftafel am Handwerkerbrunnen von 1991 erinnert an die beiden an der 'Stelle' tätigen Buchbinder, die beide den Namen 'Göckel' trugen. (Fundstelle: Reproduktion: Mai 1988.)

27. Unbewußt hat F. Bader hier um 1930 in der Sigmaringer Straße drei Häuser aus drei verschiedenen Stilepochen fotografiert. Das Bauern- und Handwerkerhaus, das zweigeteilt dem 'Stricker-Hanne' Acker und dem 'Spitzenschreiner' gehörte, ist ganz aus handwerklich hergestellten Baumaterialien errichtet. Die Unebenheiten des Giebels sind mit Moos bewachsen. 1954 erstellte Eugen Mey auf diesem Platz sein Schreibwarengeschäft, das wiederum 1988 einer Neugestaltung des Platzes weichen mußte. Zur Erbauungszeit des Hauses Mey (ein Rechnungsformular nennt als Gründungsjahr 1842) waren Rundbogenfenster und Eckquaderbemalung modern. Der spürbare Mangel an Mietwohnungen veranlaßte den Zimmermann Konstantin Binder im Jahre 1901, das Mietshaus Sigmaringer Straße 28 mit vier Wohnungen nach städtischen Vorbildern zu bauen. Vorgängerbauten waren zwei traufständige Kleinbauernhäuser. Die Rolläden sind bereits industriell gefertigt. Der Abbruch erfolgte im April 1981. Ganz rechts ist das Gebäude Sigmaringer Straße 29 zu sehen, das damals von Zugführer Valentin Kraus (1902-1977) und Frau Maria, geborene Leipert bewohnt wurde. Es ist das einzige, heute noch stehende Haus auf diesem Foto. Sein Vater hatte dort eine Steinhauerwerkstatt betrieben. (Fundstelle: 6 x 9 Original-Negativ-Nr. 1329.)

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