Gammertingen in alten Ansichten Band 3

Gammertingen in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Botho Walldorf
Gemeente
:   Gammertingen
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6654-6
Pagina's
:   96
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Gammertingen in alten Ansichten Band 3'

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19 Blick auf die Nordseite des Stadtgrabens. Wie oft mag Iohann Burkhart (1887 -1978), Zugführer bei der Landesbahn, mit seinem Kuhfuhrwerk über diese selbstgebaute Brücke gefahren sein, die aus diesem Grund etwas breiter gebaut ist als die im Hintergrund sichtbare Fußgängerbrücke, die in die Au führt. Der Enkel Winfried Ginter (geb. 1957) hat das großelterliche Haus 1989 erweitert. Reste des Antriebes eines Wasserrades hat er noch beseitigt, die Futtertröge im ehemaligen Viehstall, wo drei Kühe und ein Kälble standen, erinnern auch heute an die kleinbäuerliche

Vergangenheit. Für die zwischen Stadtmauer und Stadtgraben gelegenen Gärten wurde im Stadtgraben bis zu seinem Ende das Wasser geholt. Noch heute erinnern eingezäunte 'Bachwegle' daran. Über 700 Iahre mag der Stadtgraben bestanden haben. Unsere Generation wurde Zeitzeuge seiner Beseitigung im Iahre 1967. Diese Bildserie soll an seine stadtbildprägende Existenz erinnern. (Farbdia: P. Rudigier 1966.)

20 Glänzend schlängelt sich der Stadtgraben zwischen den Häusern Hechinger Straße 1 2 der Rosa Ginter geb. Burkhart (geb. 192 2, Dank für die freundliche Auskunft vom 18.April2001) undHechinger Straße 10 Färber Buck 'Lumpentunker" , an seiner Westseite hindurch. Der um 1975 angelegte, asphaltierte Spazierweg hat exakt denselben Verlauf wie der Stadtgraben, sodass die Größe der mittelalterlichen Stadt auch im Iahre 2001 noch erlebbar ist. Zwischen 1955 und 1968 hingen die am linken Bildrand abgebildeten Heugatter nachweislich am Schopf des]. Burkhart.

Diese Heugatter für den Leiterwagen erinnern an die bereits erwähnte Nebenerwerbslandwirtschaft der Burkharts. Die aus Harthausen stammende Ehefrau Rosa geb. Bär und die Töchter mussten oft 'Schochen machen' und 'verschaffen' bis derVater nach dem LandesbahnDienst mit dem Kuhfuhrwerk kam. Zahlreiche Landesbahner der Dampflokzeit (1901-1957) waren 'Feierabend-Bauern' . Manchmal regnete es zwischendurch, dann war das 'Vorschaffen' umsonst gewesen.

21 Blick von der Straßenbrücke auf die Westseite des Stadtgrabens.

Aus dem Stadtarchiv:

Schachtel GAM I, Nr. 1041, 'Anordnungen wegen Verunreinigung der Straßeri': 18. Juli 1861: 'Bei der heutigen Patrouille habe ich gefunden, dass der Färber Karl Buck aus Gammertingen die nicht mehr gebrauchten Farbstoffe und Unrath in die Lauchert geschüttet hatte. Er ist wegen derselben Übertretung am 28. Mai des Iahres auch angezeigt worden. Fußgendarm Vollmerenz. Der Karl Buck wurde wegen des Vergehens bestraft und ist zur Einrichtung einer Senk-

grube aufgefordert worden. An das Bürgermeisteramt hier mit dem Auftrage, den Polizeidiener anzuweisen, dass er den Färbereibetrieb fortgesetzt zu überwachen hat und allfällige Zuwiderhandlungen desselben sofort zur Anzeige zu bringen.' Bei Nichtbeachtung ist demselben zu bedeuten, dass wenn er dieser Anordnung nicht nachkommt, ihm die Ausübung der Färberei an der Lauchert untersagt wird. So wurde schon 1 861 auf Umweltschutz geachtet.

22 Blick von der Straßenbrücke über den Stadtgraben auf die Westseite der alten Häuser im 'Unser'. Jahrhundertelang haben die Häuser auf und an der Stadtmauer mit ihren handgefertigten Ziegeln auf den rauchgeschwärzten, teilweise eingesunkenen Dachstühlen dieses Erscheinungsbild gehabt. Ende der 1950er Iahre setzten dann die Modernisierungen ein, die fünfzig Iahre nach der Entstehung dieses Fotos als abgeschlossen gelten können. Automechaniker Josef Schneider (1909-1976) konnte seine Ford-AutoWerkstatt wieder in Betrieb nehmen, nachdem

die Franzosen abgezogen waren. Er baute 1948 die hier sichtbare Wohnung ein. 1961 ging der 1905 gebaute 'Hirsch-Saal' an Flaschner Buck über. Schon in den 1920er Iah-

ren hatte Oberbahnwärter JosefStehle sen. (18901962) die ehemalige Hirsch-Brauerei zu einem Wohnhaus umgebaut. 1972 erstellte der 1921 geborene Sohn Josef dort

einen Neubau. Das Blechdach stammt vom Kohlenschuppen des Franz Stehle (1887-1967).

23 Hier sind zwei Brücken über den Stadtgraben zu sehen. Die Straßenbrücke im Hintergrund wurde um 1 970 bei der N eutrassierung der Einmündung zur Alten Steige komplett neu gebaut. Links stand eine Gerberhütte, über deren Nutzung die Familie V Buck noch alte, handgeschriebene Urkunden von 1799,1820 und 1833 aufhebt. Laut Stadtarchiv sucht Kaufmann pfister im Iahre 1887 um 'Erbauung einer Badeanstalt' nach. Die Heizung geschieht durch einen Kachelofen, die Außenseiten werden vertäfert. Das Badehaus soll aufhölzernen Pfeilern in den sogenannten Stadtgra-

ben errichtet werden:

Länge 4 m, Breite 3 m.

H. pfister warb auch in der 'Lauchert-Zeitung' für seine 'Badeanstalt', die wohl nicht lange bestand. In den 1950er Iahren hatte

der 'Auto-Schneider' neben der Brücke eine hölzerne Rampe stehen, die dem Waschen von Autos diente. Seinerzeit wurde es mit dem Umweltschutz nicht so genau genom-

men. Die Nachbarn VinzenzBuck (1902-1994) und Daniel Göggel (19021964) betrieben beide Schnapsbrennereien.

24 Roter Dill und parallel dazu der Stadtgraben.

Blick aus der Wohnung des Bahnwerkstätten- Vorstehers Fritz Däche (Lebensdaten 1892-1967, an der Bahn von 1 934 bis 1 955) , heute Geschäftshaus Marktstraße 4. Bis zum Neubau der Kreuzbrücke im Iahre 1966 war der 'Rote Dill' keine Durchgangsstraße. 1972 spielten sich hier bedeutende städtebauliche Veränderungen ab: Das alte evangelische Bet- und Pfarrhaus, eingeweiht am 23. September 1900, wurde abgebrochen, weil es unwohnlich geworden war. 1974 erfolgte unter Stadtpfarrer H. Wirth (1909-1999, Amtszeit 1957-1974) der Neubau des Gemeindehauses. Dieses erhielt 1986 ein Satteldach, weil sich das Flachdach nicht bewährt

hatte. Im Iahre 2001 sind unter pfarrer Wolfgang Schmidt (seit 1999 in Gammertingen) Erweiterungen durch den Neufra-

er Architekten Wallisch im Gange. Der Feuerwehrturm, um 1865 errichtet, wurde im Oktober 1972 zusammen mit der alten

Volksschule und der Molke abgebrochen. Bei Lehrer Strittmatter war der Turm ein beliebtes Zeichenmotiv für die Schüler.

25 Vom Schlossplatz liegen natürlich seit Beginn der Fotografie in Gammertingen um 1900 Bilder vor und jede Generation fügt neue hinzu, die auch einmal historisch werden. Das macht die Auswahl schwierig. Vom 1. November 1933 bis 1. Ianuar 1936 war im Rathaus und in der 'Alten Post' das SAHilfswerklager mit etwa 200 SA-Männern untergebracht. (SA = Sturm-Abteilung). Aus dieser Zeit stammt die Ansichtskarte, die auch vom benachbarten Lebensmittelgeschäft Adolf Göggel verkauft wurde. Seit 1984 besteht dort ein Blumengeschäft. Sowohl hier am Schloss als auch an der' Alten Post' stand ein Wachhäuschen. Wie aus dem Stadtarchiv hervorgeht, hat sich Bürgermeister Schellinger

1 933 aus strukturellen Gründen um die 'SA-Schuie' bemüht und konnte die Konkurrenz Ostrach aus dem Felde schlagen. Natürlich war der Schlossplatz in den Iahren um

1935 noch weitgehend autofrei. Die Fußgängerpassage am Speth'schen Schloss wurde 1964 durchgebrochen.

26 Das Gammertinger Rathaus geschmückt im Stil des 'Dritten Reiches' um 1 935. Das OriginalBaryt-Foto wurde dem Verfasser auf freundlichen Hinweis van Dr. Weber, seit 1991 Kreisarchivar in Sigmaringen, zur Verfügung gestellt (Bestand KAS 3). Zum Fotografieren aufgestellt haben sich die SAMänner. Solcherart Inszenierungen waren in dieser Zeit im ganzen Reich etwas Normales. Heute werden die Fotos aus anderer Sichtweise betrachtet, weil man weiß, was folgte. Deshalb soll nichts Zusätzliches hineininterpretiert werden. Im Kreisarchiv Sigmaringen haben

sich noch zwei weitere Fach-Fotos erhalten: 'SAMänner im Rathaussaal beim Rundfunk-Empfang' und 'SA-Männer, angetreten im hinteren Schlosshof'. Einige SA-Männer

fanden bei ihrem Aufenthalt in Gammertingen ihre Ehepartnerinnen. Auch durch Einquartierung von Truppen und durch das von 1940 bis 1945 bestehende 'Reservelazarett'

wurden eine ganze Anzahl Ehen gestiftet. Migrationen aus Zwang oder aus persönlichen Gründen haben in der Geschichte schon immer stattgefunden.

27 In diesem Türmchen hingen zwei scheppernde alte Glocken. Sie schlugen die Viertelstunden und die vollen Stunden an. Die Gammertinger der 1880er Jahrgänge sagten: 'Hórst Du den Rälling schlagen?' Zuerst gaben meistens die Kirchenglocken die Zeit an, dann folgte Minuten später der 'Rälling'. 1 863, beim Umbau des 'Unteren Fruchtkastens' zum Schulgebäude, wurde das Türmchen aufgesetzt. 1972 wurde alles abgebrochen. Der 'Rälling' aber erschallt weiter: die eine Glocke fand einen würdigen Platz im 1988 eröffneten Museum fürVolkskultur in Waldenbuch, mit der anderen

wird seit 1972 alljährlich der Stadtempfang für die 1936 gegründete Narrenzunft 'Horig' eingeläutet. Das Türmchen aber gehört nunmehr zu den zahlreichen Dingen, die es generationenlang im Städtle gab und deshalb wird es hier veröffentlicht. (Aufgenommen Oktober 1968 mitTeleobjektiv EdixaZoornar 95-205 mm, von B. Walldorf benutzt 1 966-

1 988, die AufnahmeKamera ist abgebildet im Bildband Inneringen, 1998, Seite 208.)

28 Fronleichnam auf dem Schlossplatz um 1950. Das ist auch an der Kleidung erkennbar. Ganz links ist die zunftfahne von 1858 der Müller, Bäcker, Küfer und Bräuer erkennbar, in Bildmitte

die Zunftfahne, die Maler Constantin Hanner (18271893) mit einer Josefsdarstellung versehen hat. Heute werden die Zunftfahnen bei der Fronleichnamsprozession nicht mehr mitgeführt. Als Neuerung gibt es stattdessen Mädchen als Ministrantinnen. Im Hintergrund die alte Volksschule. Alltagsgeschichtlich waren die Nutzungen des Schlosshofs seit Beginn der Fotografie

folgende: Dort stellten die Bauern ihre Fuhrwerke ab, wenn sie mit 'Frucht von der Alb' in die Gammertinger Schranne kamen, für die Schüler diente er als Pausenhofund dann infol-

ge der immer mehr zunehmenden Motorisierung seit dem Ende der 1960er Iahre als Parkplatz. (Foto: A. Herre.) Zahlreiche Angaben sind uns heute noch geläufig, die in

20 Iahren mühevoll recherchiert werden müssen. Da dies in den meisten Fällen unterbleibt, gehen zahlreiche Sachverhalte unter.

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