Gelnhausen in der Großeltern Zeit in alten Ansichten

Gelnhausen in der Großeltern Zeit in alten Ansichten

Auteur
:   Gerhard Blumenröder
Gemeente
:   Gelnhausen in der Großeltern Zeit
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4816-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Gelnhausen in der Großeltern Zeit in alten Ansichten'

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Çelnhausen

Xriegsjahr 1915 Reservelazarett J.

21. Im Kriegsjahr 1917 traten Versorgungsnöte auf, die das Leben der Zivilbevölkerung unsicher werden ließen. Das Anstehen um die nach Lebensmittelmarken zubemessenen Brotrationen wurde bald eine alltägliche Notwendigkeit für Frauen und Kinder, ganz so, wie es unsere zeitgeschichtliche Aufnahme vor der Bäckerei Schneider in der Oberen Haitzer Gasse 21 belegt.

Hanna König hat im Jahrbuch Zwischen Vogelsberg und Spessart 1989 berichtet, daß Rinden und Buchenknospen, getrocknet und gemahlen, dem Brotmehl beigemischt worden sind. Offizielle kreisamtliche Mehlbestimmungen machten nach den Verhältnissen die verminderten Weizenanteile im sogenannten Weißmehl ständig bekannt. Brotstreckungen mit Kartoffeln kamen zu Anfang November 1918 in Gebrauch. Die Lieferanten hatten ihre Not, die zulässigen Mengen an Kartoffeln zu beschaffen. Viele Bäcker haben Versuche unternommen, regelrecht laboriert, damit ihnen ein nicht all zu feuchtes Erzeugnis gelang.

22. In den ersten Novembertagen 1918 wurden im Westen die deutschen Truppen eilends hinter die Antwerpen-Maas-Linie zurückgenommen. In gedeckten Güterwagen der Reichsbahn und mit Pferdegetrappel und Räderknarren auf den Straßen fluteten viele bespannte Einheiten in die Heimat zurück, nachdem während den Waffenstillstandsverhandlungen am 31. Dezember 1918 die Demobilmachung des deutschen Heeres und die Auflösung des Landsturms angeordnet worden waren. Heimatforseher Adolf Seibig, der es erlebte, berichtete im Jahrbuch Zwischen Vogelsberg und Spessart 1989, daß der Kreis Gelnhausen für viele der in Auflösung begriffenen Einheiten die Endstation war:

Nicht mehr weiter auf der alten Straße, sondern durch das Ziegelhaus nach der Schönau hin, wo zwischen Sandhohle und Höchst ein riesiger Park von Kriegsfahrzeugen entstand, vor allem Bagagewagen, die man später noch jahrelang in den Dörfern sah; auch Kartuschen und Geschütze waren abgestellt.

Mitautorin Hanna König hat uns dazu erzählt, wie die Soldatengäule nach dem Heeresdienst in die Landwirtschaft vermittelt und dort gepflegt und eingesetzt worden sind,

23. Isidor Büttner (1865-1957) hatte Dreher gelernt. Geboren in Unterelsbach an der fränkischen Saale, kam er über Fürth i. Bay. als Arbeitssuchender nach Hessen. In Gelnhausen stellte ihn Veritasdirektor Brendie ein und hatte für den kinderreichen Mann noch ein Zubrot mit Arbeiten bei der Villa Alte Leipziger Straße 40 zu bieten.

Für die Sozialdemokraten war Büttner unter anderem Stadtverordneter, Mitglied des Gewerbegerichts. Arbeitslosigkeit traf ihn, der in zwei Ehen Ernährer für elf Kinder wurde, oft und hart.

Am 12. November 1918 bildete sich in Gelnhausen nach bayerischem Vorbild ein Arbeiter- und Soldatenrat, dessen Beauftragte z.B. die geordnete Lebensmittelausgabe überwachen, Ausschreitungen und Plünderungen verhindern und die Auflösung von Heeresteilen überwachen sollten. Auch die Störung der staatlichen Neuordnung durch 'konterrevolutionäre Elemente' in den Ämtern galt es, zu vereiteln.

Isidor Büttner fiel das Postressort zu. Post-'Direktor' Büttner, nicht lange im Amt, machte angesichts aufwendiger Ordnungs- und Sicherheitsvorgaben die Äußerung: 'Hier hilft nur Polver on Bley!'

Siebzig Jahre später werden viele sogenannte Entrümpelungen verfügt; vermutlich schwebte Büttner dergleichen damals schon vor. Für die Familie erwarb er das Anwesen Kirchgasse 8, wo er bis an sein Lebensende wohnte.

24. Ein düsteres Kapitel der europäischen Völkerfamilie ist in den Tagen des Novembers 1918 geschrieben worden. Es machte sich im Gelnhausen der Großelternzeit durch die Eingliederung von Vertriebenen und Aussiedlern bemerkbar. Entgegen dem Vorfriedensvertragvom 5. November 1918, der die deutsche Regierung annehmen ließ, daß die Alliierten 'sich auf den Boden der Kundgebungen des (US- )Präsidenten Wilson stellen' würden, wies der Staatssekretär des Auswärtigen Dr. Solf-Berlin nach Prüfung der vom französischen Marschall Foch im Wald von Compiègne übergebenen Waffenstillstandsbedingungen auf den Gegensatz zu Wilsons Bemühungen hin.

Er kündigte an, daß die Änderungen 'den Hungertod von Millionen bedeuteten und im deutschen Volke das Gegenteil der Gesinnung erzeugen würden, die eine Voraussetzung für den neuen Aufbau der Völkergemeinschaft bilde'. Staatssekretär Erzberger sah sich veranlaßt, anläßlich der Verhandlungen in Trier, 12. und 13. Dezember 1918, Marschall Foch auf die unberechtigten Verschärfungen aufmerksam zu machen, so unter anderem: 'Entgegen Artikel 6 (des Waffenstillstandsvertrags) seien in Elsaß-Lothringen Einwohner fortgeführt, ausgewiesen und an ihrem Eigentum geschädigt worden'. Die Stadt Gelnhausen nahm in der Folge etliche Familien auf und im Kreisgebiet wurden Lettgenbrunn und Villbach vornehmlich mit Lothringern wieder besiedelt.

Für sie alle stellvertretend berichten wir von der Familie des Bergmannes Ernst Fink aus St. Privat in Lothringen, die sich im gewerblichen Leben mit dem Verkauf von Manufakturwaren etablierte. Im Bild sind Frau Emilie geborene Zahn (1898-1987) und Verkäuferin Amanda Geimer nebst Harry im Jahre 1921 vor dem Schauladen des Vorbesitzers Sonn zu sehen.

25. Die Feierlichkeiten zu Friedrich Schillers 100jährigem Todestag am 9. Mai 1905 waren im deutschen Sprachraum mit großer Hingabe ausgerichtet worden. In Gelnhausen hatten sich Schulen, Vereine und Magistrat mit dem Ereignis befaßt. Im Verschönerungsverein von 1861 war eine Gliederung entstanden, die sich Schiller-Cornitée nannte.

Am 14. März 1906 erklärte Comitée-Mitglied Philipp Stock im Saal der 'Hoffnung' unter anderem: 'Das vergangene Jahr mit der Schillerfeier hat den Wunsch nach einem modernen Verkehrsverein laut werden lassen, zuerst, um Schiller ein Denkmal zu stiften.'

Über Veranstaltungseintritte ließ sich ein Teil der Mittel beschaffen. Am Sonntag, den 3. Juni 1906, fand bereits die Einweihung des 'Schillerstein' gen. Denkmals statt. Die Gela-Kapelle spielte. Dr. jur, Faber vom Schiller-Comitée hielt die Einweihungsansprache. Fräulein Anna Kalbfleisch deklamierte 'Das Lied von der Glocke'. Der Gesangverein Liederkranz erfreute mit zwei Liedvorträgen. Unter der Leitung von Herrn Sonnenmayer flammte bei Einbruch der Dunkelheit ein kleines Feuerwerk auf und der Platz des Steins wurde bengalisch beleuchtet.

1920 gingen Else Linick (1914) und ihr Cousin Ernst Pfifferling aus Lauterbach mit den Eltern den üblich gewordenen Sonntagsspaziergang zum 'Schillerstein' , wobei dieses Erinnerungsfoto entstand, auf dem das Waldesrauschen eingefangen erscheint.

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