Gammertingen in alten Ansichten Band 2

Gammertingen in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Botho Walldorf
Gemeente
:   Gammertingen
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5484-0
Pagina's
:   96
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Gammertingen in alten Ansichten Band 2'

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28. In der Marktstraße 7 prangt seit 1972 die Aufschrift 'Allianz'. Bis 1929 war dort 'Anton Göggel, Schuhmacher', zu lesen. Wie aus der Familien-Goffiné hervorgeht, lebte der hier abgebildete Anton Göggel von 1853 bis 1924, seine Frau Barbara, eine geborene Göggel-Sales, von 1857 bis 1930. 1881 begann A. Göggel hier mit der Schuhmacherei. Er beschäftigte zeitweise zwei Gesellen und lieferte Maßschuhe bis Emerfeld. Die nördliche Haushälfte wurde von dem Drechsler und Landesbahner Xaver Barth (1887-1946) erworben. An der Stelle der Scheuer baute dieser eine Drechsler-Werkstatt ein, die auch noch von seinem Sohn Eugen (1915-1991) in der Nachkriegszeit benutzt wurde. Der Barn wurde 1936 zum Einbau von Zimmern verwendet. Hier fand vom Oktober 1950 bis März 1955 die heimatvertriebene Kriegerwitwe Luise Walldorf (1910-1984) mit ihren Söhnen Meinhard (geboren 1942) und Botho (geboren 1945) freundliche Aufnahme bei der 'Fürsten-Josefine' Barth (1886-1962). In den fünfziger Jahren lebte in dern Haus auch ihre gelähmte Tochter Josefine (1923-1973). Nach dem Tode der Josefine Barth ging die Haushälfte 1966 an Paul Reiser des Josef über, der erhebliche Modernisierungen vornahm. Die südliche Haushälfte bewohnte bis zu ihrem Tode die Strickerin Sofie Göggel (1883-1969). Vor dem Hause liegt ein mächtiger 'Reutelhaufen', das heißt dünne Stangen, die als Brennholz dienen. Am Fenster im ersten Stock rechts befand sich bis zum Abbruch des Hauses im Jahre 1970 noch eine Handstrickmaschine. Mit Stricken und Vermieten von Zimmern bei voller Verpflegung (sogenannte Logieherren) verdiente 'das Sofiele' ihren Lebensunterhalt. Zwei Strickmaschinen wurden im April 1992 dem Freilandmuseum Neuhausen ob Eek übergeben. Nachfolgebau ist das Allianz-Büro, das zunächst von Ludwig Gschwandtner, seit Ende der achtziger Jahre aber von Krapf und Ulmer geführt wird. (FundsteUe: Film-Nr. 165, Negativ-Nr. 65.)

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29. Als der Kronenwirt Konrad Miller 1881 am ûrtsweg 5 (mundartlich 'Kronengässle') das uns als 'KronenwirtsScheuer' bekannte Gebäude errichtete , war dies nach damals modernsten Gesichtspunkten geplant worden (Foto von etwa 1900). Das Erdgeschoß wurde massiv mit Kalkbruchsteinen ausgeführt, ebenso der nördliche Giebel bis unter den Giebelbalken. Mehrere mächtige gewölbte Keiler befanden sich unter dem Wirtschaftsteil. Diese fanden für die 'Kronen-Brauerei' Verwendung. Im Erdgeschoß war auch noch Platz für den Laden von C. Egon Miller, einem Bruder des Kronenwirts. Später führte den Laden die Tante Wilhelmine. Nach dem Ersten Weltkrieg wohnte Frau Reiser, Mutter der Geistlichen Franz (1913-1941) und Rudolf Reiser (1915-1991), dort. Dann folgte Friseur Allseits. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Laden als Wohnung genutzt. Der Naturstein-Absatz wurde 1957 cntfernt, als die Kirchentreppe gebaut wurde. Die Steinhäufen im Vordergrund dienten zum Ausbessern von Schlaglöchern in der Kalkstraße. Das Foto fand sich bei Kaufmann Egon Spohn, dessen Mutter aus der 'Krone' stammt. Im Rahmen des Sanierungskonzepts Stadtmitte II wurde das Gebäude im November 1991 abgebrochen. (Fundstelle: Film-Nr. 195, Negativ-Nr, 5.)

30. Das traufständige Handwerker- und Bauernhaus Fidelisweg 6 gehört zu dem am häufigsten im Mittleren Laucherttal anzutreffenden landschaftsbezogenen Haustyp. Diese Bauform ist stark im Schwinden begriffen und immer weniger im Originalzustand vorhanden. Die Herkunft von Fotos (dieses entstand um 1910) läßt oft auf Verwandtschaftsverhältnisse schließen. Familie Bögle bewahrt dieses Bild auf. Links ist die Brot- und Feinbäckerei von Friedrich Burkhart (Kutschenbäck) zu sehen. Zur Unterstreichung des repräsentativen Charakters sind die Fenster im Erdgeschoß mit 'Fensterbekrönungen' versehen. Rechts folgt der Stall mit den 'Mosa' (Flecken), die von den Ausdünstungen des Viehs entstanden sind (versalpetert). Das Scheuentor geht nach innen auf, ist also die ältere Bauform. Der Balken, der mit den oberen Ecken des Tores ein Dreieck bildet, wird mundartlich 'Bug' genannt. Der 'Laden' oberhalb der Stalltür diente zum Hereinstecken von Garben in den Heubarn, der über dem St all lag. Friedrich Burkhart lebte von 1849 bis 1908, sein gleichnamiger Sohn von 1878 bis 1947. (Fundstelle: 6 x 9 cm Reproduktion Negativ-Nr. 1094.)

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31. Eine zufällig erhalten gebliebene Rechnung von 1914 an den Gammertinger Gewerbeverein erinnert an die Bäckerei Burkhart, um die sich manche Geschichte rankt. Bäcker Burkhart war mit Familie Burkhart 'zum Kreuz' verwandt, 'wie ein Brett von der Arche Noah'. Der Rechnungstext lautet: '2 Stück Backwaren (1 Bäckerwecken und Schnecke) geliefert 2,50.' Zur Zahlung angewiesen von Fauler (fürstlicher Hofkupferschmied 1847-1925, und 'Einnehrner' der Spar- und Leihkasse für die Hohenzollerischen Lande. Der Rechnungskopf wurde von der Druckerei der 'Lauchert-Zeitung' hergestellt. Diese wurde damals von Chr. Daikeler aus Neufra betrieben. Der Beleg wurde im April 1987 im Hause Fidelisweg 2 (Alo is Göggel, Wagnermeister und Mechaniker) gefunden. (Fundstelle: Reproduktion: Mai 1987.)

32. Um 1925 arbeitete im Hause Fidelisweg 4 der Schuhmacher Josef Hanner, wie die Aufschrift kundtut. Zu dieser Zeit gab es in Gammertingen elf Schuhmacher. Sie mußten ihre Leistungen auch in den umliegenden Ortschaften (mundartlich 'auf der Alb') anbieten. Derzeit übt nur noch Norbert Barth (geboren 1940) das Schuhmacherhandwerk aus, nachdem Eugen Haug wegen Alters am 30. April 1992 seine Werkstatt schloß. Aus dem abgebildeten Hause stammte die zweite Ehefrau des Gammertinger Malers Konstantin Hanner (1827-1893). Sie hieß Antonia Hanner (18421888), geborene Hanner. Deswegen werden bis heute in diesem Hause Hanner-Gemälde aufgehoben. Ende des 19. Jahrhunderts brannte das Haus ab. Es wurde relativ modern wiederaufgebaut. Auf Josef Hanner folgte Josef Reiser (1905-1972), der Drescher und Säger war. Weil Reiser von der 'Unteren Mühle' stammte, wurde er zeitlebens 'MühleSepp' genannt. Vor dem Hause liegt ein Holzpflug. Gepflasterte Kandeln wurden in Gammertingen ab den 1860er Jahren angelegt. Sie sorgten für die hygienisch bessere Ableitung des Abwassers in die Lauchert. Durch die Urngestaltung von Straßen sind die originalen Kandeln vielfach verschwunden. 'Kandeln' werden heute von den Städteplanern als Gestaltungselement wiederentdeckt. Seit dem Tode der Eltern bewohnt der ledige Ulrich Reiser (geboren 1947), Raumaustattergehilfe, den westlichen Hausteil. Der Wirtschaftsteil wurde 1980 total abgebrochen und moderner Wohnraum geschaffen von Paul Reiser, einem Neffen des Ulrich. (Fundstelle: Film-Nr. 165 Negativ-Nr. 27.)

33. Kaum ein Gammertinger wird heute noch auf Anhieb sagen können, wo sich der Laden der Helene Doldinger, der 'Bära-Hele' befand. Es ist das heutige Gebäude Lindenstraße 12. Hausgeschichtlich läßt sich ablesen, daß eine Wohnraumerweiterung durch den Ausbau eines Dachzimmers vorgenommen wurde. Rechts schließt sich ein Ökonomie teil an, zum Zeitpunkt der Aufnahme in den 1920er Jahren etwas Selbstverständliches. Ein Porträtfoto von Helene Doldinger zeigt sie als abgearbeitete Frau, wie es damals viele in Gammertingen gab. Nur dieses Foto des UntermülIers J. Reiser und die Erzählungen alter Gamrnertinger , zum Beispiel Ulrich Abt (1898-1986), belegen die Existenz dieses Ladens. Im damaligen Warenverteilungssystem hatte ein solches Geschäft wohl seine Daseinsberechtigung. Maurermeister Kaspar Hummel (1885-1967) erwarb das Gebäude in den dreißiger Jahren und erstellte einen Neubau im Stil der Zeit. Dieser wurde bis vor wenigen Jahren von seinen Nachkommen bewohnt. Durch den Abbruch des nördlich davon stehenden 'Kupferschmied-Hauses' im Jahre 1971 ist die ganze Häuserzeile umgestaltet worden. (FundsteJle: Film-Nr. 165, Negativ-Nr. 67.)

34. Das traufständige Bauern- und Handwerkerhaus Lindenstraße 22 um 1900 liegt im Gewann Mayorwiesen. Das deutet auf einen abgegangenen Meierhof hin. Akkurat gekalkte Mauem auf dem Grundstück sind nach Dr. H. Burkarth Spuren römischer Besiedlung. Zwei Hutmacher gab es um 1900 im Städtle: im 'Unser' Matthäus Herre (1866-1957) und im Unterland Anton Sauter, wie duren ein Schild am Hause dokumentiert wird, Folgende Personen sind abgebildet von links: August Sauter, Veteran von 1866, Lebensdaten (1838-1912) und Frau Agnes, geborene Göckel aus dem Hause Siebmacher; Luise Sauter, geborene Göckel (1870-1946), im Volksmund 'Mamma' genannt, mit Kind Sofie (1897-1914); Anton Sauter (1872-1952) und Magnus Göckel (1820-1904), beide Hutmacher. Durch die Geburt weiterer Kinder (Anna verheiratete Jehle 1899-1976), Wilhelmine (19001989), Pauline (geboren 1905) und Karl (1907-1975) wurde es eng im Hause. Im Barn über dem Stall wurde ein Zimmer ausgebaut. Der dadurch verlorengegangene Stauraum für Erntevorräte wurde durch einen Anbau an der Ostseite ausgeglichen. Das Gebäude rechts gehört heute Karl Ott und wurde nach dem Handwerk "s Lindaschreiners' genannt. Dessen äußeres Erscheinungsbild hat sich bis heute nur unwesentlich geändert. Der rußgeschwärzte Dachstuhl erfüllt noch immer seine Funktion. (Fundstelle: Film-Nr. 578, Negativ-Nr. 15.)

35. Das Handwerker- und Bauernhaus Lindenstraße 22 nach der Modernisierung von 1911. Anton Sauter (1872-1952) trägt die feldgraue Uniform des Ersten Weltkriegs, an der Hand sein Sohn Karl, an den Fenstern die 'Hutmacher-Mädle'. Nagelneu war damals das Holztäfer an der Stallwand, das eine Generation später schon wieder beseitigt war. 1936: Durch Einziehen einer Wand soll ein weiteres Zimmer geschaffen werden. Da das neue Zimmer höher zu liegen kommt, soll es mit dem bestehenden Zimmer durch eine zweistufige Treppe verbunden werden. 1937 heiratete Kar! Sauter Maria, geborene Bär (1915-1983), Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Im Jahre 1980 brach der Bauarbeiter und Landwirt Kar!-Anton Sauter (geboren 1947) den Wohnteil total ab, Die zwei vorangegangenen Generationen hatten durch An- und Umbauten die Verhältnisse zu verbessern versucht. Sauter erstellte ein modernes Wohnhaus mit flacher Dachneigung . (Fundstelle : Film- Nr. 579 Negativ- N r. 17,)

36. Eines der wichtigsten Bilddokumente Gammertingens hat uns F. Bader mit der 'Wohnstube im oberen Stock bei Hutmacher Sauter' hinterlassen. Von links nach rechts: Wilhelmine Sauter (1900-1989), Pauline (geboren 1905; gegenwärtig im Kreisaltersheim), Luise Sauter und Anton Sauter, Landwirt, Hutmacher und Mesner. 1914 wurde zum Andenken an die erstgeborene Tochter Sophie (geboren 1897) ein Haarbild gefertigt (mit ovalem Rahmen}, das einen Ehrenplatz im Zimmer einnahm. Mit dem Tode der Eltern und dem Wandel des Zeitgeschmacks wurde das Haarbild auf die Bühne verbannt. Aus Pietätsgründen wurde es jedoch nicht beseitigt. Es konnte 1989 ordnungsgemäß dokumentiert an das Freilandmuseum Neuhausen ob Eek übergeben werden, das für Gammertingen zuständig ist. Damit ist es für die Forschung zugänglich und wurde auch schon im Fernsehen und in Ausstellungen gezeigt. Die Abrundung der Bildergalerie bilden der Hausaltar (links) und die Öldrucke. Sie stammen aus der Zeit, als Anton und Luise Sauter heirateten (1896). Die in dem Zimmer geführten Unterhaltungen hat F. Bader nicdergcschrieben, Titel: 'Bei dr Huat-Luis.' (Fundstelle: 6 x 9 cm Original-Negativ-Nr. 1366.)

37. Zu den um 1925 fast ein Dutzend Schuhmachern gehörte Anton Bruder an der Alten Steige Nr. 3. Die alte Hausnurnmer war Nr. 105. Die Angabe der alten Hausnummer erleichert das Finden der Häuser auf alten Ortsplänen, von denen der älteste in Gammertingen von 1847 stammt. Am Hause finden sich die verschiedenen Fenster- und Türformen, alle in handwerklicher Weise gefertigt. Der Mauervorsprung rechts am ersten Stock weist darauf hin, daß das dicke Mauerwerk eines Vorgängerbaus weiter verwendet wurde. Die ausgetretenen Kalkstein-Treppenstufen wurden erst in der Nachkriegszeit ersetzt. Bis zur allmählichen Umstellung auf Ölheizung ab den sechziger Jahren gab es viele Holzbeugen vor den Häusern. Wie dem Foto zu entnehmen ist, reichten damals die Mittel kaum, um das Gebäude notdürftig instandzuhalten (Zustand des Putzes). Einer der zahlreichen Lehrjungen des Bruder war Wilhelm Göggel des Küfer (geboren 1910) aus dem 'Unser'. Auf Franz Bruder (1898-1963) folgte in den fünfziger Jahren Kar! Schmauder (1909-1987). Er verwendete das Schild des Furnierhändlers Backe, um auf seine Schuhmacherwerkstatt hinzuweisen. In den siebziger Jahren erwarben türkische Gastarbeiter das Gebäude. Sie richteten in der ehemaligen Schuhmacherwerkstatt einen türkischen Laden ein. Auf die Türken folgte Alfred Lauber als Besitzer. Foto: J. Reiser, Untermüller. (Fundstelle: Film-Nr. 165, NegativNr. 46.)

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