Gelnhausen in der Großeltern Zeit in alten Ansichten

Gelnhausen in der Großeltern Zeit in alten Ansichten

Auteur
:   Gerhard Blumenröder
Gemeente
:   Gelnhausen in der Großeltern Zeit
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4816-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Gelnhausen in der Großeltern Zeit in alten Ansichten'

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6. Die Familien- und Firmengeschichte Seligmann Henoch Scheuer Manufakturwaren erwähnt eine ernste Frau, klein von Statur, doch sehr energisch, wenn von Frau Minna geborene FIörsheim (18421913) berichtet wird.

In Höchst im Odenwald hatte ihre Wiege gestanden. Der kurhessische Mautaufseher Conrad Italiander schätzte sie; sie erhob den Binnenzoll bei der Ziegelhäuser Kinzigbrücke. Über dieses mit Gewissenhaftigkeit und Großmut ausgeübte öffentliche Amt kamen Würde und Beinamen 'der Brückeferscht' zuerst für den Gatten Seligmann Henoch in Gebrauch. Später ist die Bezeichnung auf Generationen von Haushaltsvorständen im Schrecke'schen Gehöft auf der Ziegelhausseite angewandt worden.

Frau Minna hatte mit der Familie im Anbau des Brückenhauses, später Steinweg genannt, gewohnt. Darüber hat Lehrer Meier Strauss ein Lied verfaßt, das heute noch gesungen wird. Es beschreibt den Gängeler Scheuer zu einer Zeit, die den Beginn seines Handels mit Manufakturwaren als ein Wandergewerbe anspricht, wobei der Refrain 'bommeldiebomm' den im Marschieren faßbaren Trommelschlag trefflich anrührt: Der Brückeferscht, der is gescheit, bommeldiebomm, der lecht des annern all beiseit, bommeldiebomm, un schafft sich Bommelhemder oa, bommeldiebomm, doa hoat er sei Profitche droa, bommeldiebomm.

Zwei Verse noch, dann wird die erste Strophe wiederholt.

7. Jean Bergeon (1842-1909) war wie sein Vater Carl Eduard einer der Unternehmer, die das brasilianische Urwaldprodukt Kautschuk in den medizinisch-technischen Dienst der Menschheit zu stellen wußten. Durch die Bergeons gelangte die Gummifabrikation, die sie 1869 in Frankfurt-Sachsenhausen begonnen hatten, bei Gelnhausen in das Kinzigtal, Hier erwarben sie die Neumühle und bauten sie zur Gummifabrik um.

Als Carl Eduard 1898 starb, blühte sein Lebenswerk mit den Vereinigten Berlin-Frankfurter Gummiwarenfabriken AG weiter, während Sohn Jean seit 1878 die von ihnen eigenständig entwickelte Stempelherstellung betrieb, insbesondere für Dekorationsstempel als den wertvollen Hilfsmitteln der Porzellan-, Steingut-und Glashersteller .

Das Unternehmen besteht noch heute am Untermarkt 3. Inzwischen von der vierten Generation geführt, trägt es noch immer den Namen des Gründers.

8. Das Gelnhäuser Werk der Veritas Gummiwerke AG, die von 1886 bis 1929 als Vereinigte BerlinFrankfurter Gummiwarenfabriken AG firmierten, entstand in einer Zeit, da außer der Holzberechtigung im Büdinger Wald 'dem geringen Mann', wie Kantor Hufnagel in seinem Gelnhausen-Buch kurz vor dem Ableben in 1899 schrieb, 'wenige oder gar keine Erwerbsquellen geboten waren.'

1899 - noch vor dem Brand - entstand unter Direktor Eduard Brendie (1849-1910) ein Betriebsfoto, auf dem nahezu dreihundert Werksangehörige abgebildet sind. Direktor Brendie ist inmitten der Frauen und Männer sitzend markiert; sein Nachfolger Carl Poppe (1869-1956) war mit dem Sohn ebenfalls anwesend. Wenn alte Werksangehörige den Versuch unternehmen, die abgebildeten Personen zu identifizieren, sprechen sie Familiennamen aus, die heute noch in der Stadt und in den Ortsteilen Haitz, Höchst, Hailer, Meerholz und Roth vorkommen.

Die Tatsache zeugt von der Einflußnahme der Gummi-Industrie auf den heimisehen Stellenmarkt. Und wie kam es zur 'Veritas'? fragen viele Leute. Die Firmenchronik gibt Auskunft. Mit Rücksicht auf internationale Märkte insbesondere des ehemals im Königreich Böhmen angesiedelten Werks zu Grottau, das nach dem Ersten Weltkrieg in der tschechischen Republik lag, wurde 1929 die werkseigene Schutzmarke Veritas zum neutralen Firmennamen gewählt, der heute noch Gütezeichen und Firmensignet.

9. Am 20. Oktober 1899 brach in der Mischkammer der Vereinigten Berlin-Frankfurter Gummiwarenfabriken AG, Werk Gelnhausen, durch Selbstentzündung ein Schadensfeuer aus. Vom starken Ostwind dieses Tages angetrieben, fiel ihm der größte Teil der Gebäude und Maschinen anheim.

Unverzüglich leitete Direktor Eduard Brendie den Wiederaufbau. Davon zeugt ein Situationsfoto. Direktor Brendie steht mit Prinz-Heinrich-Mütze oben auf den Stahlträgern. Seine Kinder ElIa, die nachmalige Frau Meles (1883-1943) und Eduard (Jahrgang 1884, er fiel1914) sind auf der schiefen Ebene am Fuß des Gerüsts zu erblicken. Auch Carl Poppe, der bislang als Generalagent in London mit eigenem Office das Auslandsgeschäft zu wachsenden Umsätzen geführt hatte, ist in Gelnhausen tätig geworden und steht rechts im Bild am Fuß des Gerüsts.

Im Jahre 1900 wurde unter Notdächern produziert. 1901 stand ein neues modernes Werk an der Kinzig, das seine gehobene Leistungsfähigkeit auf dem Markt unter Beweis stellen konnte.

10. Das Gründungsmitglied des Gelnhäuser Ortsvereins der Sozialdemokratischen Partei (SPD), August Kemmerzehl (1854-1948), ist hier im 66. Lebensjahr wiedergegeben. Er stammte aus Kühndorf Kreis Schleusingen im Regierungsbezirk Erfurt.

Kemmerzehl hatte Schuhmacher gelernt und die Meisterprüfung abgelegt. Die Familienlegende berichtet, daß er zwecks Entwicklung des sogenannten deutschen Jagdstiefels in Gummi um 1888 nach Gelnhausen kam und in der Kautschukindustrie zu arbeiten begann. August Kemmerzehl war einer der ersten Sozialdemokraten am Ort.

Die Partei genas zu Anfang wenig Ansehen. Weder beim Mittelstand der Handwerker und Detailhändler, noch bei Standespersonen und Vertretern der Geldaristokratie besaß sie Gönner. Carl Fürst zu Isenburg-Birstein z.B. erkannte die 'sociale Gefahr', die vom zerrütteten Bauernstand und den Verhältnissen der Arbeitermassen ausging und verfaßte mehrere aufrüttelnde christlich orientierte Schriften. Bei der Audienz der Arbeitgebervertreter vom 16. Mai 1889 vor Seiner Majestät dem Kaiser, hatte der ihnen ans Herz gelegt, ihre Organe in Zukunft in möglichst naher Fühlung mit den Arbeitern zu halten und ihnen Gelegenheit zu geben, ihre Wünsche zu formulieren.

Kemmerzehl forderte die Fühlungnahme unerbittlich ein. Nach Jahren des Ringens strebte er die Selbständigkeit in seinem Handwerk an, errichtete in den Unteren Haitzer Gasse 24 aus zwei kleinen Anwesen das Eigenheim. Er verwirklichte sich damit ein Ideal der Sozialdemokraten seiner Zeit. Zwei Generationen von Schuhmachermeistern haben nach ihm hier gewirkt.

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