Gelnhausen in der Großeltern Zeit in alten Ansichten

Gelnhausen in der Großeltern Zeit in alten Ansichten

Auteur
:   Gerhard Blumenröder
Gemeente
:   Gelnhausen in der Großeltern Zeit
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4816-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Gelnhausen in der Großeltern Zeit in alten Ansichten'

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16. Die Kriegserklärung des Deutschen Reiches an Rußland infolge des Mordes am österreichischen Thronfolgerpaar und der auf Veranlassung des Zaren Nikolaus Il. behinderten Untersuchung des Kriminalfalles, erfolgte in Brudertreue zu Österreich-Ungarn am 1. August 1914. Die Erklärung an Frankreich am 3. August 1914, löste eine Kettenreaktion aus und ließ Großbritannien, die USA usf. in das Geschehen eingreifen. Genau besehen waren die französische Ordre de départ en couverture vom 30. Juli 1914 und der russische Gesamtmobilmachungsbeginn, 26. Juli 1914, vorausgegangen.

Deutschland schritt wohl etwas überrascht zu den kriegerischen Vorbereitungen, die in Gelnhausen mit einer Militärmusik der 81er aus Frankfurt, begleitet von Ehrenjungfrauen, Volksfeststimmung auslösten.

Sich der Ereignisse erinnernd hatte der ehemalige englische Premierminister Lloyd George in seiner Rede, veröffentlicht in der Times vom 23. Dezember 1920, gesagt, 'daß keiner der Männer, die an leitender Stelle standen, den Krieg in diesem Augenblick wollte; sie taumelten oder stolperten wie mit Blindheit geschlagen hinein' .

Für die Lokalgeschichte lieferte Hanna König im Jahrbuch Zwischen Vogelsberg und Spessart 1989 Meinungen aus der Bevölkerung in den folgenschweren Tagen des 'Augusts 14': 'Wenn das Laub fällt, ist der Krieg aus.' Damit traf sie das Anliegen der Allgemeinheit.

17. Wilhelm Scharek (1879-1961) gehörte in der Großeltern Zeit zu dem Dutzend Gelnhäuser, die bekanntermaßen in überseeischen Gebieten tätig gewesen waren.

Von individuellen Erlebnissen geprägt, verfolgten die Weitgereisten, in die Heimat zurückgekehrt, unterschiedliche Ziele. Einige Herren gründeten Firmen, betätigten sich als Geschäftsleute, z.B. Georg Berk, Otto Körner, Jakob Frenie-Menninger, Oscar Wettig, Johann Heinrich Zipf; andere befaßten sich mit politischen Programmen, so z.B. Wilhelm Salzmann und Wilhelm Scharck.

Scharek wurde Nationalsozialist. Das war eigenartig, nicht einzigartig; das hatte seine Gründe. Gedient hatte er bei der 2. Kompanie des Hessischen Jägerbataillons Nr. 11 in Marburg, 1898 bis 1900. Als Freiwilliger der ostasiatischen Jägerkompanie trat er mit 228 Kameraden und 5 Offizieren am 7. September 1900 die Reise nach China an. Da er sich in Asien als Berufssoldat verpflichtet hatte, erhielt er nach seiner Rückkehr in 1902 eine Stelle als Vizefeldwebel beim Infanterieregiment 118 in Worms. Für angehende Militäranwärter (Anwartschaft auf eine zivile Verwaltungsstelle etc.) bot sich auch die Möglichkeit, als Kolonialbeamter Dienst zu tun. Wilhelm Scharek entschloß sich für den Auslandsdienst.

Von 1907 an arbeitete er als Zollassistent in Lome, Togo. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs stand Scharek im Patrouillengefecht von Tschetti 1914 französischen Einheiten gegenüber, wurde verwundet und gefangen genommen.

Hans Grimm hat in seinem Buch 'Der Ölsucher von Duala' das Gefangenenlager zu Abomey im französischen Dahomey beschrieben. Die Leiden der inhaftierten deutschen Techniker, Pflanzer, Missionare, Kaufherren und Beamten sind heimlich von Kersten Dürings, dem Ölsucher, notiert worden. Dürings fand neben anderen dort den Tod. Aber die Mitgefangenen retteten das Material. Der Stationsassistent Scharck, der 1917 über die Schweiz ausgetauscht wurde, ist darin benannt worden, so daß seine spätere Haltung dem Einsichtigen verständlich erscheinen muß.

18. Wie so viele Weltkriegsteilnehmer 1914-1918 kehrte auch Josef Blumenbach (1885-1943) in das zivile Leben mit der Hoffnung zurück, daß die Menschheit aus der Sinnlosigkeit der durchlittenen Materialschlachten gelernt habe. Am Mobilmachungstag 1914 nach Schöneberg einberufen, wurde er der Kraftfahrzeug-Kolonne Nr. 53 zugeteilt. Er überlebte die Kampfhandlungen in Galizien, vor Verdun, an der Marne und wie im Foto ersichtlich 1917 in Flandern.

Als Unteroffizier und Träger des Eisernen Kreuzes beider Klassen wurde er gemäß SoldatenratsVerfügung am 30. November 1918 vom Militärdienst entlassen. Für die Sozialdemokraten warb er bei Umzügen mit erhobener Faust für die Ziele der Arbeiter allgemein, nämlich den 8-Stunden-Tag und den Maifeiertag. 'Mai-Josef hieß er darum im Städtchen.

Insoweit war Josef Blumenbach ein Idealist; denn seinen Feierabend hätte er sich als Selbständiger eigens verordnen können. Blumenbach hatte Kaufmann in der Branche für technische Öle und Fette gelernt. 1911 trat er in das kgl.-preuß. Kraftfahr-Bataillon zu Schöneberg ein. Er nutzte alle Möglichkeiten der Fortbildung und wurde Fahrlehrer. Seine erste Frau Rosa geborene Bing starb 1918 an der grassierenden Grippe. Sie hinterließ ihm den sechsjährigen Fritz. Die zweite Ehe ging Josef Blumenbach rnit der Witwe seines Weltkriegskameraden Siegfried Moritz ein; Frau Paula (1890-1956) brachte Adolf (1913) mit in die Gemeinschaft. Nach dem Umbau des Elternhauses in der Röthergasse 10 richtete Blumenbach hier eine Kraftfahrzeugwerkstatt ein und ließ eine Tankstelle installieren.

Noch während des Genesungsurlaubs in 1917 erwarb er zwecks Geschäftserweiterung nach dem Krieg das Anwesen Hailerer Straße 1 von dem Tierartzt Dr. Knauf. Josef Blumenbach wurde von den Nationalsozialisten mehrfach schwer mißhandelt und schließlich gezwungen, seine beruflichen Ziele mit Partner Heinrich Hempel und seine politische Ideale am Ort aufzugeben. 1933 verzog er mit den Seinen nach Mannheim, wo er als Fahrlehrer den Neubeginn wagte, bevor 1938 die Auswanderung nach USA gelang.

19. In Gelnhausen unvergessen: Der 'Gewaltige' - Johann Heinrich Zipf (1861-1937), Spenglermeister. 1880 folgte er dem Ruf der nach USA ausgewanderten Schwester Louise, die mal jemand von daheim sehen und sprechen wollte. Zipf regelte die Formalitäten, nachher muß er auf dem Heimweg vom Rathaus zum Symeren (die Mutter war eine Abig) die Brieftasche verloren haben. Elisabeth Nießner fand dieselbe und sah nach, ob sie wohl den Eigentümer kenne. Johann Heinrich hatte den Verlust gar nicht bemerkt. Als Elisabeth auf ihn zuging, das Gefundene zu erstatten, sah er sie an, streichelte ihr die Wange und sagte: 'Daß es so was gibt, so ein ehrliches Mädchen! Wenn ich von Amerika zurückkomme, heirate ich Dich.'

Wie das Leben so spielt: Zipf fand in Pittsburg keine Arbeit. Die dem jungen Handwerker aus Deutschland trotz aller Bescheidenheit unvorstellbaren Nöte erkrankter und entlassener Arbeiterinnen und Arbeiter in den Staaten mochte er nicht ansehen noch teilen. 1881 fuhr er wieder heim. Er lernte unterwegs den Glasbläser Alois Böhm kennen, einen Lausitzer Spezialisten, der einige Zeit in Schweden gearbeitet hatte. Beide gründeten in Gelnhausen nahe bei der oberhessischen Bahnlinie am Weiher eine Thermoskannen-Fabrik.

Frau Maria Machens geborene Hanselmann (1905) trat 1921 als sechzehnjähriges Mädchen in die Firma Zipf & Böhm ein und arbeitete bis zum Jahr 1933 in der auf Export von Wärmehaltekannen spezialisierten Firma, die in dieser Zeit erlosch. Lachend erinnert sie sich des Reims, den der Volksmund von der gefährlichen Arbeit mit Blech, Glas, Asbest und Quecksilber gemacht hatte. 'Da drunne am Weiher, da steht e Fabrik, die gehört em Gewaltige! - em gewaltige Zipp. Bumms tut's en Schlach un dann kimmt er gekroche: Wer hoat mer schon widder e Flasche zerbroche?'

Die Zipfs hatten sechs Kinder. August und Heinrich dienten bereits im Feld, da meldete sich der siebzehnjährige Philipp als Kriegsfreiwilliger. Zu der Zeit enstand unsere Aufnahme der Eltern mit Philipp und den Schwestern Louise, Dina und Susanne. Philipp kam im Osten zum Einsatz, Seit der ersten Feindberührung führte ihn seine Einheit als vermißt.

20. Schon zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde Gelnhausen Lazarettstadt. Damals kam Dr. med. Hermann Schaum, von schwerer Verwundung genesen, als Leiter des Sanitätswesens in unsere Stadt. Wie im Bild ersichtlich, wurde auch das Gebäude der ehemaligen Elektrischen Fabrik vom preußischen Militärfiskus angemietet. Heute leben ja nur noch die Kinder und Verwandten der Bürgerstöchter, die dem Vaterländischen Frauenverein des Roten Kreuzes angehörten, so z.B. Luise Kuper geborene Baumann (1925) und Fritz Blumenbach alias Fred Brooks (1912). Ihre Tante und seine Mutter, die Frauen betreuten im Ersten Weltkrieg Verwundete wie die Hilfsschwestern Elisabeth Hühn, Henny und Martha Strauss oder Tilly Trebstein.

Rosa Blumenbach nahm sogar ihren kleinen Fritz mit, wenn sie den Kriegsverletzten Briefe vorlas oder nach Hause schrieb, tröstende Aussprachen und Lesestunden anhand guter Literatur übernahm.

Manche Ehe begann mit Fürsorge und Freundlichkeiten am Krankenbett, so lernten beispielsweise Dina Zipf, die spätere Frau Hiller, und Dina Schaffrath, die nachmalige Frau Schwerdt, den Gatten als Verwundeten kennen. Das Reservelazarett I Gelnhausen in der Altenhaßlauer Straße 14 ist später wieder Industrieanlage geworden, zunächst für das Feuertonwerk Sirius und ab 1930 nach der Eigenturnsübertragung aus dem Vermögen von Wilhelm Köbig & Genossen in Mainz, Standort der Gebrüder Horst Gummiwarenfabrik GmbH & Co .. Hans Schuh, der über vierzig Jahre beruflich mit der Firma Horst verbunden war, hat zur Firmengesehichte im Gelnhäuser Tageblatt anläßlich des 50jährigen Firmenjubiläums im April 1975 berichtet.

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