Gammertingen in alten Ansichten Band 3

Gammertingen in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Botho Walldorf
Gemeente
:   Gammertingen
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6654-6
Pagina's
:   96
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Gammertingen in alten Ansichten Band 3'

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39 Das Haus Ölbergstraße 10 mit Frau Buck davor um 1925. Die nächste Generation war Genoveva Buck geb. Maichle (18861975, genannt 'Vevele ') , Kriegerwitwe des Ersten Weltkrieges. Sie stammte aus Hermentingen. Die folgende Generation Maria Buck (geb. 1914), aus Unterhausen stammend, hatte ihren Mann ebenfalls durch Kriegsfolgen verloren. Jedes ältere Gammertinger Haus hatte eine Scheuer, war man doch auf die Lagerung von Naturalien und das Halten von Kleintieren angewiesen. Der Holzvorrat für die strengen Winter konnte nicht groß genug sein, wie das Foto zeigt. Seit der Ein-

führung von Ölheizungen ab den 1960er Iahren sind die großen Holzhäufen aus dem Stadtbild verschwunden. Haus Buck wurde seit dem Zeitpunkt der Aufnahme mehrfach modernisiert, ist aber in den äußeren Umrissen gleich geblieben. Man beachte die ausgetretenen Kalksteinstufen, die Fenster mit den 'Vorfensterri' sowie das mit Dachziegeln verschiedener Art ausgebesserte Dach. Heute ist nicht mehr erkennbar, dass das Haus einmal eine Scheuer gehabt hat. (Repro-FilmNr. 165.)

40 In der Sigmaringer Straße 2 wurde 1 830 von Apotheker Weidmann die Physikats-Apotheke eingerichtet. Darüber gibt eine Akte im Stadtarchiv Auskunft. Das Foto von 1913 zeigt Hubert Schmalz, der hiervon 1899 bis 1915 Apotheker war. Schmalz betrieb nicht nur die Apotheke, sondern auch eine Dörrkartoffelfabrik. Durch die Werbung für seine Produkte entstand eine 15seitige Broschüre 'Garnmertinger Dörrkartoffeln' , sowie mehrere Ansichtskarten. Davon ist eine hier veröffentlicht. Ferner hielt Schmalz Kontakt mit der Deutschen Kolonialgesellschaft und Missionaren.

Von der Gruppe Gammertingen war Schmalz der rührige Vorstand. Die 'Lauchert-Zeitung' war die Mittlerin der Gedankenwelt des Wilhelminischen Kaiserreiches. Davon zeugen ausführliche Berichte über die Aktivitäten wie Lichtbildervorträge zur Verbreitung des kolonialen Gedankens. In der 'Lauchert-Zeitung' vom 2. Dezember 1906 wirbt der 'Flottenverein Gammertingen' im GasthofZur Post' für einen Lichtbildervortrag über eine Reise an die deutsche Wasserkante.

41 Die Gartenseite des Apotheken-Gebäudes hat sich in fast neunzig Iahren nur unwesentlich geändert. Liste der Apotheker (freundliche Mitteilung von Dr. H. Burkarth vom 29. April 2001): Wilhelm 1915-1927, Richard Gindele sen. 1927-1938, Dr. Josef Gindele 1938-1965, ]. Stöcklein 1965-1970, Krautscheid 1970-1979, seitdem H. Baltisberger, Verlegung der Apotheke

1 983. Bild 40 und 41 stammen aus dem Nachlass des Missionars Gottlieb Spellenberg (1872192 5), Korntal, Ludwigsburger Straße 24, den seine Tochter Dorothee Spellenberg erst um 1990

sichtete. Ihre ebenfalls aus Korntal stammende Nachbarin Gisela Hg war in Gammertingen, Freiherren-von-Speth-Straße 19 wohnhaft geworden. Frau Hg stellte im Juli 1993 den

Kontakt mit B. Walldorf her. Mit derVeröffentlichung soll diese spannende Überlieferungsgeschichte in die Zukunft weitergegeben werden. Dies zeigt, dass einerseits

'zugezogene' Gammertinger etwas zur Aufarbeitung der älteren Stadtgeschichte beitragen können, zumal sie auch einen Teil der aktuellen Stadtgeschichte mitgestalten.

GammertJngen i. H.

Apotheke Garlenansicht

42 Eigentlich hatte der Kaufmann Franz Göggel (Jahrgang 1933) mit diesem Farbdia die 'Katzenmusik' um 1956 an der 'Stelle' (Ecke Sigmarin-

ger /Hohenzollernstraße) aufnehmen wollen. Unbewusst hat er den Stand der Modernisi erungsprozesse der Gammertinger Stadtmitte mit dokumentiert. Der schwarze Volkswagen mit dem Brezelfenster gehört zu den Attributen der 1950er Jahre. Häuser mit bereits nicht mehr bäuerlich genutzten Scheuern, die an die landwirtschaftliche Vergangenheit erinnerten, verschwanden nach und nach aus dem Stadtzentrum. Nach demAuszug der letzten Mieterin

Frau Kästle 'ins Bohl' brachte die 1953 gegründete Baufirma Lieb hier ihre ersten sechs italienischen 'Gastarbeiter' unter. Der typische Werdegang alter Häuser sei beispiel-

haft erwähnt: Auszug der letzten deutschen Bewohner in einen Neubau am Stadtrand, dann Nutzung durch 'Gastarbeiter' als billige Unterkunft, dann der Abbruch. 1962 überbaut

mit dem Geschäftshaus Reutlinger Straße 1 durch Georg Wissmann.

43 Blick vom Kirchturm um 1950 auf die 'StelleHäuser' in der Sigmaringer Straße. Als Orientierungspunkt kann das Geschäftshaus Spohn Reutlinger Straße 2 und die daneben stehende' Alte Post' für dieses Foto und das folgende Gegenüberstellungsfoto Nr. 44 dienen. Die 'Krone' mit dem 1935 erbauten 'Kronensaal' Sigmaringer Straße 8-10 wurde 1991 abgebrochen und 1 995 ein Geschäftshaus-Neubau fertiggestellt. Die um 1881 erbaute 'Kronenwirts Scheuer' mit ihren mächtigen Brauerei-Kellergewölben war bis 1991 das letzte große Ökonomiegebäude im Stadtzentrum. Am linken

Bildrand die Rückseite des Hotels Post mit dem alten Küchenanbau. Sinn dieser Veröffentlichung ist es, auch die Geschichte weniger bedeutender Gebäude

niederzuschreiben, die aber generationenlang das Stadtbild Gammertingens mitgeprägt haben. Die in der Bahnhofstraße sichtbare Zahnarzt-Praxis Dr. Hai-

ber, Dr. Kugler, Dr. Schuster wurde 1939 von M. Spohn erbaut. Sie wurde 1 983 zugunsten van zentrumsnahen Parkplätzen abgebrochen.

44 Ein ungehinderter Blick war im April 1989 von der zur Außenrenova tion (Leitung: Architekt G. Gauggel1932-1991) eingerüsteten Stadtpfarrkirche auf die neu gestaltete Sigmaringer Straße möglich. Die Volks bank wurde 1 983 wesentlich erweitert und aufgestockt. Die Alb-Apotheke Klaus Christ (geb. 1945), Sigmaringer Straße 3, besteht seit 1977 und in das nördliche Nachbargebäude ist 1998 der Allgemeinarzt Dr. Kurz (geb. 1959) eingezogen. Um 1954 hatte der Postwirt Konrad Baur (geb. 1915) einen Gästehausflügel errichten lassen. Bei der Gelegenheit wurde die alte

Kegelbahn entfernt und ein Gästeparkplatz angelegt. Vom ehemaligen 'Bräugarten' blieb bis heute die mächtige Kastanie erhalten. 1992 wurde wieder eine Gartenwirt-

schaft in Form des 'Postgärtle' errichtet. Im September 1998 wurde der Betrieb des 'RornantikHotel' Post eingestellt. Die letzte Öffnung war beim Ringtreffen im Februar

200 1 in Form einer Besenwirtschaft. Die bestehende Bausubstanz wird wohl in naher Zukunft geändert werden.

45 Blick auf die Sigmaringer Straße, um 1 965. Von den abgebildeten Gebäuden steht im Iubiläumsjahr 200 1 nur noch die Zentral-Apotheke rechts. Die gesamte Häuserzeile wurde zwischen 1968 und 1988 durch Neubauten ersetzt. Die Erweiterung der ummauerten Stadt setzte sich an den vorhandenen Verkehrswegen fort. Der mundartliche Begriff'Stelle' umfasst die Hohenzollernstraße ab der Lauchertbrücke und die Sigmaringer Straße. Bürgermeister E. Hirschle bemerkte 1991 richtig, dass die Leute zwar gerne die alten Fotos anschauen, aber in diesen Häusern der

sanitären Verhältnisse wegen nicht mehr wohnen wollten. Da Gammertingen bisher kein Heimatmuseum hat, ist die Visualisierung und Literarisierung früherer Erschei-

nungsbilder von Straßenzügen eine wichtige kulturelle Aufgabe. Der Kreis der Interessierten wird jedoch wegen zunehmender mangelnder eigener Anschauung kleiner werden. Die

vier Göggel-Häuser waren so ineinander verschachtelt, dass die Katzen von Buchbinder Göckel bis zum 'Stelle-Bendikt' Göggel gelangen konnten.

46 Blick aus dem Hotel Post um 1960, fotografiert von F. Däche auf Rollfilm 6x6 cm. Rechts ist eine BMW-Isetta geparkt. Der Landwirt Benedikt Göggel (1894-1985) undsein Sohn Heinrich (geb. 193 0, 'Stelle- Heiner') sind gerade mit ihrem pferdegespann und dem 'Gummiwagen' angekommen. Durch das offene Scheunentor gelangte man in die rückwärts gelegenen Ökonomiegebäude. Bei den Göggels war die Haustür in Bildmitte sichtbar immer verschlossen. Einheimische wussten jedoch, dass man die Hausherrin Luise Göggel geb. Buck (1894-1976, 'tStel-

ie-Luis') nach dem Gang durch das Scheunentor in der links davon gelegenen Küche antreffen konnte. Die 'Stelle-Schmiede' be-

trieb im 18. Jahrhundert einer namens Keller. Im 19. Jahrhundert heiratete ein Göggel ein. Im Jubiläumsjahr 200 1 betreibt die

Enkelin Erika Heissel hier das Gästehaus 'Stelle', so ändern sich die Tätigkeiten der Generationen.

47 Blick auf die Buchhandlung Mey um 1 972, Sigmaringer Straße. Im Iahre 1954 erstellte Eugen Mey (geb. 1921) sein 'neues' Ladengeschäft. Es wurde zusammen mit dem um 1840 erbauten Wohnhaus des Hofbuchbinders Göckel im August 1 988 abgebrochen. Das Hohenzollernwappen, das den Hoflieferanten des Fürstenhauses verliehen wurde, ist seit 1988 nun nicht mehr in der öffentlichkeit zu sehen. Der Verfasser kann nun auf über fünfzig Iahre selbst erlebte städtebauliche Veränderungen in der Stadt Gammertingen zurückblicken.

Die Buchhandlung Mey ist

nicht das einzige Gebäude, das wir als Neubau gekannt haben und das inzwischen schon nicht mehr existiert. Beispiele:

Das Wohnhaus Samentalstraße 8 des kinderlosen

Karl Göggel (1908-1992) wurde 1 950 erbaut und im April 1989 total abgebrochen. Der Aussiedierhof des Franz Buck (19021988, Weber), wurde 1961/62 in der Breite

Straße 2 erbaut und 1995 wegen Erweiterung des Feuerwehr -Gerätehauses abgebrochen.

48 Fronleichnamsprozession im Heiligen Iahr 1975 in der Sigmaringer Straße. Wie oft mögen die alten 'Stelle-Häuser' zu Fronleichnam und anderen Festlichkeiten geschmückt worden sein? Auch in Gammertingen ist der Fronleichnamsschmuck seit den 1960er Iahren weniger geworden. Bis 1991 waren die Erlenbader Franziskanerinnen, die im Kreisaltersheim seit 1928 segensreich wirkten, in der Gammertinger Fronlei chnamsprozession immer dabei. Nicht zu vergessen die Schwestern der Schwesternstation, die zuletzt ab 1959 mit der Kinderschwester Cassina

(geb. 1910) und der Krankenschwester Alfana (1898-1988) besetzt war. Rechts das Kaufhaus Krämer in seinem letzten Erscheinungsbild, denn ein Iahr später wurde es im

Rahmen der Sanierung der Sigmaringer Straße abgebrochen. Bis 1974 wurden die Stationen am 'Kreuz.', an der Alten Steige, im Schlosshof und an der Apotheke gehalten. Für die

Nachbarn war es Tradition, beim Aufbau der Altäre zusammenzuhelfen.

Seit 1976 wird auf dem Schlosshof eine zentrale Andachtsfeier zelebriert.

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