Gelnhausen in alten Ansichten Band 2

Gelnhausen in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Gerhard Blumenröder
Gemeente
:   Gelnhausen
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3160-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Gelnhausen in alten Ansichten Band 2'

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EINLEITUNG

Die freundliche Aufnahme, die das Buch 'Gelnhausen in alten Ansichten' bei der Bürgerschaft findet, läßt den Wunsch nach einem Supplement aufkommen. Wir bemühen uns, weiteres Bildmaterial zusammenzutragen. Dabei stellt sich die Überzeugung ein, jetzt unkonventionelle Wege zu nehmen und im Hinblick auf das, was sammelwürdige und darstellungsfähige Ansicht ist, eigene Auslegungen zu finden.

Somit kann selbstredend das vielfältigste Bildgut verwandt werden. Das gereicht dem Unternehmen zu einem weiteren Vorteil; denn, nicht nur das, was in monumentalem Gestein und anderem Werkstoff ins Auge fallen muß, auch Kleinkunst aus Archiven wird angezogen, um Ansichten von Gelnhausen zu prägen. All die kleinen Wertmesser, Syrnbole und Spiegelbilder des reichsstädtischen Selbstverständnisses sind es, die auf das Gelnhäuser Umland wirken und die in der Reflexion - soweit sie eingefangen werden kann - dem Leser und Betrachter die Mühe lohnen sollen. Das Typische der Barbarossastadt tritt in vielen Einzelheiten des Baugefüges hervor. Die Generallinie des Gründungsziels bleibt auch nach den schweren Zerstörungen des 17. Jahrhunderts erkennbar.

So ist auch der Schatz alter Ansichten neu zu belich-

ten, den seit 1880 Mitglieder des zu dieser Zeit gegründeten örtlichen Geschichtsvereins einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.

Gelnhausen, als freie Reichsstadt, war dereinst ein Stand des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Die Stadterhebungsurkunde von 1170 unterstellte das neue Gemeinwesen unmittelbar dem Kaiser. Die Stadt erhielt Souveränitätsrechte, die vom eigenen Grund und Boden bis hin zum selbständigen Stadtgericht bestanden. Der 'nova villa' wurden Privilegien verbrieft, so für den Handel ihrer Kaufleute auf Zollfreiheit in den Reichsstädten, so für das Erbrecht und anderes mehr. Diese Freiheiten und Rechte bewirkten, daß die Stadt es anderen Reichsstädten gleichtat und das Epitheton 'frei' im Namen trug.

Die Reichsstandschaft entsprang der Reichsverbundenheit, die die Stadtgemeinde dem deutschen Königtum immer wieder bewies. Als selbständige Rechtspersönlichkeit erhielt die Stadt, dem dritten Stande zugewiesen, Sitz und Stimme im Reichstag. Ihre Verpfändung war Ausfluß des Reichsstandes und betraf eigentlich nur ihre Reichsabgaben. Doch die Tatsache, daß das deutsche Königtum seine Erblande ausbaute und nach 1489 einträgliche Interessen in Ubersee-

gebieten verfolgte, zögerte die Wiedereinlösung Gelnhausens lange hinaus. So lang immerhin, bis, bedingt durch die Maßgaben des Reichsdeputationshauptschlusses 1803, das formelle Ende der Eigenständigkeit verfügt und alle Erwartungen in Richtung auf das alte Herkommen zu den Akten gelegt werden mußten.

Die Folge von Bildnachweisen hat Bedacht zu nehmen auf Landschaft, Gruppe, Einzelperson oder -objekt und den Ausschnitt, wobei keine Zerrissenheit der Sammlung, ein sogenanntes Kreuz und Quer, hingenommen werden kann.

Den großen Söhnen der Stadt, die, wie Grimmelshausen und Reis, mit Erzählkunst und Erfindergabe weltweite Bedeutung haben, gilt ein Gedenken. Es ist die Bemerkung mit einem Lächeln nicht abgetan, daß die Wärme eines Gelnhäuser Backofens dem jeweiligen Genius förderlich war; des einen wie des andern Vorfahr ist ein zünftiger Bäckermeister gewesen, In den Tenor der Lobreden des Gelnhäuser Backwerks stimmt auch Brentano ein.

Die Stadt ist als kulturelles Zentrum mit Archiv, Bibliothek und öffentlicher Ausleihe in den Vordergrund gerückt und stillt so den Wissensdurst von Tau-

senden von Schülern, die täglich hier anreisen. Zwar sind die musikalischen und theatralischen Unternehmungen im Stadtbereich an Zahl weniger geworden. Aber, das seit Jahrzehnten angestrebte Gymnasium besteht.

In alten Ansichten, das ist, Gelnhausens ansichtig sein wie auch festzustellen, wann und wie Ansichten über Gelnhausen verbreitet werden. Was heißt alt? Sollen wir der antiquarischen Praxis folgen, die besagt, daß alt ist, was mindestens hundert Jahre besteht? Ist alt, was gestern war, wie der Bau der Kasernen; ist hier zum Beispiel der Umgang mit Altstoffen, Rohprodukten fernzuhalten, obgleich die Mitarbeiter der Firma Schrott-Müller täglich Ansichten zu alten Objekten Gelnhausens äußern? Sind wir wirklich geneigt, in die Fülle alter Ansichten zu fliehen und nicht denen gleichermaßen auf die Finger zu schaun, die uns im Traumland wissen, während unsere nächste Umwelt, unsere und der Kinder Zukunft, verdorben wird?

Der Autor bekennt, daß er sich bei den Altmeistern der Stadtgeschichte wie Kreuter, Frey, Schmerbach und Schreiber Rat holte. Insbesondere ist er vielen Bewahrern von Gelnhäuser Bildern für mannigfache Hilfen dankbar.

1. Vom Westen nähern wir uns der Stadt, der unsere Aufmerksamkeit, bezogen auf eine Vielzahl von Ansichten, Eindrücken, beim Weiterblättern gilt. Auf der Kinzigstraße haben wir uns dem Postwagen anvertraut. Unsere Zeit wird man, Viktor von Scheffel folgend, das Biedermeier nennen. Bei der Neuen Herberge in Lieblos haben wir den Vorspann gewechselt und von den Gästen Abschied genommen, die ins Büdingische weiterreisen. Auf der Kunstbahn, die der Marschall Kellermann in den Jahren 1808 bis 1810 anlegen ließ, rattert die Kutsche über das Kopfsteinpflaster; Kinzigmühle, Lieblos und Roth zurücklassend. Vom Sommerberg herab begrüßt uns aus den Wingerten die Gelnhäuser Warte.

2. Die südlichen Randhöhen des Büdinger Waldes sind uns mit Kälbchen, Ringwolf und Mühlbachskopf ganz nah. Bei der Lohmühle geschäftiges Treiben, Kaum, daß einer aufsehen und winken mag. Jetzt ist die Stadt greifbar nah. Vor den mächtigen Bergrücken der Dürich und der Heinrichshöh hebt sich das Weichbild Gelnhausens ab. Über der bunten Vielfalt alter und neuer Dacheindeckungen weisen die Türme St. Mariens in den Himmel; als Wahrzeichen der Stadt beachtet und empfunden als in Stein gefaßtes Gebet.

3. Im Westen Gelnhausens, über der in manchen Jahrhunderten stark als Heerstraße benutzten Handelsroute Frankfurt-Leipzig, stand der Wartturm einst auf kahler Höhe. Er war als Beobachtungs- und Signalturm ein weit vorgeschobener Posten der Landwehr vor dem Röthertor. Im Jahre 1747 beschrieb ihn ein Wetterauischer Geograph als auf dem Weinberg (Neuer Berg) nach Hanau zu stehenden wart-Thurm, bey welchem man den Dom in Frankfurt sehen kann. Nach Hufnagel ist der Wartturm um 1900 ein Aussichtspunkt im Stadtwald, den der Verschönerungsverein durch einen Wegweiser wieder erschließt. Den Standort über dem Neuen Berg hat die Natur aus der Kultursteppe zurückgenommen und bis heute unter den Schutz der Bäume gestellt.

4. Im Jahre 1897, als noch die meisten Weinberge instand gehalten wurden, feierten viele Familien ihre Lese im Kreis der Helfer, noch bevor das städtische Winzerfest alle in seinen Bann zog. Die lohnende Arbeit in den Wingerten, ob sie den Reben selbst und dem Mutterboden, den Pfählen, den Kamrnerlatten, Trockenmauern der Schilde und Fanggräben des Regenwassers galt, war Anlaß der Freude. Wenn nur die Trauben gediehen und die Ernte gut eingebracht war! Die Böller, Plunderbüchsen und Schrotflinten der Weinbergschützen wehrten nicht mehr die Vögel ab; mit Knall und Pulverdampf gaben sie Musikern und Tanzpaaren zum Erntedank Bescheid.

5. Von allen Weinseligen Gelnhausens war und ist St. Urban der älteste ... Der Weinheilige Urban, im Heimatschrifttum von Daniel Haas und Philipp Kreis 'des heilich Orwanesi' genannt, ist nach dem Schaftloch in der Standfläche eine Tragfigur für Prozessionen, Das mittelalterliche Schnitzwerk aus Lindenholz stellt Papst Urban I. mit Tiara dar. Die weiteren Attribute wie Kreuzesstab und Buch sind durch langen Gebrauch verschollen. Zur Lese wurde das Orwanesi in alle Wemlagen getragen. Für den Festzug stifteten die Winzer ein prächtiges Gewand, dazu als Ehrengaben Weinlaub und Traube.

6. Wenn heute landauf, landab der hausgemachte Witz neben der überregional verbindlichen Glosse ein Ventil im jährlichen Büttenzauber des Karnevals kennt, dann ist das größtenteils eine Fügung des demokratischen Selbstverständnisses von der Freiheit der Rede. Ein staatlich garantiertes Grundrecht, das- es früher nicht gab. Wohin also rnit dem überschäumenden Mutterwitz, den das leichte Blut der Kinder einer Winzerstadt allzeit sprudelnd gebar? Der war nicht leicht zu kanalisieren! Ein Mann, der für Gelnhausen maßgerechten Humor lieferte, war Franz Ickes (1864-1948), Bürstenfabrikant, wohnhaft in der Petersiliengasse. Alljährlich an Fastnacht ließ er eine 'Kreppelzeitung' in Druck gehen, die Gelnhäuser Komik verbreiten half.

7. Mit der Luftfahrt hat Gelnhausen seit Anbeginn enge Berührungspunkte. So gilt es, ein Andenken dem Flugpionier Heinrich Kalbfleisch (*1897) und dem deutschen Meister des Kunstfhigs, Herbert Greb (*1927), zu bewahren. Am 7. Juni 1939 stürzte ein Bomber des Typs Heinkel111 mitten in die Stadt und vernichtete die Häuser 'Am Platz'. Seit 1951 ist auf den Kinzigwiesen der Flugsport erneut mit gutem Aufwind tätig geworden. Unsere Aufnahme des Luftschiffs 'Schwaben' entstand 1909, als der Zeppelin während eines von Frankfurt ausgehenden Passagierrundflugs über Gelnhausen zum Rückflug abschwenkte.

8. Gelnhausen war schon seit 1911 bemüht, Garnisonstadt zu werden. Der Preußische Militärfiskus beschied den Antrag des Magistrats vom 02.05. abschlägig. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Garnison Wirklichkeit. Im Oktober 1936 fand die Einweihungsfeier statt; die Panzerjägerabteilung 9 bezog hier ihren Standort. Vor der Flur von Ringwolf und Kälbchen erhoben sich nach und nach die Kasernengebäude. Ein Teich war durch Stau natürlich rinnenden Bergwassers gebildet worden. Dieses Oberflächenwasser diente - die örtliche Quellwasserleitung entlastend - als Brauchwasser zur Fahrzeugreinigung, indem es künstlich gehoben und unter Druck gesetzt werden konnte.

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