Geburtshäuser berühmter Deutscher Dichter in alten Ansichten

Geburtshäuser berühmter Deutscher Dichter in alten Ansichten

Auteur
:   Hubert Georg Quarta
Gemeente
:   Geburtshäuser berühmter Deutscher Dichter
Provincie
:  
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1808-8
Pagina's
:   126
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Geburtshäuser berühmter Deutscher Dichter in alten Ansichten'

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Adalbert Stifter 1805-1868

20. ' ... Der Tisch war genau viereckig, weiß und groß, und hatte in der Mitte das rötliche Osterlämmlein mit einem Fähnchen, was meine außerordentliche Bewunderung erregte. An der Dickseite des Tisches waren die Fugen der Bohlen, aus denen er gefügt war, damit sie nicht klaffend werden konnten, mit Doppelkeilen gehalten, deren Spitzen gegeneinander gingen. Jeder Doppelkeil war aus einem Stück Holz, und das Holz war rötlich wie das Osterlamm. Mir gefielen diese roten Gestalten in der lichten Decke des Tisches gar sehr. Als dazumal sehr oft das Wort 'Conscription' ausgesprochen wurde, dachte ich, diese roten Gestalten seien die Conscription. Noch ein anderes Ding der Stube war mir äußerst anmutig und schwebt lieblich und fast leuchtend in meiner Erinnerung. Es war das erste Fenster an der Eingangstür. Die Fenster der Stube hatten sehr breite Fensterbretter, und auf dem Brette dieses Fensters saß ich sehr oft und fühlte den Sonnenschein, und daher mag das Leuchtende der Erinnerung rühren. Auf diesem Fensterbrette war es auch allein, wenn ich zu lesen anhob. Ich nahm ein Buch, machte es auf, hielt es vor mich und las: 'Burgen, Nagelein, böhmisch Haidel.' Diese Worte las ich jedes Mal, ich weiß es, ob zuweilen noch andere dabei waren, dessen erinnere ich mich nicht mehr. Auf diesem Fensterbrètt sah ich auch, was draußen verging, und ich sagte sehr oft: 'Da geht ein Mann nach Schwarzbach, da geht ein Weib nach Schwarzbach, da fährt ein Mann nach Schwarzbach, da geht ein Hund nach Schwarzbach, da geht eine Gans nach Schwarzbach.' Auf diesern Fensterbrette legte ich auch die Kienspäne ihrer Länge nach aneinander hin, verband sie wohl auch durch Querspäne, und sagte: 'Ich mache Schwarzbach!' In meiner Erinnerung ist lauter Sommer, den ich durch das Fenster sah, von einem Winter ist von damals gar nichts in meiner Einbildungskraft.'

Letzte Sätze einer Niederschrift des alten Adalbert Stifter nach einem Besuch des heimatlichen Oberplan kurz vor seinem Tod.

Aus: Adalbert Stifter in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, dargestellt von Urban Roedl. Rowohlts Monographien, Band 86, Seiten 12113. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 8. Auflage 1977.

Abbildung: Stifters Geburtshaus in Oberplan. (Aquarell von Josef Hoffmann, 1877.)

Fritz Reuter 1810-1874

21. ' .. .In jenen schönen Tagen, als die Neuigkeiten sich bei uns noch, wie im Morgenlande, von Mund zu Mund verbreiteten, als einem Fremden in dem Wirtshause mit seinem Mantel auch die Neuigkeiten ausgezogen wurden, und jeder Probenreiter (Handlungsreisende} von meiner lieben Vaterstadt als eine Gabe Gottes angesehen wurde, die dem publizistischen Standrechte verfallen war - damals hätte ich schreiben sollen! - Leider war ich aber noch Schreibens und Lesens unkundig. Schöne, alte Zeit! Der vorüberrauschende Flügelschlag der Jahre hat das anspruchslose Gewebe zerrissen, in das du dich so warm und weich eingesponnen hattest: die Innigkeit deiner Beziehungen hat der Ausdehnung derselben Platz machen müssen. Früher wußte ich genau, was Nachbar Schröder zu Mittag aß, und nahm teil an seinem Mahle, wenn's ihm schmeckte. Was kümmert mich jetzt Nachbar Schröder? - Jetzt muß ich den Küchenzettel politischer Sudelköche lesen; aber ich bitte mich nicht bei ihnen zu Gaste. In jenen Tagen hätte ich unbedingt das größte welthistorische Ereignis für die interessante Nachricht hingegeben, daß 'Kor! Knak' und 'Hanne Snur' sich geprügelt hatten, und gewiß hätte ich Sebastopol und die ganze MincioLinie geopfert, um von 'Hanne Slütern' zu erfahren, daß 'Kor! Knak' den annern - wie er bleichen Antlitzes versicherte - 'rnit't Metz grad int't Hart steken hadd', wobei er auf einen Teil seiner Kleidung wies, in dem allerdings bei gewissen Leuten das Herz sitzen soll. - .. .'

' ... Das war das glänzendste Meteor, das an meinem Kinderhirnmel in leuchtender Pracht aufgestiegen war; Konditor Christlieb in Brandenburg hat jahrelang meine Phantasie mit Honigkuchen und gebrannten Mandeln gefüttert, und wenn jemals ein tiefaufregender Wunsch in meinem Herzen geherrscht hat, so war es der: gleich dem Konditor Christlieb tagelang hinter so einem reizbeladenen Tische zu stehen und den großen Baumkuchen zu bewachen, der als Tafelstück die Mitte zierte. Mein Vater predigte stets gegen Kuchen und Süßigkeiten als der Gesundheit nachteilig; ich muß aber gestehen, daß diese Predigten endlich anfingen, mir höchst unbegründet zu erscheinen .. .'

Aus: Reuters Werke, (Meine Vaterstadt Stavenhagen]. Herausgegeben von Prof. Dr. Wilhelm Seelmann, Vierter Band. Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien, 0.J.

Abbildung: Das Geburtshaus des Dichters in Stavenhagen. Kreis Malchin.

Ferdinand Freiligrath 1810-1876

22. Aus DIE BILDERBIBEL (Strophen 1,2,5,7,8)

Du Freund aus Kindertagen, Du brauner Foliant,

Oft für mich aufgeschlagen Von meiner Lieben Hand; Du, dessen Bildergaben

Mich Schauenden ergötzten, Den spielvergeßnen Knaben Nach Morgenland versetzten:

Als trät' ich, wie vorzeiten, Zur Mutter bittend hin, Daß sie mir sollte deuten Jedweden Bildes Sinn;

Als lehrte zu jedem Bilde

Sie Sprüche mich und Lieder; Als schaute sanft und milde Der Vater auf uns nieder.

Du schobst für mich die Riegel von ferner Zone Pforten,

Ein kleiner, reiner Spiegel

Von dern, was funkelt dorten! Dir Dank! durch dich begrüßte Mein Aug' eine fremde Welt, Sah Palm', Kamel und Wüste Und Hirt und Hirtenzelt ...

o Zeit, du bist vergangen! Ein Märchen scheinst du mir! Der Bilderbibel Prangen,

Das gläub'ge Aug' dafür,

Die teuren Eltern beide,

Der stillzufriedne Sinn,

Der Kindheit Lust und Freude Alles dahin, dahin!

Mir ist, als lägst du prangend Dort auf dem Stuhle wieder; Als beugt' ich mich verlangend Zu deinen Bildern nieder;

Als stände, was vor Jahren Mein Auge staunend sah,

In frischen, wunderbaren, Erneuten Farben da;

Aus: Ferdinand Freiligrath, Gedichte. Auswahl und Nachwort von Dietrich Bode. Verlag Philipp Reelam jun., Stuttgart 1964/1975, Seiten 35-37.

Abbildung: Das Geburtshaus in Detmold, Unter der Wehme 5.

Georg Büchner 1813·1837

23. Georg Biichner wurde nur 23 Jahre alt, ihm blieb keine Zeit zu persánlicher Rilckbesinnung. Sein Denken war während des kurzen Lebens metst auf die ihn bedrängende Gegenwart gerichtet, in seinem Werk reagiert er weithin auf die politischen Zustände seiner Zeit. Daher ist es verständlich, wenn es nur ganz wenige Anmerkungen zu seiner Herkunft - sei es von ihm selbst oder von anderer Seite - gibt. Doch zeigt insbesandere sein Briefwechsel mit der Familie, wie eng und wertvoll für ihn die stete Verbindung zu seinen Angehörigen, zu seiner Heimat war, wie sehr er sich durch diese Verbindung mit Darmstadt in seinem unsteten Leben zumindest ein wenig gestehert fühlte.

'Irn Jahre Christi 1813, am 17. Oktober früh um halb 6 Uhr wurde dem Herrn Ernst Karl Büchner, Doktor und Amtschirurgus dahier zu Goddelau, und seiner Ehefrau Louise Caroline geb. Reuß das erste Kind, der erste Sohn geboren und am 28. Oktober getauft, wobei er den Namen Karl Georg erhielt. Pate war 1.) Joharm Georg Reuß, Hofrat und Hospitalmeister zu Hofheim, des Kindes Großvater mütterlicherseits, 2.) Jakob Karl Büchner, Doktor und Amtschirurgus zu Reinheim, des Kindes Großvater väterlicherseits, 3.) WilheIm Georg Reuß, der Mutter lediger Bruder. Stellvertreter der Taufpaten zu No. 2.) und 3.) Johann Heinrich Schober, Pfarrer. Der taufende Pfarrer, Jakob Wiener, zu Goddelau.'

' ... Vor allem muß ich Euch sagen, daß man mir auf besondere Verwendung eine Sicherheitskarte versprochen hat, im Fall ich einen Geburts- (nicht Heimats-jschein vorweisen könnte. Es ist dies nur als eine vorn Gesetze vorgeschriebene Förmlichkeit zu betrachten; ich muß ein Papier vorweisen können, so unbedeutend es auch sei .. .' Aus einem Brief Bûchners an seine Familie, Straßburg, Anfang August 1835.

' ... Lernst Du bis Ostern die Volkslieder singen, wenns Dich nicht angreift? Man hört hier keine Stimme; das Volk singt nicht. Ich komme dem Volk und dem Mittelalter immer näher, jeden Tag wird mirs heller - und gelt, Du singst die Lieder? Ich bekomme halb das Heimweh, wenn ich mir eine Melodie summe .. .'

Aus einem Brief an seine Braut Wilhelmine Jaegele, Zürich, den 20. Januar 1837.

Georg Büchner, Sämtliche Werke, Emil Vollmer Verlag, Wiesbaden o.J. (Sonderausgabe Die Tempel-Klassiker],

Abbildung: Georg Biichners Geburtshaus in Goddelau bei Darmstadt.

Friedrich HebbeI1813-1863

24. DAS ALTE HAUS (Auszug)

Der Maurer schreitet frisch heraus, Er soll dich niederbrechen;

Da ist es mir, du altes Haus,

Als hörte ich dich sprechen:

"Wie magst du mich, das lange Jahr' Der Lieb' und Eintracht Tempel war, Wie magst du mich zerstören?

Nun schweigt es still, das alte Haus, Mir aber ist's, als schritten

Die toten Väter all' heraus,

Um für ihr Haus zu bitten,

Und auch in meiner eignen Brust, Wie ruft so manche Kinder-Lust:

Laß stehn das Haus, Iaß stehen!

Dein Ahnherr hat mich einst erbaut Und unter frommem Beten

Mit seiner schönen, stillen Braut Mich dann zuerst betreten.

Ich weiß um alles wohl Bescheid, Um jede Lust, umd jedes Leid, Was ihnen widerfahren ... "

Indessen ist der Mauermann schon ins Gebälk gestiegen. ,

Es fängt mit Macht zu brechen an, Und Stein' und Ziegel fliegen. Still, lieber Meister, geh von hier, Gem zahle ich den Taglohn dir, Allein das Haus bleibt stehen.

A us: Friedricli Hebbel, Gedichte, Eine Auswahl, Setten 11-13. Reclam, Stuttgart 1977.

Abbildung: Hebbels Geburtshaus in der Norderstraße zu Wesselburen in Holstein (Gemälde von Willi Graba).

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