Gammertingen in alten Ansichten Band 3

Gammertingen in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Botho Walldorf
Gemeente
:   Gammertingen
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6654-6
Pagina's
:   96
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Gammertingen in alten Ansichten Band 3'

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Einleitung

Von der Familie 'Reiser zur Sonne' liegen schriftliche Aufzeichnungen aus drei Generationen vor. Diese passen gut als Ergänzung zu den Bildern. Es handelt sich um Moritz Reiser (1872-1954, Alt-Sonnenwirt), Alois Reiser (1897-1960, letzter Sonnenwirt) und Moritz Reiser (jun. geb. 1927, selbständiger Maschinenbauer, Veringenstadt). Familiäre Aufzeichnungen werden selten angefertigt und können oft nur durch Vertrautheit mit den Verfassern der zeitgeschichtlichen Forschung zugänglich gemacht werden. Dank gilt Frau Lore Reiser geb. Göggel (Sales, geb. 1935) für die manchmal mühevolle Transkription. Mündlich haben zahlreiche Zeitgenossen der Jahrgänge 1890 bis 1900 über die dargestellten Verhältnisse noch bis Anfang der 197 Oer Iahre berichtet. Diese waren ihnen noch gegenwärtig. Aber nur das Veröffentlichte kann von dem kleiner werdenden Kreis der künftig Interessierten zu Rate gezogen werden.

Geschäftsgang in den 1860er bis 1880er Jahren

Mein Vater Benedikt Reiser (1843-1905), Metzgermeister, erzählte oft: In den [ahren 1866 und nachher sei hier reger Geschäftsverkehr gewesen, besonders die Wirtschaft sei gut gegangen. Die Spinnereien, Tuchmacher und Hutmacher hatten guten Verdienst, viel Arbeit und Durst. Am Montag machten sie blau, am Abend tranken sie noch ein paar halbe

Bier. Jeden Freitag war Fruchtmarkt. Von den Alborten kam viel Korn, das an Bäcker und Müller guten Absatz fand. Außerdem war am gleichen Tag Gerichtstag, so hatten wir immer Gäste. In dem Kriegsjahr 1870/71, als immer Siegesnachrichten eintrafen, wurden diese auch in der Heimat kräftig begossen. Als die Sieger heimkehrten, hatten sie das Trinken noch besser gelernt. So war die Wirtsstube beim Benedikt nie leer. (Heute August- Reiser-Straße 5, Metzgerei Bögle, bis 1960 bestand die Gastwirtschaft). Anfang 1880 gingen die Geschäfte wieder schlechter, die Tuchfabriken gingen ein, auch die Hutmacher, Gerber und Spinnereien hörten auf Auch die Wochenmärkte gingen nach und nach ein. Im Herbst nach Martini, ungefähr am 16. November 1888, waren in manchen Familien - es war auch ungesundes Wetter - Krankheiten ausgebrochen. Daraufhin gingen Stadt- Taglöhner daran, die Kandeln und Morastlöcher zu reinigen, da der Doktor glaubte, die Epidemie rühre daher. Die Handwerker konnten sich ohne Ökonomie nicht ernähren. Die kleinen Landwirte litten besonders an großer Geldknappheit. Bei guter Ernte wurde der Fruchtpreis heruntergedrückt, bei schlechter hatten sie nichts. Auch die Börse und die Juden halfen die Preise regulieren, je nach ihrem Belieben.

Ganz schlecht bestellt war es mit dem Verkehrswesen. Die nächste Bahnstation war ja 25 km entfernt. Der Weg dahin konnte also nur durch die Postkutsche oder ein anderes Fuhrwerk, oder zu Fuß gemacht werden. Ein Postwagen fuhr täglich zweimal nach Sigmaringen, einer nach Hechingen, einer nach Reutlingen. Auch fuhren Frachtfuhrwerke (die 'Frachtboten'] , je eines wöchentlich, in diese Städte und nach Ebingen (zuletzt der 'Boten-Max' Göcke118911958)

Die jungen, überzähligen Leute waren gezwungen, sobald sie ausgelernt hatten, in anderen Gegenden Arbeit zu suchen. Die Mädchen verdingten sich in die Schweiz.

Die Straßen, auch Poststraßen, waren in sehr schlechtem Zustand, zum Teil auch schlecht angelegt. Sie führten meistens an den steilsten Wasserrissen entlang. Die Straße nach Neufra wurde Ende 1868, und die nach Riedlingen, das ist die alte 'Galgensteig' , 1879 'korrigiert'. Diese Straßenverhältnisse mögen Ursache gewesen sein, dass so viele kleine Bauern gezwungen waren, zwei Stiere zum Ziehen zu halten. Es gab also dortzumal so 25 -3 0 Paar Ochsen und Stiere hier. Andere behalfen sich mit einem pferd. Bei schwerer Arbeit spannte man zwei zusammen. Eine Milchkuh versorgte die Haushaltung mit Milch.

Die besser Situierten konnten sich leisten, ein Schwein zu schlachten, aber die Mehrzahl musste wegen Geldnot das Schwein verkaufen, man löste 60-80 Mark dafür. Da meine Großeltern noch an Gulden gewöhnt waren, konnten sie sich nicht recht mit der Mark als Zahlungsmittel anfreunden.

'Seit man diese lumpige Mark hat,' hörte ich sie sagen, 'hat man nichts mehr.' Mit Gulden hätten sie eben mehr kaufen können. Waagen zum Wiegen gab es nur einige in einer Gemeinde. Die Frucht wurde nach Maß, Simri und Scheffel verkauft. Die Steuern wurden alle von der Gemeinde einkassiert ('Steuerbüchle').

Gut erinnere ich mich an die Bürgermeisterwahl 1896. Die stimmberechtigten Bürger wurden im Rathaus verlesen. Als jüngster Bürger wurde ich beauftragt, mitzuwirken, das heißt als Beisitzer die Stimmzettel zu kontrollieren und die abgegebenen Stimmen aufzuschreiben. Den gleichen Dienst versah der älteste Bürger, dazumal Rudolf Göckel, Buchbinder (1854-1915). Ein Gemeinderat schrieb die Namen auf Gewählt wurde dann [ohann Göggel (1840-1919). Die Gemeindevertretung bestand aus dem Bürgermeister, zwölf Gemeinderäten und sechs Ausschussmitgliedern. Sie wurden alle durch Abstimmen gewählt.

Dank gilt den Gammertingern, die der Familie Walldorf in ihrer Eigenschaft als Heimatvertriebene seit [anuar 1949 behilflich waren; den Landesbahnern, die ab 1955 dem

B. Walldorf Manches zeigten; den Bürgern, die ab 1968 alte Fotos und Informationen zur Verfügung stellten, hier sei besonders der Familie Göggel (Hebeisen) , Schrotgasse 16 gedankt; und Herrn Dr. med. H. Burkarth für die mühevolle Durchsicht dieser Publikation, wo er aufgrund seiner langjährigen ehrenamtlichen Forschertätigkeit freundlicherweise auf manche Schwachstellen hinwies.

1 Gammertingen van Westen, 1921. Ältestes Luftbild, erflogen von Paul Strähle aus Schorndorf. 1982 hat Bürgermeister

E. Hirschle die Veröffentlichungsrechte erworben. Man erkennt in derTalaue der Lauchert das Rechteck der planmäßig angelegten Stadt und den künstlich angelegten Stadtgraben. Im Mittelgrund rechts die Breite, erschlossen ab

1951 mit der Kiverlinstraße und der Schrotgasse und der Kirchengarten bebaut ab 1959. Das Kreisaltersheim kam 1928 hinzu. Die Bahnbetriebswerkstätte wurde ab 1908 erbaut und im März 2000 abgebrochen, um modernen

Wartungshallen Platz zu machen, die im Iahr 2002 fertig sein sollen. Weitere Luftaufnahmen von Strähle stammen von 193 1 und 1938. Das Luftbildarchiv Brugger wurde 1999 van

der Landesbildstelle Baden-Württemberg in Stuttgart übernommen. Dort sind weitere Luftbilder aus denjahren 1956 bis 1980 öffentlich zugänglich. Der Verfasser hatte beim City-

Fest im Juni 1985 erstmals Gelegenheit die Region vom Hubschrauber aus zu fotografieren.

2 Blick von Süden im Juni 1934. Kurz darauf errichtete Balthas Schey (1887-1960) aus Burladingen stammend, seine Fabrikgebäude. Ihm zur Seite stand seine Frau Friederike geb. Mayer (1894-1971). Ihre Kinder Marianne Speidel (19191990) und Iulius Schey führten das Unternehmen fort. Der Enkel Joachim Speidel (geb. 1947) musste infolge der allgemeinen Krise der Textilindustrie die Liquidation einleiten. Seit 1993 Gewerbepark Sigmaringer Straße. Am linken Bildrand neben der 'Bruileshalde' oder 'Kreuzwirthalde' ist die 'Sand-

grube' des Josef GöggelGünther (1886-1959) erkennbar. Sie war der erste Müllplatz der Stadt in den 1930er Iahren, als Wiederverwertung noch fast etwas Selbstverständliches

war. Der Müllplatz am Ende der Alten Steige in den 195 Oern, dann ein Platz hinter dem Heiligen Bühl im Gruchental in den 1960ernJahren und schließlich die Einrichtung

der Müll-Umladestation um 1975 bei der Kläranlage sind weitere Stationen der Geschichte Gammertinger Abfalldeponien. (Foto: Metz- Verlag Tübingen Nr. 80577.)

3 Blick von der Hechinger Straße auf die mittelalterliche Stadtanlage. Das Stadtbauernhaus St.-Michaels- Weg 1 2 (Bildmitte unten) stellt deren Nordwestecke dar. Ein gewölbter Keller, ein in eine dicke Kalkbruchsteinmauer eingelassenes Plumpsklo und rauchgeschwärzte Dachsparren waren etwas Selbstverständliches. Es wurde im Sommer 1 988 abgebrochen und 1989 ein Dreifamilienhaus durch Architekt M. Supper, Bronnen, am gleichen Platz erstellt. Rechts daneben das Haus Leipert/ Neuffer. Es sitzt noch heute auf der Stadtmauer auf. Durch das folgende

Gebäude August-ReiserStraße 18 geht die Stadtmauer mitten durch. Dort wohnte der Schreiner Paul Hanner (1883-1955) mit seiner aus Feldhausen stammenden Ehefrau

Kreszentia geb. Bär (18941971), Büglerin. Die heutigen Besitzer Franz und Eva Pecovnik nahmen Erneuerungen vor. Die Dachlandschaft des 'Unser' ist durch Hausabbrüche und

Modernisierungen in einem ständigen Wandel begriffen. Die spitzgiebeligen Häuser werden allerdings immer weniger.

4 Die Nordseite der Stadtmauer hat sich im Wohngebäude St.-Michaeis-Weg 8 der Brüder Erwin (geb. 1953,Iriebfahrzeugführer) und Stefan Zeiler jun. am besten erhalten. 1980 bauten die Brüder in die ehemalige Berner'sche ScheuerWohnungen ein, wobei die Stadtmauer unter Leitung van Architekt Peter Micheli vorbildlich restauriert wurde. Der Vater, Oberzugführer S. Zeiler (19211997) hatte schon Ende der 1960er Iahre den

alten, steileren Dachstuhl ersetzt.

Im Vordergrund Iohann Kramer (geb. 1879 in Harthausen/Scher, gestorben

1 971 in Gammertingen) beim Sense dengeln.

Am 1. März 2001 erschien im Amtsblatt der Stadt Gammertingen der Beitrag

'Auf den Spuren der Stadtmaner' , am 1. Februar 2001 'Eröffnung der Fasnets-Ausstellung' sowie 'Erinnerungen an Feldhausen', van F. Bader (1 9 111999),Ausgabevom 18. April 2001: 'Erinnerungen an den Stadtgraben mit seinen 7 Brücken.' Das Foto ist im Original ein handgeglastes KleinbildDia-Nr. 7546 Agfa er 18 Umkehrfilm vom September 1968.

5 Innenseite der Stadtmauer, davor steht links der Rest eines Leiterwagens, rechts der 22 PS Lanz-Aulendorf- Traktor mit dem 'Gurnmiwagen' des Karl Göggel (Wetzel, 1901-1983).1988 wurde dieserTeil der Stadtmauer abgebrochen, neu aufgeführt und mit einem Torbogen versehen. Der Platz davor wird seitdem - wie heute üblich - als Parkplatz genutzt. Ein weiteres Foto von der Stadtmauer siehe Dr. med . H. Burkarth 'Geschichte der Herrschaft Gammertingen - Hettingen', Sigmaringen 1983 Abbildung 22. Im Vordergrund Frl. Maria Barth (1886-1970) vom 'Käppelesberg' ,Marquard Göggel (1898-1973), 'Waldschûtz', und sein Enkel Marquard Obergfell. Vorgänger im rechts sichtba-

ren Hause St.-MichaelsWeg 10 waren die altledigen Geschwister Anton Keller (1875-1934), Glasermeister, und Theresia (1878-1944),genannt 'Butza-Done' und 'ButzaTheres'.

Wer hätte in den 195 Oern vorauszusagen gewagt, als im Städtle noch über 60 Arbeitspferde gehalten wurden, dass]. Stehle (1916-1999) bis 1970 das letzte Pferdegespann haben würde.

Am Hummelberg erstellte der Stricker Hermann Riveroff (geb. 1935) im Iahre 1960 sein Wohngebäude.

6 Das Haus von Wilhelm Linder, Lauchertstraße 2, wurde 1 870 als Viehhaus von Bräumeister Ott gebaut. Um 1930 wurde eine Wohnung eingebaut. Links die Gerberei von ]osef Göggel, Schwedengasse 4, bevor eine Waschküche angebaut wurde. Der alte Hausname lautet 's'Machares' vom Vornamen Makarius. Ein Teil der Bühne wurde in der Familie 'Kischners Bühne' genannt. In Erinnerung an einen früheren Besitzer hatte sich dieser Ausdruck gehalten. Das Haus, aus einem traufständigen und einem giebelständigen Teil mit Krüppelwalm bestehend, wurde im Mai 1 975 abgebrochen und 1976 durch einen Neubau in gleichen Formen ersetzt. Dabei fand sich ein Türbalken in Eselsrückenform.

Einige Bewohner: ]osef Göggel, Rotgerber (17681847), dessen metallenes, bemaltes Grabkreuz unter den Dachsparren gefunden wurde, ]osef Göggel (1856-1917), Mitgründer

des Turngaus Hohenzollern,]. Göggel, letzter 'Gerber' (1895-1971) und sein Sohn ]osef, geb. 192 8, der um 1961 an die Ölbergstraße aussiedelte.

7 Hoch aufragend und spitzgiebelig war uns das zuletzt als Bäckerei Türk bekannte Gebäude in der August-Reiser-Straße 2. So kann man sich die Häuser innerhalb der ummauerten Stadt etwa vorstellen. Jede Generation hat hier die üblichen Modernisierungen vorgenommen: größere Fenster eingebaut und die Raum-Aufteilungen den jeweiligen Bedürfnissen angepasst. Um 1 970 beseitigte Bäckermeister Josef Türk (19131977, gebürtig aus Neufra) und die vom Hause stammende Ehefrau Kreszentia geb. Straub (19232000) den ganzen Fachwerkteil mit seinen rauchgeschwärzten Dachbalken und den Reisig-LehmAusfachungen. Die Tochter Elisabeth Stech richtete

im Herbst 1999 eine Wein-

stube in der ehemaligen Backstube ein. Weil es früher' einige Tritte herunter' in die Backstube ging, nannte man den Bäcker Göckel bzw. Straub den 'Bodenbäck'. Im Herbst 1968 istnoch die Aufschrift 'Bäckerei und Eierteigwaren Franz Straub' erkennbar, die beim Umbau um 1 970 unterging. Sie erinnerte an die vorhergehende Bäcker-Generation. (Dia-Nr. 8297 - Weitwinkel 25 mm - vom Oktober 1968.)

8 Der Krüppelwalmgiebel an der Bäckerei AugustReiser-Straße 2 stammte zweifelsohne aus der Erbauungszeit des Hauses. Er kam nahezu fünfhundert Iahre unverändert seit dem 15. Jahrhundert auf unsere Zeit. Das trifft auch auf das zweite Haus mit Krüppelwalm, Schwedengasse 4, zu. Beide Giebel waren im Herbst 1968 als etwasAlltägliches noch vorhanden, im Jubiläumsjahr 200 1 erinnern nur noch diese Fotos daran. Die Bäckertochter Franziska Göckel (1886-1945) heiratete

den aus Bieringen stammenden Bäckermeister Franz Straub (18871951). Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor. Der älteste Sohn Franz (19141993) gründete ein Speditions- Unternehmen. Wie bei den Nachbarn Kauf-

mann Adolf Göggel 'zum Schlössle' und Josef Göggel (Hebeisen) sind im Zweiten Weltkrieg jeweils drei Söhne gefallen. Auf dem Grabstein der Eltern wurden vermerkt: Josef

( 19 1 9 -1 942), Karl (1 92 01944) undXaver (1925-

1 945) . Die Gammertinger Stadtgeschichte setzt sich aus vielen Einzelschicksalen zusammen, die in diesem Werk nur in Bruchtei-

len beispielhaft veröffentlicht werden können. (Dia-Nr. 8254 vam Oktober 1968.)

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