Gammertingen in alten Ansichten Band 3

Gammertingen in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Botho Walldorf
Gemeente
:   Gammertingen
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6654-6
Pagina's
:   96
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Gammertingen in alten Ansichten Band 3'

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29 Auch die Gestaltung der Fronleichnamsaltäre unterliegt dem jeweiligen Zeitgeschmack. Das Altarbild 'Wundersame Fischvermehrung' schuf der Zeichenlehrer Hans-Dieter Strittmatter (1932-1975), der von 1 955 bis 1966 am damaligen Progymnasium tätig war. Es ist eines der wenigen Werke Strittmatters, das auf diese Weise noch heute in der Gammertinger Öffentlichkeit gezeigt wird. Da der Verfasser van 1 955 bis 1 961 auch bei Strittmatter in die Schule ging, sollen ihm hier ein paar Sätze gewidmet werden. Strittmatter war ein typisches Kind der 195 Oer Jahre. Alles Ver-

schnörkelte war ihm ein Gräuel. Er verschrieb sich der 'abstrakten Malerei' und wollte diese auch uns Schülern weitergeben. Weihnachtslieder wie 'Stille Nacht' wurden von ihm

die Holzmaske der 'Horigen Katz' schnitzen ließ. Erst nach Iahren erkennen wir, was wir an Strittmatter gehabt haben.

als Kitsch abgetan. An der Fasnet setzte er sich schon um 1960 für die Beschaffung von Holzmasken ein. Strittmatter ist es zu verdanken, dass die Narrenzunft'Horig' schon 1969

30 Das Gebäude Hohenzollernstraße 9 wurde 1901 anstelle der Zehntscheuer als' Amtsgericht' im Neo-Renaissance-Stil errichtet. Im Erdgeschoss wohnte und arbeitete in den 1950er Iahren der aus Waldenburg in Schlesien heimatvertriebene JustizOberamtmann Hubert Ey (1903-1980). Seine betagte Mutter Elisabeth geb. Leuschner (1 875 -1 956) hatte dort nach der Flucht auch noch eine Bleibe gefunden. Auf Notar Schäffer folgte 1989 Julius Roth aus Neufra. Im ersten Stock wohnten und arbeiteten in neuerer Zeit Forstmeister Derichsweiler (1898-1958, im Amt seit

1935), Helmut Groening (geb. 1916, Amtszeit 1959-1979), dannVolker Roether (1939-1998, Amtszeit 1979 bis 1992) und als letzter Jörg Scham

(geb. 1955) bis 1998 mit ihren Familien. Eine Fotogalerie der Forstmeister in 100 Iahren ist dort vorhanden und dient der Visualisierung geschicht-

licher Abläufe. In den

1 920 er Iahren waren im Forstamtsbezirk 25 heute nur noch fünf Forstwarte tätig (siehe auch Amts blatt vom 3. Mai 200 1) .

3 1 Das Fachwerkhaus Hohenzollernstraße 1 8, das ehemalige Gasthaus 'Zum Ochsen', Bauzustand urn 1 938. (Foto van G. Mühlbacher, dem Verfasser imNovember 1978 freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Dr. med. H. Burkarth.) In der Literatur ist das stadtbildprägende Fachwerkhaus mehrfach erwähnt. Im Kunstdenkmälerband für den Landkreis Sigmaringen, 1948, bei ]osefWiest, Geschichte der Stadt Gammertingen, 1961, auf den Seiten 117, 169 und 249, sowie in Bildband Gammertingen I, Bild 31 und Band II, Bild 53. Das Nachbarhaus rechts, Hohenzol-

lernstraße 16, ist das Geburtshaus des Musikdirektors August Reiser (18401904). Nach ihm ist seit

1 955 eine Straße im Altstadtteil 'Unser' benannt. Bis 1860 trieb Bürgermeister Bonaventur Reiser hier ein 'gangbares' Geschäft um. 1893 zog Hermann Lohmüller auf. 1959 konnte Schreinermeister Willy Braun (geb. 1919) als entfernter Verwandter das Geschäftshaus erwerben und baute eine Schaufensterfront anstelle des Ladeneingangs in der Mitte ein.

32 Auch im Fachwerkhaus Hohenzollernstraße 18 war die Bühne seit der Erbauungszeit des Hauses fast unverändert geblieben. Dank gilt der Familie Kraus für die Besichtigungsmöglichkeit im Oktober 1974. 1665 - diese Jahreszahl war zu finden laut]. Wiest - wurde ein Dachstuhl nach der Erfahrungen gebaut. Zahlreiche, mit Holznägeln versehene Verstrebungen dienten der zusätzlichen Stabilität. Rechts ist der 'Hängebalken', ein sogenanntes Sprengwerk, sichtbar. Er diente dazu, dass der im ersten Stock gelegene 'Saal' des 'Ochseri' eine größere stützenfreie Decke hatte. Das veröffentlichte Foto kann den Eindruck einer solchen 'alten Bühne' natürlich nur unzureichend wiedergeben. Künftige Ge-

nerationen sind aber auf dieserart Haus-Dokumentationen angewiesen, da es im Original so etwas im Städtle nicht mehr gibt. Eine Treppe mit keilförmigen, roh behauenen Trep-

penstufen diente als Aufgang zur Bühne. (Dia-Nr. 18883.)

33 Das Friseurgeschäft Kraus, Hohenzollernstraße 1 8, nach dem Brand vom 1. Oktober 1985. Fast exakte Gegenüberstellung zu Bild 3 1 von 1 938. So endete der über 300 Iahre fast unverändert erhaltene Dachstuhl als Totalverlust durch Brand. Das Doppelhaus links, Hohenzollernstraße 20, hatte 1938 noch Fensterläden, die später entfernt wurden. Die Fenstereinteilung ist jedoch gleich geblieben. Der Briefträger Rafael Binder (1867-1933, s'Räffele) und in den 1960er Iahren die Familie Linke gehörten zur Reihe der Mieter des Eigentümers Sonnenwirt Reiser. Seitdem wird dieser Hausteil von Italienern bewohnt. Die früheren deutschen Bewohner geraten immer mehr in Vergessenheit. Heute gibt es in der

Innenstadt kaum mehr unbefestigte Flächen. An Ge genübers tellungsfo tos können stets zahlreiche Einzelheiten belegt werden, die sich geändert haben.

34 Blick in die Postbetriebsräume Hohenzollernstraße 15 am Samstag, den 22. Dezember 1990:

Bei der Vorbereitung des Zustellgangs. Die Briefe werden in die 'Gangordnung' gesteckt. Links Thomas Saurer aus Feldhausen. Rechts Willy Gluitz. Er ist 1929 in Kettenacker geboren und wurde 1944 noch unter Oberpostmeister Karl Barth (1878-1973, Amtszeit 1907-1946) eingestellt. Im Jubiläumsj ahr 2001 ist das Postamt Gammertingen Zustellstützpunkt auch für Neufra, Hettingen und Veringenstadt. 15 Zusteller sind dazu im Einsatz. Über Arbeitsplätze ist viel zu

wenig dokumentiert, obwohl die Menschen am Arbeitsplatz doch die meiste Lebenszeit verbringen. Allerdings meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Deshalb fiel es leicht, diese

henzollernstraße 15. Langjähriger Postvorstand war Heinrich Jakob (19131995) .

Fotos von der Arbeit bei der Post mit auszuwählen. Seit Aufgabe der Posthalterei Schmid in der Reutlinger Straße 4 ('Alte Post') im Iahre 1 908 befindet sich die Post in der Ho-

35 Postler an der Verladerampe an der Südseite der Post im Dezember 1990. Von links nach rechts:

Karl-Heinz Hebeisen, geb.19 60, hat seit 1976 gelernt bei der Post, seit 1986 fest in Gammertingen, seit 1989 Stadtrat;

W Gluitz, seinerzeit dienstältester Postbeamter; Berthold Sauter aus Inneringen (geb. 1962); Sepp Hanner aus Kettenacker (inzwischen pensioniert); Thomas Saurer aus Feldhausen; Georg Ott, geb. 1931 in Steinhilben pensioniert 1 99 1 , inzwischen verstorben; Blanda Schmid, gebürtig aus Eglingen, Adlerwirtin aus Harthausen. Ihr Mann

Sebastian Schmid (19341989) hatte dort die Poststelle. Ähnlich wie an der Landesbahn wurden die Post-Uniformen von Zeit zu Zeit der Mode angepasst. Deshalb erscheinen

die Postuniformen, die auf den Fotos mit den Postkutschen von 1901 bzw. 1908 abgebildet sind, uns heute so altertümlich. Heute wird 'Unternehmenskleidung' dazu gesagt. DerVer-

gleich von Fotos aus verschiedenen Epochen über dieselben Tatbestände wie hier der Postbetrieb lohnt sich immer wieder.

" lil "':.

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36 Vor dem Hause Göggel ('Däde') in der Hechinger Straße 4. Stolz präsentieren sich die 'ledigen' Brüder Adolf Göggel (1890-1982), links, und Konrad (1889-1942) in ihrer Fuhrmannskleidung. Die bestand aus langen Stiefeln und einer Weste. Mit den Frachtfuhrwerken ist auch die Arbeitskleidung der Fuhrleute im Mittleren Laucherttal verschwunden. Nur aufFotos wie diesem ist sie durch Zufall dokumentiert. 'Der ganze Verkehr war auf pferde eingestellt, und wenn am hiesigen Platz auch keine Industrie vorhanden war, so brachte dieser doch dem vorhan-

denen guten Handwerkerstand lebhaften Betrieb und gute Verdienstmöglichkeiten' (Zitat Alois Reiser). Ebenso verhält es sich mit der 'Säuberrnûhie'. Sie diente zum Trennen

der Frucht von der Spreu, vor allem für das Saatgetreide. Sinn dieser Veröffentlichung ist es, darzustellen, dass Gerätschaften, die heute nur noch in den benachbarten Museen zu

sehen sind, auch einmal in Gammertingen als Arbeitsgeräte dienten. Visualisierung und Literarisierung früherer Arbeitswelten ist mit viel Kompromissen verbunden.

37 Blick vom Hause der 'Glaser-Prenze' Franziska Keller (1911-1995) auf die Ölbergstraße, im Volksmund auch 'Käppelesberg' genannt. Das im Original 6x9 cm große Rollfilmnegativ entstand um 1 930, als F. Bader aus Sigmaringen bei ihrer Freundin F. Keller weilte. Der Ausblick war um 1930 Alltagswirklichkeit, Änderungen schienen nicht in Sicht. Ausgewaschen und von Regenrinnen zerfurcht ist die Ölbergstraße, die von einem hölzernen Geländer eingefasst ist. Brennholzbeigen konnten ungestört auf der Straße gelagert werden. Rechts die Rückseite des 'Hägestalles', über

den bei Bild 63 Weiteres berichtet wird. Das Ölmüller-Haus, zuletzt von Familie Münch bewohnt, musste 1970 demAusbau des 'Roten Dill' weichen. Seitdem ist der Platz leer, die meisten der heute lebenden Gammertinger können sich nicht mehr vorstellen, dass da einmal ein Haus gestanden hat.

So schnell geraten frühere Verhältnisse in Vergessenheit. Das steile Dach des Hauses Göggel (Kappenmacher) stürzte im September 1949 ein.

38 Wilhelmine Buck (1842-1937) um 1930 am Ölberg. In der Hand trägt sie ' das Magnifikat' und das Kreuz vom Rosenkranz ist auch noch sichtbar. 't 'Wilhelmin' kommt also gerade in ihrem Sonntagsstaat vom Kirchgang zurück. Im Hintergrund die Bauernhäuser Römerweg 4 (Familie Quido Göggel/Friedrich) und Hanner/Pfister, die seit den 1980er Iahren bereits unbewohnt sind. Mit Brettern wurde die Ölbergstraße befestigt, damitTeile davon nicht abrutschen. Seit der Fertigstellung der 'Europastraße' 1974/75

ist die Ölbergstraße zur vielbefahrenen Durchgangsstraße geworden.

Das war zum Zeitpunkt der Aufnahme um 1 930 unvorstellbar.

Bildautorin F. Bader (1911-1999) erlebte ihre entscheidenden Kindheitsjahre bis 1925 im Städtle. Sie hat dann bei ihren Besuchen ab 1930 von Sigmaringen aus eine ethnografische Beobachtungsgabe auf das Gammertingen vor Beginn der Motorisierung entwickelt. Das hat sich in ihren Fotos und ihren Aufzeichnungen niedergeschlagen. (6x9 cm Original-Negativ-Nr. 1264.)

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