Gelnhausen in der Großeltern Zeit in alten Ansichten

Gelnhausen in der Großeltern Zeit in alten Ansichten

Auteur
:   Gerhard Blumenröder
Gemeente
:   Gelnhausen in der Großeltern Zeit
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4816-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Gelnhausen in der Großeltern Zeit in alten Ansichten'

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11. Im 19. Jahrhundert hat Gelnhausen, begünstigt durch seine Wärmelage und seine mittelalterlichen Baudenkmäler, viele Bildungsreisende angezogen: Dichter wie Gottlieb Ferdinand Maximilian genannt Max von Schenkendorf und Clemens Brentano, Maler wie Ludwig Emil Grimm und Karl Weyßer aus Durlach, der badische Spitzweg, Baumeister wie Helfrich Bernhard Hundeshagen und Carl Arnd und - Standespersonen! Ihre Durchlaucht, Marie Prinzessin zu Ysenburg Prinzessin Reuss Ältere Linie, versandte zum Jahreswechsel 1900/01 eine Fotografie von der Rast beim Gelnhäuser 'Paradies' als Drucksache, frankiert mit einem 2-Pfennig-Wertzeichen der Reichspost. Das Bild ist ein Ausschnitt, der uns eine Neuheit des Massenverkehrs vor Augen führt, nämlich das Tourenrad.

Vor der Jahrhundertwende ist aus der Gummibranche Gelnhausens überliefert, daß das Reisen auf schlauchbereiften Fahrrädern zum Inbegriff der Vornehmheit geworden war und mit den Marken Veritas, Rapid und Doria diesbezügliche Geschäfte einsetzten.

12. Der Werkmeister Jakob Leonhardt (1869-1964) erreichte ein sehr hohes Alter. Ihm und Frau Katharin a (1864-1964) war es vom Schicksal gegönnt, alle Ehejubiläen bis zur Gnadenhochzeit zu begehen. Die Familien der drei Kinder: Anna verehelichte Krauspe (1895-1984), Adolf (1898-1983) und Else vermählte Balzuweit (1902) führten solche Anlässe immer wieder in der Vaterstadt zusammen, wo Adolf im Elternhaus bleibend, ein Friseurgeschäft mit seiner Gattin führte.

Vertreter der Vereine und der städtischen Körperschaften ehrten Jakob Leonhardt; denn er war bürgernahen Idealen in Jahrzehnten treu geblieben. Als ein demokratisch und sozial gesonnener Fürsprecher gerechter Lebensverhältnisse erhielt er 1961 den Ehrenbrief der SPD zur siebzigjährigen Mitgliedschaft. Der Turnverein Gelnhausen (TVG) ernannte ihn im selben Jahr zum Ehrenmitglied. Im Sport und in der Politik ruhten die Säulen seiner öffentlichen Regsamkeit; privat züchtete er Rosen.

Der frühe Tod des Vaters und die herben Anforderungen in der Frühzeit der Industrialisierung gaben die Basen seines Strebens ab. Ein von ihm in den heute Veritas genannten Gummiwerken mitverantworteter Streik trug den Verlust des Arbeitsplatzes ein, so daß er für den Rest des Erwerbslebens zwischen dem Wohnort Gelnhausen und der Arbeitsstätte in Frankfurt am Main mit der Bahn fuhr.

Jakob Leonhardt erwarb das Haus Langgasse 21 und überlebte darin auch schwersten Artilleriebeschuß am Ende des Zweiten Weltkriegs, Unbelastet vom Ideengut des Nationalsozialismus blieb er lange Zeit an der Wiege unserer demokratischen Ordnungen ein erfahrener Berater seiner Parteifreunde.

13. Nachdem der Verschönerungsverein von 1861 am Mittwoch, den 14. März 1906, im Saal der 'Hoffnung' unter 'reg er Beteiligung aus allen Teilen der Bürgerschaft' in einen modernen Verkehrsverein umgebildet werden konnte, befaßte sich der neue Vorstand: Ehrenvorsitzender Bürgermeister Schöffer, 1. und 2. Vorsitzender Ph. Stock und A. Sonnenmayer, 1. und 2. Schriftführer Lehrer Schreiner und Rechtsanwalt Dr. jur. Faber, Kassierer H. Voit mit dem Programm. Der erste Punkt galt der Stiftung eines Schiller-Denkmals, der zweite griff das Anliegen des Stadtrechtsjubiläums auf.

Im Kreis-Blatt ist uns Näheres überliefert worden: Zum Gedenken an den 25. Juli 1170 will der Verkehrsverein, da 1870 wegen des Krieges nicht gefeiert werden konnte, jährlich das sogenannte Stadtfest begehen.

Am Sonntag, den 29. Juli 1906, ist das 'Stadtfest' erstmals mit 'Doppelconcert, Lampionbeleuchtung, Lokalfestspiel, Restauration in der Schießhalle mit Ausschank Gelnhäuser Weines' gefeiert worden. Wie für alle Zeiten geplant, stand Barbarossa im Mittelpunkt des Lokalfestspiels, dieses Mal unter dem Motto 'Kaiser Barbarossa bricht mit großem Gefolge zur Jagd auf'. Das Lokalfestspiel hat danach leider keine Fortsetzung erlebt.

Als Alternativveranstaltung organisierte der damalige Oberpostassistent Hans Gudjons (1875-1958) von 1909 an als Mitgründer der patriotischen 'Jungwehr Gelnhausen' Kriegsgeschichtsbilder. Er führte auch das jährliche Frühlingsfest ein und scharte einen Laienspielerkreis um sich.

14. Jean Christanz (1871-1950), genannt 'Borjemaanster vo de Juddegaß', übte den Beruf des Bürstenmachers aus. Dieser Handwerkszweig war zu Gelnhausen in der Großeltern Zeit häufig anzutreffen. Wohnung und Werkstatt Christanzens befanden sich im Haus Nr. 6 der Judengasse.

Im Jahre 1906 bemühte sich eine Bürgerbewegung mit Erfolg, die als diskriminierend empfundene Ghettobezeichnung zu ändern. Lehrer Meier Strauss stellte sich und den Mitbürgern die Überlegung vor, daß der Dichter des Gockelmärchens, Clemens Brentano, der 'Gockel, Hinkel und Gackeleia' in und um Gelnhausen ansiedelte, eine Ehrung erfahren müsse. Ein Straßenname wäre wohl geeignet für den Zweck. Wie Ernst Kraushaar in 'Alte Gelnhäuser erzählen' berichtet hat, sammelte der Lehrer des israelitischen Religionsunterrichts Unterschriften und sprach bei einem Bewohner der Judengasse vor: 'Wir wolle die Straß umtaufe lasse', und ergänzend fügte er hinzu, er habe einen schönen Namen, 'Brentanostraße'.

Da meinte der angesprochene Mitbürger humorvoll: 'Ei, is dann der gute Brentano aach en Judd?' 'Nu, Sie mache awwer Sache,' meinte der Judenlehrer darauf. Ernst hat mir am 7. Dezember 1985 gesagt: 'Schreib's uff, es war Jean Christanz, der's gesoacht hot, ewe de Borjemaanster vo de Juddegaß.'

15. 'Die Glocken kommen!' Mit dieser Überschrift wurde ein freudiges Ereignis am 6. Mai 1909 im 'Blättchen' angekündigt. Der Berichterstatter der seit 1919 unter dem Titel 'Gelnhäuser Tageblatt' im Verlag von Friedrich Wilhelm Kalbfleisch (1865-1946) gedruckten Heimatzeitung, die seit 1833 als 'Wöchentliches Unterhaltungsblatt' bezogen werden konnte, schrieb: 'Endlich geht der langgehegte Wunsch in Erfüllung. Die Glocken werden aus der Schilling'schen Glockengießerei in Apolda nächste Woche hier eintreffen. '

Drei Glocken wurden sorgsam und in feierlichem Geleit bei der Bahn abgeholt. Die Anschaffungskosten waren von der evangelischen Marienkirchengemeinde lang angespart worden. Die 'Commission zur Einsammlung der freiwilligen Beiträge für die Restauration der Gelnhäuser Kirche' hatte am 10. Juli 1877 den Einwohnern für die Beiträge zur Renovierung des Gotteshauses gedankt, wobei die Beauftragten C.H. Schöffer senior und Metropolitan Manns neue Bedürfnisse mit dem Bemerken 'ein schönes Geläute ist die Zierde jeder Stadt' ankündigten.

Am 13. Mai 1909 kamen drei neue Glocken per Reichsbahn zur Auslieferung. Im Kriegsjahr 1916 wurden zwei 'gemustert'. Die Friedensglocke durfte belassen bleiben und eine Sehnsucht nähren.

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